5. Prozesstag am Do., 30.09.2010 - Peterhans - Neumann

Rechtlicher Hinweis:

Anonymisierungsangebot


Jede der in diesem Artikel mit vollem Namen genannte Person, die eine Anonymisierung wünscht, möge sich bitte auf dem kurzen Dienstweg mit den Seitenbetreibern in Verbindung setzen.

Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.


Die Zeugin Fr. Peterhans vom LKA-BW mit ihrer "3-D-Rekonstruktion"


An diesem Verhandlungstag wurde die angekündigte 3-D-Rekonstruktion durch Frau Peterhans vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg präsentiert.

Hierbei kam es zu einer besonderen Kuriosität, welcher der Aufklärung nicht unbedingt dienlich war.

Wurde zuvor noch immer bei Fragen, die der Zeuge Neumann nicht beantworten konnte, auf diese 3-D-Rekonstruktion verwiesen, sollte sich dieses während des 5. Prozesstages nun umgekehren. Die 37jährige technische Beamtin des LKA , Frau Peterhans, erklärte, dass sie nur für den technischen Teil zuständig gewesen sei und bei weitergehenden Fragen der Herr Neumann besser Bescheid wisse.

Und weiter Frau Peterhans vom LKA:
Bei dieser 3-D-Rekonstruktion seien die Vermessungs- und Spurensicherungserkenntnisse in Winnenden und Wendlingen sowie Tatortskizzen und Fotos verwendet worden.

Es wären die Schussbahnberechnungen von Herrn Liebscher, BKA, verwendet worden.

Die Beamtin erklärte die Technik des Laserscanners, der um 360 Grad rotiert und währenddessen 500.000 Punkte misst, dieser wird dann an mehrere Standpunkte gestellt und die Bilder miteinander verknüpft, so dass ein Raumeindruck entsteht.

Es seien 40 Scans aus der Schule und 57 aus Wendlingen verwendet worden, die Vermessung habe 2 Tage und die Auswertung 2 Monate gedauert.

Zusätzlich hatte die Beamtin Pläne dabei: Grundriss ARS, Autohaus Hahn und die Strassenzüge Wendlingen.

Es handele sich bei der Rekonstruktion um Einzelbilder, nicht um einen Film.
Es sei eine Power-Point-Präsentation.

Dann ging es los:

Vom Laptop der Frau Peterhans wurden diese Bilder auf die Leinwand projiziert.

Leider erwies sich die groß angekündigte „3-D-Präsentation“ für die Darstellung eines Tathergangs als vollkommen unbrauchbar. Sie erfüllte die geweckten Erwartungen nicht einmal ansatzweise.


Frau Peterhans vom LKA präsentierte dem Gericht nur einige Bilder, die nicht nur viel zu klein, sondern auch noch zu kurz angezeigt wurden. Erkennbar waren lediglich einige eingezeichnete Schussbahnen aus der ARS sowie die unterschiedlich farbig gekennzeichneten getroffenen, verletzten und unverletzten Schüler.

Genauer erklärt wurde dazu aber nichts, sondern stattdessen zu den Bildern aus den Klassenräumen immer wieder der Grundriss der ARS dazwischengeschaltet, was die Erfassung zusätzlich erschwerte. Neu war allerdings nichts, denn es wurde einzig und allein jene Darstellung der Polizei wiederholt, wie sie diese innerhalb ihrer Pressemitteilungen veröffentlicht hatte.

Eine 3-D-Rekonstruktion war ebenfalls nicht erkennbar gewesen, das es sich augenscheinlich nur um projizierte Skizzen gehandelt hatte. Abgesehen davon beruhte die parallel erzählte Geschichte zumeist gar nicht auf irgendeiner Vermessung, sondern auf Zeugenaussagen.

Frau Peterhans vom LKA berichtete dem Gericht, dass nur die drei betroffenen Klassenräume und der Flur vermessen worden wären.

Sie gab an, dass der Täter die hintere Treppe hinaufgekommen sein soll, gab allerdings nicht an, worauf sich diese Behauptung stützte.

Und weiter:

Die Winkel und Entfernungen der Schussbahnen habe man vom BKA übernommen.

Winnenden - ARS


Im 1. betroffenen Klassenzimmer 305 habe man 8 Hülsen gefunden.

Bei den Schüssen im Flur auf die Lehrerin Marion Bauer habe es einen Abpraller gegeben, der im Fensterrahmen des Atriums gelandet sei. Sie gab nicht an, wovon das Geschoss abgeprallt sein soll.

Der 2. Schuss ging in die Wand und löste den Rauchmelder aus.
2 Schüsse trafen in die Fenster des Atriums.

Frau Peterhans gab nicht an, wohin diese beiden Schüsse abgefeuert worden sein sollen. Und warum.

Im Raum 301 habe man 20 Hülsen aufgefunden.

NK Tatjana Hahn hat hier eine Frage:
Mein Vater hat sich die Tatortbilder angesehen: Meine Schwester lag als einzige auf dem Boden.
Sie saß hinten rechts. Kann es sein, dass sie noch aufgestanden ist und dann an der Wand heruntergerutscht ist?

Z
Das kann ich nicht beantworten.

Frau Peterhans , die über die hier genannte Rekonstruktion keine Kenntnis besaß, verwies hier auf KOK Neumann.
(Dieser, um es vorwegzunehmen, konnte die Frage auch nicht beantworten und verwies seinerseits auf den Gerichtsmediziner. Diese Frage wurde schlußendlich nie beantwortet ).


Im Flur wurden 30 (!!!) Hülsen aufgefunden.

Der Täter habe 1 mal auf die Polizisten gefeuert, der Einschuss fand sich in der unteren Türe im Glas.

Er habe, als er an Raum 305 vorbei kam, nochmals auf diese Türe geschossen, diese wäre zu diesem Zeitpunkt 56 Grad geöffnet gewesen.

Er sei über die hintere Treppe geflohen.


In der Schule wurden insgesamt 58 Hülsen aufgefunden.

Winnenden- Park


Im Park des ZfP habe laut Frau Peterhans diese „Rekonstruktion“ nicht stattgefunden. (Begründung:) Dort wäre von der Kriminaltechnik Waiblingen vermessen worden.

(Soweit zum Tatort Winnenden einschließlich des Parks, auch wenn letzterer Tatort in der „Präsentation“ aus unverständlichen Gründen nicht thematisiert worden war).

Wendlingen


Diese „Präsentation“ des dritten Tatorts wurde von der LKA-Beamtin Peterhans noch weniger präsentiert.

Sie zeigte eine Übersicht der Wertstraße im IG Wert, auf welcher neben dem Standort des Polizeiwagens an der Ecke des „Luxor“ gegenüber „DPD“ noch einige Schussbahnen zu erkennen waren.

Doch gab es hier eine Überraschung:

Der Täter wurde an einen Ort platziert, von denen zuvor nirgends in den Mitteilungen der Polizei und Staatsanwaltschaft die Rede gewesen war. (Zudem entgegen jeglicher Logik und entgegen den von der polizeilichen Spurendienst festgestellten Spuren; Anmerkung des Verfassers).

Der Täter soll sich nach der von Frau Peterhans dem Gericht gezeigten Skizze bei den Schüssen nun nicht mehr gegenüber des Autohauses Hahn befunden haben, sondern an der hinteren, dem Gehweg zugewandten Ecke des am Straßenrand abgestellten Hängers. Und somit recht nah beim schräg gegenüber abgestellten Polizeiwagen im Kreuzungsbereich.
Die LKA-Beamtin hatte die Begründung für diese Neuigkeit parat: nach dem Winkel des Geschoss-Einschlages in das Kfz-Kennzeichen des Streifenwagens müsse sich der Täter wie angezeigt befunden haben.

(Wie diese ihre Erkenntnis in die bisherige Darstellung der Polizei passen sollte, blieb ungeklärt. Es schien niemandem im Gerichtssaal aufgefallen zu sein).

Autohaus Hahn


Den Tatort Autohaus Hahn, den man laut Frau Peterhans mit aufwändiger Scannertechnik vermessen haben will, wurde von ihr nur durch eine schlichte Grundrissübersicht dargestellt. Das Ergebnis dieses technischen Einsatzes nannte sie allerdings nicht. Der Befund fiel unter den Tisch.

Stattdessen berichtete die LKA-Bamtin von der optisch sichtbaren Spur eines Blutabdruckes des rechten Fußes, welches sich quer durch das Gebäude gezogen haben soll. Der Täter habe seine Opfer erschossen, doch hatte die Polizei hier nun sogar auf der Skizze nicht einmal mehr die Schussbahnen eingezeichnet, so dass dieses Szenario aus unerfindlichen Gründen mehr als vage blieb.

Dann erklärte Frau Peterhans , dass der Täter ungefähr aus der Mitte (!) des Verkaufsraumes nach draußen durch die Scheibe geschossen und außerhalb ein altes Golf Cabrio und einen (weiteren) Polizeiwagen beschädigt haben soll.

Auch dieser Vorgang wurde sehr vage gehalten, Schussbahnen fehlten, die Anzahl der Schüsse wurde nicht genannt, genauso wenig wie die räumlichen Umstände.

Hof der Autohandlung - Parkplatz der Fa. Alu-Ritter


Anschließend erzählte die Beamtin vom LKA , wie der Täter durch den Hinterausgang auf den Hof geflüchtet sei, dort kurz zu den dort befindlichen Containern gegangen sein und schließlich zur Firma „Ritter“ gelangt sein soll.

Was dort genau geschehen sein soll, wurde allerdings nicht dargestellt. Es folgte nur noch ein einziges Bild, welches zudem auch nur kurz gezeigt wurde. Auf diesem waren nur 2 Schussbahnen auf dem Parkplatz der Firma „Ritter“ eingezeichnet. Nur zwei. Frau Peterhans erklärte dazu dem Gericht, dass man nur die rekonstruierbaren Schussbahnen eingezeichnet habe!

(Und dies trotz angeblich modernster Technik und trotz einer Spurenlage, die mit bloßem Auge ein weitaus besseres Ergebnis geliefert hätte. Anmerkung des Verfassers).

Fragen an die Zeugin


RA Gorka:

Der Täter soll ja die Waffe kurz abgelegt haben.
Können Sie uns sagen, wann und wie dies geschehen ist?


Z

Kann ich nicht beantworten, da müsste man die Streife befragen.


RA Gorka :

Also das, was sie uns hier zeigen ist m.E. keine Rekonstruktion, sondern nur eine Teilaufnahme, sozusagen Momentaufnahmen innerhalb des Gesamtablaufs.


NK Kleisch :

Meine Tochter soll von 5 Schüssen getroffen worden sein. Waren dies direkte Schüsse oder Abpraller/Durchschüsse?


Z:

Kann ich nicht beantworten. Da müsste man die Gerichtsmedizin befragen.


RA Kiefer:

Was wurde denn an Patronen/Hülsen im ZfP und Wendlingen erhoben?


Das ZfP wurde von der KT Waiblingen erhoben: Dort gab es 9 Hülsen.

Die Frage nach Wendlingen geht in einer allgemeinen Hektik unter und wird nicht wieder nachgefragt.


Der Zeuge Neumann zu Tims Kleidung, Kriminaltechnik, Beschuldigtenvernehmung des Angeklagten und Chatprotokollen der Jasmin K.

Tims Kleidung


Der Zeuge Neumann beschreibt nun die Kleidung des Tim K, vom 11.03.09, mit der er später aufgefunden wurde:

Tim trug:

1 olivegrüne Herrenjacke Marke Tom Taylor mit 4 Taschen vorne und innen sowie einer Handytasche innen. Keine Beschädigungen. Blut an Schulterbereich, Kragen sowie Ärmel links vorne und hinten.

1 (Farbe nicht mehr entzifferbar) Jeans mit 2 Taschen vorn und 2 Taschen hinten, beide Hosenbeine wiesen im Bereich der Waden einen Defekt auf.

1 Herrenhemd Tom Taylor in anthrazit/rot/weiß gestreift , stark blutbehaftet (!), mit einem 5 cm langen Einriss am rechten Ellenbogen.

1 blaues T-Shirt mit Aufdruck, blutbehaftet (!).



R

Handelt es sich bei dem Aufdruck um einen Brustaufdruck?


Z

Ja, ein Bild mit einem Schriftzug.


R

Gibt es hier einen Tatbezug?


Z

Nein.


R

Die Schuhe wiesen im Fersenbereich auch Blut auf.

Was können Sie uns zu einem Rucksack sagen?


Z

In der Toilette im Erdgeschoss bzw. Hofgeschoss der ARS wurde ein Rucksack Marke „4u“ gefunden.
Er enthielt den Geldbeutel Tims sowie einen VVS-Verbundpass.


R

Die Socken und die Jeans wiesen ja auch Beschädigungen auf.
Konnten Sie hierzu etwas ermitteln?


Z

Die Beschädigungen sind in Einklang zu bringen mit den Schussverletzungen durch PHK Rehm.


R

Wie konnten Sie den Rucksack dem Täter zuordnen?


Z

Auf dem Verbundpass standen Name und Anschrift von Tim K.


R

Wie schwer wäre der Rucksack mit Waffe und Munition gewesen?


Z

Wir haben das getestet mit einer Vergleichswaffe und vergleichbarer Menge Munition und kamen auf 4241 g.


R

Gab es da noch etwas zu einem weiteren Kleidungsstück?


Z

Ja, eine schwarze Jacke.
Es gab Aussagen über eine schwarze Jacke.
Die schwarze Jacke wurde im Hause Kretschmer nicht aufgefunden.
Wir fanden sie schließlich beim Hausmeister des Lessing – Gymnasiums.
Ein DNA-Abgleich erbrachte Tims DNA an der Jacke.
Es handelt sich hierbei um die Jacke von Tim K, welche Rolle sie bei der Tat spielte, blieb allerdings unklar.


Kriminaltechnische Untersuchungen


R

Die Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchungen werden später im Prozess noch eingeführt.
Aber an dieser Stelle können Sie uns schon mal einen Überblick geben.
Was wurde denn hinsichtlich der Munition erhoben?


Z

An einer Patronenhülse im ZfP Winnenden fand sich eine vollständige DNA von Tim K.

Bei 4 Hülsen im OG der ARS handelt es sich um Mischspuren mit Opferblut.

Auf einer Hülse im Flur der ARS fand sich die DNA eines Polizeibeamten, der diese gesichert hatte.

Alle anderen ergaben nicht auswertbare Ergebnisse.


Auf dem Patronenständer der Schachtel in Wendlingen fanden sich Mischspuren von 2-3 Personen mit Ausprägungen sowohl von Tim als auch von Jörg K. Insgesamt nicht auswertbar.

Am Stahlschrank und am Tresor wurden die Griffe, Schlüssel und Ziffernfelder ausgewertet:
Hier gab es Abweichungen zu den Nachermittlungen: Es wurde keine vollständige DNA von Tim gefunden.


R

Und was wurde zur Pistole erhoben?

Z

Es wird hier unterschieden zwischen Kontaktspuren (kurzer Kontakt) und Gebrauchsspuren (längerer Kontakt):

Bei den Kontaktspuren fand sich nur DNA von Tim K.

Bei den Gebrauchsspuren fand sich:
4 mal Voll-DNA Tim
2 mal Voll-DNA Tim 1 mal Voll-DNA Jörg K.
6 mal Voll-DNA Tim zusätzliche Beimischungen mit Merkmalen teilweise von Jörg K., dies ist nicht zweifelsfrei zu klären. Es wird auf das entsprechende Gutachten verwiesen.


Fragen an den Zeugen


R

Gibt es Fragen zu diesen Spurenerhebungen?


RA Kalagi hat Fragen zur 3D-Rekonstruktion und tut leichte Zweifel kund, ob die Anzahl von nur 8 Hülsen in Raum 305 deckungsgleich zu bringen ist mit den abgegebenen Schüssen.

Z (schaut in die Akten):

Ja, 8 Hülsen wurden dort vorgefunden.


Der OSTA schaltet sich ein (zu Kalagi ) :

Welche Erkenntnisse haben Sie denn?


RA Kalagi :

Ich habe Zweifel wegen der Opferzahlen und der Treffer mit nur 8 Schüssen.


STA Hanss (neunmalklug, arrogant):

Es können ja auch mehrere durch ein Geschoss verletzt werden.


OSTA (genervt):

Sie müssen ja auch nicht die Hülsen mit den Treffern, sondern die Projektile mit den Hülsen in Einklang bringen.


So niedergebügelt fragt RA Kalagi nicht weiter.


RA Krächel :

Was ist denn zum Tascheninhalt des Tim K. bekannt?


Z

Das kann ich nicht beantworten und muss auf die Akte der Kriminaltechnik Esslingen verweisen.
Wir haben 2 Magazine gefunden. Eines in der Waffe und eines bei der Leiche.

(Einschub des Verfassers: Jörg Kretschmer hatte angegeben, dass sich das 2. Magazin der Beretta in seiner Sporttasche befunden hätte. Dort wurde es aber nicht vorgefunden. Es wurde überhaupt nicht gefunden und ist erstaunlicherweise bis zum heutigen Tag verschwunden. Die Herkunft des Reservemagazins, welches bei der Leiche von Tim K. gefunden worden sein soll, wurde - ebenfalls erstaunlicherweise - nicht ermittelt. Thematisiert wurde dies nicht.)


RA Krächel :

Mit welcher Munition waren diese Magazine geladen?


Der Z verweist wieder auf die KT Esslingen.


RA Krächel :

An wie vielen Patronen fand sich denn die DNA von Jörg K.?


R

An keiner, nur am Patronenständer.


RA Krächel

Was ist ein Patronenständer?


Z

Ein Plastikschlitten in der Schachtel.


Die Beschuldigtenvernehmung des Jörg K.


Diese wurde am 24.03.2009 in der PD Waiblingen durchgeführt.

Anwesend waren der Angeklagte, eine Schreibkraft, RA Bächle, STAin Hanss, KOK Mann, KOK Neumann.

Die Schwerpunkte lagen auf den Themen Persönlichkeit Jörg K., Persönlichkeit Tim K., Werdegang, Tagesablauf am 11.03.09, TT-Vereine, Weinsberg, Waffe Schiessen, Finanzen Tim.

In meiner Zusammenfassung dessen, was der R. verliest, beschränke ich mich hier auf die wesentlichen Dinge:

Die Fa. wurde 1982 gegründet.
Teilhaber waren Fr. Rosemarie Lorenz , Jörg K., Jürgen Zeisel.
1984 schied Fr. Lorenz aus.
1991 schied Herr Zeisel aus und Jörg K. wurde alleiniger Inhaber und Geschäftsführer.
Standort war damals noch in Bittenfeld.
1998 zog man nach Affalterbach um und erweiterte sich somit auf eine Fläche von 2000qm.
Die Fa. beschäftigt 9 Festangestellte und 80 Aushilfen.
1998 musste sich Jörg K. einer Bypass-OP unterziehen.
Bis letztes Jahr ging es der Fa. gut, dann musste Kurzarbeit angemeldet werden.
2004 erkrankte Ute K. an Brustkrebs, es folgte eine OP und eine Kur.
Dies wird als sehr schwierige Zeit und enorme Belastung geschildert.
Während der Abwesenheit seiner Frau beschäftigte man eine Haushaltshilfe, deren Namen Jörg K. nicht mehr weiß.
Über Tims Umgang sagt J.K. aus, dass Tim mit Gleichaltrigen nichts anfangen konnte, er hätte ältere Freunde gehabt.
Von festen Kumpels sei ihm nichts bekannt.
Es gab wohl einige Freunde aus der Nachbarschaft und 2 Brüder aus dem TT-Verein, Sascha und Marcel Weber. Dieser Kontakt verlor sich allerdings 2005.
Das Verhältnis zu seiner Schwester sei normal gewesen – Tim und Jasmin hätten kaum Streit gehabt.
J.K. habe seinem Sohn nie Vorschriften gemacht.
Mit 15 habe Tim mit dem Pokerspielen begonnen und seit ca. 1 Jahr würde montags einmal monatlich in der Fa. gepokert. Mit dabei sei der Steffen Baader gewesen, der einen Freund mitgebracht habe (allerdings nur 3 mal) sowie Mitarbeiter der Fa. und J.K. selbst.
Tim bekam 30,- Euro TG auf sein Konto, sowie 80,- Euro Essengeld/Monat.
Auf die Frage, woher die 5000,- Euro stammen könnten, die in Tims Zimmer gefunden wurden, antwortete J.K., dass er dem Tim 2000,- Euro zur Aufbewahrung gegeben hatte. Den Rest habe er sich vermutlich zusammengespart aus Spielprämien und Geldgeschenken zu Geburtstagen und Festen.
Tim habe keine Freundin gehabt, J.K. wisse aber, dass er sich 2007/2008 für ein Mädchen aus der Nachbarschaft interessiert hatte, die Tim öfter angerufen habe. J.K. wollte da nicht weiter nachbohren. Er wisse nur, dass der Familienname Klein und der Vater Polizist in Winnenden sei.

Die Vernehmung wird unterbrochen und am 03.04.2009 fortgesetzt.

Der R. fragt nun nochmals die Einverständniserklärungen der Beteiligten dazu ab, die Aussagen der am Vortag vorgetragenen Personen per Verlesung in den Prozess einzuführen.

Hier stand noch die Entscheidung der Verteidigung aus.

RA Gorka gibt sein Einverständnis.

D.h. er ist damit einverstanden, dass die Tatort-Zeugen nicht selbst aussagen müssen, sondern nur deren poliz. Vernehmung verlesen wird.
(Verfasser: Hiermit beraubt sich die Verteidigung selbst der Möglichkeit, die Zeugen befragen zu können).

RA Gorka beantragt weiterhin, diese Aussagen im Selbstleseverfahren (!) einzuführen
(Verfasser: Bedeutet: auch die Öffentlichkeit bekommt sie nicht zu hören, sondern jeder Beteiligte liest sie sich sozusagen selbst.

Den endgültigen Beschluss fällt die Kammer demnächst.

Es geht weiter mit der Verlesung der Beschuldigtenvernehmung des Jörg K.

Der Wecker von Jörg K. klingelt um 06:30 Uhr. Seine regelmäßige Aufstehzeit.
Zwischen 07:30 und 07:45 verläßt er üblicherweise das Haus.
Nach dem Aufstehen habe er sich am 11.03. ca. 10 Min. im Kellerraum aufgehalten, wo die Tresore stehen.
Dann sei er hoch ins Schlafzimmer gegangen, wo er sich angezogen habe: eine Jeans und einen Pullover, den er aus dem Schrank genommen habe.
Seine Frau sei noch im Bett gewesen.
Danach ging er ins EG, wo er sich längere Zeit aufhielt. Um ca. 07:45 habe er das Haus verlassen.
Er nahm dann seinen Mercedes CLS aus der Garage und fuhr damit zur Firma.
Von Weiler nach Affalterbach brauche man ca. 7 Minuten.
Auf die Frage, ob an diesem Morgen etwas Besonderes gewesen sei, sagte J.K. es sei alles normal gewesen.
Es seien schon seit 07:00 Mitarbeiter in der Fa. gewesen.
Tim habe er an diesem Morgen nicht gesehen.
Er sei auf jeden Fall vor 8 Uhr in der Fa. gewesen.
J.K. wird auf einen Widerspruch durch die Aussage von Ute K. hingewiesen:
Diese habe ausgesagt, sie sei um 07:00 Uhr aufgestanden, da sei ihr Mann bereits weg gewesen.
J.K. kann sich dies nicht erklären.

Es wird gefragt, ob man unten in der Werkstatt höre, wenn jemand das Haus verlässt.
Ja, der Hauseingang sei direkt oberhalb.
Er habe nicht gehört, dass jemand das Haus verlassen habe.
Nachdem er im Kellerraum war, sei J.K. ins Bad im OG gegangen, wo er ca. 5-10 Minuten verbrachte.
Es gebe nur dieses eine Bad im OG, das von allen genutzt wurde.
Er habe auch zuvor niemanden im Bad wahrgenommen.
Als er den Keller verlies, seien alle Waffenschränke zu gewesen.
Gefragt nach einem Schulrucksack Tims sagte er, Tim habe einen Rucksack „Eastpack“ genutzt.
Es wird ihm ein Bild des aufgefundenen Rucksacks gezeigt.
J.K. sagt, er gehöre Tim.
Ob es auch die Marke 4u hätte sein können?
J.K. bejaht.
Aufbewahrt wurde dieser Rucksack am Hauseingang beim Spiegelschrank.
Ob er ihn am 11.03. dort gesehen habe, wisse er nicht mehr.
Auf die Frage nach Tims Jacken wurde gesagt, dass Tim diese im Hausflur in der Nähe der Küche aufbewahrt hatte, er könne sich aber nicht mehr erinnern, ob diese am 11.03. morgens dort waren.
Auch die Farben von Tims Jacken konnte J.K. nicht genau angeben, er wisse aber, dass es eine dickere Outdoorjacke in grün gab.
J.K. wurde vorgehalten, er habe um 07:03 ein Telefongespräch geführt.
Daran konnte er sich nicht erinnern.
Es sei die Nummer der Fa. gewählt worden.
Dann habe er dort evtl. kurz angerufen. Erinnern könne er sich nicht.
Auf die Frage, wer dort sein gewöhnlicher Ansprechpartner sei, antwortete er mit Fr. Kavalsi, seiner Betriebsleiterin.
In der Fa. habe er zunächst Büroarbeiten erledigt.
Es gebe ein Wohnhaus, welches zur Fa. gehöre. Dort hielt er sich gegen 09:30 auf, um mit einem anwesenden Maler aus Affalterbach (Name nicht mehr erinnerlich), anstehende Malerarbeiten zu besprechen.
Er sei dann wieder ins Büro gegangen. Dort habe man im Radio gehört, dass in Winnenden etwas passiert sei und dass es Tote gebe. Polizeiwagen seien an der Fa. vorbeigefahren.
Es habe dann die Tochter einer Mitarbeiterin, Fr. Wiele, angerufen.
Ihre Mutter möge sofort heimkommen, es sei etwas passiert.

J.K. gab dieser Frau Bescheid und ging wieder ins Büro, wo er im Radio wieder von den Geschehnissen hörte und erneut Polizei wahrnahm, die vorbei rasten.
Zwischen 10 und 10.30 habe seine Frau in der Fa. angerufen und ihn gebeten, den Tim abzuholen, da sie sich Sorgen mache, ihm könnte etwas zustoßen.
Ca. 10 Minuten später rief sie erneut an und bat ihren Mann sofort nach Hause zu kommen, sie glaube es sei etwas passiert, weil sie in Waiblingen angerufen hatte und Tim nicht in der Schule gewesen sei.
Als J.K. in Weiler ankam, sah er schon ca. 50 bis 100 Polizisten vor dem Haus.

Vernehmung wird unterbrochen, da J.K. in Tränen ausbricht.
Er habe sofort Panik bekommen wegen all der Waffen im Haus.
Unvermittelt stand seine Frau neben ihm.
Er betrat dann zusammen mit Beamten das Haus und stellte im Schlafzimmer fest, dass sowohl die Waffe, als auch das Magazin gefehlt hat.
Danach ging man in den Keller, wo die Tresore überprüft wurden.
Ob die Türen der Schränke offen oder zu waren, sei ihm nicht mehr erinnerlich.
Es sei aber alles an seinem Platz gewesen.
Danach seien er und seine Frau in einem Polizeifahrzeug nach Waiblingen gebracht worden.
(Anm.: Und somit das Haus und die weiteren Durchsuchungskräfte unbeaufsichtigt?)
Jasmin sei noch in der Schule gewesen, wo die Schüler zum Schutz eingeschlossen waren, und wurde telefonisch verständigt. Sie kam dann später auch auf die Polizeidienststelle Waiblingen.
Die Beretta habe J.K. zu seinem Schutz seit 2-3 Jahren im Schlafzimmerschrank versteckt.
Auf dem linken oberen Einlegeboden hinter einem Stapel Pullover, in ein grünes Futteral eingewickelt.
Sie sei nicht geladen und ohne Magazin gewesen, es sei auch keine Patrone in der Kammer gewesen und die Waffe war gesichert.
Das Magazin hatte er mit 10 Patronen in einem Lederhandschuh in der obersten Schublade seines Nachttisches gelagert, die restliche Munition (dieser Sorte im Magazin) bewahrte er in einem Hängeschrank auf. Der Schlüssel sei auch an dem Schrank gewesen.
(Anm.: in dem Hängeschrank wurden 40 * 9mm Patronen gefunden, Sorte nicht genannt).
Am Vortag, 10.03., habe er gegen 0 Uhr nochmals nach der Waffe gegriffen und einen „metallischen Gegenstand“ gespürt. Sie sei also noch da gewesen.
Er habe als Einziger vom Versteck der Waffe gewußt.
Der Rest der Familie habe davon nichts mitbekommen.
Sein Teil des Schrankes sei privat gewesen, Ute K. habe dort nichts ein- oder ausgeräumt.
Es ergibt sich ein Widerspruch zur Aussage von Ute K., die davon berichtet, dass sie hin und wieder dort etwas eingeräumt hatte und Kleider ausmisten wollte.
J.K. sagt, sie hätte das Ausmisten zwar vorgehabt, es aber nie gemacht.
Es wird die Frage gestellt, wieso er denn die Beretta dort versteckt hatte, da er ja mit Revolvern viel lieber schoss, mit der Beretta aber nur 1-2 mal/Jahr.
J.K. gab an, dass ein Revolver viel zu lange dauere, bis er geladen wäre.
Er ginge regelmäßig Dienstags zum Schiessen, jedoch nicht am 10.03., er wollte zwar fahren, hatte sich jedoch kurzfristig umentschlossen.
Als Tim das letzte Mal mit zum Schießen war, ging das Interesse mitzufahren von Tim selbst aus.
In die Sportpistolentasche kamen dann immer die Revolver, die Beretta und ca. 100 Schuss Munition pro Kaliber.
Am Faschingsdienstag 24.02.09 sei Tim das letzte mal mit dabei gewesen, sie hätten dort 1,5 Stunden verbracht. Nach dem Schiessen auch am Stammtisch.
Die Tasche habe er selbst bestückt, Tim sei nicht dabei gewesen.
Eine halbe Stunde vor Abfahrt habe er dann die Beretta geholt und eingepackt.
Es wurde immer eine Sportpistolentasche benutzt, da in Leutenbach nur mit Kurzwaffen geschossen wurde.
Auch seine Frau habe das Holen der Waffe aus dem Schlafzimmer nie mitbekommen.
Zur Beretta existierten 2 Magazine, von denen eines immer ungeladen in der Sportpistolentasche verblieb.
Tim trug zwar hin und wieder die Tasche, aber nie unbeaufsichtigt.
Nach dem Schiessen kamen die Revolver und die Munition wieder in den Tresor, bis auf 10-20 Schuss in angefangenen Packungen. Diese blieben in der Tasche.
Es fand keine Buchführung über Munition statt, so dass ein evtl. Fehlen nicht bemerkt werden konnte.
Tim war beim Einräumen nie anwesend und ebenfalls nicht beim Reinigen der Waffe 2-3 mal im Jahr.
Wie Tim an die viele Munition gekommen sein soll, sei ihm unerklärlich.
Der Code des Tresors sei Tim nicht bekannt gewesen.

Es gebe mehrere Patronenständer.
Die 1000 Schuss S&B Patronen, die im Januar gekauft wurden, seien lose gewesen und wurden in Patronenständer umgesteckt.
J.K. sei das letzte mal alleine schiessen gewesen am Di. vor dem 10.03.
Ob das 2. Beretta-Magazin noch da war in der Tasche, hatte er nicht beachtet.
Es wird nach einem Porsche gefragt, der J.K. gehört, wo sich dieser am 11.03. befand und wieviele Schlüssel es dazu gibt.
Der Porsche befinde sich in einer Garage der Firma, es gäbe 2 Schlüssel (Wohnung, Tresor).
Am 11.03. wäre der Porsche in der Garage der Firma gestanden.
Das gleiche wird über Tims Seat Leon nachgefragt.
Es gebe hier 2 Schlüssel, die beide die Ute K. verwahrt, diese seien alle vorhanden.
Tim sei ca. 5 mal mit dem Seat gefahren, zuletzt ca. 4 Wochen vor der Tat.
Als Mitfahrer gab J.K. sich selbst, Ute K. und seinen Vater (Opa K.) an.
Der Seat stehe in einer Garage am Wohnhaus, da es sich aber um 2 getrennte, nebeneinanderliegende Garagen handelt, sei der Seat für ihn auch am 11.03. nicht sichtbar gewesen.
Die Alarmanlage des Hauses funktioniere mit Kontakten an Türen und Fenstern, sowie Bewegungsmeldern innen. Außen gab es keine Bewegungsmelder, nur fürs Licht.
Der Alarm sei nur akustisch und würde nirgendwo hin gemeldet.
Die Anlage wird von innen mit einem Knopf scharf geschaltet.
Außen gibt es eine Zahlentastatur, auf der man den Code eingeben muss, um ohne Alarm ins Haus zu kommen. Ein rotes Licht würde anzeigen, dass die Anlage scharf ist.
Der Code laute: 12015903 und wäre derselbe wie für den Tresor.
Die letzten Jahre sei die Alarmanlage jedoch überhaupt nicht aktiv gewesen wegen der Katze.
Wenn nicht alle da waren, wurde die Anlage nicht aktiviert. Der Code sei den Kindern nicht bekannt gewesen: wenn die Kinder alleine im Hause waren, wurde die Anlage nicht aktiviert.
J.K. sei sich nun nicht mehr sicher, ob die beiden letzten Stellen 0 und 3 auch für die Alarmanlage galten, oder nur für den Tresor.
Am 11.03. wäre die Anlage nicht scharf gewesen, am Abend zuvor sei er sich nicht sicher.
Ca. 10 Minuten bevor er in die Fa. fuhr, habe er die Anlage deaktiviert.
Man hält J.K. vor, er habe Tim einerseits 2000,- Euro zur Verwahrung gegeben, andererseits aber offenbar so wenig vertraut, dass er ihm den Code nicht verraten hat.
J.K. sagt, er habe keinen Nutzen darin gesehen, den Kindern den Code zu sagen.
Ute K. habe ihn aber gekannt.
Im ZfP wurde ein leerer Brustbeutel gefunden (Bild gezeigt).
J.K. sagt, dass dieser weder ihm noch Tim gehöre.
Ob Tim einen Wecker hatte und selbst aufgestanden ist, oder man ihn wecken musste.
Ja, Tim habe einen Wecker gehabt - auf der Stereoanlage, er sei aber immer selbst aufgestanden, man musste ihn nicht wecken.
Wegen Tims schlechter schulischer Leistungen und Müdigkeit wurde zunächst der Hausarzt konsultiert, dort ging Tim alleine hin und bekam eine Liste von Einrichtungen mit.
Ute K. habe alle abtelefoniert und sei bis auf Weinsberg auf sehr lange Wartezeiten verwiesen worden.
Der Vorstellungstermin dort war am 23.04.08. Die Eltern haben Tim immer begleitet, waren aber bei den Gesprächen hauptsächlich nicht anwesend.
Es lief so ab, dass die ersten 15 Minuten alle drei zusammen beim Gespräch waren, dann war Tim alleine drin und zum Schluß nur die Eltern.
Dass Tim beim 1. Termin angeblich Menschenhass geäußert hatte, wurde nicht bekannt.
Es hieß, es seien weitere Termine nötig.
An den letzten Termin bei Dr. Buhr kann sich J.K. sehr gut erinnern.
Dieser sagte, Tim habe kein Interesse an einer Therapie und gegen seinen Willen habe dies keinen Sinn. Die Probleme würden sich mit der Zeit auswachsen.
Man sei erleichtert gewesen, dass Tim ok sei.
Die STA wirft ein, dass Tim massive psychische Probleme gehabt haben müsse, weil er sogar selbst zum Thema im Internet recherchiert habe. Dies sei doch schon ein ernstzunehmender Hilferuf gewesen.
J.K. entgegnet, man habe das ja ernstgenommen, schließlich habe man ja für Tim die Termine am Klinikum Weissenhof organisiert.
Tim habe auch keine Medikamente genommen, auch keine Muskelaufbaupräperate.
Es habe keine zwingende Erfordernis für Weiteres gegeben, zumal auch vom Klinikum kein Abschlussbericht kam.
Das im ZfP aufgefundene Messer gehöre J.K., es fehle im Werkzeugschrank im Keller.
Man händigt J.K. das Schreiben aus, welches in Tims Tresor gefunden wurde.
Er sagt, es sei von Tim und er habe sich offenbar beim Schreiben große Mühe gegeben.
Zum Inhalt kann er nichts sagen.
Man fragt, ob J.K. einverstanden sei, dass die Spurensicherung nochmal im Hause nachsucht.
Man suche nach einer schwarzen Winterjacke und man wolle Tims Wecker prüfen.
Es besteht Einverständnis.
Dann bricht J.K. in Tränen aus und sagt, es sei ihm alles unerklärlich und nicht zu bewältigen, es tue ihm so schrecklich Leid, was Tim getan habe und dass es seine Waffe war. Es sei ein furchtbarer Albtraum. Er wolle nur noch wegen seiner Tochter Jasmin weiterleben usw.


Während das alles verlesen wird – insbesondere bei sehr emotionalen Passagen – fällt mir auf, dass J.K. auf der Anklagebank keine Regung zeigt. Er wirkt sediert, wie eine Puppe. Käme er nicht hereingelaufen zu Beginn, könnte man ihn für eine Schaufensterpuppe halten.
Keine Tränen. Keine traurige Mimik, regungs- und emotionslos starrt er nach vorne.


RA Gorka

Sind sie heute noch der Auffassung, Tim hätte den Tresorcode gekannt?


Z

Das war damals das Naheliegendste, heute denke ich, es ist eher nicht der Fall.
Es gibt keine Zeugen dafür und es wurde ja auch Munition außerhalb des Tresors aufbewahrt, die Tim sich wohl zusammengesammelt hat.


RA Gorka:

Zum Tresorcode hat sich also Ihre Auffassung geändert. Ist es IHRE Auffassung, die sich geändert hat oder die der STA?


Z

Ich verstehe die Frage nicht.


RA Gorka:

Wessen Auffassung hat sich geändert?


Z

Sämtliche Ermittlungen wurden von der STA geführt…


RA Gorka:

Also damals naheliegend, jetzt nicht mehr…
Gab es keine Hinweise, dass Tim den Code kannte?
Wurden Ihnen nicht durch die Nachermittlungen des LG Stuttgart vom 05.05.10 Anhaltspunkte bekannt?


Z

Nichts bekannt.


RA Gorka:

Das LG Stuttgart, 3. Große Jugendkammer, führt in ihrem Bericht seitenweise erhebliche tatsächliche Anhaltspunkte dafür aus, dass Tim den Code gekannt habe. U.a wird hier der Dennis Röhrich angegeben. Was meinte das Landgericht damit?


Z

Eine Aussage.


RA Gorka:

Von wem?


Z

Dennis Röhrich hatte angegeben, Tim habe ihm eine Waffe gezeigt, aber es blieb unklar, wer den Tresor geöffnet habe.


Gorka bringt ein Zitat der Aussage von Dennis Röhrich vom 12.03.09:

Zitat: In der 8. Klasse zeigt Tim mir seine Softairwaffen und fragt mich, ob ich mal eine richtige Waffe sehen will. Wir gingen dann ins Wohnzimmer oder den Keller, das weiß ich nicht mehr, wo er aus einem Tresor eine Waffe geholt hat. Wie er den aufgemacht hat, weiß ich nicht mehr, ob mit einem Schlüssel oder anders. Was das für eine Waffe war, weiß ich nicht mehr.


Z

Im Keller gibt es noch einen Waffenschrank und einen Blechschrank. Es wird nicht angegeben, aus welchem Schrank die Waffe geholt wurde. Evtl. war das ja auch eine Schreckschusspistole.


R

Der Zeuge Dennis ist ja auch geladen.


RA Gorka:

Dennis spricht ja eindeutig von einem Tresor.


Es kommt zu einer kurzen Kontroverse in die sich auch der OSTA einschaltet, dass dies jetzt Interpretationssache der Aussage ist.

RA Gorka:

Keinesfalls wollte ich jetzt hier die Aussage von Dennis Röhrich einführen.
Mir geht es hier nur darum, dass die polizeilichen Ermittlungen hier mit Auslassungen dargestellt werden, zum Nachteil meines Mandanten. Das gibt mir schwer zu denken.


R

Wir werden ja den Zeugen selbst befragen können.


Rechtlicher Hinweis:

Anonymisierungsangebot



Jede der in diesem Artikel mit vollem Namen genannte Person, die eine Anonymisierung wünscht, möge sich bitte auf dem kurzen Dienstweg mit den Seitenbetreibern in Verbindung setzen.

Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.


Die Zeugin Fr. Peterhans vom LKA-BW mit ihrer "3-D-Rekonstruktion"


An diesem Verhandlungstag wurde die angekündigte 3-D-Rekonstruktion durch Frau Peterhans vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg präsentiert.

Hierbei kam es zu einer besonderen Kuriosität, welcher der Aufklärung nicht unbedingt dienlich war.

Wurde zuvor noch immer bei Fragen, die der Zeuge Neumann nicht beantworten konnte, auf diese 3-D-Rekonstruktion verwiesen, sollte sich dieses während des 5. Prozesstages nun umgekehren. Die 37jährige technische Beamtin des LKA , Frau Peterhans, erklärte, dass sie nur für den technischen Teil zuständig gewesen sei und bei weitergehenden Fragen der Herr Neumann besser Bescheid wisse.

Und weiter Frau Peterhans vom LKA:
Bei dieser 3-D-Rekonstruktion seien die Vermessungs- und Spurensicherungserkenntnisse in Winnenden und Wendlingen sowie Tatortskizzen und Fotos verwendet worden.

Es wären die Schussbahnberechnungen von Herrn Liebscher, BKA, verwendet worden.

Die Beamtin erklärte die Technik des Laserscanners, der um 360 Grad rotiert und währenddessen 500.000 Punkte misst, dieser wird dann an mehrere Standpunkte gestellt und die Bilder miteinander verknüpft, so dass ein Raumeindruck entsteht.

Es seien 40 Scans aus der Schule und 57 aus Wendlingen verwendet worden, die Vermessung habe 2 Tage und die Auswertung 2 Monate gedauert.

Zusätzlich hatte die Beamtin Pläne dabei: Grundriss ARS, Autohaus Hahn und die Strassenzüge Wendlingen.

Es handele sich bei der Rekonstruktion um Einzelbilder, nicht um einen Film.
Es sei eine Power-Point-Präsentation.

Dann ging es los:

Vom Laptop der Frau Peterhans wurden diese Bilder auf die Leinwand projiziert.

Leider erwies sich die groß angekündigte „3-D-Präsentation“ für die Darstellung eines Tathergangs als vollkommen unbrauchbar. Sie erfüllte die geweckten Erwartungen nicht einmal ansatzweise.


Frau Peterhans vom LKA präsentierte dem Gericht nur einige Bilder, die nicht nur viel zu klein, sondern auch noch zu kurz angezeigt wurden. Erkennbar waren lediglich einige eingezeichnete Schussbahnen aus der ARS sowie die unterschiedlich farbig gekennzeichneten getroffenen, verletzten und unverletzten Schüler.

Genauer erklärt wurde dazu aber nichts, sondern stattdessen zu den Bildern aus den Klassenräumen immer wieder der Grundriss der ARS dazwischengeschaltet, was die Erfassung zusätzlich erschwerte. Neu war allerdings nichts, denn es wurde einzig und allein jene Darstellung der Polizei wiederholt, wie sie diese innerhalb ihrer Pressemitteilungen veröffentlicht hatte.

Eine 3-D-Rekonstruktion war ebenfalls nicht erkennbar gewesen, das es sich augenscheinlich nur um projizierte Skizzen gehandelt hatte. Abgesehen davon beruhte die parallel erzählte Geschichte zumeist gar nicht auf irgendeiner Vermessung, sondern auf Zeugenaussagen.

Frau Peterhans vom LKA berichtete dem Gericht, dass nur die drei betroffenen Klassenräume und der Flur vermessen worden wären.

Sie gab an, dass der Täter die hintere Treppe hinaufgekommen sein soll, gab allerdings nicht an, worauf sich diese Behauptung stützte.

Und weiter:

Die Winkel und Entfernungen der Schussbahnen habe man vom BKA übernommen.

Winnenden - ARS


Im 1. betroffenen Klassenzimmer 305 habe man 8 Hülsen gefunden.

Bei den Schüssen im Flur auf die Lehrerin Marion Bauer habe es einen Abpraller gegeben, der im Fensterrahmen des Atriums gelandet sei. Sie gab nicht an, wovon das Geschoss abgeprallt sein soll.

Der 2. Schuss ging in die Wand und löste den Rauchmelder aus.
2 Schüsse trafen in die Fenster des Atriums.

Frau Peterhans gab nicht an, wohin diese beiden Schüsse abgefeuert worden sein sollen. Und warum.

Im Raum 301 habe man 20 Hülsen aufgefunden.

NK Tatjana Hahn hat hier eine Frage:
Mein Vater hat sich die Tatortbilder angesehen: Meine Schwester lag als einzige auf dem Boden.
Sie saß hinten rechts. Kann es sein, dass sie noch aufgestanden ist und dann an der Wand heruntergerutscht ist?

Z
Das kann ich nicht beantworten.

Frau Peterhans , die über die hier genannte Rekonstruktion keine Kenntnis besaß, verwies hier auf KOK Neumann.
(Dieser, um es vorwegzunehmen, konnte die Frage auch nicht beantworten und verwies seinerseits auf den Gerichtsmediziner. Diese Frage wurde schlußendlich nie beantwortet ).


Im Flur wurden 30 (!!!) Hülsen aufgefunden.

Der Täter habe 1 mal auf die Polizisten gefeuert, der Einschuss fand sich in der unteren Türe im Glas.

Er habe, als er an Raum 305 vorbei kam, nochmals auf diese Türe geschossen, diese wäre zu diesem Zeitpunkt 56 Grad geöffnet gewesen.

Er sei über die hintere Treppe geflohen.


In der Schule wurden insgesamt 58 Hülsen aufgefunden.

Winnenden- Park


Im Park des ZfP habe laut Frau Peterhans diese „Rekonstruktion“ nicht stattgefunden. (Begründung:) Dort wäre von der Kriminaltechnik Waiblingen vermessen worden.

(Soweit zum Tatort Winnenden einschließlich des Parks, auch wenn letzterer Tatort in der „Präsentation“ aus unverständlichen Gründen nicht thematisiert worden war).

Wendlingen


Diese „Präsentation“ des dritten Tatorts wurde von der LKA-Beamtin Peterhans noch weniger präsentiert.

Sie zeigte eine Übersicht der Wertstraße im IG Wert, auf welcher neben dem Standort des Polizeiwagens an der Ecke des „Luxor“ gegenüber „DPD“ noch einige Schussbahnen zu erkennen waren.

Doch gab es hier eine Überraschung:

Der Täter wurde an einen Ort platziert, von denen zuvor nirgends in den Mitteilungen der Polizei und Staatsanwaltschaft die Rede gewesen war. (Zudem entgegen jeglicher Logik und entgegen den von der polizeilichen Spurendienst festgestellten Spuren; Anmerkung des Verfassers).

Der Täter soll sich nach der von Frau Peterhans dem Gericht gezeigten Skizze bei den Schüssen nun nicht mehr gegenüber des Autohauses Hahn befunden haben, sondern an der hinteren, dem Gehweg zugewandten Ecke des am Straßenrand abgestellten Hängers. Und somit recht nah beim schräg gegenüber abgestellten Polizeiwagen im Kreuzungsbereich.
Die LKA-Beamtin hatte die Begründung für diese Neuigkeit parat: nach dem Winkel des Geschoss-Einschlages in das Kfz-Kennzeichen des Streifenwagens müsse sich der Täter wie angezeigt befunden haben.

(Wie diese ihre Erkenntnis in die bisherige Darstellung der Polizei passen sollte, blieb ungeklärt. Es schien niemandem im Gerichtssaal aufgefallen zu sein).

Autohaus Hahn


Den Tatort Autohaus Hahn, den man laut Frau Peterhans mit aufwändiger Scannertechnik vermessen haben will, wurde von ihr nur durch eine schlichte Grundrissübersicht dargestellt. Das Ergebnis dieses technischen Einsatzes nannte sie allerdings nicht. Der Befund fiel unter den Tisch.

Stattdessen berichtete die LKA-Bamtin von der optisch sichtbaren Spur eines Blutabdruckes des rechten Fußes, welches sich quer durch das Gebäude gezogen haben soll. Der Täter habe seine Opfer erschossen, doch hatte die Polizei hier nun sogar auf der Skizze nicht einmal mehr die Schussbahnen eingezeichnet, so dass dieses Szenario aus unerfindlichen Gründen mehr als vage blieb.

Dann erklärte Frau Peterhans , dass der Täter ungefähr aus der Mitte (!) des Verkaufsraumes nach draußen durch die Scheibe geschossen und außerhalb ein altes Golf Cabrio und einen (weiteren) Polizeiwagen beschädigt haben soll.

Auch dieser Vorgang wurde sehr vage gehalten, Schussbahnen fehlten, die Anzahl der Schüsse wurde nicht genannt, genauso wenig wie die räumlichen Umstände.

Hof der Autohandlung - Parkplatz der Fa. Alu-Ritter


Anschließend erzählte die Beamtin vom LKA , wie der Täter durch den Hinterausgang auf den Hof geflüchtet sei, dort kurz zu den dort befindlichen Containern gegangen sein und schließlich zur Firma „Ritter“ gelangt sein soll.

Was dort genau geschehen sein soll, wurde allerdings nicht dargestellt. Es folgte nur noch ein einziges Bild, welches zudem auch nur kurz gezeigt wurde. Auf diesem waren nur 2 Schussbahnen auf dem Parkplatz der Firma „Ritter“ eingezeichnet. Nur zwei. Frau Peterhans erklärte dazu dem Gericht, dass man nur die rekonstruierbaren Schussbahnen eingezeichnet habe!

(Und dies trotz angeblich modernster Technik und trotz einer Spurenlage, die mit bloßem Auge ein weitaus besseres Ergebnis geliefert hätte. Anmerkung des Verfassers).

Fragen an die Zeugin


RA Gorka:

Der Täter soll ja die Waffe kurz abgelegt haben.
Können Sie uns sagen, wann und wie dies geschehen ist?


Z

Kann ich nicht beantworten, da müsste man die Streife befragen.


RA Gorka :

Also das, was sie uns hier zeigen ist m.E. keine Rekonstruktion, sondern nur eine Teilaufnahme, sozusagen Momentaufnahmen innerhalb des Gesamtablaufs.


NK Kleisch :

Meine Tochter soll von 5 Schüssen getroffen worden sein. Waren dies direkte Schüsse oder Abpraller/Durchschüsse?


Z:

Kann ich nicht beantworten. Da müsste man die Gerichtsmedizin befragen.


RA Kiefer:

Was wurde denn an Patronen/Hülsen im ZfP und Wendlingen erhoben?


Das ZfP wurde von der KT Waiblingen erhoben: Dort gab es 9 Hülsen.

Die Frage nach Wendlingen geht in einer allgemeinen Hektik unter und wird nicht wieder nachgefragt.


Der Zeuge Neumann zu Tims Kleidung, Kriminaltechnik, Beschuldigtenvernehmung des Angeklagten und Chatprotokollen der Jasmin K.

Tims Kleidung


Der Zeuge Neumann beschreibt nun die Kleidung des Tim K, vom 11.03.09, mit der er später aufgefunden wurde:

Tim trug:

1 olivegrüne Herrenjacke Marke Tom Taylor mit 4 Taschen vorne und innen sowie einer Handytasche innen. Keine Beschädigungen. Blut an Schulterbereich, Kragen sowie Ärmel links vorne und hinten.

1 (Farbe nicht mehr entzifferbar) Jeans mit 2 Taschen vorn und 2 Taschen hinten, beide Hosenbeine wiesen im Bereich der Waden einen Defekt auf.

1 Herrenhemd Tom Taylor in anthrazit/rot/weiß gestreift , stark blutbehaftet (!), mit einem 5 cm langen Einriss am rechten Ellenbogen.

1 blaues T-Shirt mit Aufdruck, blutbehaftet (!).



R

Handelt es sich bei dem Aufdruck um einen Brustaufdruck?


Z

Ja, ein Bild mit einem Schriftzug.


R

Gibt es hier einen Tatbezug?


Z

Nein.


R

Die Schuhe wiesen im Fersenbereich auch Blut auf.

Was können Sie uns zu einem Rucksack sagen?


Z

In der Toilette im Erdgeschoss bzw. Hofgeschoss der ARS wurde ein Rucksack Marke „4u“ gefunden.
Er enthielt den Geldbeutel Tims sowie einen VVS-Verbundpass.


R

Die Socken und die Jeans wiesen ja auch Beschädigungen auf.
Konnten Sie hierzu etwas ermitteln?


Z

Die Beschädigungen sind in Einklang zu bringen mit den Schussverletzungen durch PHK Rehm.


R

Wie konnten Sie den Rucksack dem Täter zuordnen?


Z

Auf dem Verbundpass standen Name und Anschrift von Tim K.


R

Wie schwer wäre der Rucksack mit Waffe und Munition gewesen?


Z

Wir haben das getestet mit einer Vergleichswaffe und vergleichbarer Menge Munition und kamen auf 4241 g.


R

Gab es da noch etwas zu einem weiteren Kleidungsstück?


Z

Ja, eine schwarze Jacke.
Es gab Aussagen über eine schwarze Jacke.
Die schwarze Jacke wurde im Hause Kretschmer nicht aufgefunden.
Wir fanden sie schließlich beim Hausmeister des Lessing – Gymnasiums.
Ein DNA-Abgleich erbrachte Tims DNA an der Jacke.
Es handelt sich hierbei um die Jacke von Tim K, welche Rolle sie bei der Tat spielte, blieb allerdings unklar.


Kriminaltechnische Untersuchungen


R

Die Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchungen werden später im Prozess noch eingeführt.
Aber an dieser Stelle können Sie uns schon mal einen Überblick geben.
Was wurde denn hinsichtlich der Munition erhoben?


Z

An einer Patronenhülse im ZfP Winnenden fand sich eine vollständige DNA von Tim K.

Bei 4 Hülsen im OG der ARS handelt es sich um Mischspuren mit Opferblut.

Auf einer Hülse im Flur der ARS fand sich die DNA eines Polizeibeamten, der diese gesichert hatte.

Alle anderen ergaben nicht auswertbare Ergebnisse.


Auf dem Patronenständer der Schachtel in Wendlingen fanden sich Mischspuren von 2-3 Personen mit Ausprägungen sowohl von Tim als auch von Jörg K. Insgesamt nicht auswertbar.

Am Stahlschrank und am Tresor wurden die Griffe, Schlüssel und Ziffernfelder ausgewertet:
Hier gab es Abweichungen zu den Nachermittlungen: Es wurde keine vollständige DNA von Tim gefunden.


R

Und was wurde zur Pistole erhoben?

Z

Es wird hier unterschieden zwischen Kontaktspuren (kurzer Kontakt) und Gebrauchsspuren (längerer Kontakt):

Bei den Kontaktspuren fand sich nur DNA von Tim K.

Bei den Gebrauchsspuren fand sich:
4 mal Voll-DNA Tim
2 mal Voll-DNA Tim + 1 mal Voll-DNA Jörg K.
6 mal Voll-DNA Tim + zusätzliche Beimischungen mit Merkmalen teilweise von Jörg K., dies ist nicht zweifelsfrei zu klären. Es wird auf das entsprechende Gutachten verwiesen.


Fragen an den Zeugen


R

Gibt es Fragen zu diesen Spurenerhebungen?


RA Kalagi hat Fragen zur 3D-Rekonstruktion und tut leichte Zweifel kund, ob die Anzahl von nur 8 Hülsen in Raum 305 deckungsgleich zu bringen ist mit den abgegebenen Schüssen.

Z (schaut in die Akten):

Ja, 8 Hülsen wurden dort vorgefunden.


Der OSTA schaltet sich ein (zu Kalagi ) :

Welche Erkenntnisse haben Sie denn?


RA Kalagi :

Ich habe Zweifel wegen der Opferzahlen und der Treffer mit nur 8 Schüssen.


STA Hanss (neunmalklug, arrogant):

Es können ja auch mehrere durch ein Geschoss verletzt werden.


OSTA (genervt):

Sie müssen ja auch nicht die Hülsen mit den Treffern, sondern die Projektile mit den Hülsen in Einklang bringen.


So niedergebügelt fragt RA Kalagi nicht weiter.


RA Krächel :

Was ist denn zum Tascheninhalt des Tim K. bekannt?


Z

Das kann ich nicht beantworten und muss auf die Akte der Kriminaltechnik Esslingen verweisen.
Wir haben 2 Magazine gefunden. Eines in der Waffe und eines bei der Leiche.

(Einschub des Verfassers: Jörg Kretschmer hatte angegeben, dass sich das 2. Magazin der Beretta in seiner Sporttasche befunden hätte. Dort wurde es aber nicht vorgefunden. Es wurde überhaupt nicht gefunden und ist erstaunlicherweise bis zum heutigen Tag verschwunden. Die Herkunft des Reservemagazins, welches bei der Leiche von Tim K. gefunden worden sein soll, wurde - ebenfalls erstaunlicherweise - nicht ermittelt. Thematisiert wurde dies nicht.)


RA Krächel :

Mit welcher Munition waren diese Magazine geladen?


Der Z verweist wieder auf die KT Esslingen.


RA Krächel :

An wie vielen Patronen fand sich denn die DNA von Jörg K.?


R

An keiner, nur am Patronenständer.


RA Krächel

Was ist ein Patronenständer?


Z

Ein Plastikschlitten in der Schachtel.


Die Beschuldigtenvernehmung des Jörg K.


Diese wurde am 24.03.2009 in der PD Waiblingen durchgeführt.

Anwesend waren der Angeklagte, eine Schreibkraft, RA Bächle, STAin Hanss, KOK Mann, KOK Neumann.

Die Schwerpunkte lagen auf den Themen Persönlichkeit Jörg K., Persönlichkeit Tim K., Werdegang, Tagesablauf am 11.03.09, TT-Vereine, Weinsberg, Waffe + Schiessen, Finanzen Tim.

In meiner Zusammenfassung dessen, was der R. verliest, beschränke ich mich hier auf die wesentlichen Dinge:

Die Fa. wurde 1982 gegründet.
Teilhaber waren Fr. Rosemarie Lorenz , Jörg K., Jürgen Zeisel.
1984 schied Fr. Lorenz aus.
1991 schied Herr Zeisel aus und Jörg K. wurde alleiniger Inhaber und Geschäftsführer.
Standort war damals noch in Bittenfeld.
1998 zog man nach Affalterbach um und erweiterte sich somit auf eine Fläche von 2000qm.
Die Fa. beschäftigt 9 Festangestellte und 80 Aushilfen.
1998 musste sich Jörg K. einer Bypass-OP unterziehen.
Bis letztes Jahr ging es der Fa. gut, dann musste Kurzarbeit angemeldet werden.
2004 erkrankte Ute K. an Brustkrebs, es folgte eine OP und eine Kur.
Dies wird als sehr schwierige Zeit und enorme Belastung geschildert.
Während der Abwesenheit seiner Frau beschäftigte man eine Haushaltshilfe, deren Namen Jörg K. nicht mehr weiß.
Über Tims Umgang sagt J.K. aus, dass Tim mit Gleichaltrigen nichts anfangen konnte, er hätte ältere Freunde gehabt.
Von festen Kumpels sei ihm nichts bekannt.
Es gab wohl einige Freunde aus der Nachbarschaft und 2 Brüder aus dem TT-Verein, Sascha und Marcel Weber. Dieser Kontakt verlor sich allerdings 2005.
Das Verhältnis zu seiner Schwester sei normal gewesen – Tim und Jasmin hätten kaum Streit gehabt.
J.K. habe seinem Sohn nie Vorschriften gemacht.
Mit 15 habe Tim mit dem Pokerspielen begonnen und seit ca. 1 Jahr würde montags einmal monatlich in der Fa. gepokert. Mit dabei sei der Steffen Baader gewesen, der einen Freund mitgebracht habe (allerdings nur 3 mal) sowie Mitarbeiter der Fa. und J.K. selbst.
Tim bekam 30,- Euro TG auf sein Konto, sowie 80,- Euro Essengeld/Monat.
Auf die Frage, woher die 5000,- Euro stammen könnten, die in Tims Zimmer gefunden wurden, antwortete J.K., dass er dem Tim 2000,- Euro zur Aufbewahrung gegeben hatte. Den Rest habe er sich vermutlich zusammengespart aus Spielprämien und Geldgeschenken zu Geburtstagen und Festen.
Tim habe keine Freundin gehabt, J.K. wisse aber, dass er sich 2007/2008 für ein Mädchen aus der Nachbarschaft interessiert hatte, die Tim öfter angerufen habe. J.K. wollte da nicht weiter nachbohren. Er wisse nur, dass der Familienname Klein und der Vater Polizist in Winnenden sei.

Die Vernehmung wird unterbrochen und am 03.04.2009 fortgesetzt.

Der R. fragt nun nochmals die Einverständniserklärungen der Beteiligten dazu ab, die Aussagen der am Vortag vorgetragenen Personen per Verlesung in den Prozess einzuführen.

Hier stand noch die Entscheidung der Verteidigung aus.

RA Gorka gibt sein Einverständnis.

D.h. er ist damit einverstanden, dass die Tatort-Zeugen nicht selbst aussagen müssen, sondern nur deren poliz. Vernehmung verlesen wird.
(Verfasser: Hiermit beraubt sich die Verteidigung selbst der Möglichkeit, die Zeugen befragen zu können).

RA Gorka beantragt weiterhin, diese Aussagen im Selbstleseverfahren (!) einzuführen
(Verfasser: Bedeutet: auch die Öffentlichkeit bekommt sie nicht zu hören, sondern jeder Beteiligte liest sie sich sozusagen selbst.

Den endgültigen Beschluss fällt die Kammer demnächst.

Es geht weiter mit der Verlesung der Beschuldigtenvernehmung des Jörg K.

Der Wecker von Jörg K. klingelt um 06:30 Uhr. Seine regelmäßige Aufstehzeit.
Zwischen 07:30 und 07:45 verläßt er üblicherweise das Haus.
Nach dem Aufstehen habe er sich am 11.03. ca. 10 Min. im Kellerraum aufgehalten, wo die Tresore stehen.
Dann sei er hoch ins Schlafzimmer gegangen, wo er sich angezogen habe: eine Jeans und einen Pullover, den er aus dem Schrank genommen habe.
Seine Frau sei noch im Bett gewesen.
Danach ging er ins EG, wo er sich längere Zeit aufhielt. Um ca. 07:45 habe er das Haus verlassen.
Er nahm dann seinen Mercedes CLS aus der Garage und fuhr damit zur Firma.
Von Weiler nach Affalterbach brauche man ca. 7 Minuten.
Auf die Frage, ob an diesem Morgen etwas Besonderes gewesen sei, sagte J.K. es sei alles normal gewesen.
Es seien schon seit 07:00 Mitarbeiter in der Fa. gewesen.
Tim habe er an diesem Morgen nicht gesehen.
Er sei auf jeden Fall vor 8 Uhr in der Fa. gewesen.
J.K. wird auf einen Widerspruch durch die Aussage von Ute K. hingewiesen:
Diese habe ausgesagt, sie sei um 07:00 Uhr aufgestanden, da sei ihr Mann bereits weg gewesen.
J.K. kann sich dies nicht erklären.

Es wird gefragt, ob man unten in der Werkstatt höre, wenn jemand das Haus verlässt.
Ja, der Hauseingang sei direkt oberhalb.
Er habe nicht gehört, dass jemand das Haus verlassen habe.
Nachdem er im Kellerraum war, sei J.K. ins Bad im OG gegangen, wo er ca. 5-10 Minuten verbrachte.
Es gebe nur dieses eine Bad im OG, das von allen genutzt wurde.
Er habe auch zuvor niemanden im Bad wahrgenommen.
Als er den Keller verlies, seien alle Waffenschränke zu gewesen.
Gefragt nach einem Schulrucksack Tims sagte er, Tim habe einen Rucksack „Eastpack“ genutzt.
Es wird ihm ein Bild des aufgefundenen Rucksacks gezeigt.
J.K. sagt, er gehöre Tim.
Ob es auch die Marke 4u hätte sein können?
J.K. bejaht.
Aufbewahrt wurde dieser Rucksack am Hauseingang beim Spiegelschrank.
Ob er ihn am 11.03. dort gesehen habe, wisse er nicht mehr.
Auf die Frage nach Tims Jacken wurde gesagt, dass Tim diese im Hausflur in der Nähe der Küche aufbewahrt hatte, er könne sich aber nicht mehr erinnern, ob diese am 11.03. morgens dort waren.
Auch die Farben von Tims Jacken konnte J.K. nicht genau angeben, er wisse aber, dass es eine dickere Outdoorjacke in grün gab.
J.K. wurde vorgehalten, er habe um 07:03 ein Telefongespräch geführt.
Daran konnte er sich nicht erinnern.
Es sei die Nummer der Fa. gewählt worden.
Dann habe er dort evtl. kurz angerufen. Erinnern könne er sich nicht.
Auf die Frage, wer dort sein gewöhnlicher Ansprechpartner sei, antwortete er mit Fr. Kavalsi, seiner Betriebsleiterin.
In der Fa. habe er zunächst Büroarbeiten erledigt.
Es gebe ein Wohnhaus, welches zur Fa. gehöre. Dort hielt er sich gegen 09:30 auf, um mit einem anwesenden Maler aus Affalterbach (Name nicht mehr erinnerlich), anstehende Malerarbeiten zu besprechen.
Er sei dann wieder ins Büro gegangen. Dort habe man im Radio gehört, dass in Winnenden etwas passiert sei und dass es Tote gebe. Polizeiwagen seien an der Fa. vorbeigefahren.
Es habe dann die Tochter einer Mitarbeiterin, Fr. Wiele, angerufen.
Ihre Mutter möge sofort heimkommen, es sei etwas passiert.

J.K. gab dieser Frau Bescheid und ging wieder ins Büro, wo er im Radio wieder von den Geschehnissen hörte und erneut Polizei wahrnahm, die vorbei rasten.
Zwischen 10 und 10.30 habe seine Frau in der Fa. angerufen und ihn gebeten, den Tim abzuholen, da sie sich Sorgen mache, ihm könnte etwas zustoßen.
Ca. 10 Minuten später rief sie erneut an und bat ihren Mann sofort nach Hause zu kommen, sie glaube es sei etwas passiert, weil sie in Waiblingen angerufen hatte und Tim nicht in der Schule gewesen sei.
Als J.K. in Weiler ankam, sah er schon ca. 50 bis 100 Polizisten vor dem Haus.

Vernehmung wird unterbrochen, da J.K. in Tränen ausbricht.
Er habe sofort Panik bekommen wegen all der Waffen im Haus.
Unvermittelt stand seine Frau neben ihm.
Er betrat dann zusammen mit Beamten das Haus und stellte im Schlafzimmer fest, dass sowohl die Waffe, als auch das Magazin gefehlt hat.
Danach ging man in den Keller, wo die Tresore überprüft wurden.
Ob die Türen der Schränke offen oder zu waren, sei ihm nicht mehr erinnerlich.
Es sei aber alles an seinem Platz gewesen.
Danach seien er und seine Frau in einem Polizeifahrzeug nach Waiblingen gebracht worden.
(Anm.: Und somit das Haus und die weiteren Durchsuchungskräfte unbeaufsichtigt?)
Jasmin sei noch in der Schule gewesen, wo die Schüler zum Schutz eingeschlossen waren, und wurde telefonisch verständigt. Sie kam dann später auch auf die Polizeidienststelle Waiblingen.
Die Beretta habe J.K. zu seinem Schutz seit 2-3 Jahren im Schlafzimmerschrank versteckt.
Auf dem linken oberen Einlegeboden hinter einem Stapel Pullover, in ein grünes Futteral eingewickelt.
Sie sei nicht geladen und ohne Magazin gewesen, es sei auch keine Patrone in der Kammer gewesen und die Waffe war gesichert.
Das Magazin hatte er mit 10 Patronen in einem Lederhandschuh in der obersten Schublade seines Nachttisches gelagert, die restliche Munition (dieser Sorte im Magazin) bewahrte er in einem Hängeschrank auf. Der Schlüssel sei auch an dem Schrank gewesen.
(Anm.: in dem Hängeschrank wurden 40 * 9mm Patronen gefunden, Sorte nicht genannt).
Am Vortag, 10.03., habe er gegen 0 Uhr nochmals nach der Waffe gegriffen und einen „metallischen Gegenstand“ gespürt. Sie sei also noch da gewesen.
Er habe als Einziger vom Versteck der Waffe gewußt.
Der Rest der Familie habe davon nichts mitbekommen.
Sein Teil des Schrankes sei privat gewesen, Ute K. habe dort nichts ein- oder ausgeräumt.
Es ergibt sich ein Widerspruch zur Aussage von Ute K., die davon berichtet, dass sie hin und wieder dort etwas eingeräumt hatte und Kleider ausmisten wollte.
J.K. sagt, sie hätte das Ausmisten zwar vorgehabt, es aber nie gemacht.
Es wird die Frage gestellt, wieso er denn die Beretta dort versteckt hatte, da er ja mit Revolvern viel lieber schoss, mit der Beretta aber nur 1-2 mal/Jahr.
J.K. gab an, dass ein Revolver viel zu lange dauere, bis er geladen wäre.
Er ginge regelmäßig Dienstags zum Schiessen, jedoch nicht am 10.03., er wollte zwar fahren, hatte sich jedoch kurzfristig umentschlossen.
Als Tim das letzte Mal mit zum Schießen war, ging das Interesse mitzufahren von Tim selbst aus.
In die Sportpistolentasche kamen dann immer die Revolver, die Beretta und ca. 100 Schuss Munition pro Kaliber.
Am Faschingsdienstag 24.02.09 sei Tim das letzte mal mit dabei gewesen, sie hätten dort 1,5 Stunden verbracht. Nach dem Schiessen auch am Stammtisch.
Die Tasche habe er selbst bestückt, Tim sei nicht dabei gewesen.
Eine halbe Stunde vor Abfahrt habe er dann die Beretta geholt und eingepackt.
Es wurde immer eine Sportpistolentasche benutzt, da in Leutenbach nur mit Kurzwaffen geschossen wurde.
Auch seine Frau habe das Holen der Waffe aus dem Schlafzimmer nie mitbekommen.
Zur Beretta existierten 2 Magazine, von denen eines immer ungeladen in der Sportpistolentasche verblieb.
Tim trug zwar hin und wieder die Tasche, aber nie unbeaufsichtigt.
Nach dem Schiessen kamen die Revolver und die Munition wieder in den Tresor, bis auf 10-20 Schuss in angefangenen Packungen. Diese blieben in der Tasche.
Es fand keine Buchführung über Munition statt, so dass ein evtl. Fehlen nicht bemerkt werden konnte.
Tim war beim Einräumen nie anwesend und ebenfalls nicht beim Reinigen der Waffe 2-3 mal im Jahr.
Wie Tim an die viele Munition gekommen sein soll, sei ihm unerklärlich.
Der Code des Tresors sei Tim nicht bekannt gewesen.

Es gebe mehrere Patronenständer.
Die 1000 Schuss S&B Patronen, die im Januar gekauft wurden, seien lose gewesen und wurden in Patronenständer umgesteckt.
J.K. sei das letzte mal alleine schiessen gewesen am Di. vor dem 10.03.
Ob das 2. Beretta-Magazin noch da war in der Tasche, hatte er nicht beachtet.
Es wird nach einem Porsche gefragt, der J.K. gehört, wo sich dieser am 11.03. befand und wieviele Schlüssel es dazu gibt.
Der Porsche befinde sich in einer Garage der Firma, es gäbe 2 Schlüssel (Wohnung, Tresor).
Am 11.03. wäre der Porsche in der Garage der Firma gestanden.
Das gleiche wird über Tims Seat Leon nachgefragt.
Es gebe hier 2 Schlüssel, die beide die Ute K. verwahrt, diese seien alle vorhanden.
Tim sei ca. 5 mal mit dem Seat gefahren, zuletzt ca. 4 Wochen vor der Tat.
Als Mitfahrer gab J.K. sich selbst, Ute K. und seinen Vater (Opa K.) an.
Der Seat stehe in einer Garage am Wohnhaus, da es sich aber um 2 getrennte, nebeneinanderliegende Garagen handelt, sei der Seat für ihn auch am 11.03. nicht sichtbar gewesen.
Die Alarmanlage des Hauses funktioniere mit Kontakten an Türen und Fenstern, sowie Bewegungsmeldern innen. Außen gab es keine Bewegungsmelder, nur fürs Licht.
Der Alarm sei nur akustisch und würde nirgendwo hin gemeldet.
Die Anlage wird von innen mit einem Knopf scharf geschaltet.
Außen gibt es eine Zahlentastatur, auf der man den Code eingeben muss, um ohne Alarm ins Haus zu kommen. Ein rotes Licht würde anzeigen, dass die Anlage scharf ist.
Der Code laute: 12015903 und wäre derselbe wie für den Tresor.
Die letzten Jahre sei die Alarmanlage jedoch überhaupt nicht aktiv gewesen wegen der Katze.
Wenn nicht alle da waren, wurde die Anlage nicht aktiviert. Der Code sei den Kindern nicht bekannt gewesen: wenn die Kinder alleine im Hause waren, wurde die Anlage nicht aktiviert.
J.K. sei sich nun nicht mehr sicher, ob die beiden letzten Stellen 0 und 3 auch für die Alarmanlage galten, oder nur für den Tresor.
Am 11.03. wäre die Anlage nicht scharf gewesen, am Abend zuvor sei er sich nicht sicher.
Ca. 10 Minuten bevor er in die Fa. fuhr, habe er die Anlage deaktiviert.
Man hält J.K. vor, er habe Tim einerseits 2000,- Euro zur Verwahrung gegeben, andererseits aber offenbar so wenig vertraut, dass er ihm den Code nicht verraten hat.
J.K. sagt, er habe keinen Nutzen darin gesehen, den Kindern den Code zu sagen.
Ute K. habe ihn aber gekannt.
Im ZfP wurde ein leerer Brustbeutel gefunden (Bild gezeigt).
J.K. sagt, dass dieser weder ihm noch Tim gehöre.
Ob Tim einen Wecker hatte und selbst aufgestanden ist, oder man ihn wecken musste.
Ja, Tim habe einen Wecker gehabt - auf der Stereoanlage, er sei aber immer selbst aufgestanden, man musste ihn nicht wecken.
Wegen Tims schlechter schulischer Leistungen und Müdigkeit wurde zunächst der Hausarzt konsultiert, dort ging Tim alleine hin und bekam eine Liste von Einrichtungen mit.
Ute K. habe alle abtelefoniert und sei bis auf Weinsberg auf sehr lange Wartezeiten verwiesen worden.
Der Vorstellungstermin dort war am 23.04.08. Die Eltern haben Tim immer begleitet, waren aber bei den Gesprächen hauptsächlich nicht anwesend.
Es lief so ab, dass die ersten 15 Minuten alle drei zusammen beim Gespräch waren, dann war Tim alleine drin und zum Schluß nur die Eltern.
Dass Tim beim 1. Termin angeblich Menschenhass geäußert hatte, wurde nicht bekannt.
Es hieß, es seien weitere Termine nötig.
An den letzten Termin bei Dr. Buhr kann sich J.K. sehr gut erinnern.
Dieser sagte, Tim habe kein Interesse an einer Therapie und gegen seinen Willen habe dies keinen Sinn. Die Probleme würden sich mit der Zeit auswachsen.
Man sei erleichtert gewesen, dass Tim ok sei.
Die STA wirft ein, dass Tim massive psychische Probleme gehabt haben müsse, weil er sogar selbst zum Thema im Internet recherchiert habe. Dies sei doch schon ein ernstzunehmender Hilferuf gewesen.
J.K. entgegnet, man habe das ja ernstgenommen, schließlich habe man ja für Tim die Termine am Klinikum Weissenhof organisiert.
Tim habe auch keine Medikamente genommen, auch keine Muskelaufbaupräperate.
Es habe keine zwingende Erfordernis für Weiteres gegeben, zumal auch vom Klinikum kein Abschlussbericht kam.
Das im ZfP aufgefundene Messer gehöre J.K., es fehle im Werkzeugschrank im Keller.
Man händigt J.K. das Schreiben aus, welches in Tims Tresor gefunden wurde.
Er sagt, es sei von Tim und er habe sich offenbar beim Schreiben große Mühe gegeben.
Zum Inhalt kann er nichts sagen.
Man fragt, ob J.K. einverstanden sei, dass die Spurensicherung nochmal im Hause nachsucht.
Man suche nach einer schwarzen Winterjacke und man wolle Tims Wecker prüfen.
Es besteht Einverständnis.
Dann bricht J.K. in Tränen aus und sagt, es sei ihm alles unerklärlich und nicht zu bewältigen, es tue ihm so schrecklich Leid, was Tim getan habe und dass es seine Waffe war. Es sei ein furchtbarer Albtraum. Er wolle nur noch wegen seiner Tochter Jasmin weiterleben usw.


Während das alles verlesen wird – insbesondere bei sehr emotionalen Passagen – fällt mir auf, dass J.K. auf der Anklagebank keine Regung zeigt. Er wirkt sediert, wie eine Puppe. Käme er nicht hereingelaufen zu Beginn, könnte man ihn für eine Schaufensterpuppe halten.
Keine Tränen. Keine traurige Mimik, regungs- und emotionslos starrt er nach vorne.


RA Gorka

Sind sie heute noch der Auffassung, Tim hätte den Tresorcode gekannt?


Z

Das war damals das Naheliegendste, heute denke ich, es ist eher nicht der Fall.
Es gibt keine Zeugen dafür und es wurde ja auch Munition außerhalb des Tresors aufbewahrt, die Tim sich wohl zusammengesammelt hat.


RA Gorka:

Zum Tresorcode hat sich also Ihre Auffassung geändert. Ist es IHRE Auffassung, die sich geändert hat oder die der STA?


Z

Ich verstehe die Frage nicht.


RA Gorka:

Wessen Auffassung hat sich geändert?


Z

Sämtliche Ermittlungen wurden von der STA geführt…


RA Gorka:

Also damals naheliegend, jetzt nicht mehr…
Gab es keine Hinweise, dass Tim den Code kannte?
Wurden Ihnen nicht durch die Nachermittlungen des LG Stuttgart vom 05.05.10 Anhaltspunkte bekannt?


Z

Nichts bekannt.


RA Gorka:

Das LG Stuttgart, 3. Große Jugendkammer, führt in ihrem Bericht seitenweise erhebliche tatsächliche Anhaltspunkte dafür aus, dass Tim den Code gekannt habe. U.a wird hier der Dennis Röhrich angegeben. Was meinte das Landgericht damit?


Z

Eine Aussage.


RA Gorka:

Von wem?


Z

Dennis Röhrich hatte angegeben, Tim habe ihm eine Waffe gezeigt, aber es blieb unklar, wer den Tresor geöffnet habe.


Gorka bringt ein Zitat der Aussage von Dennis Röhrich vom 12.03.09:

Zitat: In der 8. Klasse zeigt Tim mir seine Softairwaffen und fragt mich, ob ich mal eine richtige Waffe sehen will. Wir gingen dann ins Wohnzimmer oder den Keller, das weiß ich nicht mehr, wo er aus einem Tresor eine Waffe geholt hat. Wie er den aufgemacht hat, weiß ich nicht mehr, ob mit einem Schlüssel oder anders. Was das für eine Waffe war, weiß ich nicht mehr.


Z

Im Keller gibt es noch einen Waffenschrank und einen Blechschrank. Es wird nicht angegeben, aus welchem Schrank die Waffe geholt wurde. Evtl. war das ja auch eine Schreckschusspistole.


R

Der Zeuge Dennis ist ja auch geladen.


RA Gorka:

Dennis spricht ja eindeutig von einem Tresor.


Es kommt zu einer kurzen Kontroverse in die sich auch der OSTA einschaltet, dass dies jetzt Interpretationssache der Aussage ist.

RA Gorka:

Keinesfalls wollte ich jetzt hier die Aussage von Dennis Röhrich einführen.
Mir geht es hier nur darum, dass die polizeilichen Ermittlungen hier mit Auslassungen dargestellt werden, zum Nachteil meines Mandanten. Das gibt mir schwer zu denken.


R

Wir werden ja den Zeugen selbst befragen können.


Die Chatprotokolle der Jasmin K.


Als nächstes fragt RA Rabe , ob der Zeuge wie gewünscht einige Chatprotokolle von Jasmin K. mitgebracht hat zum Verlesen.

Dies findet nun statt, es werden ca. 12 Protokolle verlesen.

Ich möchte hier nur die Quintessenz des angeblichen Inhalts angeben.
Angeblich gab es ja 400 Tsd.(!!) dieser Protokolle.


In den genannten Daten finden sich dann auch oft Uhrzeiten nach 0 Uhr, einmal sogar am Heiligabend um 22.58 Uhr.


Tim wird als Freak, Mamakind, Vollspast, Problemkind, Psycho, manisch-depressiv, gestört und komisch bezeichnet.

Die familiäre Situation und Tims Noten werden anonymen Chatpartnern offenbart.

Anonyme Chatpartner fragen nach Tims ärztlichen Untersuchungsergebnissen.

Jasmin fühlt sich von den Eltern vernachlässigt, während Tim alles „in den Arsch“ geschoben bekommt.

Es tritt starke Eifersucht und Neid zu Tage. Sie, Jassy, sei ein Wunschkind, ihr Bruder ein Problemkind.

Tim sei seit einem Jahr extrem gestört, seit er 14 ist, ist es besonders schlimm usw…usf.



RA Gorka beklagt eine Selektionierung der Aussagen zum Nachteil.


RA Gorka:

Diese Daten haben Sie von einem Laptop? Wessen Eigentum ist der Laptop?


Z

Das ist mir nicht bekannt.


RA Gorka :

Von wem stammen all diese Einträge? Nehmen Sie nur an, sie seien von Jasmin K.?


Z

Wir haben sie dazu nicht vernommen.


RA Gorka:

Wie konnten Sie das Jasmin K. zuordnen?


Z

Die ICQ-Chat-Kennung von Jasmin K. steht hier überall dabei.
Das wurde mir von den Kollegen so übermittelt: Die Kennung „Jassy“.


RA Gorka (wissend, zynisch):

Aha, Jassy also. Und das stimmt so?


Z

Davon gehe ich aus. Mir ist nicht bekannt, ob Jasmin K. das selbst geschrieben hat.


Der R. geht zum Ende des Tages noch auf die Frage des entstandenen Sachschadens durch den Amoklauf ein:

In der ARS entstanden Schäden von ca. 28 Tsd Euro laut Stadtbauamt.

Fahrzeuge im Werte von ca. 15 Tsd. Euro wurden beschädigt.

Beim Autohaus Hahn entstand in der Ausstellungshalle ein Schaden von 85 (!) Tsd Euro.

Kosten des Polizeieinsatzes sind nicht bekannt.


RA Krächel :

Herr K. gab an, bei einer Kontrolle am Vortag die Waffe noch gespürt zu haben, sie sei in ein grünes Futteral eingehüllt gewesen. Hat man dieses Futteral aufgefunden?


Z

Neben der Leiche fanden wir eine schwarze Nylonhülle.


RA Gorka erinnert den Z nochmals daran, sich kundig zu machen, aus wie vielen Stellen jeweils der Tresorcode sowie der Code der Alarmanlage besteht. Dies wurde noch nicht beantwortet.



Somit schließe ich den 5. Prozesstag ab.



Rechtlicher Hinweis:

Anonymisierungsangebot


Jede der in diesem Artikel mit vollem Namen genannte Person, die eine Anonymisierung wünscht, möge sich bitte auf dem kurzen Dienstweg mit den Seitenbetreibern in Verbindung setzen.

Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.

Zuletzt geändert: 14/03/2017 23:26