Teil 6.3 - Desinformationskampagne IIc

Ablauf in Wendlingen laut Schattauer 2.




Im Folgenden soll versucht werden, den Ablauf der Ereignisse in Wendlingen an einer anderen Stelle nachzuvollziehen. Hierbei sollen, wie zuvor, allein die Angaben von Schattauer herangezogen werden, welche der derzeit aktuellen Polizeiversion entsprechen. Aus diesem Grund werden die im Buch verstreuten Berichte zusammengefügt und teilweise in die richtige chronologische Reihenfolge gesetzt – soweit dies möglich ist. Dazu gehören auch die im Buch dargestellten Funksprüche.

Den Doppelmord im Autohaus lassen wir hier beiseite, zumal wir ohnehin nicht wirklich Kenntnis darüber haben. Und alles andere wurde bereits gesagt. Die Zeitangaben sowie die Zeiteindrücke behalten wir allerdings im Auge.




Nach der Darstellung des DPD-Überwachungsbandes müsste der vermeintliche Täter gegen 12.14 Uhr das Autohaus erreicht haben, weil der präsentierte Polizeihauptkommissar um 12.14 und 6 Sekunden seine Deckung verlassen haben soll. 8 Sekunden später soll er die Beifahrertür geöffnet und sich hingekniet haben. Der Mann hat sich bei seinem Tun Zeit gelassen.

Das Spurenfeld an der Kreuzung lassen wir hier außen vor und nehmen an, dass der vermeintliche Täter tatsächlich in das Autohaus gegangen war. Also rund 12.14 Uhr. Da Schattauer beim DPD-Band schildert, dass um 12.15 Uhr und 42 Sekunden „Menschen“ den Parkplatz vor dem Autohaus betreten hätten, müssten demnach zu diesem Zeitpunkt die erwähnten Mitarbeiter über die Werkstatt nach draußen geflohen sein. Demnach sollte sich der im Buch geschilderte Doppelmord etwas zuvor ereignet haben oder spätestens zur gleichen Zeit. Grob gerechnet, leider nicht mehr als das, müsste der Täter somit etwa 1,5 Minuten Zeit damit verbracht haben. Um 12.16 Uhr und 35 Sekunden soll eine Hahn-Angestellte per Notruf die Polizei alarmiert haben. Wir wissen aber nicht, ob vom Festnetz aus oder mit einem Mobiltelefon, ob aus dem Autohaus oder nicht, ob von der Vorderseite oder von der Rückseite.
Wir können nur annehmen, dass es die Vorderseite gewesen sein könnte, denn vor der dortigen Werkstatt sollen die Mitarbeiter erschienen sein. Marion von DPD bestätigte deren Flucht Richtung DPD. Hinzu kommt, dass die weiblichen Hahn-Angestellten im vorderen Bereich des Autohauses arbeiten.
Somit erscheint es uns etwas eigenartig, dass eine Hahn- Mitarbeiterin um 12.16 Uhr und 35 Sekunden einen Notruf abgesetzt haben soll, wo sie doch die Polizei bereits vor Augen gehabt haben muss.
Eine Kleinigkeit nur. Aber vielleicht eine, die man sich merken sollte.


Kommen wir nun zu jener Stelle, an welcher es nun endlich wieder zur Sache geht – was die Polizei betrifft.

„Ein weiterer Streifenwagen trifft am Autohaus ein…“

Eine Uhrzeit wird für dieses Ereignis nicht genannt. Und dann:

„Nun steigen die beiden Beamten aus, gehen hinter dem Heck in Deckung und beobachten bei laufendem Motor und angeschaltetem Blaulicht die Szenerie. Der Beifahrer hat eine Maschinenpistole dabei. Tim bemerkt die Gefahr und kommt aus dem hinteren Teil der Filiale. Durch die gläserne Fassade feuert er zwölf Mal auf das Auto. Die Beamten hören, wie die Projektile an ihnen vorbeipfeifen. Eines sprengt die Seitenscheibe. Sie verschanzen sich hinter dem Streifenwagen und warten, bis der Kugelhagel aufhört. Vorsichtig kriecht einer der Beamten um das Auto herum. Die Fahrertür steht offen. Er greift nach dem Funkgerät und brüllt hinein, dass der Täter aus dem Autohaus Hahn herausschießt. Aufgrund massiver Funkstörungen gibt er die Meldung drei Mal hintereinander durch.“

Auszüge aus den Funkprotokollen:
12:16:30 Uhr: „… starkes Pfeifen am Funk…“
12:16:45 Uhr: „Pfeifen… Autohaus Hahn geflüchtet… Pfeifen…“
12:18:00 Uhr: „Pfeifen… Pfeifen…“
12:18:30 Uhr: „keine Aufzeichnung mehr…“


An anderer Stelle wird aber folgender Funkspruch dargeboten, der in diese Zeit fallen sollte:

„Durchsage an die Kräfte: Täter befindet sich anscheinend im Autohaus Hahn und schießt.“

Wer kann und soll diesen Funkspruch abgesetzt haben? Doch wohl kaum jene Polizisten, die sich in der Abgaswolke des laufenden Motors ihres Fahrzeuges befunden haben sollen, denn für die muss es ja eindeutig gewesen sein. Sie dürften sich höchstens darüber gewundert haben, dass der Schütze nicht einmal in der Lage gewesen war, den Polizeiwagen zu treffen, und das auch auch noch bei geöffneter Fahrertür. Eine Seitenscheibe „zersprang“ jedenfalls nicht, wie spätere Fotos Auskunft geben.

„Anschließend schaut er gemeinsam mit seinem Kollegen, der immer noch am Streifenwagen kniet, durch die gläserne Fassade des Autohauses. Sie können kaum etwas erkennen. Dann sehen sie schemenhaft eine dunkel gekleidete Person. Tim läuft, nachdem er im Autohaus 30 Schüsse abgefeuert, zwei Menschen ermordet und Sachschaden in Höhe von 85.000 Euro angerichtet hat, zu einer Hintertür.“

Hier haben wir den Abschnitt, in welchem Schattauer die 30 Schüsse nennt, nachdem er zuvor 24 aufgezählt hat. Das sind 6 Schuss zu viel. Und neu ist dies ebenfalls.

„Vorsichtig nähern sich die Beamten dem Vordereingang. Auf dem Weg erhalten sie Verstärkung. Aus einem der Streifenwagen, die nach und nach das Gewerbegebiet erreichen, stößt ein Kollege mit Maschinenpistole hinzu. Zu dritt gehen sie in das Autohaus. Es ist still. Nur die Geräusche der eigenen Schritte sind zu hören…“

Drei Polizeibeamte sind also ins Autohaus eingedrungen, welches der Täter auf der anderen Seite verlassen hat. Die Polizisten treffen einen Mann aus der Werkstatt und entdecken die beiden niedergeschossenen Toten. Der Zeitpunkt wird für diese Aktivität nicht genannt.

Wer sich immer noch nicht die bei SPIEGEL-TV ausgestrahlte kurze Videosequenz über diesen Einsatz angeschaut hat, sollte dies nun dringend nachholen. Dann ergibt sich die Frage, wie dies alles zusammenpassen soll, ganz von selbst.

Während die Polizisten - irgendwann - ins Autohaus eindringen, bewegt sich auch der vermeintliche Täter.

„Tim ist durch die gläserne Hintertür verschwunden, über der ein Fluchtweg-Symbol leuchtet. Er biegt nach links ab, läuft auf grauem Knochenpflaster an der Fassade entlang. Ein Lagerarbeiter einer benachbarten Firma schaut zufällig in diese Richtung… Seine Blicke folgen dem jungen Mann, der sich ganz normal zwischen den abgestellten Gebrauchtwagen bewegt. Für den Zeugen sieht es so aus, als interessiere sich der Mann für Autos…“

Demnach hatte der vermeintliche Täter keine Eile. Oder wir hatten bislang immer die falsche Vorstellung des Begriffs „Flucht“ gehabt.

Hier lässt sich folgender Funkspruch einordnen, der natürlich an einer anderen Stelle des Buches platziert ist.

Funkspruch:
„Gerade ist einer hinten raus. Ist die Rückseite abgedeckt?“

Wer kann diesen Funkspruch abgegeben haben? Viele Möglichkeiten gibt es nicht, vorausgesetzt, dass dieser Funkspruch tatsächlich existierte. Entweder muss er von jenen drei Polizisten abgesetzt worden sein, die angeblich in das Autohaus eingedrungen waren. Dann müssen sie dem Schützen auf den Fersen gewesen sein, was allerdings eine ganz andere und sehr gravierende Problematik nach sich ziehen würde.

Oder aber, Polizisten hatten sich bereits auf der Rückseite des Autohauses befunden und dort die Flucht des Täters durch die Hintertür wahrgenommen. Sinn macht dies freilich nicht, denn wer käme hier auf die Idee, Kollegen nach der Rückseite fragen zu lassen, wenn er sich doch offensichtlich selbst dort befand.


Die Hubschrauber-Besatzung kann es nicht gewesen sein, denn die hätte die Rückseite genau im Blick gehabt.
Dass sie diese im Blick hatte, wird wiederum an anderer Stelle berichtet:

„Bussard 803 steht über dem Autohaus. Die Kamera des Polizeihubschraubers vom Modell MD 902 Explorer fängt das Dach und die Umgebung ein.
12:21:08 Uhr: Der Eingang des Autohauses befindet sich an der unteren Bildkante. Normaler Bildmodus. Ein Mann kommt ins Bild. Er geht links am Gebäude entlang und bleibt vor einem dunklen Kombi stehen, rechts befindet sich ein roter Container.“


Demnach müssten die drei Polizisten im Autohaus diesen Funkspruch abgesetzt haben, ganz ohne Störung.
Uns stört allerdings dieser Funkspruch an sich, wir fragen uns: wo ist der Rest? Wo ist die Meldung von den beiden Toten? Wo der Ruf nach einem Notarzt? Wo der Ruf nach Verstärkung? Und wo die Feststellung, dass der Bereich gesichert wurde?

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: dieser Funkspruch ist eine Erfindung oder es handelt sich nur um ein Fragment.
Nehmen wir einmal an, dass es sich nur um ein Fragment eines viel längeren Funkspruches gehandelt hat, um nicht schon wieder weitere Polizeibeamte der Inkompetenz, Fahrlässigkeit, Pflichtverletzung oder nur der blanken Idiotie zu bezichtigen.
Dann sollte auch die Hubschrauberbesatzung diesen schönen, vollständigen Funkspruch erhalten haben.

Doch weit gefehlt!
Die Hubschrauberbesatzung hat diesen Funkspruch nicht gehört. Vielleicht hat sie es auch nicht verstanden, falsche Sprache, falscher Kanal, falsches Hirn, falsches Scheißegal!
Denn:


12:21:20 Uhr: Die Besatzung sieht den Mann. Zoomt ihn heran. Er stützt die Hände in die Hüfte und schaut nach oben zum Hubschrauber. Die Polizisten unterhalten sich:
„Da schau mal, da steht einer.“
„Nein, das ist er nicht!“
„Ja, okay.“
Die Kamera zoomt weg.“


Noch Fragen?

Weiter mit dem vermeintlichen Täter, bei dem die Hubschrauberbesatzung offensichtlich keine Waffe bemerkt hatte.

„Nach ein paar Metern gelangt Tim in den mit Maschendraht umzäunten Außenbereich der Werkstatt. Am Zaun ist ein wetterfestes Werbebanner mit der Aufschrift „Top Gebrauchtwagen“ befestigt. Er geht an Reifenstapeln, Holzpaletten, Altölfässern vorbei und steuert auf eine Reihe Autos zu. Hinter den Autos markiert ein Zaun das Ende des Geländes. Rechts bilden Schiffscontainer, die bis unter die Decke mit Autoreifen gefüllt sind, eine stählerne Mauer. Der einzig offene Weg führt nach links auf den Parkplatz vor dem Haupteingang des Autohauses.“

Währenddessen der Polizeihubschrauber:

„12:21:31 Uhr: Der Mann geht gemächlich in Richtung weißer Container an der Rückseite des Autohauses und verschwindet aus dem Blickfeld der Kamera.“

Mit dieser Angabe lässt sich nebenbei der ungefähre Standort des Hubschraubers eingrenzen. Da es sich bei dem Autohaus Hahn um einen Flachbau handelt, sollte sich der Hubschrauber in relativ niedriger Höhe über dem Areal von „Festtool“ bewegt haben bzw. gestanden sein.

Es kommt nun – angeblich - zu dem unglaublich bewegenden Zusammentreffen zwischen einem besonders intelligenten Vertreter der Polizei und dem überaus geschickt agierenden Täter, der erfolgreich so tut, als sei er nicht der Täter. Keine Flucht, keine Waffe, desinteressiertes Gehabe.

„Dort stehen mittlerweile mehrere Polizeiwagen. Ein Beamter wartet neben seinem Fahrzeug und beobachtet die Schneise zum Hinterhof. Der 43-Jährige sieht jemanden an den Containern stehen. Er ist etwa 20 Meter weit weg. Der Polizist ruft: „Wer sind Sie?“ Der junge Mann antwortet nicht. Er schaut desinteressiert in der Gegend herum. Der Uniformierte ruft ein zweites Mal: „Hallo, wer sind Sie? Geben Sie sich zu erkennen und kommen Sie langsam auf mich zu!“ Der junge Mann hebt den linken Arm und macht eine Scheibenwischergeste. Dann verschwindet Tim um die Ecke…“

Ein keckes Bürschchen, dieser Täter. Reagierte ganz anders, als man es von einem flüchtenden Täter erwartet, verstellte sich und wollte ganz dreist um die Ecke des Gebäudes gehen, in welchem er zuvor noch einen Doppelmord begangen haben soll. Er wollte doch tatsächlich wieder zur Vorderseite des Gebäudes gehen, wo sich auch für ihn eindeutig die Polizei befand. Ja, das ist tollkühn!
Vielleicht hätte dieser Täter sogar Glück gehabt, auch wenn er es hätte niemals ahnen können, dass dort nur ein einziger unfähiger Polizist gewesen sein soll und die weiteren Beamten aus den „mehreren Streifenwagen“ zufällig nicht anwesend und auch ansonsten nicht motiviert, in diesen Bereich vorzugehen und den wahnsinnigen Killer aufzuspüren.

Immerhin stand dieser nach wie vor unter Beobachtung. Der Polizeihubschrauber:

„12:22:01 Uhr: Der Mann kommt wieder ins Bild. Er läuft an der Rückseite des Autohauses entlang, vorbei an geparkten Autos. Auf Höhe des Hinterausgangs bleibt er stehen.“

Der Täter setzte seine Tarnung der Unbefangenheit konsequent fort. Er blieb sogar mitten auf dem Platz für Gebrauchtfahrzeuge stehen und tat so, als würde er dorthin gehören. Sogar noch auf Höhe des Hinterausgangs des Autohauses. Vielleicht hatte er gar nicht damit gerechnet, dass sich die Polizei bewegen und ins Autohaus eindringen würde.
Der dröhnende Polizeihubschrauber wird allerdings kaum zu übersehen und zu überhören gewesen sein.

„12:22:16 Uhr: Die Hubschrauber-Besatzung schaltet um auf Wärmebildmodus. Der Mann bewegt sich an der Rückseite des Autohauses Hahn entlang.“

Die noch nicht als Täter identifizierte Person wurde weiterhin beobachtet. Wir wissen nicht, wer eigentlich die umliegenden Bereiche beobachtete.
Der vermeintliche Täter spielte ein gefährliches Spiel. Er stand und latschte auf dem Parkplatz herum. Gut sichtbar für jene Polizisten, die in das Autohaus eingedrungen sein sollen. Denn auch die Rückseite des Verkaufsraumes ist verglast.

Hubschrauber:
„12:22:30 Uhr: Die Polizisten vergrößern den Bildausschnitt.
„Da läuft einer am Gebäude, pass mal auf, da läuft einer am Gebäude hinten, da steht einer, aber…“


Wo sind die Polizisten im Autohaus? Sprach niemand mit ihnen? Konnten sie just in dieser Phase keinen Funkspruch hören? Hatten sie keine Augen im Kopf? Sprachen die Leute im Hubschrauber mit sich selbst? Und was ist mit dem Polizisten, der zuvor den vermeintlichen Täter angesprochen haben will? Holte er keine Verstärkung? Ging er der Begegnung nicht auf den Grund? Was hielt auch ihn zurück?
Und die Besatzung im Hubschrauber? Warum wurde das, was sie gerade beobachteten, langsam spannend, obwohl sie nichts anderes beobachteten als zuvor?

„Jetzt schalten sie in Normalmodus. Der Mann hat wieder die Hände in den Hüften und schaut nach oben.
„… ist das der Täter? Nee, das kann er nicht sein, oder?“
Die Kamera zoomt weg.“


Die zuvor aufgebaute leise Spannung fällt hier augenblicklich in sich zusammen. Kann er sein, kann er nicht sein, vielleicht und möglicherweise. Ermittelt wird es nicht.

„Mehrmals funken Polizisten vom Boden aus die Crew an. Geben Informationen über den vermuteten Fluchtweg des Täters durch. Die Helikopter-Besatzung muss passen:
„Haben bis jetzt nichts festgestellt. Wir schauen… Täterbeschreibung bitte!


Da haben wir die Offenbarung schlechthin.
Hier wird ganz konkret von der Kommunikation zwischen Boden und Hubschrauber berichtet, die freilich null Reaktion verursacht. Der Fluchtweg ist den Schlaumeiern bekannt, nämlich jener durch die Hintertür. Polizisten befinden sich im Autohaus. Vor deren Nase spaziert eine einzige Person auf dem Parkplatz herum, die nicht flüchtet. Wohl kaum mit einer Tarnkappe. Keine Reaktion. Und die Hubschrauber-Besatzung hat genau diese Person die ganze Zeit auf ihren Schirm und behauptet nun plötzlich, dass dort nichts sei.
Jeder Leser, jeder Mensch in der Öffentlichkeit sollte sich unserer Ansicht nach beleidigt fühlen, unterstellt man ihnen hier den Verstand weit unterhalb eines Primaten.
Da nützt auch die Geschichte nichts mehr, dass nun plötzlich, nun erst, angeblich nach einer Täterbeschreibung gefragt und so etwas wie eine Entschuldigung eingeleitet wird. Vorher scheint eine Täterbeschreibung gar nicht existiert zu haben und für eine Fahndung nicht nötig gewesen zu sein.

Möglicherweise lässt sich hier folgender Funkspruch einordnen:

Funkspruch:
„Täter braun gekleidet, trägt Kurzwaffe.“

Die Beschreibung ist zwar etwas dünn, aber immerhin. Offenbar hatte es mit den Übermittlungen aus Winnenden und Weiler am Stein immer noch nicht geklappt. Zu dumm auch, diese Technik.

Und noch einmal der Hubschrauber:

„12:23:01 Uhr: Der Mann läuft vom Hintereingang des Autohauses Hahn quer über den Parkplatz in Richtung der Firma Ritter-Aluminium und verschwindet vom Schirm.“

Offensichtlich hat der vermeintliche Täter genug davon gehabt, vor dem Hinterausgang des Autohauses herumzuhängen, da sich die Polizisten innerhalb dessen - und auch alle anderen - geweigert hatten, ihn endlich festzunehmen.
Seine Tarnung schien perfekt, also machte er sich auf und davon. Er brachte es sogar fertig, vom Schirm des oberhalb „Festtool“ befindlichen Polizeihubschraubers zu verschwinden, ohne eine Deckung zur Verfügung zu haben.

Für einen Mann bleibt der vermeintliche Täter allerdings nicht unsichtbar.

„Der Geschäftsführer der Firma Ritter-Aluminium blickt aus dem Fenster im ersten Obergeschoss Richtung Parkplatz. Er sieht einen Mann im Bereich der Fahrradständer. Der Mann macht ihm einen unentschlossenen Eindruck. Er hält eine Waffe in der Hand. Er beginnt, mit der Waffe herumzufuchteln, aber er schießt nicht. Der Geschäftsführer denkt, das muss ein Verrückter sein.“

Was ist nun geschehen? Der vermeintliche Täter, der eben gerade unentdeckt fort gegangen war, schien sich nicht mehr sicher, ob dies der für ihn richtige Weg wäre. Vielleicht war er plötzlich ärgerlich geworden, weil man ihn ignorierte. Vielleicht hatte er deswegen wieder seine Pistole in die Hand nehmen müssen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Er hat mit dieser Waffe herumgefuchtelt, er hat kommuniziert. Doch – mit wem eigentlich? Mit sich selbst? Wer war denn dort? Das muss für einen Außenstehenden wirklich verrückt ausgesehen haben.
Wo befand sich eigentlich der Hubschrauber?

Wir begegnen nun einem anderen Polizisten-Duo. Obwohl sich die vorherigen Ereignisse im Autohaus Hahn abgespielt hatten, hatte es die gleich erwähnten Polizisten aus irgendeinem Grund weg vom Geschehen verschlagen. Sie befanden sich viel weiter hinten gegenüber „Ritter-Aluminium“, unweit des Autohauses Käser.

„Der Beamte des Polizeireviers Nürtingen und seine Kollegin haben Tim schon eine Weile beobachtet. Sie glauben zunächst, er arbeite im Unternehmen oder sei ein Schaulustiger. Daraufhin setzt sich der Beamte in den Streifenwagen und spricht den jungen Mann über Außenlautsprecher an. Er fordert ihn auf, das Gelände zu verlassen und in das Gebäude zurückzukehren. Der Mann reagiert nicht. Dann schießt er auf die Tür der Firma Ritter.“

Auch hier scheint es mit der polizeiinternen Kommunikation nicht recht funktioniert zu haben.
Dazu der Geschäftführer von Ritter-Alminium:

„Als der Mann mit der Pistole langsam auf den Verwaltungstrakt der Firma zusteuert, schwant dem Geschäftsführer, dass es gefährlich werden könnte. Er rennt ins Büro, um den Schlüssel zu holen. Er geht durchs Treppenhaus nach unten und verriegelt die Tür. Schüsse krachen. Tim trifft zwei blaue Blumenkübel und eine Scheibe neben der Tür. Der Manager bleibt unverletzt.“

An diese Stelle passt folgender Funkspruch:
Funkspruch:
„Durchsage: Es wird geschossen. Für alle erhöhte Eigensicherung. Es wird geschossen im rückwärtigen Bereich des Gebäudes.“

Ein weiterer Funkspruch kann nur von jemanden abgegeben worden sein, der sich nicht vor Ort befand:
Funkspruch:
„Bitte durchgeben, welche Örtlichkeit!“

Jetzt endlich gab es eine Reaktion seitens der Polizei. Nicht vom Hubschrauber, auch nicht von dem Polizeiaufgebot, welches sich beim und im Autohaus Hahn versammelt hatte, sondern von dem neuen Polizei-Duo.

„Der 40 Jahre alte Polizist, der Tim gerade noch für einen Unbeteiligten hielt, zielt mit seiner Maschinenpistole MP5 auf den Schützen. Keiner der fünf Schüsse trifft. Zwei Geschosse schlagen in der Fassade der Firma Ritter-Aluminium ein, drei Kugeln knallen in einen VW Touran, der am Straßenrand geparkt ist. Schaden: 3.000 Euro.“

Endlich haben wir eine echte Aktivität. Doch warum darf die Polizistin, die Kollegin, nicht daran teilhaben? Es ist in dieser Episode der Beamte, der den Lautsprecher betätigt, und dann ist er derjenige, welcher sich die MP schnappt, sein Fahrzeug verlässt und eine halbwegs geeignete Schussposition aufnimmt. Nach 5 Schüssen soll dann schon Schluss damit gewesen sein.
Folgendes könnte der Grund dafür gewesen sein:

„Der Polizist sieht, wie der Täter über den Parkplatz Richtung Autohaus Hahn läuft und auf die Straße schaut.“

Das heißt also, dass der Pistolenmann wieder weggegangen sein soll. Wohin genau, wird nicht deutlich genannt. Nur Richtung Autohaus Hahn. Und vielleicht auch nur bis zum Fahrradständer am Anfang des Parkplatzes. Das wissen die Polizisten, die ihn vom Autohaus her beobachtet haben müssen, sicherlich besser.

Um es noch einmal zu verdeutlichen: dass der Bereich im Autohaus gesichert gewesen und von Polizisten besetzt sein muss, wird auch innerhalb der kleinen Geschichte von jenen beiden Polizisten eindeutig, die etwas darauf schwer verletzt wurden.

„Das Gewerbegebiet ist unübersichtlich. Sie kennen sich nicht aus. Halten schräg vor dem Autohaus Hahn. Mehrere Streifenwagen kommen an. Über dem Gelände kreist ein Hubschrauber.
Die Beamten aus Filderstadt steigen aus und ziehen sich grüne Westen der Polizei über. Vergeblich versuchen sie, Kontakt mit Kollegen aufzunehmen. Sie warten darauf, eingewiesen zu werden, wollen wissen, wer den Einsatz leitet. Das Funksystem ist überlastet. Stimmen verlagern sich, es kratzt, rauscht und pfeift, Durchsagen versacken, brechen ab.“


Es existiert keinerlei Bedrohung aus dem Autohaus.
Wir wissen nicht, wann genau die beiden Polizisten vom Revier Filderstadt eingetroffen waren. Wir wissen nur eines: im Autohaus befand sich Polizei, während auf der Rückseite der vermeintliche Täter herumstand oder umherging.
Die beiden Beamten sollen sich nicht ausgekannt haben, also waren sie damit beschäftigt, sich zu orientieren. Auf die angeblichen Kommunikationsprobleme soll hier nicht eingegangen werden.

Es fallen Schüsse. Die Beamten aus Filderstadt beschließen, dorthin zu fahren. Ein dritter Polizist kommt hinzu und steigt mit seiner MP in deren Opel Astra.
Warum sie die folgenden „50 Meter“ nicht zu Fuß gingen, was sicherer gewesen wäre, und warum sie nicht den geraden Weg durch das Autohaus genommen haben, bleibt vorerst unergründlich.

Hier lässt sich folgender Funkspruch einordnen, sollte er je existiert haben:

Funkspruch:
„Stopp, stopp, stopp! Zwischen Firma Hahn und Firma Ritter mehrfach geschossen. Mehrere Schüsse hinter dem Gebäude Hahn.“

Das könnte als Versuch gewertet werden, genau diese Beamten von ihrem idiotischen Vorhaben abzuhalten.
Von wem dieser Funkspruch gekommen sein soll, wird nicht erwähnt.


„Der Wagen fährt knapp 50 Meter. Rollt vor die Firma Ritter-Aluminium, wo der Täter mit der Waffe im Anschlag wartet. Krachend zischt ein Geschoss durch die Seitenscheibe des Polizeiautos.“

Die selbe Szene im Abschnitt jenes Polizeischützen, der sich in Richtung Autohaus Käser befunden hatte:

„Der Polizist sieht, wie der Täter über den Parkplatz Richtung Autohaus Hahn läuft und auf die Straße schaut. Dort fährt gerade ein Zivilfahrzeug mit aufgesetztem Blaulicht vor. Der Täter hebt den Arm und schießt aus etwa zehn Meter Entfernung auf das Auto.“

Von wo aus soll der Täter geschossen haben? Einerseits soll er sich zuvor in Richtung Autohaus Hahn bewegt haben, dann soll er das zivile Polizeifahrzeug aus einer Entfernung von 10 Metern beschossen haben. Dies würde allerdings bedeuten, dass er ziemlich nahe an der Straße gestanden sein muss.

Davon einmal abgesehen, dass für Letzteres keine Hülsenspuren auffindbar waren, zeigt auch das bekannte Handy-Video anderes. Die dort gezeigte Person bewegt sich nicht vom Parkplatz weg, sondern scheint, zwischen zwei geparkten Fahrzeugen stehend, zwei Schüsse in Richtung Straße abzugeben.

Und was passiert dann?
Der angeschossene Fahrer soll aus dem zum Stehen gekommenen Kombi ausgestiegen und um den Wagen herumgegangen sein, um seiner schwer verletzten Kollegin dort herauszuhelfen.
Das geschieht dann allerdings weitgehend unter den Augen der anscheinend bewaffneten Person auf dem Parkplatz.
Wir halten dies für äußerst bemerkenswert. Nein, nicht das Verhalten des Fahrers, der seine Kollegin bergen will, sondern das Nichtverhalten der übrigen Polizisten. Denn diese hätten – unserer Ansicht nach – den Schützen auf dem Parkplatz massiv unter Feuer nehmen müssen, um diesem nicht die Möglichkeit zu geben, die Besatzung des stehenden Zivilfahrzeuges zu beschießen!

Aber wieder geschah nichts.
So müssen wir in diesem Zusammenhang feststellen, dass die Polizisten im und beim Opel Astra Glück im Unglück zu haben schienen, denn die Person auf dem Parkplatz, der vermeintliche Schütze, interessierte sich gar nicht mehr für diese Leute. Der wendete sich ab, ging ein wenig umher.
Hatte man dies etwa geahnt?


Der am Hals verwundete Polizist alarmierte einen Notarzt und auch seine sehr verhalten wirkenden Polizei-Kollegen, die irgendwo der Dinge harrten.
Dazu lässt sich folgender Funkspruch einordnen:

Funksprüche:
„Kollege verletzt, Kollege verletzt! Brauchen DRK!“
„Kann mich jemand hören? Brauchen NAW, Kollegin ist angeschossen!“
„NAW ist unterwegs.“


Während der Polizist im Polizei-Kombi mit der Kindersicherung haderte, der am Hals verwundete Polizistenfahrer seine Kollegin barg und den Notarzt alarmierte, während in dieser Zeit alle übrigen Polizisten nicht bemerkt wurden…

„Der Täter steht mittlerweile hinter einer Reihe Autos auf dem Parkplatz der Firma Ritter-Aluminium.“

Also war er zuvor von dort doch weggegangen? Oder etwa doch nicht, denn er soll sich ja zuvor auch schon dort befunden haben. Hinter Autos? Das kommt unter Umständen sogar auf einem Parkplatz auf die Blickrichtung an.

Dazu der nach der Alarmierung des Notarztes an anderer Stelle nachfolgend abgedruckte Funkspruch:

Funkspruch:
„Person steht frei auf dem Gelände vor der Firma Hahn. Im Hof.“

Verwirrend, nicht wahr? Wer befand sich hier also wo und wann?

Der darauf Folgende rückt es wieder gerade:

Funkspruch:
„Der Täter ist hinter dem Gebäude von Aluminium Ritter. Er ist auf dem Parkplatz hinter irgendwelchen Autos.“

Interessant.
Plötzlich fallen Schüsse.

Nein, nicht seitens der Polizei, die ihren armen Kollegen Deckung verschaffen wollen oder diese gar zu retten versuchen. Es ist der vermeintliche Täter, der schießt.

„Der Geschäftsführer beobachtet ihn aus dem Fenster des ersten Obergeschosses. Er sieht, wie der Mann seinen rechten Arm hebt, die Pistole über seinen Kopf hält und mehrfach in die Luft schießt. Dann fingert er ein neues Magazin aus der Tasche und schiebt es in die Waffe. Wieder reckt Tim den Arm in die Höhe, als wolle er den Polizisten zeigen: Seht her, ich habe neue Munition…“

Die Person auf dem Parkplatz zeigt an? Er könnte auch gewunken haben. Und er kommunizierte mit jemanden in Richtung Verwaltungstrakt der Firma Aluminium-Ritter. Das Verhältnis schien recht gut.
Das bestätigte sogar der verantwortungsbewusste Geschäftsführer, der alles vom Obergeschoss aus beobachtete und währenddessen seine Angestellten im Erdgeschoss an den Geschehnissen live teilhaben und sogar filmen ließ. Die angeblich auf ihn abgegeben Schüsse schienen vergessen, alles gütlich geregelt.
Oder?

Der vermeintliche Täter lärmte auch nur herum, er schoss zwar, aber nur in den Himmel. Dies zeigt an, dass er in diesem Moment gar nicht beabsichtigt haben kann, jemanden zu verletzen oder gar umzubringen. Natürlich sagt dies nichts über vorherige Ereignisse aus, es besagt auch nichts über das Ratio dieser Person. Letzten Endes ist es auch nur eine Behauptung, die der besagte Geschäftsführer getätigt haben soll.

Und plötzlich muss diese kommunikative wie lärmende Person so etwas wie einen starken depressiven Anfall bekommen haben.

„Er setzt sich auf den Boden und schießt sich in den Kopf.“

Das nennt man konsequent. Aber warum nicht schon irgendwann vorher?
Die Polizei hat dies angeblich nicht gesehen. Das gibt sie sogar selbst zu. Wie denn auch? Das heißt, wo war der Polizeihubschrauber noch mal…?
Einige Angestellte von Ritter-Aluminium sollen dies beobachtet haben. Das heißt, eigentlich sollen es nur zwei gewesen sein: der Handy-Filmer und der Geschäftsführer. Und die anderen Neugierigen?

Bekanntermaßen wurde das Handy-Video in großer Eile und sogar nachbearbeitet veröffentlicht, aber leider ohne die entscheidende Szene.

Enden wollen wir diese Zusammenstellung mit dem Polizeihubschrauber. Nein, deren Besatzung war nicht eingeschlafen, sonst wäre das Fluggerät abgestürzt. Gesucht sollen sie haben, die ganze Zeit gesucht, die Armen.

Nach langer Suche fängt die Kamera des Hubschraubers den jungen Mann wieder ein, der schon mehrfach auf dem Monitor zu sehen war, ohne dass er als Amoktäter identifiziert worden wäre. Die Polizisten zoomen ihn heran. Seine Füße zeigen in Richtung des Autohauses Hahn, der Kopf liegt in einer Lache.“

So ein Pech aber auch. Soviel Mühe gemacht und dann doch die entscheidenden Minuten einfach verpasst.
Um 12:24:54 Uhr soll sich der vermeintliche Täter angeblich selbst erschossen haben.


„12:27:56 Uhr meldet sich die Crew an alle Einheiten:
„Hier ist der Bussard 803. Die Person ist am Boden, vermutlich tödlich getroffen.“


Wer hätte das gedacht?
Da muss sich jemand seiner Ferndiagnose schon sehr sicher gewesen sein. Und das noch bei einer Person, die von der Besatzung zuvor penetrant als unverdächtig eingestuft worden sei.
Eine glückliche Fügung der Dinge.

Zuletzt geändert: 04/05/2016 02:29