Teil 2.0 - Wendlingen

(Autor: Rüdiger Rohde; Fotos von Capri, Fleury, Blickpunkt, INP und Roi)

Als der vermeintliche Täter von Winnenden, Tim Kretschmer, am 11. März 2009 tot auf einem Parkplatz in Wendlingen lag, hatte laut Polizei der so genannte Amoklauf sein Ende gefunden.

Doch warum in Wendlingen?

Und warum wird der Schauplatz Wendlingen in dieser Abhandlung vorangestellt?

Dieser Schauplatz wurde medial sehr vernachlässigt, und doch bot eben dieser Schauplatz die Möglichkeit, eine eigene Rekonstruktion aufgrund der vorhandenen (und auch nicht vorhandenen) Spuren anzustellen. Im Gegensatz zu der Albertville-Realschule, die nach dem Massaker nicht mehr betreten werden konnte bzw. durfte, um ggf. die vorhandenen Spuren zu analysieren.

Die Erkenntnisse allein aus Wendlingen sind allerdings bereits erschreckend, und sie erlauben uns, mit einer ganz anderen Erfahrung an die Ereignisse in Winnenden heranzugehen.

A. Das Vorspiel.

Bis zum 3. April 2009 hatte es noch offiziell geheißen, dass der Täter, angeblich Tim Kretschmer, nach Erreichen des Gewerbegebietes Wendlingen dort das Autohaus Hahn in der Wertstraße aufgesucht, einen Autoschlüssel verlangt und anschließend zwei Menschen im Verkaufsraum ermordet haben soll - nachdem seiner Forderung nicht nachgekommen worden wäre. Danach wäre der Täter wieder nach draußen gegangen und habe sich dort mit den gerade heraneilenden Polizeikräften einen Schusswechsel geliefert. Während dieses Schusswechsels soll ein Passant einen Einschlag in sein Fahrzeug „gespürt“ haben. Die Polizisten sollen 8 Schüsse auf den Täter abgegeben und diesen an beiden Beinen verwundet haben. Der Täter habe sich daraufhin in das Autohaus zurückgezogen.

Soweit diese hochoffizielle Passage aus der Pressemitteilung der Polizeidirektion Waiblingen sowie der Staatsanwaltschaft Stuttgart am 12. März 2009.

Diese Version wurde ab dem 4. April 2009 gemäß Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft und der Polizei durch eine neue Version des Ablaufes , welche ebenfalls als „vorläufig“ bezeichnet wird, ersetzt.

Dies ist die offizielle und bis heute aktuelle Verlautbarung (siehe unten), die auch innerhalb der nachfolgenden Presseerklärung vom 22. Mai nicht verändert wurde.

Innenminister Rech nannte als Begründung, warum diese Veröffentlichung erst so spät erfolgte, das Ende der Auswertung aller nötigen Informationen erst zum 2. April.

FOCUS wiederum berichtete am 4. April, dass „diese dramatische Wende in den Ermittlungen“ der Staatsanwaltschaft bereits seit dem 20. März bekannt gewesen sei.

Der Innenminister und die Polizei wurden auch in der Folgezeit nicht müde, zu betonen, dass ja noch immer sehr viele Daten wie Funkverkehr und Video ausgewertet werden müssten.

Die Erkenntnis, dass es bereits vor dem Szenario Autohaus zu einem Schusswechsel gekommen sein muss, dürfte der Polizei und der Spurensicherung noch am selben Tag deutlich gewesen sein. Der in der Wertstraße involvierte Polizist, PHK Rehm, auf dessen Aussage hin diese Veränderung in erster Linie beruhte, hatte natürlich damals noch am selben Tag seine Aussage getätigt.

Es stellt sich nun die Frage, warum die Polizeibehörde die wesentliche Aussage ihres Beamten Rehm nicht hatte berücksichtigen wollen. Und es stellt sich die Frage, warum dies erst rund 8 Tage später der Staatsanwaltschaft bekannt gegeben und diese wiederum weitere 13-14 Tage mit der öffentlichen Bekanntmachung gewartet hat.

Wo liegt hier das Motiv für ein derartiges Verhalten? Es ist nicht allein mit dem sprichwörtlichen langsamen Mahlen der behördlichen Mühlen zu erklären.

Einige Medien vermuteten als Grund das unangenehme Eingeständnis einer „Polizeipanne“.

Aber ist dem tatsächlich so?

Bemerkenswert an diesem „neuen“ Verlauf der Ereignisse ist, dass diese zwar in ihrer Anfangssituation dem vorhandenen Spurenbild (Schussspuren, Hülsenmarkierungen, Blutfleck) zumindest oberflächlich entspricht, gleichzeitig in ihrem direkten Verlauf wie auch in ihrem späteren Verlauf massiv unglaubwürdig geworden ist.

Oder anders gesagt: eine löchrige Version wurde durch eine unglaubwürdige Version ersetzt.

Es stellt sich abermals die Frage nach dem Motiv für eine derartige Handlung. Gab es einen Konflikt und im Zuge dessen das Motiv für den Austausch der Versionen? Warum hatte man es anfangs für klüger gefunden, die Geschehnisse auf der Straße vor dem Autohaus einfach wegzulassen?

Unsere Recherchen haben immerhin einen möglichen Grund für die Hereinnahme der tatsächlich stattgefundenen Schüsse in der Wertstraße ergeben: es gibt mindestens zwei Zeugen, welche dies bestätigen, auch wenn sie die Einzelheiten nicht erkannt haben.

B. Der erste Schusswechsel in Wendlingen.

Es soll im Folgenden der gemeinschaftliche Pressetext der Polizeidirektion Waiblingen und der Staatsanwaltschaft Stuttgart vom 4. April bzw. 22. Mai 2009 zitiert werden. Und damit deren Sicht der Dinge.

„Einer Streifenwagenbesatzung der Polizeidirektion Esslingen (in der alten Version aus Nürtingen) , die sich in diesem Industriegebiet befand, fiel eine jüngere männliche Person auf, die auf dem Gehweg auf Höhe eines Autohauses stand , heißt es in der Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Da haben wir schon ein kleines Detail.

Der Täter „stand“ , nicht etwa: er ging. Spielt das überhaupt eine Rolle? Wenn jemand geht, dann will er irgendwohin. Wenn er steht, dann wartet er womöglich. Das ist kein unerheblicher Umstand und vielleicht von Bedeutung.

Nehmen wir die Behörden wörtlich:

Er stand also auf dem Gehweg vor dem Autohaus Hahn (herum). Laut einer anderen Polizeiangabe soll dies etwa um 12.10 Uhr gewesen sein.

Und die genannte Streifenwagenbesatzung?

Dieser Streifenwagen mit zwei Polizisten (PHK Rehm und PHK Schäfer) befand sich an der Kreuzung beim dem Casino „Luxor“, halb auf dem Gehweg aufgefahren und rund 65 Meter von der gesichteten „männlichen Person“ entfernt.

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„Die Beamten entschlossen sich, diese zu kontrollieren. Hierzu stellten sie ihr Fahrzeug im Kreuzungsbereich, etwa 70 Meter von der Person entfernt, ab“ , heißt es weiter.

Das klingt etwas ahnungslos und harmlos.

Doch war die Polizei zu diesem Zeitpunkt alarmiert, sie soll nur nicht gewusst haben, wo genau sich der angebliche Täter im Gewerbegebiet befunden haben soll. Und es sollte auch nicht vergessen werden, dass nach einem 13-fachen Mörder gesucht wurde und nicht nach einem gewöhnlichen „Autoknacker“ oder Handtaschenräuber.

Da die beiden Polizisten ihr Fahrzeug aber erst nach der Sichtung abgestellt haben sollen, muss es sich schlussendlich um eine plötzliche Situation gehandelt haben. Es sei denn, dass die beiden Beamten ihren Wagen dort, an der Kreuzung beim Casino Luxor, geparkt und die Gegend beobachtet hatten. Dann wäre aber das nachträgliche Abstellen des Fahrzeuges falsch.

Doch wie war es nun tatsächlich?

Im Regio-TV erklärte Hans-Dieter Wagner, der Kriminaldirektor der Polizeistation Esslingen, dass sie zuvor „einfach mal die Fahndung begonnen“ hätten, ohne zu benennen, auf welche Veranlassung konkret hin. Sie hätten nicht gewusst, wo er, der Täter, gewesen sei, wären aber bereits in Straßen und Höfen unterwegs gewesen. Hans-Dieter Wagner sagte bei dieser Gelegenheit, dass es sich um eine „zufällige Begegnung“ gehandelt habe.

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Hans-Dieter Wagner

Was sagte der Mann noch? Sie hatten keine Ahnung, waren aber bereits dort vor Ort gewesen?

Interessant.

Mit wie vielen Beamten? Und wo genau?

Wie kann ein Aufeinandertreffen zufällig sein, wenn genau dieses gesucht wurde?

Was redete dieser Mann?

Zuerst die Fahndung nach einem gerade erst eingetroffenen Massenmörder mit angeblich mehreren Polizisten vor Ort im Gewerbegebiet, dann das Vorhaben einer „Kontrolle“ einer bestimmten Person und die daraus resultierende zufällige Begegnung. Zuerst die Sichtung des vermeintlichen Täters, dann das Abstellen des Fahrzeuges. Oder auch: die Sichtung eines Verdächtigen und 60 Meter zu Fuß zur Kontrolle.

Das möchte uns der Herr Wagner erzählen.

Zurück zum Standort des Polizeiwagens, der auf mehreren Fotos dokumentiert ist.

Schon haben wir die nächste Frage: denn wie soll dieses Fahrzeug aus der Fahrt heraus, auf der Straße wohlgemerkt, in diese Position hart an der Ecke gelangt sein?

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Aus einer sogar langsamen Fahrt heraus hätte der Wagen nach der Beobachtung des vermeintlichen Täters weit hinten gar nicht mehr in diese Position manövriert werden können. Es sei denn, die Beamten wäre auf die Kreuzung gefahren, hätten nach ihrer Entdeckung anschließend zurückgesetzt und den Wagen dann genau in die Ecke auf dem Gehweg gestellt, von wo aus sie hätten knapp um die Ecke sehen können.

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Dies erscheint aber wenig sinnvoll, denn das Fahrzeug wäre für den vermeintlichen Täter nach wie vor als Polizeiwagen sichtbar gewesen, von der Bewegungswahrnehmung einmal abgesehen. Hätten die Beamten unauffällig sein wollen, hätten sie das Fahrzeug zurückgesetzt und dort außer Sichtweite belassen. Hatten sie aber nicht.

Wir waren vor Ort und haben versucht, mit einem etwas kleineren Fahrzeug die gezeigte Position auf die geschilderte Weise anzufahren. Es ist uns auch ohne Stress nicht gelungen.

Der Standort dieses Polizeifahrzeuges lässt den Verdacht zu, dass der Wagen dort bereits in „Beobachtungsposition“ platziert gewesen ist.

Dies ist für das folgende Geschehen ebenfalls eine nicht unerhebliche Entdeckung.

Es stellt sich die Frage, seit wann sich das Polizeifahrzeug an diesem Platz befunden haben könnte. Dies konnte aufgrund fehlender Zeugen leider noch nicht geklärt werden. Nur eines wurde bei der Begutachtung des Schauplatzes deutlich: diese Ecke beim „Luxor“ ist eine strategische Position zur Beobachtung der Zufahrtswege in den hinteren Bereich der IG Wert.

Bemerkenswert ist hier außerdem die angebliche Nichtidentifizierung. In der Pressemitteilung heißt es, dass die Person vor dem Autohaus „kontrolliert“ werden sollte. Kriminaldirektor Wagner sprach im Regio-TV von der Kontrolle der Personalien. Dies verwundert ebenso wie die ausdrückliche Bildung eines Zufalls-Szenarios durch die Polizei.

Siehe weiterhin unten.

„Durch diese Person, die sich später als Tim K. herausstellte, wurde sofort das Feuer auf den Streifenwagen und die beiden aussteigenden Beamten eröffnet. Hierbei wechselte er schräg die Straßenseite. Ein Geschoß des Täters schlug im Bereich des vorderen Nummernschildes ein“ , so der Pressetext weiter.

Der vermeintliche Täter soll also den Polizeiwagen entdeckt und auf die beiden aussteigenden Beamten sofort geschossen haben.

Wenn man sich die Entfernung betrachtet, um die es hier geht, nämlich rund 65 Meter , erscheint dieses Verhalten erst einmal nicht sonderlich intelligent. Hätte der angebliche Täter sofort das Weite gesucht, anstatt trotz nicht unmittelbarer Bedrohung über eine unsichere Distanz zu schießen, hätte er sich zumindest vorerst dieser Konfrontation entziehen können.

Natürlich kann eine extrem dumme Panikreaktion nicht ausgeschlossen werden – noch.

Was machte der Täter angeblich genau?

Er soll sofort das Feuer eröffnet haben, aber gleichzeitig soll er auch die Straßenseite gewechselt haben.

In Anbetracht der Örtlichkeit wäre dies aber ein geradezu minderbemitteltes, wenn nicht sogar völlig verrücktes Tun gewesen. Dieser angebliche Täter hätte sich, wie bereits erwähnt, sofort den Polizisten entziehen können, wenn er von seinem Standpunkt aus nach rechts in die geparkten Fahrzeuge vor Hahn abgetaucht wäre. Dort hätte er nicht nur Deckung und eine weitere Fluchtmöglichkeit gehabt, er hätte sich auch in einem toten Winkel befunden. Nein, stattdessen soll er angeblich über die Straße gelaufen sein, um dort ohne Deckung vor einem Zaun zu stehen!!!

Die kurze Video-Sequenz aus Richtung Fest-Tool von SPIEGEL-TV bestätigt, dass sich in dem dortigen Bereich kein einziges geparktes Fahrzeug befunden hatte, d.h. es war dort nirgends eine Deckung gewesen!

Der Täter soll demnach, laut Polizei, extra eine Stelle aufgesucht haben, an welcher er ohne Deckung und noch dazu eingeschränkt durch einen Zaun eine Schießerei mit zwei hinter ihrem Fahrzeug verschanzten Polizisten begonnen haben soll.

Demnach soll der angebliche Täter dümmer als der dümmste Hund gewesen sein.

Wer soll das glauben?

Die Polizei selbst?

Kaum.

Sie glaubt aber, dass wir es glauben.

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Der vermeintliche Täter soll laut Polizei nicht in den Bereich der Autohandlung abgetaucht sein, nein, er soll die Straßenseite gewechselt haben, um dort ohne Deckung vor einem Zaun zu stehen. Das ist kein guter Platz, um eine Schiesserei mit zwei verschanzten Polizisten zu beginnen.

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Die Spurenlage zeichnet ebenfalls ein anderes Bild, als es die offizielle Darstellung glauben machen will.

Der Täter soll ja angeblich sofort das Feuer eröffnet haben und auch gleichzeitig die Straßenseite gewechselt haben. Allerdings war später weder auf dem Gehweg vor dem Autohaus noch auf der Straße eine Hülsenmarkierung auffindbar.

Stattdessen deutet die Hülsenlage gegenüber auf dem Gehweg darauf hin, dass der angebliche Täter, dicht am Zaun stehend, nach einem ersten Schuss (Hülsenspur 15) in eine Rückwärtsbewegung kam und innerhalb dieser zwei weitere Schüsse (Hülsenspur 16 und 17) abgegeben hat.

Der angebliche Täter hatte sich nach diesem Befund von Anfang an auf der gegenüberliegenden Straßenseite befunden!

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Es stellt sich somit die Frage, warum die Polizei eine Ausgangssituation zeichnet, die auch nach der Spurenlage so nicht gewesen sein kann.

Mit größter Wahrscheinlichkeit hat sich das Polizeifahrzeug bereits an dem markierten und fotografierten Platz an der Ecke vor dem Casino „Luxor“ befunden. Und mit guter Übersicht gewartet. Es war keine „zufällige“ Begegnung, wie auffällig herausgestellt wurde. Die Polizei war alarmiert, dass im Gewerbegebiet ein Massenmörder unterwegs war. Der angebliche Täter befand sich nicht auf dem Gehweg beim Autohaus Hahn, sondern bei dem Aufeinandertreffen bzw. Kontakt auf der gegenüberliegenden Seite.

Und wir mögen uns nun fragen, ob das Loch im Kennzeichen des Polizeiwagens von dem angeblichen Täter stammt.

Denn warum sollte nun ausgerechnet diese Angabe richtig sein?

Warum also behauptet die Polizei ausdrücklich, dass der Täter die Straßenseite gewechselt haben soll, warum erwähnt sie dieses Detail, während an anderer Stelle verblüffend wenig Details genannt werden?

Weil sich der angebliche Täter nie auf dem Gehweg direkt vor dem Autohaus Hahn befunden hatte, man ihn aber mit dem Autohaus in Verbindung bringen wollte?

Gibt es überhaupt einen Beweis, einen weiteren Zeugen, wodurch belegt wird, dass der angebliche Täter zuerst geschossen hat und nicht etwa die Polizisten?

Ist es möglich, dass diese angebliche und unglaublich dumme Reaktion des angeblichen Täters genau diesen letzteren Vorgang verschleiern soll? Sollte damit kaschiert werden, dass der angebliche Täter in Wirklichkeit überrascht wurde und deswegen nicht einfach weggelaufen war?

Hätte er überhaupt noch Zeit für das Weglaufen gehabt?

Er hatte diese Zeit nicht.

Dass es sich hierbei mehr als nur um einen Verdacht handelt und dass die Polizeiangaben falsch sind, wird sich auch im Folgenden zeigen.

Der Spurenlage zufolge hat der Täter (erst einmal) nur diese drei Schuss abgegeben bzw. abgeben können, über eine Entfernung von rund 65 Metern hinweg in Richtung des Polizeifahrzeuges, dann muss er aus gleicher Entfernung bereits den Beintreffer erhalten haben.

Das muss demnach alles sehr, sehr schnell gegangen sein.

Beleuchten wir beide parallele Vorgänge.

Die beiden Polizisten sollen angeblich gerade beim Aussteigen gewesen sein. Mit ein wenig Toleranz nehmen wir mal an, dass sie gerade ihr Aussteigen beendet hatten. Sie waren natürlich alarmiert und vor der möglichen Gefährlichkeit ihres Ziels gewarnt.

Sie wurden nun von dem vermeintlichen Täter entdeckt und angeblich sofort beschossen, während dieser die Straßenseite gewechselt haben soll.

Oder andersherum:

Der Täter entdeckte also die beiden Polizisten, wie sie ihr Fahrzeug verließen. Seine Waffe mochte sich in seiner Jackentasche befunden haben. Diese zog er sofort, entsicherte und gab einen Schuss in Richtung der beiden Polizisten ab. (Wobei die Patronenhülse verschwand oder deren Markierung später nicht mehr sichtbar war). Dann tauchte er nicht nach rechts zwischen den Fahrzeugen vor Hahn in Deckung ab, sondern rannte über die Straße, um dort, ohne Deckung vor einem Zaun stehend, mutig das Feuergefecht mit den beiden in Deckung befindlichen Polizisten aufzunehmen, sich dann aber doch sofort lieber rückwärts orientierte.

Das ist die Polizeiversion für die Öffentlichkeit. Und die ist falsch.

Platzieren wir den angeblichen Täter also von Anfang an auf dem Gehweg gegenüber dem Autohaus.

Der Täter entdeckte also die beiden Polizisten, wie sie ihr Fahrzeug verließen. Seine Waffe mochte sich in seiner Jackentasche befunden haben. Diese zog er sofort, entsicherte und gab einen Schuss in Richtung der beiden Polizisten ab (Hülsenspur 15). Offenbar reflexartig folgten anschließend zwei Schritte rückwärts, also von der Bedrohung fort, sowie die Abgabe zweier weiterer Schüsse (Hülsenspuren 16, 17).

Und dann muss er auch schon am Bein getroffen worden sein, weil er von dieser Stelle aus keinen weiteren Schuss mehr in Richtung des Polizeiwagens abgegeben hat. (Die drei weiteren Hülsen befanden sich hinter seinem Rücken).

Wie lange mag nun dieser Vorgang gedauert haben? 5 Sekunden? 6 Sekunden?

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Über das Verhalten der beiden Polizisten kann nur spekuliert werden. Eine erste normale Reaktion wäre ja die, dass sie sich sofort in Deckung begeben hätten; vorzugsweise bei ihrem Fahrzeug. Das mag 1 Sekunde gedauert haben. Und vielleicht noch ein, zwei weitere Sekunden, um die Waffen zu ziehen und um sich zu orientieren.

Und dann?

Dann müssten die Polizisten sofort geschossen haben, denn sie brachten dem Mann auf dem Gehweg nach vielleicht 3 Sekunden bereits den Beintreffer an!

Wir haben offenbar eine wahrlich blitzschnelle Reaktion der Polizisten vorliegen, gepaart mit Kaltblütigkeit und fantastischer Schussleistung. Denn auch ein Glückstreffer setzt eine gewisse Fähigkeit des Schützen voraus.

Man möge sich diese Situation mit beiden Parteien vor Augen führen und dabei die Sekunden zählen. Danach wird sich die Frage aufdrängen: wie kann so etwas möglich sein, wenn nicht wenigstens einer der Polizisten Supermann persönlich gewesen sein muss.

Doch gab es diesen Supermann dort nicht. Dafür gibt es auch einen ganz konkreten Hinweis.

Die Polizeigeschosse müssen ja irgendwo geblieben sein. Eine Kugel vielleicht im Bein des angeblichen Täters, laut Polizei gar unglaubliche zwei Kugeln.

Ein Loch fand sich in der Fassade einer neu errichteten Logistikfirma, „Langer Transport Service“, in rund 2 Meter Höhe wieder. Diese befindet sich rund 120 Meter vom Standort des Polizeiwagens entfernt.

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Das Gebäude der Firma „Langer Transport Service“.

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Die Spurensicherung hatte dieses Loch mit der Nummer 24 versehen.

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Auf dem kleinen Parkplatz davor wurden außerdem in der Karosserie eines dort (rechts außen) abgestellten schwarzen Vans zwei Löcher entdeckt, welche die Spurennummern 25 und 26 erhielten.

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Rechts im Bild der schwarze Van.

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Der schwarze Van von der anderen Seite.

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Diese sind hier von besonderem Interesse, denn diese Einschusslöcher befinden sich nur rund 10 cm voneinander entfernt!

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Dies mag auf dem ersten Blick nicht von Bedeutung sein, doch stellt sich hier die Frage: wie kann es möglich sein, mit einer Pistole über eine derartige Distanz von rund 120 Metern zwei Geschoße so dicht beieinander zu platzieren? Die Hersteller für Pistolen geben die sichere Schussleistung für ihre Faustfeuerwaffen mit 50 Metern an. Darüber hinaus befindet sich der nicht kalkulierbare Streuungsradius der Geschoße. Mit anderen Worten: zwei Kugeln in 120 Metern Entfernung nur 10 cm nebeneinander zu platzieren grenzt an ein Wunder!

Außerdem ist auf den Fotos gut ersichtlich, dass es sich um eine sehr flache Schussbahn gehandelt hat. Der Schütze kann nicht gestanden sein.

Er ist gelegen.

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Diese Spuren lassen für uns nur den Schluss zu, dass einer der beiden Polizisten beim Casino Luxor ein Gewehr benutzt haben muss. Möglicherweise ist der Gewehrschütze auch für den Beintreffer des angeblichen Täters, seinem Ziel, verantwortlich. Das dürfte nun auch die Treffsicherheit über die Distanz von 65 Metern erklären. Und davon ausgehend, dass sich der Schütze vorzeitig in Position gebracht haben wird, auch die Schnelligkeit.

Und wie verhält es sich mit dem Loch in der Fassade, der Spur Nr. 24?

Dazu gleich mehr.

Ein ballistisches Gutachten ist übrigens nie veröffentlicht worden.


Update vom April 2010:

Der Satz „Hierbei wechselte er schräg die Straßenseite“ wurde mittlerweile aus der Pressemitteilung der Polizei und der Staatsanwaltschaft Stuttgart entfernt! Dies geschah stillschweigend und wurde nicht mit einer eigenen Information bedacht.

Somit haben die Behörden ein Detail ihrer Schilderung verändert. Allerdings müssen sie zuvor einen Grund für ihre Aussage besessen haben, welche sich nur aus der Zeugenaussage der Polizisten, der Sicherstellung einer Patronenhülse sowie der Ballistik des Einschusses im KFZ-Kennzeichen zusammensetzen kann - sollte man annehmen.

Zwar wird nun das vollkommen idiotische Täterverhalten revidiert, doch müssen dafür andere Fragen aufgeworfen werden: ist die Patronenhülse verschwunden oder konnte diese erst gar nicht aufgefunden werden? Hatten die Polizisten ein Wahrnehmungsproblem gehabt? Hatte die Ballistik einen anderen Befund ergeben?

Wir verlangen Antworten!


Weiter im Pressetext der Polizei und Staatsanwaltschaft:

„Bei dem folgenden Schusswechsel über eine viel befahrene Straße des Industriegebietes (hinweg) , wurde der Täter zweimal an den Beinen, und zwar im Sprunggelenk des linken Fußes und in der Wade des rechten Beines, getroffen. Trotz des Schusswechsels und dem gleichzeitigen Beschuss durch den Täter handelte die Polizei so umsichtig, dass kein Vorbeifahrender getroffen wurde.“

Das klingt gut und soll für eine hervorragende Polizeiarbeit sprechen. Belegt ist allerdings nichts davon.

Die „viel befahrene Straße“ ist ein rhetorischer Kniff, denn es sagt nichts darüber aus, dass sie zu diesem Zeitpunkt überhaupt befahren war. Außerdem stand die Polizei nur an einer Seite dieser Straße mit einem in die Ecke gedrückten Fahrzeug, was diese Aussage schon Lügen straft. Zudem erscheint es unwahrscheinlich, dass ein Fahrer diesen Straßenabschnitt benutzt hätte, wenn zu beiden Seiten gut sichtbar sich die Gegner beschießen.

Laut Polizeidarstellung soll zumindest einer der beiden Polizisten, PHK Rehm, ein ausgesprochen guter Schütze gewesen sein, gepaart mit einer überragenden Reaktionsschnelligkeit.

Glückstreffer über die 65 Meter hin oder her.

Groteskerweise fanden sich die Markierungen der Polizeimunition, Hülsenspuren 3, 4, 5, 6, und 7, gar nicht am Polizeifahrzeug oder etwas daneben, sondern einige Meter von diesem nach rückwärts (!) entfernt mitten auf der Kreuzung! Dies kann mit dem Hülsenauswurf alleine nicht erklärt werden.

Aber wie ist dies zu erklären? Sind die Hülsen in die festgestellte Lage hingerollt? Obwohl die Straße Richtung Fahrbahnrand, also zur anderen Seite, leicht abfällt?

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Wir haben hier eine weitere, sehr eigenartige Verhaltensweise vor uns. Denn demnach müsste der eine Polizist, PHK Rehm, vollkommen unmotiviert die Deckung seines Fahrzeuges verlassen haben, um sich wenige Meter entfernt und dazu leicht rückwärts völlig frei stehend auf einen Schusswechsel einzulassen, den der Gegner angeblich aber bereits begonnen haben soll!

Das ist entweder dumm oder verrückt.

Und was hatte die Polizei uns eben gerade noch erzählt? Die Beamten wurden beim Aussteigen beschossen?

Mit der Spurenlage vereinbar ist es nicht.

Was also mag PHK Rehm abseits seines Fahrzeuges gemacht haben? Hatte er Rücksicht auf das von Steuergeldern finanzierte Polizeifahrzeug nehmen und die Kugeln eines schießwütigen Irren auf seinen Körper lenken wollen?

Denn eines ist klar. Dort, wo sich der Mann befunden haben muss, wurde er gesehen.

Wo befindet sich hier die Motivation?

Wollte er gesehen werden?

Und was hat eigentlich sein Kollege, der PHK Schäfer, auf der anderen Seite des Fahrzeuges gemacht? Was wissen wir von ihm? Gibt es von diesem Mann irgendeine Spur? Denn er wird in keinem Bericht erwähnt.

Warum nicht?

Bezüglich der Polizeihülsen ist die Spurenlage unvollständig . Die Spuren mit den Nummern 1 und 2 sind nirgends ersichtlich. Die Hülsenspuren 3 bis 7 fanden sich, wie bereits erwähnt, auf der Kreuzung. Spur 8 fehlt wieder, während die Spur 9 als Hülsenmarkierung direkt an der Innenseite des vorderen rechten Reifens des Polizeiwagens markiert worden war.

Dies scheint eine Spur zu dem sonst nie erwähnten zweiten Polizisten, PHK Schäfer, zu sein. Da der Patronenauswurf immer zur rechten Seite erfolgt und sich jene Hülse der Spur 9 unter dem Polizeiwagen befand, muss dieser Polizist bei diesem Schuss gelegen sein. Und zwar beim linken Vorderrad.

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Da das Polizeifahrzeug dicht an der Ecke stand, wird man diesen Polizisten ohne weiteres gar nicht gesehen haben. Weder der vermeintliche Täter, noch ein zufälliger Passant.

Diese Entdeckung ist auch insofern bemerkenswert, weil nirgends berichtet wurde, dass dieser Polizist, PHK Schäfer, geschossen bzw. irgendeine Aktivität an den Tag gelegt hatte. Seine Person verschwand nach dem angeblichen Aussteigen aus dem Polizeifahrzeug aus allen Berichten.

Warum?

Wir können feststellen, dass beide Polizisten geschossen haben. Aber nur einer von ihnen wird als Schütze erwähnt und später auch benannt. Der nicht genannte Polizist lag dabei in Deckung, der genannte Polizist dagegen stand ohne Deckung.

Dies ist eigenartig.

Es wird sogar noch eigenartiger.

Die Begehung vor Ort hatte noch einmal verdeutlicht, dass für die beiden Löcher in dem schwarzen Van nur der liegende Polizeischütze links vom Streifenwagen in Frage kommen kann. Dies ist nicht nur durch die flache Schussbahn erwiesen, sondern auch durch den Umstand, dass seine Position die einzige gewesen war, um in diesem Bereich eine Schusswirkung zu hinterlassen. Denn an der Kreuzung befindet sich nach wie vor eine große Plakatwand, ein Verkehrsschild und auch der Zaun, welcher sich um die Kurve windet und sich entsprechend verdichtet. Nur von der Position links des Streifenwagens waren diese Hindernisse zu linker Hand zu umgehen.

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Diese Skizze soll demonstrieren, dass für die beiden Einschüsse in dem schwarzen Van nur jener Schütze in Frage kommen kann, der links vom Streifenwagen auf dem Boden gelegen ist. Hinzu käme auch das Einschussloch Nr. 24 in der Fassade (siehe unten). Er muss demnach mindestens dreimal geschossen haben, aber nur eine Hülse wurde von der Spurenmarkierung unter dem Fahrzeug markiert.

Mit dem Loch in der Fassade, als Spur 24 markiert, haben wir allerdings Probleme. Möglicherweise wurde dieses Loch ebenfalls von dem liegenden Schützen verursacht. Sicher ist nur, dass es nicht der auf der Straße stehende Schütze gewesen sein kann, da sich in dessen Schussbahn auch für dieses Loch die Hinternisse befunden hatten.

Die Form des Einschussloches lässt derzeit sogar eine weitere Möglichkeit zu.

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Einschussloch der Spur Nr. 24 in der Fassade der Firma „Langer Transport Service“.

Wir wissen nicht, wer von den beiden Polizisten den vermeintlichen Täter auf dem Gehweg angeschossen und eine blutende Beinwunde zugefügt hatte. Wir wissen aber, dass der auf der Straße stehende PHK Rehm weder das Loch in der Fassade noch die beiden in dem schwarzen Van hatte verursachen können.

Dieses Foto wurde direkt unter dem Einschussloch, Spur 24, in der Fassade aufgenommen. Es zeigt auf, dass aus dieser Richtung nur der liegende Polizeischütze für das Loch verantwortlich sein kann, während dem Schützen auf der Kreuzung der Zaun und die Plakatwand im Wege gestanden wäre.

Die Sicht aus umgekehrter Richtung, also aus Richtung des liegenden Polizeischützen. An der Stelle der abgebildeten Person befand sich der große Blufleck, Spur Nr. 18. Der schwarze Van befand sich damals genau dahinter. Der angebliche Täter muss sich demnach genau in der Schussbahn befunden haben.

Da dieser Polizist aber mit seiner Pistole geschossen hatte, laut Hülsenspuren immerhin 5x, gingen wir der Frage nach, wo diese Geschosse abgeblieben sein könnten. Selbst unter wohlwollender Berücksichtigung der geringen Wahrscheinlichkeit, dass er mit einem Geschoß den vermeintlichen Täter am Bein verletzt haben könnte, bleiben vier Geschosse als Fehlschüsse übrig.

Wir fanden sie nicht.

Die Markierungen der Spurensicherung unterstützen diesen negativen Befund. Ihrer Spurenchronologie zur Folge gab es keine weiteren Markierungen.

Auch dies ist sehr eigenartig. Denn man müsste nun in Erwägung ziehen, dass der Polizist mit der Pistole nur mit Platzpatronen geschossen haben könnte.

Dieser unverständliche Befund hat uns dazu veranlasst, die Schusswirkung des vermeintlichen Täters zu ergründen.

Den Polizeiangaben nach soll er bei dem angeblichen Überqueren der Straße einen ersten Schuss auf die angeblich aussteigenden Polizisten abgegeben haben. Auf der anderen Straßenseite hatte die Spurensicherung 6 Hülsenmarkierungen auf dem Gehweg aufgemalt. Ebenfalls nach Polizeiangabe soll der vermeintliche Täter für das Loch im Kenzeichen des Polizeiwagens verantwortlich sein. Also an der wahrscheinlich unauffälligsten Stelle des Fahrzeuges.

Doch wo sind die übrigen Geschosse abgeblieben?

Blick auf dem Raum hinter der damaligen Position des Streifenwagens vor dem Casino Luxor.

Das Polizeifahrzeug wurde an keiner weiteren Stelle getroffen, trotz seiner Größe. Und wie steht es um den dahinter befindlichen Bereich?

Wir haben den ganzen Bereich abgesucht. Angefangen vom Zigarettenautomaten und der Laterne über das Gebüsch und dem Lichtmast bis zu den Bäumen und dem dahinter befindlichen Firmengebäude.

Wir haben nichts gefunden.

Als Möglichkeit blieben nur noch damals geparkte Fahrzeuge am Straßenrand übrig. Allerdings wurden keine Markierungen für beschädigte Fahrzeuge entdeckt, wie dies üblich gewesen wäre. Auch den in der Nähe arbeitenden Menschen war keine Arbeit der Spurensicherung in diesem Bereich aufgefallen. Uniformierte Polizeibeamte hatten allerdings damals vor dem Firmengebäude den Boden abgesucht.

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Ganz offensichtlich ist diese Schusswirkung von der Spurensicherung nirgends dokumentiert worden, was sich allein durch die vorhandenen Nummerierungen ableiten lässt. Sie beginnt mit der Nr. 3 auf der Kreuzung.

Das ist wieder sehr erstaunlich und nicht zu verstehen. Hatte die Spurensicherung diese Schusswirkung nicht finden können? Handelte es sich nur um eine schlimme Schlampigkeit?

Oder hat es etwa diese Schusswirkung nie gegeben?

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Möglicherweise wurde eine Schussspur an einem Fahrzeug gefunden, doch ist dies noch nicht gesichert.

Noch einmal:

Der eine Polizist, PHK Rehm, wurde in den Polizeiberichten und in den Medien immer wieder genannt. Ihm wurde die Verwundung des vermeintlichen Täters zugeschrieben.

Dieser Mann hatte sich aber abseits seines Fahrzeuges befunden. Er hat, auf der Kreuzung stehend, 5 Patronenhülsen seiner Pistole hinterlassen, ohne dass auf der anderen Seite die Schusswirkung ausgemacht werden konnte.

Sein Kollege dagegen, PHK Schäfer, wurde bis zum heutigen Tag nie erwähnt. Nie wurde eine Aktivität von diesem bekannt. Eigentlich hat er gar nicht existiert.

Dabei lassen sich Schussabgaben ausgerechnet von diesem Mann nachweisen. Er hat ein Gewehr benutzt, das nicht gerade als Waffe für die Selbstverteidigung zu bezeichnen ist. Er ist in Deckung gelegen. Und er war einfach zu schnell gewesen, als dass er nicht von Anfang an bereits in Position gelegen ist. Er hat mindestens drei Schüsse abgegeben, doch wurde nur eine Hülse zumindest ersichtlich dokumentiert. Hinzu käme vielleicht noch eine Patrone für den Beinschuss.

Dieser Mann, PHK Schäfer, hat sich auffallend konträr zu seinem Kollegen PHK Rehm verhalten, der nicht mehr als einen Schreck verursacht haben dürfte. PHK Schäfer war der tatsächlich Aktive gewesen. Dieser Mann hat aber, von der anfänglichen Pluralnennung der Polizeifahrzeug-Besatzung, weiterhin nicht mehr existiert.

Und da nun auch noch der Nachweis fehlt, dass der vermeintliche Täter überhaupt auf diese Streifenwagenbesatzung geschossen hatte, drängen sich ganz ekelhafte Fragen auf.

Unterstützt wird es durch die Arbeit der Spurensicherung selbst, die einen Teil der Spuren hatte nicht feststellen können, obwohl diese laut Polizeiangaben sowie den markierten Spuren existieren müssten.

Wir stehen hier erst am Anfang unserer Ermittlungen. Dennoch haben wir bereits einen erschreckenden Befund vor uns.

Verletzte Beine.

Besonders interessant ist hier auch die Art der Verletzungen, welche die Polizei dem angeblichen Täter auf dem Gehweg zugefügt haben will.

Am 17. März soll es laut Staatsanwaltschaft, die sich auf den „vorläufigen“ Obduktionsbericht berufen hatte, ein Knöchelsteckschuss links und ein Kniesteckschuss rechts gewesen sein.

Erstaunlicherweise wurde dies in der Pressemitteilung vom 4. April dahingehend korrigiert, dass es sich rechts nicht um einen Kniesteckschuss, sondern jetzt „nur“ noch um einen Schuss in die Wade gehandelt haben soll.

Nun müsste man nicht nur die Qualifikation des vorherigen Pathologen stark in Frage stellen. Vielleicht hatten die Verantwortlichen auch nur festgestellt, dass ein Kniesteckschuss neben einem Knöchelsteckschuss doch etwas zu dick aufgetragen gewesen war. Vor allem, wo sich der Schwerverletzte doch noch so munter fortbewegt haben soll.

Wie dem auch sei.

Denn auch mit einem Knöchelsteckschuss allein kann – normalerweise – kein Mensch mehr gehen!

Nun könnte man annehmen, dass die Behörden sich das einfach so denken, weil sie den vermeintlichen Täter auf dem Parkplatz derartig verletzt vorgefunden haben. Dann wäre allerdings die Arbeit der Spurensicherung – wie die des Pathologen – grundsätzlich in Frage zu stellen.

Dem angeblichen Täter scheint es jedenfalls nicht großartig beeindruckt zu haben, denn er ging und lief weiterhin herum – ohne Anzeichen einer Behinderung.

Aus welchem Grund lügen auch an dieser Stelle die Polizei und die Staatsanwaltschaft, die es schon zuvor normal gefunden hatten, mit zwei Gelenksteckschüssen links und rechts locker herumlaufen zu können? Wo ist das Motiv für diese Lüge? Denn es muss ein Motiv für diesen Unsinn geben, den man der Öffentlichkeit verkaufen will. Dem Pathologen wird der Unterschied von Knie und Wade sicherlich bekannt gewesen sein.

Nach der Spurenlage müsste es zumindest zu einem Treffer ins Bein gekommen sein, wobei nur die rechte Wade in Frage käme, und dies auch nur ohne Knochenverletzung. Die Blutlache, Spur Nr. 18, hat definitiv nur den Umfang von einem Bein – mit dem Rest eines Fußabdruckes in der Mitte.

Und dies wird auch die Spurensicherung erkannt haben.

Blut ist am Donnerstag, 12. Maerz 2009, am Tatort vor einem Autohaus in
Wendlingen bei Stuttgart zu sehen. Bei einem Amoklauf in einer Schule im
baden-wuerttembergischen Winnenden und in Wendlingen wurden am Mittwoch, 11.
Maerz 2009, insgesamt 16 Menschen getoetet. (AP Photo/Daniel Roland)  ---Blood
is seen at the crime scene outside a car dealer on Thursday, March 12, 2009,
where a shooting incident took place in Wendlingen, southern Germany, on
Wednesday, March 11, 2009. A 17-year-old wielding a Beretta 9 mm pistol burst
into classrooms at his former high school in nearby Winnenden and gunned down
students _ some of whom died with their pencils still in hand _ in a rampage
that ended with 15 dead before he took his own life, authorities said.   (AP...

Update:

Während des 6. Prozesstages im Verfahren gegen Jörg Kretschmer führte der Gerichtsmediziner vor Gericht aus, dass die Leiche von Tim Kretschmer einen Steckschuss im linken Sprunggelenk bei der Achillessehne sowie einen Steckschuss im Tibiaknochen der rechten Wade aufwies. Letztere Verletzung wurde dahingehend präzisiert, dass das Projektil den Tibiakopf zerschmettert haben soll. Der Tibiakopf ist die Mündung dieses Knochens im Kniegelenk.

Und es geht noch weiter…

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Teil 2.1 - Wendlingen

Zuletzt geändert: 13/04/2016 19:30