Teil 3.0 - Winnenden

(Autor: Rüdiger Rohde)

Der Blick richtet sich nun nach Winnenden und damit zu dem eigentlichen Beginn dieser Tragödie und zum Schauplatz des angeblichen „Amoklaufes“. Dieser Blick sollte, ja, muss sogar, nach der Abhandlung über den Schauplatz Wendlingen ein anderer sein. Widersprüche müssen erkannt und benannt werden, es müssen Fragen gestellt werden, wo es von offizieller Seite keine Antworten gab und gibt. Es geht hierbei nicht um das Glauben, sondern um Erkenntnisse. Und eine wichtige Erkenntnis ist in allen Bereichen dieser Tragödie jene, dass innerhalb der offiziellen Darstellung durch die Behörden immer wieder Änderungen vorgenommen worden sind.

Die Geschichte der Polizei und Staatsanwaltschaft bezüglich Wendlingen ist gelogen, ist in ihrem ganzen offiziellen Hergang falsch. Tim Kretschmer ist definitiv als der Doppelmörder im Autohaus Hahn auszuschließen. Oder es war alles anders und es sind noch ganz andere Teile in dieser Geschichte erfunden und konstruiert.

Laut den Behörden soll Tim Kretschmer auch der angebliche Amoktäter in Winnenden gewesen sein. Dies zu „glauben“ fällt nun aber schwer, wo doch alles in Wendlingen auf ein perfides und mörderisches Manöver hindeutet, bei welchem der junge Mann als letztlich toter „Dummy“ platziert wurde. Auch der vermeintliche Selbstmord des Tim Kretschmer wird unter diesem Aspekt noch unglaubwürdiger, als er ohnehin gewesen ist. Denn wer bringt sich um, wenn er diese Taten gar nicht begangen hat?

Doch wir wissen nicht, was in Winnenden tatsächlich geschah.

Dieser Teil der Abhandlung versucht nun die Angaben der Polizei und der Staatsanwaltschaft bezüglich Winnenden unter die Lupe zu nehmen. Leider konnte der Tatort nicht gesichtet werden. Auch der Umstand, dass Zeugen sich nicht als zuverlässig erweisen, dass auch Zeugen nicht aufzutreiben waren, wo hätten welche sein sollen, erschweren eine Bewertung. Genauso wenig war oftmals nicht ersichtlich, inwieweit der vorhandene Raum für Manipulationen genutzt worden ist. Dennoch konnten eine Reihe von „Ungereimtheiten“ festgestellt werden, die dringend nach einer Antwort förmlich schreien.


A. Die Anfahrt des angeblichen Täters Tim Kretschmer zum Tatort.


Gegen oder kurz vor 9.00 Uhr soll Tim Kretschmer laut seiner Mutter das Elternhaus in Weiler am Stein verlassen haben. In ganz normaler Kleidung und in jener Kleidung, wie er später auch tot in Wendlingen „aufgefunden“ wurde. Dies berichtete Ralf Michelfelder, der Leitende Kriminaldirektor von Waiblingen, der Öffentlichkeit. (T-ONLINE, 13. März 2009).

Wir wissen leider nicht, wie sein Tagesplan tatsächlich ausgesehen hat. Wir wissen aber, dass er normalerweise hätte zu seinem Unterricht ins Berufskolleg nach Waiblingen fahren sollen.

Gewöhnlich nimmt man seine Schultasche (oder ähnliches) mit zur Schule, was hier bereits eingeschoben sein soll. Über diese gab es aber öffentlich wochenlang keinerlei Informationen. Dazu später noch.


Wie soll Tim Kretschmer nach Winnenden gekommen sein?


Er nahm kein Fahrzeug der Eltern und auch nicht seinen eigenen Wagen. Und das Fahrrad hat er offensichtlich auch nicht benutzt.

Dies hat auch die Polizei feststellen müssen, weswegen sie behauptet, dass Tim den Bus genommen haben muss.

Leider kann sie es nicht beweisen, was erstaunt.
Keine Zeugen, die Tim gesehen haben? Wartend an der Bushaltestelle und später wieder aussteigend? Keine Zeugen im Bus? Und der einzig in Frage kommende Busfahrer, der sich offenbar auch nicht erinnern kann, obwohl ab 9.00 Uhr die Anzahl der Fahrgäste deutlich reduziert gewesen sein dürfte?

Die Polizei kann eine Fahrt mit dem Bus nicht beweisen, also gibt es keine Zeugen, die dies belegen. Die potentiellen Zeugen werden ganz sicher ein Foto von Tim Kretschmer unter die Nase gehalten bekommen haben. Doch ohne Erfolg.

Dennoch nimmt die Polizei die Fahrt mit dem Bus an, weil ihrer Ansicht nach kein anderes Verkehrsmittel an Frage kommen würde.

So etwas nennt man Ausschlussverfahren.

Doch ist ein Ausschlussverfahren seitens der Polizei sehr bedenklich, da es nur auf der Annahme fußt, dass Tim Kretschmer nach Winnenden gefahren sein muss.

Stattdessen könne man ebenso schlussfolgern, dass Tim den Bus nicht benutzt hat. Dies könnte man sogar weitaus eher annehmen, weil es für eine Fahrt keine Zeugen gibt, wo doch welche zu erwarten gewesen wären.

Es gibt keinen Beweis für eine tatsächlich angetretene und vollzogene Fahrt nach Winnenden.

Nebenbei sei noch angemerkt, dass die Polizei mit ihrer Theorie der Busfahrt somit die Möglichkeit eines anderen Fahrzeuges samt dessen Fahrer ausschließt.

Warum das?

Etwas nicht wissen ist das eine, etwas ausschließen, ohne es beweisen zu können, das andere.

Denn theoretisch hätte sich Tim auch von einem Unbekannten abholen lassen können. Dieser muss kein Komplize gewesen sein, dann aber ein wichtiger Zeuge.

Und wenn es – andere Theorie – einen Komplizen gegeben haben könnte? Kann diese Überlegung ausgeklammert werden, weil diese nicht dem Klischee eines Amokläufers entspricht? Immerhin soll sich der Täter nach den Morden nicht wie ein typischer Amokläufer verhalten haben. Denn er floh vom Tatort.

Wie dem auch sei, die Geschichte beginnt in ihrem Verlauf mit einer bemerkenswerten Lücke. Tim Kretschmer soll gegen 9.00 Uhr das Elternhaus verlassen haben. Und dann?

Dann verliert sich seine Spur.


B. Die Frage nach dem Täter in der Albertville-Realschule.


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Die Albertville-Realschule in Winnenden.


Durch wen wurde wann und wie der Täter in der ARS als Tim Kretschmer identifiziert?

Das ist eine entscheidende Frage.

Die Antwort darauf ist in der Öffentlichkeit vollkommen unbekannt!

Die Behörden geben nur an, dass Tim Kretschmer der Täter gewesen ist, aber nicht, wie er als Täter hatte ermittelt werden können. Die Medien gaben diese polizeiliche Feststellung der Täterschaft nur weiter. (Was von deren „Arbeit“ zu halten ist: siehe unten).

Diesem Faktum unterliegen alle Interviews mit Zeugen der Printmedien und der TV-Sendungen. Es gab keine öffentlichen Zeugenaussagen vor 12.00 Uhr an diesem Tag. Es herrscht der Eindruck vor, dass alle öffentlichen Aussagen von der Voraussetzung ausgehen, dass es sich bei dem Täter um Tim Kretschmer gehandelt habe. Das heißt, allen schließlich interviewten Personen war die Beschuldigung in Richtung dieses 17-jährigen bekannt. Gleichzeitig wird aber nirgends seine Identifizierung, das Erkennen, angesprochen und benannt.

Dazu muss noch festgehalten werden, dass das Sehen eines (unmaskierten) Täters nicht automatisch eine Identifizierung mit dem Namen und Wohnort gleichsetzt. Im Falle der ARS würden einige der überlebenden Opfer eher feststellen, dass sie den Täter doch schon gesehen haben, nämlich auf dem Schulhof, letztes Jahr, aus einer der oberen Klassen usw. Nach der Evakuierung und der Bewältigung des ersten Schocks könnte aufgrund dessen und anhand der Klassenfotos des Vorjahres eine tatsächliche Identifizierung erfolgen.

Wenn dem so wäre.

Dieser Vorgang ist aber öffentlich nicht bekannt, es gibt somit auch keinerlei Information, wer von den Schülern - und auch zu welchem Zeitpunkt - eine Identifizierung vorgenommen haben könnte.

Die Öffentlichkeit kann nur allein jene Aussagen unter die Lupe nehmen, die von den Medien publiziert oder via TV ausgestrahlt worden sind.

Festzustellen bleibt hier aber unbedingt, dass ab circa 12.00 Uhr der Name des Jungen, den man als Täter identifiziert haben will, verbreitet worden ist.

Wie steht es nun um die Interviews?

Diese sind natürlich geschnitten und bearbeitet. An Interview-Stellen, wo die Identifizierung ein Thema werden konnte, wurde geschnitten, überblendet etc. Erschwerend ist außerdem, dass die Medien für die Interviews teilweise bezahlt und diese manipuliert haben. In einem örtlichen Schüler-Forum beklagten sich mehrere Schüler über diese Situation.

Original-Protokolle von Aussagen liegen der Öffentlichkeit leider nicht vor.

Der Schüler Steffen Seiler aus der Klasse 9c, der laut Polizei um 9.33 Uhr mit seinem Mobiltelefon den ersten Notruf getätigt haben soll, wurde in den Medien jenen Zeugen zugeordnet, die Tim Kretschmer als Schützen erkannt haben sollen. Es wurde behauptet, dass er Tim Kretschmer erkannt habe, ja, er würde ja im selben Ort wohnen. Schaut man sich dessen Aussage aber genau und im Medien-Original an, hoppla, da erfährt man nur, dass er Tim gekannt habe. Aber von erkannt ist da keine Rede.

SÜDKURIER vom 12. März 2009:

„Steffen kannte Tim. Sie wohnen im gleichen Ort, der Amokläufer war gerade ein gutes Jahr älter. Man kannte sich, pendelte ins Winnender „Schulzentrum II“ ein, wo 1.300 Mädchen und Jungen aus dem Umland in die drei Schularten gehen, 580 davon in die Albertville-Realschule.“

Dennis J. aus der 9c, später von SPIEGEL-TV interviewt, ist ein anderes Beispiel.

Er wird bei Diskussionen gerne genannt, wenn es um eine Identifizierung geht. Denn er kannte Tim Kretschmer, weil er im selben Ort wohnt und aufgrund gemeinsamer Busfahrten zur Schule nach Winnenden.

Auch er erzählte, dass der Tim in die Klasse gekommen sei, verlor dann aber sichtlich den Faden. Seine anschließende Schilderung vermittelte dann aber etwas ganz anderes. Denn: er hatte ihn, mit dem Rücken zur Tür sitzend, gar nicht in die Klasse kommen sehen. Zuerst habe er sogar an Böller geglaubt und somit immer noch nichts gesehen. Dann habe er Blut auf dem Boden gesehen. Ja, Boden, nicht Tür. Und das war's schon gewesen. Und Dennis bereits unter dem Tisch, höchstwahrscheinlich geschockt.

So wird zwar bei Denis J. einerseits der Eindruck vermittelt, dass er den Täter als Tim Kretschmer erkannt hat, gleichzeitig allerdings wird innerhalb seiner eigenen Worte deutlich, dass dies kaum der Fall gewesen sein kann.

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Ein weiteres Beispiel ist Selina. Sie hat den Täter gesehen und RTL gegenüber erzählt, dass sie den Täter beim Schießen gesehen habe. Sie berichtete nicht von einem Erkennen, dafür aber von den bemerkenswerten Details, dass dieser Täter ein „Pokerface“ gehabt habe, völlig ohne Ausdruck. Und weiter, dass dieser Schütze bei der Schussabgabe nicht einmal geblinzelt haben soll.

Sie will also dem Täter beim Schießen in die Augen geblickt haben, das ist bewundernswert kühl in einer derartigen Situation. Man kann annehmen, selbst wenn der Täter nicht geblinzelt haben sollte, sie ganz bestimmt.

Die Schülerin Elena Altmann aus der 9c überlebte schwer verletzt. Tim Kretschmer kannte sie nicht, wusste aber der FRANKFURTER RUNDSCHAU am 1. Mai 2009 zu erzählen, dass der Täter intensiv mit einer großkalibrigen Waffe geübt haben müsse, denn dieser habe gewusst, „wie das geht“. Sie habe sich erkundigt und in Erfahrung gebracht, dass beim ersten Schießen die Hand schmerzen würde. Doch habe er pausenlos gefeuert.

Adrian aus der Klasse 10d soll laut der BERLINER ZEITUNG vom 13. März 2009 den Täter als Tim Kretschmer erkannt haben. Allerdings heißt es dann weiter, dass er diesen persönlich nie gekannt habe, sondern nur „als ein Gesicht vom Pausenhof her“.

Sein Mitschüler Marco F. aus der 10d zweifelte im ZDF nicht daran, dass es sich bei dem Täter um Tim Kretschmer gehandelt habe, doch nirgends war in dem ZDF-Beitrag die Rede von einem persönlichen Erkennen. In seiner Schilderung fehlte überhaupt jegliche Beschreibung.

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Marco F.

Auch jene Schülerin, die am 11. März zusammen mit ihrer Mutter von einem Reporter des REGIO-TV befragt wurde, vermochte nur anzugeben, dass es sich bei dem Täter um Tim Kretschmer handeln würde. Auch bei ihr kein Wort über den Vorgang des Erkennens oder auch nur irgendeine Beschreibung. Zuvor hatte sie den Täter allerdings zweimal als „Mann“ bezeichnet und nicht als „Jungen“, „früherer Schüler“ oder „der Typ“ oder ähnliches.

Außerdem fällt auf, dass sie die für sie eigentlich unerheblichen Beschreibungen (17jährig, aus Weiler am Stein usw.) benutzt, welche genau der ersten Pressemitteilung der Polizei entsprechen.

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Carolin S.

So wurde also durch die Medien suggeriert, dass Schüler den Täter erkannt haben. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings sehr hoch, dass man den Schülern den angeblichen Täter genannt und vielleicht auch ein Foto von Tim vorgelegt hatte.

Mit anderen Worten: wir haben nichts in der Hand.

Hier nun aber ein Artikel, aus welchem ganz klar hervorgeht, dass es definitiv zu keiner Identifizierung gekommen ist.

SÜDDEUTSCHE vom 11. März 2009, 18.30 Uhr:

„Viele Stunden muss die Stadt an diesem Tag in Angst verbringen. Polizisten stürzen sich auf Menschen, die ungefähr so alt sind wie der Amokläufer und allein dadurch verdächtig sind. Hinter dem Auto von Selina haben die Polizisten die Waffen gezückt und stürzen sich auf einen Mann mit einer blauen Bomberjacke, zerren ihn zu Boden und in den Polizeibus.

Es sind nur wenige Meter bis zu einer Grundschule, wo die Eltern stehen und fragen, haben sie ihn nun? „Selina“, sagt der Vater, „geh zum Wagen und schau ihn Dir an.“ Selina ist eine der ganz wenigen, die gesehen hat, wer es war – und die überlebt hat. Der Mann im Bus ist es nicht, er ist einfach nur einer von vielen, die von der Polizei festgehalten werden, weil sie es sein könnten.“

Was sagt uns dieser Bericht?

Selina habe gesehen, wer es gewesen ist. Und es wären nur ganz wenige gewesen, die gesehen hätten, wer es ist.

Aber was hat sie gesehen?

Wenn sie den Täter gesehen hat, dann nur äußerst kurz, da sie sich ja sofort auf den Boden geworfen und mit einer Freundin den Tisch als Deckung umgeworfen hatte.

Spontan würde man denken, sie hat gesehen, dass es Tim Kretschmer gewesen ist. Oder hat sie nur gesehen, wer der Täter ist im Sinne einer Gestalt, der Statur, der Bekleidung usw.?

Hat sie den Täter erkannt?

Jedenfalls nicht als Tim Kretschmer. Denn zu dem Zeitpunkt, an welchem das Interview stattfand, suchte die Polizei noch etwas unkonkret und nahm eine Reihe von Personen fest, die offenbar einer Altersgruppe angehörten und eine bestimmte Kleidung trugen. Auch wäre eine Gegenüberstellung völlig sinnlos, wenn sie den Namen des Täters gewusst hätte.

Hatte sie aber nicht.

Man kann hier aber die Möglichkeit nicht ausschließen, dass sie den Täter als einen ehemaligen Mitschüler identifiziert haben könnte.

Dies zur Aussage bei der Polizei gebracht, wäre es nun aber ein Leichtes gewesen, anhand von Klassenfotos die tatsächliche Person festzustellen. Dann hätte die Polizei endlich nach einer ganz konkreten Person fahnden können.

Dies schien aber auch nicht der Fall gewesen zu sein.

Im selben Artikel außerdem:

„Noch ein anderer Schüler, der nicht mit Namen genannt werden will, erzählt von diesem schrecklichen Morgen im Deutschunterricht in der 9c. Tim K. hat die Tür aufgerissen, zuerst auf die Wand geschossen, dann auf drei Mädchen. Ganz in Schwarz ist er gekleidet, in Kampfmontur.“

Die Tür aufgerissen? Dann dreht sich jeder um. Zuerst in die Wand geschossen? Dreht sich dann nicht jetzt spätestens jeder um? Dann müsste der Täter die drei Mädchen in der letzten Reihe ja nicht in den Hinterkopf geschossen haben, jedenfalls nicht allen.

Somit kann diese Geschichte nicht richtig sein.

Und wie war das mit der schwarzen Kampfmontur?

Schwarzer Kampfanzug und Maske?

Gleiche Aufmerksamkeit verdient auch der Schüler Patrick S. aus der Klasse 9c.

BILD brachte am 12. März 2009 folgendes:

Schüler Patrick S.:

„Wir hatten gerade Deutsch, als Tim plötzlich in die Klasse gekommen ist. Ganz in schwarz und bewaffnet. Ich hielt das erst für einen Scherz. Dann schoss er los. Er hat nichts gesagt, einfach nur geschossen. Es hat irre oft geknallt. Meine Mitschüler brachen neben mir zusammen.“

Man könnte nun meinen, dass er den Täter als Tim Kretschmer erkannt habe, auch wenn er den Vorgang des Erkennens nicht erwähnt.

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Weitaus genauer ist allerdings der Bericht gegenüber dem SPIEGEL, welcher seine Schilderung in dem am 16. März 2009 veröffentlichten Artikel „113 Kugeln kalte Wut“ verarbeitete.

„Dann geht die Tür auf. Im Rahmen steht eine dunkel gekleidete Gestalt, in der Hand eine Pistole. „Fasching ist vorbei“, scherzt Patricks Banknachbar, als die Gestalt zu schießen beginnt. Ganz ruhig, ganz gezielt, „richtig konzentriert“, sagt Patrick. Zuerst nimmt der Schütze die Schüler in der letzten Reihe ins Visier, jene, die mit dem Rücken zur Tür sitzen. Er schießt drei Mädchen von hinten in den Kopf.“

Und:

„10, vielleicht 15 Sekunden, sagt Patrik, dauert der Feuersturm. Dann verschwindet der Schütze. Frau Braun rennt zur Tür und schließt sie ab. Alle kauern sich hinter das Lehrerpult, verbarrikadieren sich, schieben den Overheadprojektor in den Schusswinkel.“

Was stand da?

„Fasching ist vorbei.“

Unter welchen Umständen würde diese Bemerkung Sinn machen? Und sie machte Sinn, denn Patrick, der dies berichtete, muss darin ebenfalls einen Sinn gesehen haben. Er hätte es sonst nicht erwähnt.

Ist eine schwarze Montur oder gar ein „Kampfanzug“ auf Fasching zu beziehen? Nun ist aber das Tragen von Militärkleidung bzw. Teilen davon unter Jugendlichen weit verbreitet.

„Fasching ist vorbei.“

Das ist ein Hinweis auf eine Maskierung.

Der TAGESSPIEGEL brachte folgenden Bericht:

„Begonnen habe alles“, erzählt eines der Mädchen, „mit einem großen Knall“. Sie habe mit anderen Kindern auf dem Hof gestanden, gemeinsam liefen sie in Richtung Schulgebäude, um zu sehen, was passiert war. Plötzlich sei „ein Mann in schwarzer Kleidung“ vor ihnen aufgetaucht, mit einer „silbernen Maske“ vor dem Gesicht. „Dann sind alle nur noch um ihr Leben gerannt“ , sagt das Mädchen.

BADISCHE ZEITUNG vom 12. März 2009:

„Der Täter in Tarnkleidung und Maske tötete in zwei Klassenzimmern des ersten Stocks acht Schüler zwischen 14 und 15 Jahren.“
Wenigstens drei Zeitungen verbreiteten die Meldung, dass der Täter eine schwarze oder eine silberne Maske getragen haben soll.

War der Täter nun maskiert oder nicht?

Wurde der Täter von einem der Schüler identifiziert oder nicht?

Warum wurden den Medienkonsumenten keine tatsächlichen Zeugen präsentiert? Weil es keine gibt?

Es gibt – in der Öffentlichkeit – keinen Beweis für die Identifizierung durch einen Schüler. Dafür kann nachgewiesen werden, dass die Polizei in Winnenden nicht wusste, nach wem sie konkret fahnden sollte. Dies wird auch an anderer Stelle deutlich. (Siehe unten).

Sollte der Täter tatsächlich maskiert gewesen sein, dann handelt es sich nicht um einen Amoklauf, sondern um ein Attentat. Denn Sinn einer Maskierung ist ja der, dass man nicht erkannt werden möchte.

Die Polizei hat dazu nie Stellung bezogen. Anders verhält es sich mit dem schwarzen Kampfanzug, den der Täter getragen haben soll.

Bereits am 11. März 2009 vormittags erklärte während einer Live-Übertragung des Senders N24 der Polizeisprecher Rainer Köller der Polizeidirektion Waiblingen:

„… er war bekleidet mit dem bereits bekannt gegebenen Tarnanzug.“

Das heißt, er bestätigte eine vorherige Meldung.

Die Medien berichteten ebenfalls entsprechend. BILD machte daraus gar eine KSK-Uniform samt einer SK-4-Schutzweste.

Nun mag sich der Polizeisprecher auch noch nicht wirklich ausgekannt haben, und vielleicht ist es auch nicht wichtig, ob der Kampfanzug getarnt oder schwarz ausgesehen hat, aber der Kampfanzug bleibt als solches.

Und er war ein Bestandteil der polizeilichen Fahndung.

Aber auch mit dem Kampfanzug gibt es ein Problem.

Tim Kretschmer hatte am Morgen des 11. März 2009 das Elternhaus mit jener Straßenkleidung verlassen, mit der er dreieinhalb Stunden später tot auf dem Parkplatz lag.

Wo war nun der Kampfanzug abgeblieben? Er wurde nicht aufgefunden, was bei dem angeblich eruierten Weg des vermeintlichen Täters unmöglich ist. Nichts wurde präsentiert und darauf eingegangen wurde schließlich auch nicht mehr und somit nicht geklärt.

Davon einmal abgesehen erscheint es auch widersinnig, sich vor der Tat umzuziehen und anschließend wieder. Ja, wenn Zeit gewesen wäre. Die gab es aber nach der offiziellen Geschichte der Flucht nicht. Und der angebliche Fluchtfahrer wusste davon nichts zu berichten, ja, gab sogar an, sich an die Kleidung nicht erinnern zu können.

Das ist ein Problem, ein ungelöstes. Und kein Hinweis auf Tim Kretschmer als Täter. Im Gegenteil.

Zum Abschluss dieses Kapitels sei aber noch ein Artikel der BILD vom 12. März 2009 angeführt, welche die Identifizierung des Täters schlüssig erklären sollte.

BILD führte hier eine Aussage des Polizeipräsidenten von Baden-Württemberg, Konrad Jelden, an.

Jelden hatte nämlich den Medien erzählt, dass drei dem Amoklauf entkommende Schüler unmittelbar nach der Tat den Verdacht gegen den Todesschützen erhärtet hätten. Sie hätten sich sofort nach der Flucht aus der Realschule von der Großmutter eines der Jungen nach Waiblingen fahren lassen, um dort auszusagen. Wo – welch glücklicher Umstand – höchstpersönlich er selbst, Konrad Jelden, gewesen sei, dem sie sofort den Namen des Täters gesagt hätten.

Das ist eine schöne Geschichte.

Leider ist es eine Geschichte, die wir nicht überprüfen können. Die Namen der erwähnten Schüler wurden nie genannt.

Schon der erste Satz von Jelden ist allerdings Unsinn. Denn wenn sich ein Verdacht erhärtet, dann muss er bereits vorher bestanden haben. Und dies kann nicht der Fall gewesen sein.

Auch die Geschichte von der Oma hat etwas kurioses an sich. Wir wissen nicht, woher diese gekommen sein soll, es ist aber auch nicht wichtig. Aber erst einmal muss man ihr ja Bescheid geben, dazu die Netzüberlastung, dann muss sie sich beeilen, dann muss sie zur Schule fahren und die betreffenden Schüler finden. Es können nur Schüler aus der 10d gewesen sein, die über die Feuerleiter geflüchtet waren. Adrian hatte auch zu seiner Mutter flüchten können, sicherlich auch andere.
Aber das dauert alles eine gewisse Zeit, wie viel Zeit auch immer. Und dann soll die Oma nicht etwa die Polizei vor Ort angesprochen haben, sie soll auch nicht zum Revier nach Winnenden gefahren sein, nein, sie soll gleich nach Waiblingen gefahren sein, wo zufällig der Chef der Dinge geharrt hatte, der nur auf die Aussage gewartet zu haben schien.
Glücklicherweise soll der eine Junge ja gleich den richtigen Namen des angeblichen Täters gewusst haben.

Ja, was für ein Glück! Denn sonst hätten sie nämlich alle wieder zur Schule nach Winnenden zurückfahren können, um den Täter mit Hilfe von Schulfotos zu identifizieren.
Um wie viel Uhr soll das gewesen sein?
Ist diese Geschichte glaubwürdig?
Wer lügt hier in dieser Geschichte?
Und: warum wurden die angeblich wirklichen Zeugen nie in der Öffentlichkeit genannt, im Gegensatz zu einer Reihe von unwichtigen?

Und warum erfuhr die Polizei in Winnenden nichts von dieser Geschichte?

Eine Geschichte, die übrigens wieder in der Versenkung verschwand und nie wieder aufbereitet wurde.


C. Die Frage nach dem Ablauf des Massakers in der Schule.


Quelle: STERN.

Der Täter betrat zuerst den Raum 305 der Klasse 9c, wo gerade durch die Lehrerin Frau Braun in Deutsch unterrichtet wurde.

Die SÜDDEUTSCHE berichtete am 11. März 2009 online um 18.30 Uhr:

„Zuerst hätten alle gedacht, es habe sich vielleicht jemand einen Spaß gemacht,“ sagt Selina D., „ein paar Brottüten platzen lassen oder so was.

Es sei alles sehr schnell gegangen, sagt Selina, 14. Sie wirft sich mit ihren Freundinnen auf den Boden, kippt einen Tisch um und versteckt sich dahinter, ohne nachzudenken, alles automatisch. Ein Mädchen aus ihrer neunten Klasse habe sie in ihrem Blut liegen sehen, sagt Selina. Eine Freundin hat die Polizei gerufen, dann sind sie alle raus gerannt.“

Und gegenüber RTL-EXPLOSIV sagte Selina aus der 9c:

„Und dann hat es Peng gemacht. Ich dachte, jemand hat etwas aufgeblasen, so ne Tüte, und platzen lassen. Also, das kam schon mal vor. Und dann schau ich erst meine Lehrerin an und dann meine Freundin und dann ging es die ganze Zeit weiter… Pam, Pam, Pam.“

Und weiter:

„Der stand einfach nur so da und hat geschossen, und einen Gesichtsausdruck, den kann ich gar nicht beschreiben. Nicht voller Hass, auch nicht voller Wut, einfach nur so, voll das Pokerface. Mann kann’s gar nicht beschreiben. Der hat gar kein Ausdruck gehabt. Und er hat nicht mal geblinzelt, als der Schuss kam.“

Erschossen wurden Chantal S., Kristina S. und Jana Sch., die sich in der letzten Reihe und damit unmittelbar bei der Tür befunden hatten. Der Täter soll die drei Mädchen konsequent mit Schüssen in den Hinterkopf getötet haben. Drei weitere Schüler wurden verletzt. Die Lehrerin, Frau Braun, rief mit ihrem Mobiltelefon die Rektorin, Frau Hahn, an.

Laut dem Schüler Patrick S. soll das Schießen rund 10 bis 15 Sekunden gedauert haben, dann habe der Mörder den Raum wieder verlassen. Danach soll die Lehrerin, Frau Braun, geistesgegenwärtig zur Tür gestürzt sein und von innen abgeschlossen haben.

Der Täter suchte nun den Raum 301 der Klasse 10d auf, wo durch den Lehrer Wilhelm in Mathe unterrichtet wurde. Er setzte dort das Morden fort und verließ anschließend wieder das Zimmer.
Er kehrte zur 9c zurück, doch war die Tür nun verschlossen. Laut Patrick soll dies etwa ein, zwei Minuten nach der ersten Schussfolge gewesen sein. Der Täter schoss nun durch die Tür und durchlöcherte diese, wobei die im Raum befindliche Lehrerin Frau Braun verletzt wurde.

Danach kehrte der Mörder ebenfalls ein zweites Mal zur 10d zurück, wo die Tür ganz offensichtlich nicht verschlossen worden war. Der Täter setzte das Morden dort fort. Erschossen wurden in diesem Zimmer Ibrahim H., Jacqueline H., Victorija M., Selina M., Nicole N. sowie Stefanie K. Danach verließ er wieder das Zimmer und versuchte noch in den nebenan befindlichen Chemiesaal einzudringen, was misslang. Auch hier schoss der Täter noch durch die Tür und tötete die für ihn nicht sichtbare dortige Lehrerin, Sabrina S., mit einem Schuss in den Hals.

Der Täter pendelte also zwischen den einzelnen Schauplätzen und dürfte während dieses Pendelns seine Waffe immer wieder aufmunitioniert haben.

Übrigens saßen in beiden Klassenräumen, Raum 305 und 301, die Schüler mit dem Rücken zur Tür. Von Aussagen der Lehrer ist nichts bekannt.

Der Täter ging mehreren Zeugenaussagen zur Folge immer wortlos vor.
Allerdings gibt es die Aussage, dass der Täter bei seinem zweiten Besuch in der 10d gesagt haben soll: „Seid ihr noch immer nicht alle tot?“ , was im Gegensatz zu den anderen Aussagen steht und hier eine gewisse Hysterie des Täters andeutet bzw. andeuten soll.
Die Frage ist, was diese Aussage tatsächlich wert ist, denn es gibt keine zweite in dieser Art.

Der Schüler Marco F., 15, aus der 10d berichtete gegenüber dem ZDF, dass er nebenan Schüsse gehört hätte, die er aber erst einmal nicht als solche hatte definieren können. Dann habe er an Platzpatronen gedacht. Als der Täter zu ihnen ins Klassenzimmer gekommen war, habe dieser sofort geschossen, ohne auch nur irgendetwas zu sagen. Er, Marco, wäre instinktiv unter den Tisch in Deckung gegangen, andere auch, so erzählte er der ZDF-Reportage.

SPIEGEL-ONLINE/11.3., 19.18 Uhr:
Innenminister Rech:

„Die Kinder waren offensichtlich völlig überrascht. Als man sie später tot auffand, hatten einige noch ihre Schreibstifte in der Hand.“

Der Täter habe seine Opfer vor allem durch Schüsse in den Kopf getötet.

SEK-TEAM/WEB-SITE:

Stephanie H., 14, Klasse 9c:

„Er kam in unsere Klasse, sagte kein Wort und schoss wild um sich. Meine Banknachbarin zog mich auf den Boden. Alle schrien. Dann zog er weiter. Zwei Mädchen meiner Klasse starben.“


STERN vom 19. März 2009:

Anastasia aus der 10d habe vorher „metallische Geräusche“ gehört, wie Hammerschläge. Die Schüler hätten auch gedacht, dass dies von Handwerkern stammen würde.

Die Schüler hätten auch noch gewitzelt mit: „Das ist ein Amoklauf…“

T-ONLINE.DE vom 11./13. März:

Osama P. (16) hat gerade Unterricht in einem der Physikräume, als ein schwarz Gekleideter die Türe aufreißt und ohne Vorwarnung anfängt, mit einer Pistole auf die Schüler zu schießen. Der Schütze feuert mehrere Kugeln in den Raum. Geschrei bricht los. Osama wirft sich unter den Tisch. Neben ihm liegt seine Banknachbarin. Dann wird die Tür wieder zugeworfen.“

Und:

„Noch bevor sich der Sohn pakistanischer Eltern einen klaren Gedanken fassen kann, kommt der schwarz Gekleidete zurück und eröffnet wieder das Feuer. Aufs Neue verschwindet er nach kurzer Zeit.“

Und:

„Raus hier“, ruft nun auch die Lehrerin ihren Schülern zu. „Nehmt die Feuerleiter.“ Alle hasten schreiend zum Fenster. Davor befindet sich die rettende Stahltreppe, die eigentlich für Brandkatastrophen vorgesehen ist. Alle zugleich versuchen die geschockten Jugendlichen auf die Leiter zu kommen. Ein Mädchen stürzt dabei aus dem ersten Stock in den Hof. Sie habe Rippenbrüche erlitten, heißt es später, sei aber am Leben. Vier tote Schüler bleiben in dem Physiksaal zurück. Beim Hinauslaufen sieht Osama die Leiche seines besten Freundes Ibrahim am Boden liegen.

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Daniel H. aus dem Chemie-Raum berichtete, dass er ein lautes Klopfen und Schlagen gehört und sich gefragt habe, ob dies vom Hausmeister stamme. Dann habe er gesehen, dass Schüler aus der nebenan befindlichen Klasse 10d die Feuerleiter hinunter gestiegen sind. Dann habe ein „Herr Schober“ nach draußen (vor die Tür) geschaut und Löcher in der Wand und im Glas entdeckt.

(Bei dem Glas muss es sich um den verglasten inneren Lichthof gehandelt haben).


Wie ist das möglich? Beschussschäden im Flur? Zu diesem Zeitpunkt?


Es gibt aber eine mögliche Erklärung. Erst die behördliche Pressemitteilung vom 22. Mai schilderte eine Lehrerin, die (nach den Schüssen in der 9c, wie es heißt) zum Nachschauen auf den Flur gegangen und sofort vom Täter beschossen worden wäre.
Die Lehrerin wurde hier nicht weiter benannt und die benachbarten Klassen waren ja leer gewesen. Möglicherweise wurde nur falsch formuliert, und es muss richtig heißen: aus einer im unteren Stockwerk befindlichen Klasse.
Und von dort haben wir den Bericht von Vivien über ihre Lehrerin, die nachschauen ging und den Täter sah, dann aber schnell wieder die Tür geschlossen habe.
Des weiteren von ihr die Angabe, dass der Täter etwas darauf gegenüber oben gestanden sei. Dann würde nämlich auch die Beobachtung vom Chemieraum passen, weil ja aus diesem Bereich nach unten geschossen worden sein könnte. (Wegen den Beschussschäden im Glas, aber nicht in der Wand. Aber vielleicht muss man das hier auch nicht so genau nehmen - Wahrnehmungen…).

Hier nun die Aussage der Schülerin Vivien Laabs, die sich in einer Klasse im 1. Stockwerk befunden hatte, gegenüber dem „MORGENPOST-TV“.

Sie berichtete, dass sie Schreie und Schüsse gehört hätte, zuerst die Schreie, dann zwei Schüsse, dann noch mal Schreie. Sie hätten Panik bekommen. Die Lehrerin hätte die Tür des Klassenzimmers einen Spalt geöffnet. Der Täter wäre da gerade vorbeigelaufen, woraufhin sie schnell die Tür wieder geschlossen hätte. Später hätten einige noch mal geschaut, da sei er (der Täter) gegenüber oben gestanden, habe runtergeschaut, und dann wären sie alle nur noch gerannt, hätten geschrien, Schüsse gehört, wären nur noch gerannt und dann draußen gewesen, wo sie der Polizei in die Arme gelaufen wären.

Diese Schülerin berichtete immerhin von Schüssen, auch wenn man jetzt nicht weiß, wie sie diese Geräusche im ersten Augenblick wahrgenommen hatte und ab wann überhaupt. Die Schüsse allerdings im Kontext mit Geschreie, so dass ihren Worten nach die Reaktion Panikgefühle gewesen waren. Interessanterweise berichtete sie in dieser Phase der Ereignisse von zwei Schüssen, wobei sich die Frage stellt, wann diese gefallen sein sollen.

Erstaunlich auch, dass etwas darauf die Lehrerin von Vivien den Täter dann im 1. Stock gesehen haben will, obwohl doch oben noch in einem weiteren Klassenzimmer gemordet wurde, dazu der Täter noch durch die Tür des Chemieraumes geschossen haben soll. Wahrscheinlich liegt dies an der Gebäudestruktur, bei der das oberste Geschoß als 2. wie auch 1. Stockwerk zu bezeichnen wäre.

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Der Haupteingang führt auf der Vorderseite am zentralen Schulhof ebenerdig in das mittlere Geschoß. Von dort aus gesehen ist jenes Geschoß mit den 300er-Räumen im 1. Stockwerk bzw. im Obergeschoß. Bei der hier abgebildeten Seite ist aus dem Tiefgeschoß Parterre geworden und aus den 300er-Räumen das 2. Stockwerk.

Und weiter erfährt man, dass später, ohne dass wir erfahren, um wie viele Minuten es sich dabei gehandelt haben könnte, nicht ausdrücklich die Lehrerin, sondern „einige“ noch mal nachgeschaut hätten. Und da wäre der Täter wieder im Obergeschoß gesehen worden. Und dieser hätte der Schilderung von Vivien zufolge keine Eile gezeigt, er sei da gestanden und habe zu ihnen runtergeschaut. Es folgte daraufhin die schreiende Flucht aus dem Klassenzimmer bei gleichzeitiger Wahrnehmung von Schüssen nach draußen und dort der Polizei in die Arme.

Man kann also feststellen, dass die Aussage von Vivien einige Eigenheiten aufweist und der Ablauf der Tat offenbar noch ansonsten unbekannte Details bereit hält, die bislang nirgends geschildert wurden.

Wahrscheinlich zuletzt oder bei seiner gerade angetretenen Flucht erschoss der Täter zwei Lehrerinnen, Michaela K. und Nina M., im Flur im Bereich des Raumes 301 der Klasse 9c und der nahen rückwärtigen Treppe, die offenbar nachschauen gekommen waren. Es ist aber nicht auszuschließen, dass sie zwischen den Morden in den Klassenräumen erschossen worden sind.

Erst in der letzten Pressemitteilung vom Mai 2009 erfuhr die Öffentlichkeit, dass sich dort eine weitere Lehrerin befunden haben soll, die aber hatte entkommen können.


D. Reaktionen und weitere Wahrnehmungen.


Anhand der zugänglichen Berichte scheint es deutlich, dass zumeist sehr spät realisiert wurde, dass da jemand geschossen hatte.
Aber sicherlich rechnet erst einmal niemand damit, es wurde sicherlich gar nicht daran gedacht. Viele kennen die unterschiedlichen Schussgeräusche auch gar nicht, höchstens von DVD, wo es zumeist anders klingt. Bei den Kindern kann man es wohl annehmen, bei den Lehrerinnen wohl auch, vielleicht weniger bei den Männern.

Denn eines ist festzuhalten: das Abfeuern einer 9mm-Pistole innerhalb eines geschlossenen Raumes ist unglaublich laut.

Die Klasse 9c wurde überrascht. Und in der 10d hatte man es nicht realisiert, obwohl es hörbar gewesen sein musste. Die dortigen Schüler wurden ebenfalls überrascht.
Immerhin scheint ja zumindest eine Lehrerin nachschauen gegangen zu sein. Und auch jemand aus dem Chemie-Raum, wenn auch erst etwas später.
Die Nichtrealisierung im Chemieraum erstaunt am meisten, als gleich nebenan lärmend gemordet wurde. Schüsse, eine ganze Reihe von Schüssen aus einer großkalibrigen Waffe, und dies auch noch in einem geschlossenen Raum. Geschrei und Panik. Gleich nebenan. Siehe hier den Bericht von Daniel H., oben.
Es kann aber leider nicht bewertet werden, warum dies so war. Man bräuchte dazu weitere Zeugenaussagen.

Aber es erlaubt die Frage, ob die Waffe nicht gedämpft gewesen sein könnte.

Die Schüsse müssen, ohne Schalldämpfer, aber in der ganzen Schule zu hören gewesen sein. Die unmittelbare Reaktion der Schulleitung ist von der Rektorin Frau Hahn bekannt. Sie wurde von einer Lehrerin angerufen, woraufhin sie sofort die Polizei gerufen habe. Und man weiß von nur drei Lehrerinnen, die etwas darauf nachschauen kamen.
Hatten sich die meisten anderen Klassen eingeschlossen?


Laut Polizei soll bekanntlich der erste Notruf um 9.33 Uhr eingegangen sein. Abgesetzt von einem Schüler aus der 9c, Steffen Seiler. (SÜDKURIER, 12. März 2009). Es wurde aber an anderen Stellen berichtet, dass offenbar kurz darauf auch die Lehrerin Frau Braun sowie aus der 10d der Mathelehrer jeweils einen Notruf abgesetzt hatten.

BERLINER ZEITUNG vom 13. März 2009:

„Offenbar ist der Täter noch mal ins Klassenzimmer (der 10d) zurückgekommen und hat wieder geschossen. Doch in der Zwischenzeit hatte der Lehrer reagiert. Herr Wilhelm, Mathelehrer der Klasse 10d, hat sich das Handy eines Schülers geschnappt und die Polizei angerufen. Es dauerte nur Minuten, da hörte Adrian bereits die Alarmsirenen der Feuerwehr und der Polizei. Kurz darauf wurde eine Feuerleiter an die Schule gestellt und die Kinder der 10d retteten sich aus dem Fenster.“

HIT-RADIO-ANTENNE 1:

Eine Schülerin der Klasse 9c:

„Wir waren im Computerraum. Auf einmal haben wir dann so Schläge gehört, und dann ist unsere Lehrerin rausgegangen, hat nachgeschaut und hat einfach die Türe zugemacht.“

SPIEGEL-ONLINE/Protokoll:

Betty, 15:

„Ich habe zwei Schüsse und Geschrei gehört. Erst dachte ich, es sei ein Scherz. Aber dann rief jemand: Rennt, rennt. Dann habe ich gesehen, wie Mitschüler aus den Fenstern gesprungen sind und bin losgerannt.“

Hier auch:

„Die Lehrer der Geschwister-Scholl-Schule in Winnenden werden alarmiert. Die 15-jährige Olga berichtet später, ihr Lehrer sei zunächst aus dem Klassenraum gerufen worden, wenig später nervös zurückgekehrt. „Er ermahnte uns, Ruhe zu bewahren und uns auf den Boden zu legen.“ Die Tür und die Fenster seien geschlossen worden.“

STERN, 16./20. März 2009:

Erzählung des Arber Selimi, 10. Klasse in der Geschwister-Scholl-Realschule:

„Ich bin in der Parallelschule: in der Geschwister-Scholl-Realschule. Um 9.30 Uhr ungefähr sagte ein Freund von mir: „Ich glaube, ich habe Schüsse gehört.“ Dann sahen wir aus dem Fenster Hubschrauber, Polizeiwagen und Krankenwagen. Mein Nachbar machte einen Witz daraus und sagte: „Endlich passiert mal was.“ Dann um 9.50 Uhr kam eine Durchsage vom Rektor. Wir sollten im Klassenzimmer bleiben, nicht in die große Pause gehen und die Lehrer sollten die Türen abschließen…“

Er erzählte dem STERN außerdem unter anderem, dass die Polizei gegen 10.40 Uhr deren Schule gesichert habe.

SPIEGEL-ONLINE/11.3, 19.18 Uhr:

Die Schüler und auch Angestellte einer nahen Klinik für Psychiatrie und Neurologie berichteten von großem Lärm. „Es hat so laut gekracht, wir dachten zuerst, die Geräusche kämen von der Baustelle.“

Mailik, 11, berichtete einem TZ-Reporter, dass es furchtbar geknallt und gerumpelt habe, als würde gleich der Boden einstürzen.

DIE PRESSE, 12. März:

Saskia, 11, erzählte, dass sie einen Knall gehört und gedacht habe, dass auf dem Gang etwas umgefallen sei.

BERLINER ZEITUNG vom 13. März 2009:

Der 16-jährige Hauptschüler Fatih Aydin war am Mittwoch gerade im Computerraum auf dem Gelände der Realschule, als er „drei oder vier Knaller“ hörte. Zuerst dachte er, Bretter seien vom Dach gefallen. „Ich wollte schon nachsehen, was geschehen ist“ , erinnert sich Fatih. Doch dann rannten Kinder über den Schulhof. Fatih versuchte, sich irgendwo zu verstecken. Irgendwann wurde Fatih mit seinen Klassenkameraden in das Schwimmbad gebracht, wo sie lange blieben.

SÜDDEUTSCHE, 11. März 2009, 18.30 Uhr:

Maike S. ist Schülerin der 13. Klasse am Lessing-Gymnasium, das direkt neben der Realschule liegt. Erst hat sie Schüsse gehört, dann die Lehrer, die aufgeregt alle Schüler auffordern, sich in Klassenräume zu begeben, die nicht an die Realschule angrenzen. Vor allem die jüngeren Schüler haben große Angst, sie weinen. „Wir haben versucht, die Kleinen irgendwie zu trösten,“ sagt Maike S. „Es war ein ziemliches Chaos.“ Über das Internet verfolgen die Schüler, was sich da draußen genau vor ihrem Fenster abspielt. Um 12.15 Uhr werden zunächst die Kleinen, dann die Großen in Bussen in eine Sporthalle gebracht. Dort warten Psychologen, es gibt Essen und Trinken.

T-ONLINE.DE vom 11./13. März:

Zwei Zimmer weiter (als Osama P.) sitzt der 15-jährige Caglayan B. (aus der 10d). Der Neuntklässler hört das Knallen der Pistole und sagt zu seiner Lehrerin: „Da wird geschossen.“ Nein, antwortet die. Das seien sicher Handwerker, er solle sich keine Sorgen machen. Dann wird auch hier die Türe aufgerissen. Herein kommt ein Lehrer. „Wir haben einen Amokläufer im Haus“, ruft der Mann. Die Lehrerin solle die Türe abschließen, die Schüler unter die Tische flüchten und sich ruhig verhalten. Dann wird wieder geschossen.

Es gibt kein Gegenstück zu dieser Aussage von Caglayan B., wie sie von T-ONLINE abgesetzt wurde. Sie scheint aber auch sehr fehlerhaft zu sein.

Die BERLINER ZEITUNG vom 13. März 2009 brachte folgenden Bericht:

„Offenbar ist der Täter noch mal ins Klassenzimmer (301 der 10d) zurückgekommen und hat wieder geschossen. Doch in der Zwischenzeit hatte der Lehrer reagiert. Herr Wilhelm, Mathelehrer der Klasse 10d, hatte sich das Handy eines Schülers geschnappt und die Polizei angerufen. Es dauerte nur Minuten, da hörte Adrian bereits die Alarmsirenen der Feuerwehr und der Polizei. Kurz darauf wurde eine Feuerwehrleiter an die Schule gestellt und die Kinder der 10d retteten sich aus dem Fenster. Adrian lief aus der Schule und entdeckte das Auto seiner Mutter auf dem Nachbarparkplatz vor der Tennishalle.“

Gleich mehrere Schüler sagten vor laufender Kamera unwidersprochen aus, dass es kurz vor oder während der Tat ein Beben gegeben habe.

Die Schule habe gebebt, so dass sie gedacht hätten, die Schule würde einkrachen, so eine Aussage. Ein zweites Beben habe sich ereignet, nachdem die Lehrerin hinausgegangen wäre, um nachzuschauen.

TAGESSPIEGEL:

Eine andere Schülerin, die zusammen mit anderen auf dem Schulhof gewesen sein soll, berichtete, dass alles mit einem großen Knall begonnen habe.

Die STUTTGARTER ZEITUNG veröffentlichte am 11./12. März 2009:

Bericht eines ungenannten ehemaligen Schülers, welcher eigenen Angaben zur Folge zufällig an der Schule gewesen wäre, um ehemalige Lehrer zu besuchen. Dieser erzählte, so war zu lesen, dass er nur zwei Schüsse gehört habe, als sich der Täter noch in der Schule befunden haben soll. Außerdem schilderte er auch die ersten Minuten des Polizeieinsatzes anders als die Polizei selbst, die er sogar belastete. (Von dieser gab es keine öffentliche Stellungnahme zu dieser Aussage, siehe unten).

Zeugenaussagen und deren Wahrnehmungen sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. Dennoch erstaunt es, dass einerseits von einem großen Lärm berichtet wurde, andererseits Schüsse in unmittelbarer Nähe nicht als solche wahrgenommen wurden. Natürlich wissen wir nicht, wann genau was wahrgenommen worden ist.

Es existieren eine ganze Reihe von Aussagen, die von Beben oder auch von Rumpeln und nicht als Schüsse wahrgenommenes Knallen berichten. Wo von einem Knallen die Rede ist, so scheint sich dies eher isoliert von allem anderen ereignet haben.

Die Ursache dafür konnte bislang noch nicht herausgefunden werden.

Aber noch etwas anderes fällt bei allen Berichten auf: Gleich bei drei Zeugen war zuerst nur die Rede von zwei Schüssen. Bei Vivien wurde immerhin etwas darauf quasi weiter geschossen.

Dazu gehört auch die Wahrnehmung anderer Schüler auf dem Schulgelände, was die Anzahl der „Knaller“ betrifft. Es ist aber ein Unterschied, ob zwei, drei, vier oder fünf „Knaller“ gehört wurden oder 12-15 „Knaller“ in schneller Folge, wie es in der Klasse 9c der Fall gewesen sein könnte und dann abermals und gleich doppelt in der 10d.

Die Geräuschwahrnehmung außerhalb der drei betroffenen Schulklassen ist nicht wirklich mit dem ansonsten erzählten Tathergang in Einklang zu bringen. Schüsse wurden letztlich zwar wahrgenommen, aber nicht so und auch nicht in der Anzahl, wie man es annehmen könnte.

Möglicherweise würden genaue, detaillierte Aussagen von Zeugen Abhilfe schaffen. Ohne diese bleibt es aber bei der obigen Feststellung und der Frage, die sich aus dem Widerspruch ergibt.


E. Die Flucht.


Der Täter, der angebliche Amokläufer, verhielt sich nach der Tat anders, als es (fast alle) Amokläufer zu tun pflegten.
Dies musste auch die Polizei in Baden-Württemberg zumindest indirekt eingestehen. Denn gewöhnlich blieben diese Amoktäter stationär, verschanzten sich, nahmen vielleicht noch Geiseln und brachten sich, von einigen Ausnahmen abgesehen, am Ende selbst um.
Mit anderen Worten: „unser“ Amokläufer in der Albertville-Realschule war womöglich keiner - denn er floh.

Man muss feststellen, dass bei einer Flucht des Täters alias „Amokläufers“ nun auch eine Maskierung Sinn machen würde.

Bei völlig offener Identität und Verschanzung spricht man von einem Amoktäter.
Aber bei einer unerkannten Flucht mit Maskierung von einem Attentäter.
Und somit von einem gänzlich anders gelagerten Fall.

Die Ermittlungsakten sind nicht öffentlich und somit unbekannt. Somit ist auch nicht bekannt, ob die Polizei bzw. die offizielle Fahndung zumindest eine Anfangsermittlung in beide Richtungen in Betracht gezogen hat.
Öffentlich ist da jedenfalls gar nichts. Stattdessen eine zweifelsfreie Präsentation des Täters mit entsprechendem und auch hingebogenem Background.

Der Fall war ja am 11. März gegen 12.30/12.40 Uhr quasi bereits abgeschlossen gewesen, der vermeintliche Täter tot auf einem Parkplatz liegend.


F. Der Ablauf nach dem Eintreffen der ersten Polizeibeamten.


Der Notruf war also 9.33 Uhr bei der Polizei eingegangen. Bereits nach nur drei Minuten sollen die ersten Polizeibeamten vor der Schule gewesen sein. Mit Blaulicht und Martinshorn, um den Täter von seinem Tun abzulenken, wie die Polizei angibt.

Nach den ersten Berichten soll es sich um vier bis sechs Beamte gehandelt haben, schlussendlich waren es aber nur drei vom Revier in Winnenden gewesen. Hierzu gibt es aber noch eine widersprüchliche Meldung – siehe unten.

Der Winnendener Revierleiter Rolf Böskens gab an, dass er nach dem Notruf 8 Beamte losgeschickt habe.

Die genannten drei ersten Beamten sollen bereits um 9.36 Uhr beim Haupteingang der Schule gewesen sein.

Sie wurden angeblich beschossen, als sie den Eingangsbereich bei der Treppe betreten hatten. Dann soll es aber nur noch ein einzelner Schuss gewesen sein, welcher die Beamten in Deckung gehen ließ.

Der Täter dürfte sich diesen Angaben nach oberhalb der Treppe zum Obergeschoß befunden haben.

ars-innen-treppe.jpg

Die Treppe in der ARS.

Um 9.43 Uhr trafen laut Polizei die beiden so genannten Interventionsteams bei der Schule ein, woraufhin nun aktiv vorgegangen worden sei.

Der Täter sei aber zu diesem Zeitpunkt bereits geflüchtet.

Gegen 9.44 Uhr soll auch ein Notarzt und eine Ambulanz vor der Schule eingetroffen sein.

Interessanterweise berichtete der Revierleiter Böskens, dass er bei seiner Ankunft noch Schüsse gehört habe. Also mehr als einen.

Wann? Um 9.36 oder um 9.43 Uhr?

Nach der WINNENDER ZEITUNG soll Böskens fünf, sechs Minuten nach seinen Kollegen an der Schule eingetroffen sein. Aber: nach welchen Kollegen? Sollten die ersten drei Beamten gemeint gewesen sein, müsste er ja gegen 9.41/9.42 Uhr dort eingetroffen sein und somit vor der Interventionstruppe.

Wie dem auch sei, um 9.41 bis 9.43 Uhr kann er keine Schüsse gehört haben, denn der Täter war ja bereits geflüchtet.

Die einzige andere Möglichkeit wäre die, dass er einer der drei ersten Polizisten gewesen wäre. Dies würde sich dann aber mit Angabe, dass er nach den Beamten eingetroffen sei, widersprechen. Davon abgesehen, dass Böskens nie als der erste Polizist am Tatort bezeichnet wurde.

Somit stellt sich hier die Frage: was für Schüsse will der Revierleiter Böskens zu dieser Zeit gehört haben? Und von wem abgegeben?

Hatte sich der Täter noch in der Schule befunden? Hatten die Polizisten auf Phantome geschossen und bei dieser Gelegenheit die Verglasung in der Schule getroffen. Oder hatte Böskens einfach nur die Unwahrheit gesagt?

Der Polizeipräsident Erwin Hetger hat diese vage Information jedenfalls aufgenommen und es (für sich) interpretiert. Er sagte der Presse, dass es in der Schule noch zu zwei Schusswechseln mit der Polizei gekommen wäre.

Mit dieser Ansicht steht Hetger allerdings alleine da. Ein Schusswechsel beinhaltet ja ein wechselseitiges Feuergefecht, wofür es aber keine Bestätigung gibt, nicht einmal von Böskens.

Nur eines wird deutlich: Hetger bestätigte, dass Böskens seine eigene Wahrnehmung auch tatsächlich wie geschildert geäußert hatte.

Nach den letzten Polizeimeldungen soll es sich aber angeblich nur um einen einzelnen, ungezielten Schuss in Polizeirichtung gehandelt haben. Das hatte aber offenbar gereicht, um diese verharren zu lassen.

Vielleicht hätte ein Beamter versuchen können, dem Täter den Rückweg abzuschneiden, doch ist dies anscheinend nicht geschehen. Vielleicht wäre der Beamte aber ohnehin zu spät gekommen.

Von jenem einen Schuss in Richtung Polizei abgesehen, bleibt somit nach wie vor unklar, wer da sonst noch geschossen haben soll. Und vor allem zur oben genannten Uhrzeit, wo der Täter bereits geflüchtet gewesen sein müsste.

STUTTGARTER NACHRICHTEN ONLINE vom 12. März 2009:

„Der Täter zieht sich zum Hinterausgang Richtung Sportplätze zurück. Die Beamten hören zwei Schüsse. Auf dem Flur liegen zwei getötete Lehrerinnen.“

Die STUTTGARTER NACHRICHTEN brachten hier eine Information von der Polizei. Hier waren es nur zwei Schüsse, und die wurden auch nur gehört. Die Meldung setzt diese Wahrnehmung in Kontext mit den beiden getöteten Lehrerinnen. Polizeipräsident Hetger äußerte sich dagegen in einem Interview, dass die beiden Lehrerinnen von mehreren Schüssen getroffen worden wären.

Nicht nur das. Würde man diese beiden angeblich gehörten Schüsse als Realität angeben, dann würde dies bedeuten, dass sie nicht auf die Polizei abgegeben worden sind. Für die wiederum ein entfernter Standort des Täters hatte geschlussfolgert werden müssen.

Warum blieben sie aber bei der Treppe und gingen nicht vor?

Die Möglichkeit, dass die Meldung schlichtweg falsch ist, ist allerdings weitaus größer.

Der bereits erwähnte ehemalige Schüler, dessen Bericht in den STUTTGARTER NACHRICHTEN „EXCLUSIV“ vom 11./12. März erschienen ist, hatte eine etwas andere Version der Ereignisse parat.

Dieser ehemalige Schüler verlegt die Ankunft der Polizei auf vor 9.45 Uhr. Deren Bewaffnung mit Maschinenpistolen lässt auf die beiden Interventionsteams schließen. Bei deren Sturm in die Schule sei der erste Schuss gefallen. Bis zum Zeitpunkt der Evakuierung ins Wunnebad habe er insgesamt nur zwei Schüsse wahrgenommen.

Da wären also die besagten zwei Schüsse, aber nur einer beim Sturm der polizeilichen Interventionsteams in die Schule. Wann fiel der zweite Schuss? Und warum?

Das Problem an diesem Bericht des anonymen Zeugen ist aber, dass dessen Darstellung mit allen anderen fast nirgendwo zusammenpasst. Vorausgesetzt, dass dieser Bericht authentisch ist, wäre eine neuerliche Befragung dringend erforderlich. Der Redakteur Rainer Wehaus war zu keiner Stellungnahme bereit.

Um 9.43 Uhr trafen also laut Polizeiangaben die beiden Interventionsteams ein, die sofort in die Schule eindrangen. Auftrag: den Kontakt zum Täter herstellen und diesen bekämpfen, gleichzeitig alle anderen Personen schützen.

Der Kontakt zum Täter konnte aber nicht mehr hergestellt werden. Außerdem müssen einige Polizisten die ersten Notärzte geleitet haben. Es waren in dieser ersten Zeit neun bis 12 Polizisten vor Ort. Zu wenig, um alle Aufgaben gleichzeitig und großräumig zu meistern.

Die Schülerin Vivien hatte berichtet, dass ihre Klasse laufend und schreiend die Schule verlassen hatte und draußen auf die entgegenkommende Polizei traf. Das bedeutet aber, dass die Polizei mit diesen Schülern ebenfalls zu tun hatte.

Laut dem Polizeipräsidenten Hetger soll um 9.52 Uhr gemeldet worden sein, dass sich keine weiteren Täter in der Schule befinden würden.

Wir wissen nicht, von wem er diese Information bekommen hatte, die er in den Medien wichtig hinausposaunt hat.

Hetger ist hier ein gutes Beispiel des Typus Polizeipolitiker, dessen Aufgabe in erster Linie die positive Darstellung der Polizeiarbeit beinhaltet.

Die Angabe dieser Uhrzeit, dieser präzisen Uhrzeit 9.52 Uhr, ist nicht glaubhaft. Sie ist unmöglich. Denn es waren zu dieser Zeit nur 9 bis 12 Polizisten vor Ort gewesen und seit 9.43 Uhr aktiv. Die müssen sich aber erst einmal koordinieren, ins Gebäude eindringen, sich dabei gegenseitig deckend, Räume öffnen und andere durchsuchen, sie haben mit flüchtenden Schülern zu tun und müssen ebenfalls den ersten Notärzten Schutz geben und gegebenfalls den unmittelbaren Tatort sichern. Damit muss der Polizeitrupp schon sehr ausgelastet sein. Und dann können sie unmöglich auch noch unter ihren eigenen Sicherheitsvorkehrungen die Schule durchsucht und alle Räume geöffnet haben, die besetzten wie auch die leeren und möglicherweise verschlossenen. Ganz zu schweigen von dem Umstand, dass der Täter sich in die nebenan befindliche Schule zurückgezogen haben könnte. Verstärkung soll erst ab 10.00 Uhr eingetroffen sein.

Patrick aus der 9c straft mit seiner Aussage, dass sein Klassenzimmer erst gegen 10.00 Uhr von der Polizei, dem Hausmeister und Leuten vom Roten Kreuz geöffnet wurde, jener des Hetger ohnehin der Lüge. (SPIEGEL, 16. März 2009)

Demnach hatte sich die Polizei erst gegen 10.00 Uhr in den Bereich des Raumes 305 herangearbeitet, in dessen Nähe sich ja auch die beiden erschossenen Lehrerinnen befunden hatten. Und wo sich auch der vermutliche Fluchtweg befand. Möglicherweise kostete dieses späte Erscheinen und Öffnen des Klassenraumes der 9c der schwer verletzten Schülerin Jana Schober das Leben, denn sie verstarb anschließend auf dem Weg ins Krankenhaus.

Die folgenden veröffentlichten Aussagen sollen (noch einmal) genannt werden:

STUTTGARTER NACHRICHTEN „EXCLUSIV“ (11./12. März)

Jener ehemalige anonyme Schüler, der laut eigenen Angaben zufällig an der Schule gewesen war, um ehemalige Lehrer zu besuchen, schilderte Folgendes:

„Ich und mein Kumpel waren in der Schule zu Besuch. Wir wollten unsere alten Lehrer und Schüler sehen. Dann haben wir gesehen, wie direkt nach dem ersten Schuss der Lehrer aus dem Fenster die Sanitäter reinholen wollte – mit Blut an den Händen. Aber er konnte nicht, weil der Täter noch im Haus war.“

Und:

„Es gab ein Vorspiel, da bin ich mir sicher. Es gab eine Art Alarm, ein Piepsen, noch bevor der erste Schuss gefallen ist. Wir waren ab 9.30 Uhr vor dem Schulgebäude. Haben so kurz vor 9.45 Uhr das Piepsen gehört. Das muss um die Zeit gewesen sein, denn da kommt immer der Bäcker. Wenige Sekunden danach kamen die ersten zwei Polizeiautos. Tür aufgerissen, jeder von denen hatte ein Maschinengewehr in der Hand. Die sind reingestürmt und haben uns rausgeschmissen. Als sie reinstürmten, fiel der erste Schuss. Wenn die Polizei behauptet, dass sie alle schon tot waren, als sie am Tatort eintrafen, dann kann das eigentlich nicht stimmen. Wir haben bis 10.05 Uhr, als die Verstärkung der Polizei kam und wir in die Evakuierungszone zum Wunnebad gebracht wurden, nur zwei Schüsse gehört. Damit tötet man nicht so viele Menschen.“

Was uns dieser anonyme Zeuge via STUTTGARTER NACHRICHTEN also berichtet:

Etwas vor 9.45 Uhr gab es so etwas wie ein Signal, ein Piepsen. Danach trafen zwei Polizeiwagen ein. Die Polizisten, bewaffnet mit Maschinenpistolen, wären sofort in die Schule hineingestürmt.

Der genaue Aufenthaltsort dieses Zeugen und seines Kumpels, die zuvor nichts bemerkt haben wollen, ist nicht ganz klar. Sie wurden nun aber „rausgeschmissen“, was eine Räumlichkeit impliziert. In dieser Zeit muss aber auch der erste Schuss gefallen sein. Wer diesen abgegeben haben soll, wird nicht genannt. Anscheinend aber nicht von der Polizei, in deren Nähe der Zeuge gewesen sein müsste.

„Direkt“ nach diesem ersten Schuss habe „der Lehrer aus dem Fenster“ die Sanitäter hereinholen wollen. Aber: aus welchem Fenster?

Denn die betroffenen Klassenräume befanden sich ja um die Ecke bzw. nach hinten hinaus. Unser anonymer Zeuge, ansonsten in völliger Unkenntnis, müsste demnach sofort dort hingelaufen sein, zu den dort abseits des Eingangs plötzlich erschienenen „Sanitätern“, schließlich habe er sogar das Blut an den Händen des Lehrers erkennen können.

Der Lehrer habe die Sanitäter aber nicht hineinholen können, so der anonyme Zeuge weiter, weil der Täter noch im Haus gewesen wäre.

Doch davon einmal abgesehen, dass Letzteres der Zeuge gar nicht wissen konnte und höchstens auf einer Vermutung basiert, besaß die Klasse 10d einen Notausgang über die Feuerleiter. Über die allerdings die Schüler flüchteten. Und die 9c hatte zu dieser Zeit mit der Frau Braun eine Lehrerin.

Wann der zweite Schuss fiel, wurde in dem Bericht nicht genannt.

Was ist also von diesem Bericht zu halten?

SPIEGEL-ONLINE berichtete am 13. März („Amoklauf in Winnenden – Tim K. erschoss Frau eines Polizisten“),dass die im Flur getötete Physik-Referendarin Michaela K. mit dem Polizisten Michael K. verheiratet war, der zu den ersten Polizisten gehörte, die sich an der Albertville-Realschule einfanden. Obwohl von der Polizeidirektion Ostalb – und nicht Winnenden - , wäre er zufällig mit seinem Kollegen in ihrem Dienstwagen in der Nähe gewesen. Es wurde nie nachgefragt, warum er zufällig dort gewesen war. Aber erst als entdeckt worden war, dass sich unter den Opfern seine Frau befand, sei er aus dem Dienst genommen worden, heißt es weiter.

Muss es wohl auch heißen.

Der SPIEGEL-Artikel beschreibt Michael K. aber auch als einen Beamten, der mit dem speziellen Trainingsprogramm versehen wäre, was ihn als ein mögliches Mitglied des Interventionsteams ausweisen könnte. Muss aber nicht. Der Beamte Michael K. soll daraufhin an einer der Absperrungen vor dem Schulgebäude eingesetzt worden sein.

Dort wird es ihm aber kaum besser gegangen sein, und außer Dienst dazu, mit sich alleine womöglich. Und Absperrungen hat es zu diesem Zeitpunkt, am Anfang, auch noch nicht gegeben.

Im selben Artikel sollen die beiden toten Referendarinnen im Flur des Obergeschosses von SEK-Beamten gefunden worden sein.

Dieser „Information“ ist allerdings bei der schlechten Qualität der SPIEGEL-Recherchen kaum eine größere Bedeutung beizumessen.

Ansonsten stehen wir vor weiteren Fragen.

Sehr interessant auch der folgende Artikel von SPIEGEL-ONLINE/11.3., 22.33 Uhr, „Einzelgänger im Waffenwahn.“

Ein 16-jähriger aus der ARS schildert, wie er zu spät gekommen ist an diesem Morgen. Erst eine Viertelstunde vor zehn war er dort – „verschlafen“, sagt er und lächelt verschämt. Tim K. war da gerade wieder weg.

Die Schule schien auf dem ersten Blick menschenleer. „Ich habe am Computerraum total lang geklopft“, sagt der Junge. Erst antwortete niemand. Dann musste er genau beschreiben, wer er ist. Die Tür ging einen Spalt auf, er wurde reingezogen von jenen, die sich dort versteckten. Einen Augenblick lang müssen sie ihn für den Amokschützen gehandelt haben.

Der offenbar sehr einfältige SPIEGEL-Redakteur hat offenbar an seinem eigenen Artikel nichts Ungewöhnliches feststellen können. Dabei ist es ganz einfach: ein Junge, der verschläft und erst gegen 9.45 Uhr zur Schule kommt. Er sieht keine Polizei, er sieht keine Notärzte, er sieht nicht einmal flüchtende Schüler, er scheint auch nichts zu hören.

Verflüchtigt hatte sich auch der Täter.

TAGESSPIEGEL:

Der TAGESSPIEGEL zitierte eine Zeugin, die mit anderen Kindern auf dem Schulhof gewesen sein will, also auf der Rückseite des Schulgebäudes. Ihrer Aussage nach habe alles mit einem großen Knall begonnen, und sie wären dann zum Schulgebäude gegangen, um zu sehen, was da passiert war. Plötzlich sei „ein Mann in schwarzer Kleidung“ vor ihnen aufgetaucht, mit einer „silbernen Maske“ vor dem Gesicht. Dann wären sie alle nur noch um ihr Leben gerannt…

Dies ist (bislang) der einzige Bericht, der eine Sichtung des vermeintlichen Täters schildert.

Der Weg, den der Täter genommen haben könnte, ist bislang nicht konkret zu eruieren gewesen. Es muss auch die Möglichkeit offen gelassen werden, dass eine Flucht aus der Schule heraus vielleicht niemals stattgefunden hat. Es waren bislang keine weitere Zeugen aufzutreiben, welche die Flucht beobachtet haben, die also auch einen Täter haben ausmachen oder vermuten können. Dies erscheint ungewöhnlich bei dem Schulzentrum mit seinen zahlreichen mit Schülern und Lehrern belegten Räumen. Schießerei, Polizeilärm – und niemand schaut aus dem Fenster?

Oder wurde aus dem Fenster geschaut und nichts gesehen?

Die ABENDZEITUNG ONLINE vom 11. März, abends:

„9.45 Uhr, Winnenden: Die Polizei warnt per Lautsprecherwagen die Bevölkerung. Nicht rausgehen, niemanden mitnehmen. Ganz Winnenden lebt jetzt in Angst. Im Gymnasium neben der Realschule harren die verschreckten Schüler in ihren Klassenräumen aus. Die Fenster werden zugezogen. Die Lehrer sagen, dass sich die Kinder auf den Boden setzen sollen. Einige zücken ihre Handys und verfolgen damit die Nachrichten im Radio.“

Die Fenster werden zugezogen, heißt es hier. Aber natürlich erst, nachdem man dort Kenntnis über die mörderischen Vorgänge erhalten hatte.

Der Täter war fort. Und niemand wusste, wohin er eigentlich verschwunden war. In Richtung Innenstadt, hieß es dann in den Medien.

Was fand die Polizei an weiteren Spuren vom Täter?

Der fehlerhafte SÜDKURIER dazu am 12. März 2009:

Die Polizisten, so schildert es danach Innenminister Heribert Rech, dringen ins „Objekt ein“. Es sind „besonders geschulte“ Kräfte „mit hoher Eigengefährdung“. Doch sie kommen für manche Jugendliche zu spät. Sie verfolgen den Täter noch in den oberen Stock, sehen „unzählige Patronen“, leere und volle.

Regierungsschuldirektor Wolfgang Schiele berichtete der Presse von umgestürzten Stühlen, Blutspuren auf dem Boden und zersplitterten Türen.

SPIEGEL-ONLINE vom 12. März, 12.34 Uhr („Tim K. litt an Depressionen“):

„Wir haben ein größeres Blutbad an der Realschule verhindert“, sagte der Landespolizeipräsident Hetger. An der Schule seinen enorme Schäden entstanden. Noch immer seien Blutlachen auf dem Boden und überall zerschossene Scheiben. „Es ist in nächster Zeit an einen Unterricht in diesen Räumen gar nicht zu denken“, sagte Polizeisprecher Michelfelder.

Wir wissen nicht, von welchen „enormen“ Schäden gesprochen wurde. Löcher in den Wänden und vielleicht auch in der Tafel, zwei kaputte Türen, einige kaputte Fenster.

Aber was verdient hier die Bezeichnung „enorm“?

In den Wochen nach dem Massaker wurden offenbar Türen und Rahmen ausgetauscht, auch Fenster bzw. Glasscheiben. Auf einem Fahrzeug einer Glaserei konnten zwei dieser Glasscheiben fotografiert werden. Das eine wies zwei Schusslöcher auf, das andere besaß dagegen ein faustgroßes Loch. Wie das?

ars-glaserei-03-04-09.jpg

Das Glaserei-Fahrzeug am 3. April 2009 vor der Schule.

In der Schule soll eine Menge an unbenutzten Patronen des Täters gefunden worden sein.

SPIEGEL-ONLINE/Protokoll:

Die Polizisten finden eine Unmenge nicht benutzter Munition in den Schulfluren. Der leitende Kriminaldirektor Ralf Michelfelder: „Der Täter hatte in der Schule möglicherweise weitaus mehr vor, als er dann angerichtet hatte.“

Spiegel-Online/11.3., 19.18 Uhr:

Im Treppenhaus wurden mehrere hundert Schuss Munition gefunden.

Hier auch Landespolizeipräsident Erwin Hetger:

„Wenn man sich die Schule anschaut und die nicht benutzte Munition auf dem Fußboden betrachtet, kann man nachvollziehen, was noch hätte geschehen können.“

Unmenge an Munition und hunderte Schuss Munition. Diese Meldungen der Polizei waren schon derartig massiv übertrieben, dass sie als schlichtweg falsch zu bezeichnen sind. Und sie sind auch falsch, wie hier später noch nachgewiesen werden kann.

Nur: warum wurden derartige Meldungen verbreitet? Offensichtlich sollte mit diesen Angaben die Dramatik der Ereignisse noch unterstützt werden, offensichtlich hielt man dies bei der Polizei für notwendig.

Dazu passen auch die Worte des Innenministers von Baden-Württemberg, Rech, während einer Pressekonferenz. Er befand sich hier aufgrund der angeblichen Polizeipannen bereits unter Druck, als er folgende Worte von sich gab:

„Ein Umstellen des Gebäudes wäre gefährlich gewesen, weil der Täter mehr als 200 Schuss bei sich hatte.“

Umstellt die Polizei demnach nur unbewaffnete Täter?

Woher wusste er überhaupt von der Munitionsmenge vorher?

Und was für ein dummes Zeug ließen die Offiziellen immer wieder vom Stapel?

Die Angaben, dass der Täter rund 60 Schüsse in der Schule abgegeben hat, wie die Polizei angab, dürften dem Tatverlauf nach der Richtigkeit entsprechen.

Zu der Anzahl der Patronen, deren Verbrauch wann und wo:

siehe unten in einem eigenen Kapitel.

Es sei noch ein Umstand anzumerken, welcher von keiner Spurensicherung vor Ort festgestellt werden kann:

Der Täter hat nach Angaben der Polizei also rund 60 Schuss in der Schule, also in einem Gebäude, abgegeben, davon etwa 45 Schuss innerhalb der Klassenzimmer. Und alles mit einer großkalibrigen Faustfeuerwaffe. Von einem Schalldämpfer war nie die Rede gewesen.

Der Täter muss sich seine beiden Ohren unbedingt zugestopft haben, weil er bereits nach dem ersten Magazin durch das Knalltrauma ohne Gehör gewesen wäre, von der übrigen Zerrüttung einmal abgesehen.

Zum Schluss soll noch erwähnt werden, dass die Verstärkungen der Polizei ab 10.00 Uhr in Winnenden eintrafen. Darunter befand sich auch die Hundertschaft einer SEK-Truppe.

Laut „SPIEGEL“

hatte sich zur Tatzeit in Winnenden „zufällig“ eine SEK-Einheit „in der Nähe befunden“ . Es soll sich dabei um eine Hundertschaft aus Schwäbisch-Gmünd gehandelt haben, die in Aalen für den bevorstehenden NATO-Gipfel (Straßburg) trainiert habe. Diese SEK-Männer wären nach ihrer Alarmierung mit 20 Kleinbussen zum Winnender Schulzentrum gefahren worden.

Dies muss nichts bedeuten, soll hier aber deswegen erwähnt werden, weil sich in der Vergangenheit einige Katastrophen und Anschläge mit derart „zufälligen“ Übungen verknüpft hatten. Und leider hatte dieser NATO-Gipfel schließlich auch demonstriert, wie es möglich sein konnte, friedliche Demonstranten fern zu halten, während innerhalb der abgesperrten Polizeizone eine angeblich autonome Gruppe ungestört Sachbeschädigung betreiben und Brände legen konnte.


G. Der Tote im Park.


Der Täter soll also aus der Schule, vom Schulhof und überhaupt vom Gelände der drei dortigen Schulen geflüchtet sein. Dann soll er über einen Zaun in den Park der angrenzenden psychiatrischen Klinik gelangt sein.

park-sternfluchtweg-1.jpg

Quelle: STERN. Im Vordergrund die ARS und hinter dem Lessing-Gymnasium der Klinik-Park.

Man muss es sich noch einmal vorstellen: Der Täter, soeben noch Amok gelaufen, flüchtet. Er will entkommen. Er muss sich also beeilen, er muss die Örtlichkeit schnell wechseln und gleichzeitig unauffällig sein, um erfolgreich flüchten zu können. Mit anderen Worten: der Täter muss nun möglichst unauffällig aussehen und sich natürlich entsprechend verhalten.

Für unseren angeblichen Täter bedeutete dies: weg mit der Maske, sollte er tatsächlich eine gehabt haben, vielleicht auch weg mit dem Kampfanzug. Was wohl kaum möglich gewesen sein wird - keine Zeit zum Umziehen. Er wurde ja auch nicht gefunden.

Der Täter flüchtete also in den recht offenen Park des Klinikums.

Anstatt nun aber so unauffällig und schnell wie möglich diesen Park zu durchqueren, erschießt der Täter dort einen 56jährigen Angestellten dieser Klinik, einen Monteur, Franz-Josef Just.

Ist dies unauffällig?

Und er soll gleich 9 Schüsse auf diesen unbewaffneten Mann abgefeuert haben.

Auffälliger geht es aber kaum noch.

Zugleich müssen Anwohner, Passanten, Angestellte nachgeschaut und die nahe Polizei alarmiert haben, denn es wird ja nicht zu überhören gewesen sein.

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Wo ist das Motiv?

Dieser Mann wird einen Täter kaum an der Flucht behindert haben. Der Täter hätte dem Opfer zudem ausweichen können.

Warum gibt der Täter mit diesem extrem auffälligen Verhalten seinen Standort preis? Zumal sich Polizei ganz in seiner Nähe befand.

Warum feuerte er gleich neun mal auf sein Opfer, obwohl es mit einem oder mit zwei Schüssen aus nächster Nähe auch getan gewesen wäre? Da nahe der Leiche der Spurendienst den Standort einiger Hülsen markiert hat (4 Markierungen waren noch sichtbar), ist der Monteur aus nächster Nähe erschossen worden, d. h. er wurde vom Mörder aufgesucht. Bei den letzten Schüssen muss das Opfer auch schon auf dem Boden gelegen sein.

(Folgt nach)

Foto: Reste von 4 Hülsenmarkierungen.

Noch einmal die Situation in der Vorstellung:

Der Täter flüchtet, er will also entkommen, will verschwinden. Das funktioniert nur, wenn er möglichst schnell nicht mehr bemerkt wird. Und dann sieht er diesen Mann im Park. Er ignoriert ihn nicht, er läuft nicht in einer gewissen Distanz an ihm vorbei, nein, stattdessen sucht er ihn auf und erschießt diesen wehrlosen Mann. Der nach drei Schüssen wahrscheinlich umgefallen ist, und in dessen Köper der Täter dennoch weitere sechsmal feuert.

Gleichzeitig macht der Täter, und das muss er ja wissen, extrem stark auf sich aufmerksam, das ist ja logisch. Das heißt, er behindert ganz stark seine eigene Flucht. Denn er gibt sich zu erkennen.

Was ist das: Idiotie oder Überheblichkeit? Wie: hallo, hier bin ich!

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Die Annahme, dass der angebliche Täter aus der Schule hatte einen Zeugen beseitigen wollen, greift ebenfalls nicht. Denn wenn der Täter ohnehin offen, also nicht anonym, das Blutbad in der Schule angerichtet hatte, wie es die Polizei erzählen möchte, und somit zu identifizieren war, warum sollte er noch jemanden anders später aufgrund seines Zeugenstatus erschießen? Noch dazu zu einem Zeitpunkt, in welcher jede Minute auf seiner Flucht zählen sollte und dieser Mann im Park doch noch gar nicht im Bilde sein konnte?

Sinn würde dieser Mord nur dann machen, wenn der Täter in der Schule maskiert gewesen ist und im Park dem Mann unmaskiert begegnet sein würde. Dies würde aber wiederum bedeuten, dass der Täter in der Schule nicht als Tim Kretschmer identifiziert worden sein kann und auch etwas später nicht, weil der Zeuge im Park ja erschossen wurde.

Interessanterweise gibt es zu der Situation im Park keinerlei Zeugenaussagen. Dies erstaunt ebenfalls, wenn man die recht offene Anlage in Betracht zieht. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass es Zeugen gab, diese aber von der Polizei nicht veröffentlicht werden. Hier würde sich die Frage nach dem Grund stellen.

In einigen Berichten der Behörden und der Presse (z.B. STUTTGARTER NACHRICHTEN vom 12. März 2009) war noch zu erfahren, dass im Park angeblich auch ein Passant von dem Täter verletzt worden wäre. Von diesem ist aber absolut nichts bekannt. Auch hier kann man sich fragen, warum dem so ist.

SPIEGEL-ONLINE

erwähnte in seinem „Protokoll“, dass eine Mitarbeiterin der Klinik sechs, sieben Schüsse gehört habe.

Am 11. März berichtete SPIEGEL-ONLINE abends

von einer 21-jährigen Diätassistentin der Klinik, die erzählte, dass plötzlich ein Gärtner zu ihnen hineingestürmt wäre und gerufen habe, dass draußen ein Mann angeschossen wurde. Dieser sei kurz darauf gestorben. Die Menschen in der Küche hätten sich verbarrikadiert und stundenlang gewartet.

Gleichzeitig war in der Online-Ausgabe der ABENDZEITUNG vom 11. März am Abend folgendes zu lesen:

„… dort kreuzt der Hausmeister des Klinikums seinen Weg. Kretschmer erschießt ihn. Der Gärtner des Krankenhauses, der alles mit ansehen muss, flüchtet.“

Hier wurde demnach von einem Zeugen berichtet. Über diesen Gärtner ist aber absolut nichts weiter bekannt, weder seine Person noch seine Aussage.

Neben dem Täter reagierte allerdings auch die Polizei anders, als man es hätte annehmen können.

Sie reagierte erst einmal gar nicht.

Die Schüsse im Park, gleich neun an der Zahl, können bei den Polizisten vor der Schule nicht unbemerkt geblieben sein. Dies ist schlichtweg unmöglich. Folglich hätten die Beamten in Erwägung ziehen müssen, dass der Täter bereits geflohen war und nun woanders wütete. Oder ein weiterer Killer. Die Beamten hätten nachschauen müssen, spätestens nach dem Eintreffen der beiden Interventionsteams, deren Heldenmut bei dem Sturm in die Schule nun weniger heldenhaft erscheint. Auf jeden Fall hätten sie Verstärkung auch für den Park anfordern müssen. Davon einmal abgesehen, dass auf dem Klinikgelände sicherlich jemand die Polizei verständigt hat.

Um so erstaunlicher ist es, dass laut Polizeiangaben der Tote im Park erst gegen 10.15 Uhr aufgefunden worden sein soll und somit eine knappe halbe Stunde später (!) nach den Schüssen im Park! Offenbar wie ein verlorenes Paket. Nachdem übrigens ab 10.00 Uhr laufend Verstärkungen der Polizei eingetroffen waren.

Wie ist dies zu erklären?

Diese beiden Umstände, das rätselhafte Verhalten des angeblichen Amoktäters wie auch das rätselhafte Verhalten der Polizei, zeigt vor allem eines auf: allein an dieser Geschichte um den Toten im Park stimmt einiges nicht.

Bemerkenswert erscheint außerdem der Umstand, dass der Täter auf seiner Flucht noch eine aufmunitionierte Waffe besessen haben muss. Wie das? Während seiner Flucht dürfte er nicht einzeln nachgeladen haben können, allenfalls das Magazin gewechselt.

Aber dazu später noch.


Update:


Am 24. August 2010 erschien in der STUTTGARTER ZEITUNG ein Artikel von Thomas Schwarz, in welchem über den in Pension gehenden Revierleiter Rolf Böskens berichtet wurde. Natürlich durfte hier die zentrale Katastrophe in Winnenden nicht fehlen. In diesem Artikel erfuhr der Leser einiges, was uns erstaunte.

„Es war ein glücklicher Zufall, dass wir an dem Tag alle da waren.“ Am 11. März 2009 bereitet sich Rolf Böskens mit einem Kollegen auf eine Pressekonferenz vor. Im Polizeirevier an der Eugenstraße in Winnenden sind alle Polizisten des Interventionsteams anwesend, die zusammen Szenarien eines Amoklaufs trainiert haben. Der Chef des Reviers ahnt nicht, dass einer der schlimmsten Tage seines Lebens vor ihm liegt. „Überall hätte ich mir das vorstellen können, aber nicht in Winnenden.“ Um 9.32 Uhr kommt der Notruf aus der Albertville-Realschule: Amoklauf! Weitere Anrufe kommen. „Im Hintergrund hat man die Schüsse gehört“, erinnert sich Böskens. Ein Schüler telefoniert aus einem Klassenzimmer: „Kommen Sie schnell, da wird geschossen!“

Innerhalb weniger Augenblicke sind alle acht Beamten des Interventionsteams auf dem Weg. „Die erste Streifenwagenbesatzung hat dabei die Aufgabe, sofort in das Gebäude zu gehen und den Täter zu stellen. Das ist hochriskant.“ Rolf Böskens sitzt im dritten Streifenwagen, drei seiner Leute sind in der Schule, die zweite Besatzung ist bereits im Schloßgarten, wo Schüsse zu hören waren. „Ich war dann die Schnittstelle zum Revier und gleichzeitig der Einsatzleiter, bis der Leiter der Polizeidirektion vor Ort war.“

Dieser Artikel, zusammen mit den zitierten Aussagen von Böskens, scheint zumindest ein klein wenig Licht auf die Situation zu werfen. Erst einmal wird noch einmal deutlich, dass alle acht Beamten zur Schule geschickt worden sind. Allerdings zuerst jene drei, welche in die Schule zu gehen beauftragt waren, und erst Minuten später die übrigen fünf Beamten zusammen mit dem Revierleiter, Rolf Böskens.

Das ist nicht neu. Die durch behördliche Vertreter monatelang erzählte Geschichte der „beiden“ Interventionsteams wurde ab Herbst 2009 plötzlich fallen gelassen (siehe unten) und dafür die drei Beamten des ersten Kommandos in die zentrale Aufmerksamkeit gerückt. Als Böskens gegen 9.41/9.42 vor der Schule eingetroffen war, gab es zu diesem Zeitpunkt dort keinen Täter mehr, und es wurde dort auch nicht mehr geschossen. Wir erinnern uns aber noch an jene „zwei“ Schüsse, die Böskens damals bei seiner Ankunft gehört haben wollte. Und wir erinnern uns auch noch daran, dass diese beiden Schüsse gerne in Kontext mit den beiden ermordeten Lehrerinnen im Flur gesetzt worden sind.

Das alles ist falsch.

Neu ist in dem Artikel, dass von den Polizeibeamten immerhin die Besatzung eines Fahrzeuges, zwei oder drei Polizisten, die Schule gar nicht erreicht hatte, weil sie nämlich zum Schloßpark, also zum Park der psychiatrischen Klinik, umgeleitet worden sind. Nicht nur, dass mit diesem Bericht abermals bestätigt wird, dass die Geschichte mit den beiden Interventionsteams ein seinerzeit von der Polizei verbreiteter Unfug gewesen war, sondern die Polizei weitaus eher, als zuvor bekannt gegeben, im Park gewesen sein muss.

Diese Zeit lässt sich einordnen. Die Umdeligierung eines Fahrzeuges muss während der Anfahrt zur Schule geschehen sein bzw. nahe der Schule, wenn nicht gar bereits direkt davor. Tatsächlich lassen sich die Ankunft von Böskens und der Mord im Park etwa deckungsgleich bringen: 9.41/9.42 Uhr. Mit einer Korrektur dahingehend, dass die Schüsse im Park bereits vorher gefallen sein müssen.

Es wird in dem Artikel nicht davon berichtet, dass die Schüsse im Park gemeldet worden sind, sondern dass sie zu hören gewesen wären. Vielleicht waren es jene Schüsse gewesen, welche Böskens damals tatsächlich noch gehört haben könnte. Nur eben nicht aus der Schule, sondern vom Park her!

Die Behörden haben bis zum heutigen Tag nicht angegeben, wann genau die Leiche von Franz Just im Park gefunden worden sei. Durch die Medien wurde damals mit „gegen 10.15 Uhr“ eine unglaubwürdige Zeitangabe in den Raum gestellt. Der oben genannte Artikel zeigt allerdings auf, dass sich die ersten Polizeibeamten bereits nur wenige Minuten nach dem Mord im Park des Klinikums befunden haben müssen.

Die mörderische Spur des Täters war also noch frisch gewesen, doch haben wir keine Kenntnis, was diese Beamten in der Folgezeit unternommen hatten. Nur eines steht fest: erfolgreich waren sie nicht gewesen.

Desweiteren: siehe unten.


H. Das Ehepaar Wolf.


Nach der äußerst fragwürdigen Situation um den Toten im Park schließt sich die nächste Unstimmigkeit an.

Laut der letzten polizeilichen Mitteilung von Mai 2009

soll der Täter durch den Park geflüchtet sein, wo er anschließend durch ein offenes Tor beim Haupteingang auf die andere Seite des Klinikums, auf die dortige Straße, gelangt sein soll. Zeugen gibt es keine. Oder es wurden bislang keine präsentiert.

Vor dem Parkplatz soll ein gewisser Igor Wolf in seinem VW-Sharan, in der 2. Reihe haltend, auf seine in der Klinik befindliche Frau Oksana gewartet haben, mit der er zuvor noch telefoniert haben will. Seinen Angaben nach soll um Punkt 9.47 Uhr Tim Kretschmer hinten in den Wagen gestiegen sein und ihn mit vorgehaltener Pistole zur Fahrt genötigt haben.

Igor Wolf ist öffentlich der einzige von der Polizei präsentierte Zeuge, der den Täter als Tim Kretschmer identifiziert haben will und welcher den folgenden Schauplatzwechsel begründet.

Leider gibt es für diese Entführung keinen einzigen Zeugen, womit Igor Wolf der einzige Zeuge für diese Situation bleibt.

Seinen Angaben nach muss also der Täter, ausgehend von einer Flucht aus der Schule gegen 9.38 Uhr, den Weg (wenigstens 600 Meter), inklusive dem Mord im Park, in 9 Minuten geschafft haben. Also zumeist laufend, was mit der Menge an Munition, die er bei sich getragen haben soll, sehr anstrengend gewesen sein dürfte. Der Täter muss ziemlich außer Atem bei Igor eingestiegen sein.

Ein Rätsel bleibt auch Oksana Wolf. Sie muss ja etwas später die Klinik verlassen und festgestellt haben, dass ihr Mann nicht mehr da war.

Nun, sie mag gewartet haben. Dann mag sie sich gefragt haben, wo ihr Mann abgeblieben war.

Nur: wie lange wird die Frau Wolf, von der es keine öffentliche Aussage gibt, dort untätig herumgestanden und gewartet haben?

Jeder Mensch hätte da mal angerufen, um zu fragen, was da los ist.

Nur Oksana nicht.

Igor Wolf hatte später ausgesagt, dass ihn während der Fluchtfahrt „zum Glück“ niemand angerufen habe, also auch nicht seine Frau.

Gut, man könnte nun anführen, dass das Telefonnetz zeitweise überlastet gewesen war, andererseits wurden aber Telefonate woanders geführt (Schüler). Und wenn man nicht durchkommt, keine Leitung zustande kommt, dann versucht man es wieder. Und wieder. Schließlich macht man sich doch Sorgen, oder?

Es erscheint demnach nicht glaubhaft, dass Oksana ihren Mann in den folgenden 2 Stunden nicht angerufen und erreicht haben soll. Die Frage ist: warum hat sie ihren Mann nicht angerufen?

Hinzu kommt, dass etwas später aufgrund der Leiche des Franz-Josef Just die Polizei im Park und an der Klinik gewesen sein muss. Dazu Nachrichten, Gerüchte, Aufregung in der Nähe…

Aber von Oksana Wolf keine bekannt gewordene Reaktion, weder durch die Medien noch durch die Polizei.

Weil es keine Reaktion gab?

War sie überhaupt dort?

Selbst wenn sie als absolute „Trantüte“ erst nach einer Stunde drauf gekommen war, dass da irgendetwas nicht stimmt und sich an die nahe wie suchende Polizei gewandt hätte, sagen wir mal um 10.47 Uhr, dann wäre der polizeiliche Rückschluss: „Täter auf der Flucht – verschwundener Fahrer mit Wagen“ sofort parat gewesen. Selbst von polizeilicher Seite davon ausgehend, dass Oksana Wolf eine Hysterische sein könnte, hätte diese Möglichkeit untersucht werden müssen. Das heißt: Fahndung nach dem grünen VW-Sharan des Igor Wolf mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Ist davon etwas bekannt?

Nein. Von einer derartigen Fahndung ist nichts bekannt. Sie mag natürlich nie veröffentlicht worden sein, aber es gibt ein starkes Indiz, dass eine Fahndung nach einem grünen VW-Sharan des Igor Wolf nie existiert hat. (Siehe unten).

In seinem STERN-Interview behauptete der in Göggingen wohnende Igor Wolf, dass er nach den Schlußereignissen in Wendlingen und den Vernehmungen (wahrscheinlich in Waiblingen) von der Polizei am Nachmittag wieder nach Winnenden gefahren wurde. Was er dort gemacht hat? Er hat doch tatsächlich seine Frau abgeholt. Endlich! Die hat dort offenbar immer noch auf ihren Mann gewartet. Und auf die Idee, sie zu ihren Mann zu bringen, war die Polizei anscheinend auch nicht gekommen. Na, sowas…


I. Igor Wolf und die angebliche Fluchtfahrt.


Igor verkaufte seine Geschichte von der Fahrt mit dem Amokläufer Tim Kretschmer für angeblich 20.000 Euro exklusiv dem STERN. Und ins Fernsehen durfte er auch.

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Igor Wolf bei „Beckmann“ im TV.

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Links von ihm seine Begleiterin, die Psychologin Alina Wilms.

Davon einmal abgesehen, dass auch er nicht schlüssig aufklären konnte, warum eine Fahrt ins 40 Kilometer entfernte Wendlingen trotz ausholender Umwege und angeblichen Stauungen rund 2 Stunden in Anspruch genommen haben soll, sollte sich jeder Leser und jeder Zuschauer seine eigene Meinung zu seinen Aussagen bilden. Und sich die Frage nach seiner Glaubwürdigkeit stellen.

(Siehe STERN Nr. 13 vom 19. März 2009 und diverse Artikel, BECKMANN im TV).

Einige Beispiele:

Igor Wolf habe die ganze Zeit versucht, den Täter bei Laune zu halten, woraus sich eine ganz angeregte Konversation ergeben habe.

Und sehr widersprüchlich, wenn man dem Artikel des STERN mit dem Interview folgt.

Wolf erzählte, dass er sofort die Echtheit der Pistole erkannt habe. Er habe zu Tim Kretschmer gesagt:

„Ein riesengroßes Ding. Da hast Du aber ein schönes Gerät, habe ich (später) zu ihm gesagt, um ihn ein wenig abzulenken, neun Millimeter?“

Wolf berichtete auch von den Polizeiwagen, die ihnen ständig mit Blaulicht entgegengekommen wären, und wie das den Täter jedes Mal nervös gemacht habe. Deswegen habe er, so Wolf weiter, einmal seine Hand auf dessen Oberschenkel gelegt, die der Täter aber sofort weg geschoben habe.

Man muss feststellen: der Mann hat Mut, seine Hand in Richtung der Waffe zu bewegen und sie auf das Bein eines angeblich irren Killers zu legen, von dem er bedroht worden sei.

Deswegen ist es in diesem Zusammenhang um so erstaunlicher, dass Igor Wolf nicht erkannt haben will, welche Kleidung der Täter getragen habe. Hatte er die Hose des irren Täters etwa nur ertastet und erfühlt? Das kann natürlich nur Unsinn sein, zumal Wolf selbst berichtete, wie er sich umgedreht habe, als der Fremde mit Waffe in sein Fahrzeug eingestiegen sein soll. Das ist ja auch normal, das ist ein Reflex. Dass Wolf, der zwei Stunden mit dem angebichen Täter im Fahrzeug gesessen sein will, sich aber an dessen Kleidung nicht erinnern kann, ist nicht normal. Das ist gelogen. Warum lügt Igor hier? Dass dieser Mann lügt, wird auch an anderer Stelle ersichtlich. Er will ja immer wieder überlegt haben, wie er sich aus seiner Notlage befreien könne. Auch dies ist nur möglich, wenn ich den Täter im Auge behalte.

Der von Wolf als Tim Kretschmer bezeichnete Täter soll während der Fahrt gesagt haben:

„Ich habe schon 15 Menschen umgebracht in meiner alten Schule, und das war für heute noch nicht alles.“

„Warum machst Du so einen Scheiß?“ , habe Wolf gefragt.

„Aus Spaß, weil es Spaß macht.“

Ganz laut soll er den vorherigen Satz gesagt haben, so Igor Wolf. Ganz laut, wie auffällig herausgestrichen wird. Nur für wen? Für uns, für die Leser?

Was kann man daraus entnehmen? Dass Tim Kretschmer woanders und wahllos weiter morden wollte? Und somit seinen Selbstmordplan konsequent weiterverfolgen wollte, nachdem er zuvor aber geflohen war, um genau dies nicht zu tun? An einer Örtlichkeit, wo es absolut keine persönliches Beziehung mehr gab? Empfand er Spaß und somit Lebensfreude, welches er andererseits aber definitiv zu beenden gedachte?

Igor Wolf vergaß auch nicht, sich selbst ins rechte Licht zu rücken.

„In Tübingen hielten wir an einer Ampel. Da habe ich darüber nachgedacht, einfach die Tür aufzureißen und wegzulaufen. Aber da waren viele Leute, die gingen ihrer Wege, eine Frau mit Kinderwagen, andere Kinder. Was glauben Sie, was er gemacht hätte, wenn ich raus gesprungen wäre? Er hätte sofort angefangen zu schießen, egal ob auf Kinder oder Alte.“

Geradezu amüsant-grotesk ist die Schilderung von Igor Wolf, dass sein Entführer während der Fahrt mit der linken Hand „die Magazine“ der Pistole aufgefüllt habe. Plural, also mindestens zwei. Und ein Magazin muss sich ja noch in der Waffe befunden haben. Das istein Magazin mehr als von der Polizei behauptet. Wie der Gewalttäter auf dem Rücksitz mit nur einer Hand - denn in der anderen hielt er die Pistole - diese Magazine aufgefüllt haben will, bleibt allerdings ein Rätsel. Denn mit einer Hand ist dies unmöglich. Mit einer selbst fast unglaublichen Fingerfertigkeit lassen sich nur sehr wenige Patronen in ein Magazin schieben, da der Druck der Feder zu stark ist. Der Entführer soll aber auch noch eine Clementine gegessen haben. Wie hat er diese denn geschält? Auch mit einer Hand? Oder nur mit den Zähnen?

Weitaus interessanter ist aber die weitere Entwicklung.

Das Interview im „STERN“ und vor allem ein TV-Auftritt bei „BECKMANN“ erzeugte bei einem Teil der Medienkonsumenten eine Reaktion. Der Mann Igor Wolf und seine Geschichten schienen sehr suspekt. Dies wiederum ließ die Polizei reagieren: sie dementierte den größeren Teil von Wolfs Erzählungen. Mit anderen Worten: was der Igor da vom Stapel lässt, stimmt zumeist gar nicht.

Mit einer Ausnahme.

„Meinst Du, wir finden noch eine andere Schule?“ soll der Täter seinen entführten Fahrer Igor Wolf gefragt haben. Diese Schwachsinnsfrage wurde damals im März 2009 durch alle Medien weitergereicht. Zu lesen war es dann allerdings nicht im „STERN“ und es war auch nicht bei „BECKMANN“ im TV zu vernehmen.

Es handelt sich um eine Behauptung der Polizei, der dieser Satz offenbar unglaublich wichtig ist.

Das war der Polizei offensichtlich wichtig.

Beckmann fragte Igor Wolf in seiner Sendung, ob dies der Täter tatsächlich gesagt haben würde. Daraufhin antwortete Wolf, dass der Täter gefragt habe, ob die Schulen am Nachmittag geöffnet bleiben oder geschlossen werden.

Wolf dementierte demnach diese Aussage, die wahrscheinlich ohnehin nicht von ihm stammte. Stattdessen behauptet die Polizei, dass dies der Täter gesagt haben soll. Somit ist der Autor dieses Satzes in der Polizei selbst zu suchen, welcher dieser Satz unglaublich wichtig scheint. Beweisen kann sie es natürlich nicht.

Die Polizei dementierte in der Folgezeit einen Teil der Aussagen des Igor Wolf und bezichtigt ihn in einigen Bereichen der Unwahrheit. Oder auch: er flunkert hier und da, nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau.

Gleichzeitig behauptet die Polizei aber, dass eine Kernaussage – Spaß & Schule – wahr sei. Deren einzige Quelle aber wiederum nur Igor Wolf sein kann, welcher von dem angeblichen Spaß berichtet hatte, aber nicht vom Suchen nach einer Schule.

Sieht so die Ermittlungsarbeit der Polizei aus?

Das Benutzen der unbewiesenen Geschichte eines Lügners, indem sie einen kleinen Teil seiner Behauptungen als Tatsache darstellen und darüber hinaus keine weitere Untersuchung anstellen?

Leben wir tatsächlich in Deutschland?

Sogar der BILD-ZEITUNG - ausgerechnet - kam der Auftritt von Wolf im TV „spanisch“ vor.

http://www.bild.de/BILD/regional/stuttgart/aktuell/2009/03/25/amok-geisel/macht-igor-w-uns-allen-etwas-vor.html

Noch kurz zu Igor Wolfs Interview mit dem STERN und seinem Auftritt im TV:

Wolf will mit dem Entführer etwa zwei Stunden im Fahrzeug verbracht haben. Das ist eine lange Zeit, in welcher sich einiges abspielt. Um so augenfälliger ist es, dass Wolf auch bei „BECKMANN“ nichts weiter zu berichten weiß, was über das STERN-Interview hinausgeht, keine weitere Einzelheiten, keine anderen Dialoge, Auffälligkeiten, irgendwelche Informationen, gar nichts.

Das ist für uns ein Hinweis, dass Wolf über keine Erinnerungen an diese angeblich erlebte Situation verfügt. Weil es sie nicht gibt. Weil das Erzählte einem bestimmten Script entspricht. Eine Kleinigkeit erwähnte Wolf im TV nicht. Der Täter, der ja aus Weiler am Stein stammte, habe ihm im Wagen gesagt, dass er aus Winnenden käme.

Nun ist aber dieser Igor Wolf, der im TV dem Moderator Beckmann kaum in die Augen sehen konnte, der einzige von der Polizei präsentierte angebliche Zeuge, der behauptet, dass er von Tim Kretschmer entführt worden sei. Und der einzige Zeuge, der den Schauplatzwechsel von Winnenden nach Wendlingen erklärt, wenn auch nicht ganz lückenlos.

Während es freilich keinen einzigen Zeugen gibt, welcher die Geschichte des Igor Wolf in irgendeiner Weise bestätigen kann.

Hier stellt sich aber nun die Frage, warum die Polizei den Igor Wolf von Anfang an als einen Zeugen präsentierte und nicht die Möglichkeit in Erwägung zog, dass es sich bei diesem Mann auch um einen Mittäter handeln könnte. Denn de facto war es Igor Wolf gewesen, der dem vermeintlichen Killer zur Flucht aus Winnenden verhalf und ihn nach Wendlingen karrte, wo dieser zwei weitere Menschen erschossen haben soll. Diese Möglichkeit hätte routinemäßig von der Polizei untersucht werden müssen, weil sich die Angaben über die Entführung allein auf die Behauptung des Igor Wolf stützten.

Von einer Untersuchung in diese Richtung ist nichts bekannt. Zeugen oder andere Anhaltspunkte für diese Geschichte, wie zum Beispiel Bänder von Überwachungskameras, wurden nie thematisiert geschweige denn präsentiert.

Allein diese eine Episode in dieser ganzen Tragödie vom angeblichen Amoklauf lässt die Behörden nicht nur als Versager, Lügner und Manipulateure, sondern auch als Mittäter erscheinen!

Aber es geht noch weiter.


J. Das offensichtliche Versagen der Polizeieinsatzleitung.


Der Täter auf der Flucht. Und auf der anderen Seite die Polizei, die den eigenen Angaben zur Folge keinen Schimmer hatte, wo dieser Täter abgeblieben sein könnte. Trotz dieser unüberhörbaren und ersichtlichen Spur im Park.

Warum gab es keine Straßensperren?, wie der SPIEGEL die Frage von einem seiner Leser, Thomas H., 50, zitierte:

(SPIEGEL-ONLINE vom 12. März 2009, 21.00 Uhr, Einsatz beim Amoklauf – „Polizeisperren gab es nicht, ich musste mich sehr wundern“)

Die polizeiliche Erklärung, dass Amokläufer anders handeln würden, d. h. nicht flüchten, sondern sich normalerweise verschanzen, als es dann eingetreten war, ist einfach nur peinlich.

Auch wenn es indirekt ein Eingeständnis ist, dass sich der Täter offenbar ganz anders verhalten hat als gewöhnlich in derartigen Fällen.

Es ist also nicht nur peinlich, weil die Polizei demnach so tut, dass sie auf eine Veränderung der Lage keinen Plan zu haben scheint, es ist auch peinlich, weil sie sehr wohl noch die Zeit gehabt hätte, überall Straßensperren zu errichten, und wenn es erst ab 11.00 Uhr gewesen wäre.

SPIEGEL-ONLINE vom 12. März 2009, 21.00 Uhr:

Ganz offensichtlich hatten sich die Polizeiführer vor Ort sehr genau an ihr theoretisches Wissen über Schulmassaker und damit auch an die FEA Amok (Führungs- und Einsatzordnung zu Bewältigung von Amoklagen) gehalten. „Amoklagen sind in der Regel stationär“, heißt es darin. Und: „Die Täter sind überwiegend männlich (…) und handeln als Einzeltäter in einem Gebäude.“ Von Flucht steht dort nichts, was nun nachzuarbeiten sein dürfte.

Gewerkschafter Wendt – und andere Sicherheitsexperten pflichten ihm in dieser Hinsicht bei – erkennt darin dennoch kein Versäumnis der Beamten. Das Verhalten des Täters sei eben „unberechenbar“, dafür könne aber nicht die Polizei verantwortlich gemacht werden. „Nirgendwo kann man auch nur den Hauch einer Fehlleistung entdecken.“

Natürlich nicht.

Es gibt noch die Schilderung eines Mannes, welcher gegen 10.15 Uhr auf den Weg nach Waiblingen und dann nahe Winnenden geschäftlich unterwegs gewesen war. Die ganze Zeit strömte Polizei in großen Kolonnen in Richtung Winnenden. Bis gegen 12.00 Uhr wäre er unterwegs gewesen und habe keine einzige Polizeisperre gesehen, keine einzige Kontrolle auf den Straßen aus Winnenden heraus. Sogar Kontrollpunkte der Polizei für LKW-Überprüfungen wären fort gewesen. Dafür kreisten Hubschrauber noch um 12.00 Uhr über Winnenden. Der Mann beschwerte sich über das für ihn klare Versagen der Polizei.

(TZ-ONLINE, 12. März 2009, Kommentare).

Nun könnte man annehmen, dass die Polizeiführung bewusst auf Straßensperren verzichtet hatte, um eine Eskalation zu vermeiden, wie auch seitens der Polizei einmal geredet wurde. Und dass sie somit auf eine eher unauffällige Überwachung und Verfolgung gesetzt habe.

Aus den Ereignissen geht aber hervor, dass dies gar nicht geschehen ist und somit diese Aussagen null und nichtig sind.

Die Polizei sieht dies natürlich anders und versuchte diese Augenfälligkeit abzuschwächen. Das „Hinterland“ wäre nicht vernachlässigt worden, schließlich habe man den Täter in Wendlingen stellen können, hieß es.

Das stimmt natürlich. Ist aber dennoch falsch. Denn gemäß der Polizeiberichte im März 2009, als die 1. Version der Ereignisse Gültigkeit hatte, soll der angebliche Amokläufer dort auf sich selbst aufmerksam gemacht haben, mit einer wüsten Veranstaltung in einem Autohaus.

Und nicht umgekehrt.

Das ist der kleine, aber entscheidende Unterschied.

Der Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft in Baden-Württemberg, Rüdiger Seidenspinner, sagte nach der Feststellung des „STERN“, dass der Name und das Aussehen des Täters schnell bekannt gewesen wären, dass man ja nicht gewusst habe, wo sich der Täter befunden hatte und dass seine Fahrtroute erst später bekannt geworden wäre.

Und weiter: „Und man muss bei einem Zugriff auch überlegen, ob er Aussicht auf Erfolg hat und ob nicht noch weitere Personen gefährdet werden.“

Gequatsche für Hirnamputierte. Den letzten Satz kann man völlig vergessen, er lenkt bewusst ab, da dies eine Überlegung wäre, sollte man den Kontakt zum Täter herstellen. Dieser Kontakt fand aber nicht statt! Die Polizei hatte keine blasse Ahnung, wie Seidenspinner selber darstellte.

Der Gewerkschafts-Polizist versuchte hier nur die armselige Erkenntnis zu übertünchen, dass die Polizei nicht nur keine Ahnung, sondern auch keine geeigneten Maßnahmen ergriffen hatte.

Wenn man nicht weiß, wo sich der Täter befindet, dann sucht man ihn! Und nicht nur in der unmittelbaren Umgebung des Tatortes.

Wie verhielt es sich mit der Fahndung?

Es gibt keinerlei Erkenntnisse, dass die Polizei jemals nach dem grünen VW-Sharan des Igor Wolf gefahndet hat.

Stattdessen war aber der Kampfanzug als Kennzeichen des Täters ein Bestandteil der Fahndung. Wobei hier das bereits geschilderte Problem auftritt, dass Tim Kretschmer am Morgen des 11. März 2009 das Haus mit jener Kleidung verlassen hatte, in welcher er Stunden später tot „aufgefunden“ wurde. Während der Kampfanzug trotz leicht nachvollziehbarer Wege und Örtlichkeiten bis zum heutigen Tag verschwunden blieb.

Demnach hat die Polizei das Problem, diesen Kampfanzug des Täters mit Tim Kretschmer in Verbindung zu bringen.

Daraus ergeben sich drei Schlussfolgerungen: entweder war der Kampfanzug eine „Ente“, um die Fahndung der eigenen Leute in die falsche Richtung zu lenken oder es war nicht Tim Kretschmer. Dritte Möglichkeit: beides zusammen.

Aber nicht nur das.

Bis etwa 12.00 Uhr wurde gar nicht nach einem Tim Kretschmer gefahndet!

Gegen 11.00 Uhr lief über den Rundfunk bezüglich dieses Falles eine Durchsage der Polizei, der sich an die Autofahrer richtete. Es handelte sich dabei um eine Warnung, keine Anhalter mitzunehmen.

Dieses Faktum irritiert.

Warum wurden nur die Autofahrer gewarnt und warum nur unkonkret?

Warum wurde keine Täterbeschreibung durchgegeben? Lag diese nicht vor? Warum lag diese nicht vor?

War der Täter demnach gar nicht identifiziert worden?

Der Täter kann nicht als Tim Kretschmer identifiziert worden sein. Jedenfalls nicht bei der Polizei, die sich in Winnenden vor Ort befand.

Diesen Umstand beweisen auch deren Verhaltensweisen.

Womit wir in diesem Zusammenhang zu Frederik S. kommen.

Dieser junge Mann, der sich unter den Schaulustigen bei der Albertville-Schule befunden hatte, wurde etwa gegen 10.30 Uhr festgenommen. Durch Angehörige einer Hundestaffel, wie es heißt.

(SPIEGEL, auch STUTTGARTER ZEITUNG online, 17. März 2009).

Daraus könnte man schließen, dass keineswegs die Täterschaft geklärt gewesen war.

Wie ist das sonst zu erklären?

Blinder Aktionismus, um der Bevölkerung zu demonstrieren, dass die Polizei etwas tat, wohl wissend, dass dieser Mann gar nicht der Täter war?

Oder hat es innerhalb der Polizei Kommunikationsprobleme gegeben? Die einen wussten es, die anderen nicht?

Auch dies ist kaum anzunehmen, denn die Einsatzleiter m ü s s e n bei derartigen Fahndungen auf dem Laufenden bleiben und somit auch deren Polizeibeamte. Entweder weiß niemand etwas oder sie wissen es alle sehr schnell.

Auch die Annahme, diese Hundestaffelleute standen ganz hinten in der Kommunikation und hatten tatsächlich erst einmal keine Ahnung, muss ausgeschlossen werden, da Frederik S. ja zum Polizeihauptquartier verfrachtet, dort gar noch verhört und bis 12.00 Uhr sein Zimmer im Elternhaus durchsucht wurde. Der Abbruch dieser Durchsuchung scheint aufgrund der zeitlichen Datierung mit der Ortung des angeblichen Täters in Wendlingen in Zusammenhang zu stehen.

Es gibt eine Anzahl von Berichten, wo Passanten von der Polizei gestellt und überprüft wurden. Dies manchmal auch auf eine ganz rustikale Art und Weise. Darunter befand sich auch ein Mitarbeiter der Paulinenpflege, der erst nach einer Durchsuchung hatte wieder gehen dürfen.

Hier als weitere Beispiele:

SÜDDEUTSCHE, 11. März 2009, 18.30 Uhr:

„Draußen, auf dem Gelände des angrenzenden Psychiatrischen Krankenhauses, läuft ihm ein Gärtner über den Weg. Er feuert wieder, der Mann ist tot. Es ist nun ungefähr 10.30 Uhr, und die Polizei weiß noch nicht, nach wem sie eigentlich suchen soll, ob das Morden noch weitergeht?“

SÜDKURIER vom 12. März 2009:

„In der Nachbarschaft werden Passanten, die ins Täterschema passen, schon mal vorsorglich überwältigt.“

Da wäre außerdem die Schülerin Selina, die ja den Täter gesehen haben soll. Aber einen Tim Kretschmer hat sie nicht identifiziert, denn die Polizei führte ihr vor Ort noch vorübergehend festgenommene Männer zur Gegenüberstellung vor.

Dazu wäre auch noch die Hubschrauberbesatzung über dem Industriegebiet Wendlingen zu erwähnen, welche den angeblichen Täter – und dies trotz der dortigen Vorfälle – anfangs zweimal hatte (angeblich) nicht identifizieren können.

Somit muss anhand dieser Fakten davon ausgegangen werden, dass der Polizei keine Identifizierung des Täters vorgelegen hat.

Somit steht nun auch die Behauptung des Polizeipräsidenten Konrad Jelden, Schüler hätten ihm gegenüber in der Polizeidirektion Waiblingen den Täter als Tim Kretschmer identifiziert, in einem schlechten Licht. Es sei hier ganz deutlich gesagt: entweder hat Jelden gelogen oder er hat die Fahndung nicht veranlasst.

Mit was haben wir es nun zu tun?

Haben wir es mit einer grandiosen Unfähigkeit und Schlampigkeit zu tun, welches allein ein Verfahren gegen die Verantwortlichen wert sein sollte?

Oder haben wir es, hier in Winnenden, mit einer höchst kriminellen Handlung zu tun?


K. Polizeieinsatz im Elternhaus Tim Kretschmers.


Die Polizei suchte mit einem Massenaufgebot in Winnenden nach dem Mörder, dessen Identität ihnen nicht bekannt war. Zumindest vorerst nicht.

Und doch fuhr eine bestimmte Polizeieinheit währenddessen zielgerichtet nach Weiler am Stein, um dort das Haus der Familie Kretschmer in der Kleiststraße aufzusuchen.

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Das Haus der Kretschmers.

Während demnach die Masse der Polizei in der nahen Gegend von Winnenden herumirrte, setzte SPIEGEL-ONLINE an diesem 11. März 2009 bereits um 11.09 Uhr die erste Meldung über die bei den Kretschmers erfolgte bzw. noch im Gange befindliche Hausdurchsuchung ab. Im selben Artikel war ein Stück weiter groteskerweise wiederum die Rede davon, dass der Täter noch unbekannt sei. Offenbar hatte der Redakteur zwei Meldungen eilig zusammengebastelt und dabei den inhaltlichen Widerspruch übersehen.

Die Informationen stammten beide aus Polizeiquellen, doch nur die zweite war offiziell.

Wir haben hier also die Situation, dass der SPIEGEL bereits um 11.09 Uhr Kenntnis von der Identifizierung des Täters und der Hausdurchsuchung hatte, andererseits aber an zwei anderen Stellen angibt, dass der Täter zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt gewesen wäre.

Wie sind derartige Meldungen zu erklären?

Am selben Tag gab SPIEGEL-ONLINE am Nachmittag den Zeitpunkt der Hausdurchsuchung mit 11.00 Uhr an. (SPIEGEL-ONLINE, „Protokoll eines Massenmordes“, 11. März, 17.30 Uhr).

Aufgrund der ersten abgesetzten SPIEGEL-Meldung war aber klar, dass – abzüglich der Vorlaufzeit – dieses Ereignis bereits gegen 10.30 Uhr stattgefunden haben muss.

Auf der Homepage des „SEK-TEAMS“ ist der Zeitpunkt mit unglaublichen 10.00 Uhr angegeben (allerdings sind deren weiteren Zeitangaben ebenfalls ungenau; ebenso die ABENDZEITUNG, gleichfalls etwas ungenau).

SPIEGEL-ONLINE nannte dazu seine Quelle mit: „nach Polizeiangabe.“

Außerdem berichtete SPIEGEL-ONLINE, dass laut BILD der Vater Kretschmer im Besitz von 18 legalen Waffen gewesen sein soll.

Was nichts anderes bedeutet, dass auch BILD eine entsprechende Polizeiquelle zur Hausdurchsuchung gehabt hatte.

Der Zeitpunkt des Polizeieinsatzes wurde später von einer Zeugin im Ort, Jutta Lautenschlager, die einen Kiosk nahe dem Haus der Kretschmers besitzt, mit etwa 10.30 Uhr angegeben. Diese berichtete zudem, dass die Polizei mit zehn Fahrzeugen vorgefahren sei und dass es sich ausschließlich um zivile Beamte gehandelt habe, also kein SEK-Kommando, wie man erwartet hätte.

Nachbarn im Ort setzten den Zeitpunkt des Erscheinens der Zivilpolizei noch etwas früher an: gegen 10.20 Uhr.

SÜDDEUTSCHE vom 11. März 2009, 18.30 Uhr:

„Das Haus der Familie, das gegenüber von der Post liegt, wird von der Polizei bereits am Morgen durchsucht. Am späten Vormittag, so berichtet eine Passantin, sind etwa 50 Polizisten mit Maschinenpistolen auf der Suche nach dem Täter in den Ort gestürmt. Sie sei aufgefordert worden, ins Haus zu gehen und sich von den Fenstern fern zu halten. Dann erst hat die Frau das Radio aufgedreht und gehört von dem Amoklauf in der nur drei Kilometer entfernten Realschule.“

Eine Durchsuchung des Elternhauses von Tim Kretschmer setzt natürlich dessen Identifizierung als Täter voraus.

Die ist aber nicht erfolgt. Zumindest offiziell nicht. Zumindest nicht bei den in Winnenden eingesetzten Polizeiaufgeboten. Bis geschlagene rund 12.00 Uhr nicht.

Die Frage, wer wie wann den Täter als Tim Kretschmer identifiziert haben soll, bleibt nach wie vor ungeklärt.

Aber eines wird durch diesen Polizeieinsatz deutlich: diese Identifizierung muss äußerst früh erfolgt sein.

Wir erinnern uns: der erste Notruf soll um 9.33 Uhr bei der Polizei eingegangen sein. 9.43 Uhr sollen die beiden herbeigerufenen Interventionsteams die Schule betreten haben.

Und bereits wenig mehr als eine halbe Stunde später befand sich ein Polizeikommando am Haus der Kretschmers in Weiler am Stein.

Woher kamen die 10 Fahrzeuge mit den Beamten? Dieses Team hatte abberufen, zusammengestellt und auf den Weg gebracht werden müssen, was auch eine gewisse Zeit in Anspruch genommen haben dürfte.

Bei dieser Schnelligkeit der Polizei, bereits zwischen 10.20 und 10.30 Uhr am Haus der Kretschmers, 14 Kilometer von Winnenden entfernt, aufzutauchen, müsste eine positive Identifizierung… wann erfolgt sein? Die Fahrzeuge dieses Kommandos hatten alle ein Stuttgarter Kfz-Kennzeichen. Allerdings beträgt die Fahrzeit von Stuttgart nach Weiler am Stein etwa 45 Minuten.

Demnach müsste die „Identifizierung“ – wann erfolgt sein?

Etwa bereits vor 9.40/9.45 Uhr?

Wann hatte das so genannte Interventionsteam laut Polizei die Albertville-Realschule betreten? Um 9.43 Uhr.

Zeitgleich erfolgte aber erstaunlicherweise noch ein weiterer Polizeieinsatz in der Kleiststraße in Hertmannsweiler, einem Ortsteil von Winnenden .

Beteiligt waren Kripo-Beamte wie auch ein Kommando des SEK.

Warum?

Handelte es sich hier um ein stümperhaftes Missgeschick, dass dieses Polizeikommando die richtige Straße, aber diese im falschen Ort angefahren hatte?

Welche Art der Identifizierung hatte hier vorgelegen? Warum waren diese am falschen Ort, während „Kollegen“ zeitgleich am „richtigen“ Ort waren. Wussten sie gar nicht voneinander? Denn wie ist es zu erklären, dass anschließend, wie Anwohner berichteten, Polizeilimousinen noch „stundenlang“ über die Feldwege fuhren?

Der eigentliche Widerspruch lässt sich aber auflösen:

Während auf der einen Seite ganz offensichtlich ein ganz kleiner Teil innerhalb der Polizei Kenntnis von der Identität des vermeintlichen Täters hatte, fast von Beginn an, ein weiterer kleiner Teil die falsche Kleiststraße an einem anderen Ort aufsuchte, erfuhr das Massenaufgebot der Polizei in Winnenden davon nichts.

Es gab keine Fahndung nach einer Person mit dem Namen Tim Kretschmer, es gab keine Beschreibung.

Es gab keine Identifizierung des Täters in Winnenden.

Es gab nur eine kleine Einheit in zivil, die überraschend schnell bei dem Haus der Familie Kretschmer vorgefahren und an Frau Kretschmer vorbei das Haus durchsucht hat. Sogar in ihrer Abwesenheit, denn sie wurde von der Polizei fortgeschickt!

Diese Tatsachen sind mehr als erklärungsbedürftig.

In diesem Zusammenhang ist auch die Reaktion der Polizeisprecherin Renate Roesch erwähnenswert. Auf Anfrage der Presse, ob der Täter bekannt sei, hatte sie zuerst verneint.

Woraufhin der Pressemann sie allerdings mit der Hausdurchsuchung der Kretschmers konfrontiert hatte. Daraufhin hatte sich Renate Roesch korrigiert und die Identifizierung bestätigt.

Aber warum hatte sie dementiert bzw. nicht die Wahrheit gesagt? Ihr Eingeständnis war ja nur mit dem Verweis auf die Hausdurchsuchung erfolgt.

Warum also sollte gar nicht bekannt gemacht werden, dass die Identifizierung bereits erfolgt war, jedenfalls zu diesem Zeitpunkt?

Während aber gleichzeitig bereits früh Nachrichten und entsprechende Hinweise an die Presse durchgegeben worden sind. „Durchsickern“ nennt man dies.

Was ist die Ursache dieser Manöver?


L. Das Ende der angeblichen Fluchtfahrt.


Laut Igor Wolf soll er zusammen mit seinem angeblichen Entführer, Tim Kretschmer, nach Irr- und Umwegen zum Gewerbegebiet Wendlingen gekommen sein. Beim dortigen Autobahnkreuz hätten sie die Auffahrt zur Autobahn A8 genommen, wo Wolf kurz vor dieser Auffahrt einen am Rande stehenden Streifenwagen bemerkt haben will. Dies soll seinen Worten nach etwa gegen 11.50 Uhr gewesen sein.

Seinen weiteren Angaben nach, habe Wolf bei der Autobahnauffahrt stark abbremsen müssen und den Wagen gleichzeitig auf den morastigen Seitenstreifen gelenkt. Er habe – mit dem Wissen um den gerade nicht sichtbaren Polizeiwagen ein Stück zurück – die Gelegenheit genutzt und sei - er war nicht angeschnallt - aus dem Wagen gehechtet. Im Zick-Zack sei er dann davongelaufen, um nicht getroffen zu werden. Schließlich sei er zur Polizeistreife gelaufen und habe dieser von seinem Erlebnis berichtet.

Nun haben wir ja das Problem, dass Igor Wolf alles andere als glaubwürdig ist und dies auch so bleibt. Es spielt aber keine große Rolle, wie er den Wagen über den dortigen Graben gelenkt haben will, wie er bei 60 km/h aus dem Fahrzeug gesprungen sein soll. Nach dem SPIEGEL soll er gar den Zündschlüssel mitgenommen haben.

(SPIEGEL, 16. März 2009).

Das ist allerdings Unsinn, es behauptet auch niemand.

Bedeutender sind andere Umstände.

Laut der Polizei soll sich tatsächlich ein Streifenwagen an der Auffahrt befunden haben, nahe einem Salzlager. Dieser Standort wurde als „Kontrollpunkt“ bezeichnet.

Eine Mitarbeiterin von DPD konnte dies bestätigen, weil sie diesen auf ihrer Fahrt zur Arbeit gesehen hatte.

Außerdem stand der Wagen von Wolf in der Tat auf der Grünfläche neben der Auffahrt, wenn auch die unmittelbare Spur an den Reifen einige Rätsel aufgibt.

So ist es völlig schleierhaft, wie sich die Vorderräder der Antriebsachse in den weichen Untergrund eingegraben haben können - so ganz ohne Fahrer. Standgas hat dies nicht verursachen können, und bei einem eingelegten Gang wäre der Motor abgestorben. Unerklärlich ist auch die langgezogene Spur im Winkel von 90 Grad beim linken Vorderrad.

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Von dem VW-Sharan des Igor Wolf gibt es ein Video, welches das Fahrzeug auf dem Grünstreifen neben der Autobahnauffahrt zeigt.

Ein Foto suggeriert, dass sich zwei Beamte der Spurensicherung erst zu diesem Fahrzeug begeben. Ebenso eine Filmszene auf SPIEGEL-TV. Dies wird sich so aber kaum ereignet haben. Die Fahrertür des Sharan ist verschlossen, stattdessen die Beifahrertür geöffnet, was kaum mit der Schilderung des Igor Wolf vereinbar wäre.

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Aber wie gesagt, die Spurensicherung dürfte zuerst ihre Arbeit gemacht haben, dann der Fotograf bzw. der Filmer.

Aus diesem Grund ist diese Szene nicht ernst zu nehmen.

Igor Wolf erzählte dem STERN wie auch bei „BECKMANN“ in einem fast identischen Wortlaut (!), wie er das Lenkrad nach rechts gerissen und dann noch Vollgas gegeben haben will, bevor er aus dem Wagen gesprungen sei. Alles in einem Moment, wie Wolf behauptet.

Er erzählt allerdings nicht, wer den Wagen wieder in Richtung der Fahrbahn gelenkt haben muss.

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Auch die Behauptung, dass er nicht wisse, ob der Täter auf ihn geschossen habe, kann getrost in die Kategorie „Unwahrheit“ eingeordnet werden. Er wird es nicht überhört haben, erst recht nicht innerhalb einer angeblichen Situation höchster Furcht davor.

In dem Video von SPIEGEL-TV wird ein Beamter von der Spurensicherung befragt, ob irgendetwas in dem Wagen gefunden wurde. Der Beamte musste dies verneinen und ein weiteres Mal nach erneuter Anfrage: absolut nichts.

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Keine Patronen, die bei dem enorm komplizierten Nachladevorgang mit angeblich einer Hand heruntergefallen sein könnten? Keine einzige?

Und die Clementinen-Schalen? Verschwunden?

Wo war das Messer geblieben, welches Tim Kretschmer verloren haben soll?

Was ist mit den Fingerabdrücken? Es müssen ja zahlreiche Fingerabdrücke gefunden worden sein?

Warum gibt es keine einzige Nachricht über einen Befund?

Auf jeden Fall haben wir auch hier abermals einen Bereich, wo polizeiliche Angaben Mangelware sind.

Der Beamte der Spurensicherung im Video, so viel kann man sagen, unterstützt zumindest die Aussagen des Igor Wolf nicht.

Die öffentliche Aussage eines Beamten der Spurensicherung, dass ihre Suche nach Spuren im Fahrzeug „keine Erkenntnisse“ ergeben habe, sollte man sich ebenfalls merken. Wir kommen später noch darauf zurück.

Igor Wolf soll also die Polizeibeamten des „Kontrollpunktes“ sofort informiert haben. Währenddessen habe der angebliche Täter seine Flucht zu Fuß fortgesetzt. Das heißt: über die beiden Autobahn-Zubringerstraßen in Richtung des Gewerbegebietes Wendlingen.

Die Polizisten müssen natürlich die Geschichte von Wolf angehört haben. Und sie müssten natürlich sofort reagiert und über Funk die neue Situation an ihre Einsatzleitung durchgegeben haben.

Dies scheint, oberflächlich betrachtet, auch der Fall gewesen zu sein. Denn in Winnenden wurden die dort aufgegriffenen Verdächtigen frei gelassen. Polizeikräfte wurden von dort abgezogen und zusammen mit anderer alarmierter Polizei nach Wendlingen in Bewegung versetzt.

Was aber die beiden Beamten der Streife unternahmen, ist völlig unklar.

Hätten sie nicht sofort die Verfolgung des vermeintlichen Täters aufnehmen müssen? Oder wenigstens ein Beamter, um den Kontakt zu diesem nicht zu verlieren. Schließlich soll es sich ja um einen wahnsinnigen Killer gehandelt haben, bereit, noch weitere Menschen zu erschießen.

Aber wo waren diese Polizisten anschließend abgeblieben?

Von ihnen ist nichts mehr bekannt. Sie tauchen einfach nicht mehr auf.

Und nun setzte sich die offizielle Geschichte auf dem Gehweg vor dem Autohaus Hahn im Gewerbegebiet Wendlingen fort

– siehe entsprechende Kapitel.


M. Der Rucksack.


FOCUS berichtete am 11. April 2009, also einen ganzen Monat nach der Tat, dass die Polizei in einer Schultoilette der Albertville-Realschule einen Rucksack von Tim Kretschmer gefunden hätte.

Es war eine Meldung ohne Bedeutung gewesen.

Die Bedeutung kam erst am 25. April 2009, als der FOCUS, der sich mal wieder auf die Ermittlungsakten der Polizei berief, der Öffentlichkeit über den Inhalt des Rucksacks berichtete.

Es war nicht von Schulbüchern die Rede, nicht von Mappen und Stiften, auch nicht von Obst und Taschentüchern, nicht einmal von herrenlosen Patronen. Kein Wort darüber.

Nein, es soll sich nichts geringeres als der Personalausweis von Tim Kretschmer in dem Rucksack auf dem Klo befunden haben, und eine Monatskarte der Stuttgarter Verkehrsbetriebe dazu.

Demnach war der Polizei derzeit ein großer Fahndungserfolg gelungen. Nur 6 Wochen zu spät. Oder: diese wichtige Entdeckung war 6 Wochen lang verschwiegen worden.

Und wäre noch weiterhin verschwiegen worden, würde es den FOCUS und dessen vermeintlichen Aufdeckungs-Redakteur nicht geben.

Natürlich überlässt diesem Magazin niemand Ermittlungsakten. Informationen werden „durchgesickert“. Und zwar jene, die auch durchsickern sollen.

Diese Nachricht oder so genannte „Information“ ist aus mehreren Gründen völlig unglaubwürdig. Wir haben hier eine Botschaft vor uns, welche sich an jene Medienkonsumenten richtet, denen selbständiges Denken abhanden gekommen ist.

a)

Geschlagene 6 Wochen (!) nach der Tat „sickerte“ diese Information durch. Zuvor hatten Polizei und Staatsanwaltschaft allerdings nichts ausgelassen, Tim Kretschmer als Täter zu belasten und auch mit lancierten Nachrichten entsprechend zu positionieren.

Dabei wäre es mit diesem grandiosen Rucksackfund so einfach gewesen. Den hat es da aber offenbar noch nicht gegeben.

b)

Von einer Kontrolle der Toiletten am 11. März ist natürlich auszugehen. Allerdings nur wegen Personen und kaum wegen Fundsachen. Es waren zuerst ja noch viel zu wenig Beamte vor Ort gewesen, die einerseits eilig den Täter hatten lokalisieren, andererseits die Schüler in Sicherheit bringen müssen. Raum 305 wurde laut Patrick erst gegen 10.00 Uhr geöffnet. Verstärkung der Polizei soll außerdem erst nach 10.00 Uhr eingetroffen sein.

Noch dazu hätte ein „vergessener“ Rucksack nicht automatisch auf den Täter schließen lassen, er wäre aber überprüft worden. Die Schlussfolgerungen gegen 10.30 Uhr wären auch schon sehr früh gewesen, schließlich gab es rasend viel mit anfangs zu wenig Beamten zu tun, aber da war die Polizei ja bereits bei den Kretschmers gewesen.

c)

Wer legt überhaupt seinen Personalausweis und seine Monatskarte in einen Rucksack? Diese Dokumente werden normalerweise am Körper getragen, in einer Brieftasche.

Davon ausgehend, das Tim normalerweise in seine Schule gefahren wäre, müsste er eine Schultasche – oder einen Rucksack – bei sich gehabt haben. Gefüllt mit fast 5 Schachteln Munition, einer Waffe mit mindestens zwei aufmunitionierten Magazinen, nicht zu vergessen: dem Kampfanzug.

Der Kampfanzug hatte sich schlussendlich aber aufgelöst, aus welchen Gründen auch immer. Und weil die Waffe, Magazine und Munition nun in der Jacke (weniger in der Hose) verstaut werden mussten… hatte es da keinen Platz mehr für den Ausweis am Körper gegeben, so dass dieser im Rucksack zurückgelassen werden musste?

d)

Wegen der Monatskarte der Stuttgarter Verkehrsbetriebe gab es anscheinend einen Übermittlungsfehler: Für seine Schule hätte Tim Kretschmer eine VVS-Karte benötigt, einschließlich einer Erweiterung des Monatstickets für den Busverkehr des Rems-Murr-Kreises.

e)

Wenn die Polizei also aufgrund der Dämlichkeit des Täters (flüchtet, lässt aber seine Visitenkarte zurück) zu ihrem Glücksfund gekommen ist, sogar „sehr früh“, bleibt die Frage bestehen, warum offenbar die Masse der Polizei nicht darüber informiert wurde.

Das Schöne an einem Pass ist ja, dass es ein Foto des Inhabers aufweist. Und somit die Polizei eine noch schnellere Möglichkeit gehabt hätte, dieses Foto an alle Dienststellen und Beamten durchzugeben.

Hatte die Polizei in Erwägung gezogen, dass es einen zweiten Täter gegeben haben könnte, auch wenn dies nicht dem „typischen“ Amoklauf entspricht?

Dies kann aber nichts damit zu tun haben, dass die Masse der Polizei und deren Einsatzleitung offenbar nicht informiert gewesen ist.

Und jetzt erinnern wir uns abermals: Falsche Leute festgenommen, vergebliche Gegenüberstellungen, falsche Personenbeschreibung bei der Hubschrauberbesatzung, nachweislich keine Beschreibung des angeblichen Täters, die über den Rundfunk herausgegeben worden ist, um die Bürger zu warnen.

f)

Dieser Passfund erinnert sehr an jenen Pass, den man nach den Anschlägen auf das WTC am 11. September 2001 gefunden haben will und der ja auf wundersame Weise das Inferno überstanden haben soll – im Gegensatz zu allem anderen. Diesen Pass hatte man sogleich als Täter-Pass deklariert, allerdings ohne Beweise.


Fazit:


Polizei und Staatsanwaltschaft verfügen über keinen einzigen Beweis, dass es sich bei dem Täter in der Schule um Tim Kretschmer gehandelt hat. Keinen einzigen!

Das ist ein Problem. Offensichtlich musste dieser angebliche Rucksackfund aus dieser Erklärungsnot heraus konstruiert werden, um allein schon die (zu) früh erfolgte Hausdurchsuchung bei der Familie Kretschmer als normales Ereignis darzustellen. Der FOCUS diente mal wieder als Überbringer dieser Mitteilung.

Lassen wir den Polizeidirektor von Waiblingen, Ralf Michelfelder, zu Wort kommen und hören uns an, was er dazu zu sagen hat:

„Er hatte sie (die Munition, Anmerkung des Autors) in die Hosen-, Ärmel- und Jackentaschen gestopft.“

(SPIEGEL, auch T-ONLINE vom 13. März 2009)

Von dem Rucksack mit dem Pass hatte offenbar auch er später immer noch nichts gewusst.


N. Die bis dato letzte Pressemitteilung.


Die "Gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Stuttgart und der Polizeidirektion Waiblingen" vom 22. Mai 2009 ist die bis heute letzte Fassung, welche das Geschehen vom 11. März 2009 zum Inhalt hat. In dieser wird das vorläufige Ermittlungsergebnis zum Amoklauf vorgelegt.

Dieser Bericht befasst sich ausführlich mit Tim Kretschmer usw. und demonstriert aufwendige Polizeiarbeit, hat aber ansonsten, von zwei unwesentlichen Details abgesehen, nichts neues zu bieten, bleibt sogar in vielen Bereichen sehr vage.

Immerhin wurde in diesem Bericht mitgeteilt, dass nach wie vor die Anfahrt des Tim K. sowie die Herkunft der vielen Munition nicht geklärt werden konnte. Ebenso konnte kein Motiv ermittelt werden.

Ansonsten leider nichts. Nach wie vor die alte Version der Ereignisse, nichts von einem Pendeln des Täters zwischen den einzelnen Räumen, keine weiteren Details von dem Polizeieinsatz in der Schule, Munition etc., ja, nicht einmal eine Erwähnung des angeblichen Rucksacks auf dem Klo mit dem Ausweis, nichts, was die Frage der Identifizierung klärt, die Hausdurchsuchung usw.

Die Nichterwähnung des angeblichen Rucksackfundes mit dem Pass erstaunt hier am meisten.

Bei dem an anderer Stelle vorherrschenden Detailreichtum des Berichts fällt es ins Auge, an welchen Stellen mit Details geradezu gespart wird.

Auch die Obduktion des Täters wird nur noch wegen nicht vorhandener Spuren erwähnt, aber kein Wort mehr über die vorhandenen, die Schusswunden oder sonstigen Spuren.

Und bezüglich der Situation in Wendlingen wurde auf den Bericht vom 4. Mai verwiesen, der ja nachweislich falsch und verlogen ist. Demnach auch keine neuen Details zur Situation im Autohaus oder auf dem Parkplatz, nichts über die beiden Polizisten, die schwer angeschossen wurden.

Dieser Bericht ist eine einzige Enttäuschung, hohles Gerede, eine peinliche Nullnummer.

Weiter zu:

Teil 4 - Obduktion und Munition

Zuletzt geändert: 21/09/2017 02:43