2. Prozesstag am Mo., 19.11.2012 - Scoric - Kretschmar - Neumann - Joiter - Röhrich

Rechtlicher Hinweis:

Anonymisierungsangebot


Jede der in diesem Artikel mit vollem Namen genannte Person, die eine Anonymisierung wünscht, möge sich bitte auf dem kurzen Dienstweg mit den Seitenbetreibern in Verbindung setzen.

Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.


Formalitäten


Um 9:35 beginnt der heutige Prozesstag wie immer mit der Feststellung der Verfahrensbeteiligten.

Anschließend erklärt der R., dass er bei dem Beamten Neumann nachgefragt habe, ob eigentlich seinerzeit festgestellt wurde, wieviele Stellen der Code für die Alarmanlage habe, die das Haus der Familie K. sichert.

Es sei nicht festgestellt worden. (!)

Zwar hätte Herr K. Angaben dazu gemacht, jedoch sei dies damals nicht so klar gewesen.

Dann sollte Herr Neumann herausfinden, ob die neuen Eigentümer jenen Code verwendeten und wieviele Stellen er besitzt. Jedoch sei der Code den neuen Eigentümern des Hauses nie mitgeteilt worden. Außerdem würde die Anlage nicht funktionieren.

Daraufhin habe sich Herr Neumann bei der Herstellerfirma erkundigt. Laut Bedienungsanleitung sei der Code 6stellig und NICHT 8stellig, wie der angebliche Code des Waffentresors.


Der Zeuge Matia Scoric


Nun wird der erste Zeuge (Z) in diesem Prozess aufgerufen:

Es handelt sich um den 21jährigen Herrn Matia Scoric aus Winnenden, Schüler an einer Technischen Hochschule und ehem. Klassenkamerad des Tim.

Er soll nun erneut aussagen zur Persönlichkeit des Tim und was er im Hause K. beobachtet habe.

Zunächst erfolgt die allgemeine Zeugenbelehrung zur Wahrheitspflicht bei gerichtlichen Aussagen. Da die Geschehnisse nun schon einige Zeit zurücklägen, sei es keine Schande, wenn man sich nicht mehr erinnern könne. Jedoch soll der Z. dies dann auch so sagen und nicht irgendetwas erfinden, von dem er glaube, dass es die Leute hören wollten.


R
Wenn ich es richtig sehe, waren Sie für kurze Zeit mit dem Tim zusammen in einer Klasse?

Z
Die 9. und 10., bin mir aber nicht mehr 100% sicher.

R (hinweisend)

Die 10. ist ja die Abschlußklasse.


Ein RA wirft ein, ob man denn diesmal nicht das Bild des Zeugen auf die Leinwand übertragen könne, wie beim letzten Prozess.
Der R. entgegnet, dass entsprechende Gerätschaften erst installiert werden müssten, was nicht umgehend geschehen könne.


R
Und wie kamen Sie denn nun in die 9. Klasse?

Z
Wegen meiner schlechten Noten mußte ich die 9. wiederholen und kam so bei Tim in die Klasse.

R
Hatten Sie da engeren Kontakt zu Tim?

Z
Nicht unbedingt enger. Wir mussten eine Klassenarbeit zusammen durchführen, da war ich ab und zu bei ihm. Ich hatte eher so einen anderen Freundeskreis in meiner alten Klasse.

R
Wie haben Sie den Tim erlebt? Was für ein Mensch war der so?

Z
Wie jeder andere. Er war nett, ganz normal.

R
Es gibt da ja verschiedene Typen in so einer Klasse: den Klassenclown, den der alles weiß, den der nur was sagt, wenn er aufgerufen wird usw.

Z
Ob er so war?

R
Wie war er denn?

Z
Ja, eher so, dass er nur was gesagt hat, wenn er aufgerufen wurde. Ich glaube, er hatte nicht so gute Noten.

R
Und bei der Gruppenarbeit? Wie war er da?

Z
Normal, nett. Da war nichts Besonderes.

R
Und hat da jeder was für die Gruppenarbeit getan? Gabs da noch andere Dinge, die sie da getan haben?

Z
Wir haben erst ein bisschen gearbeitet und dann im Hobbykeller Poker gespielt.

R
Wer war da noch in der Gruppe?

Z
Der Marco Kretschmar, Phillip Joiter und der Marc Neumann.

R
Wie häufig haben sie sich da getroffen?

Z
Weiß nicht mehr genau. Vielleicht bis zu 10 mal? Weiß nicht mehr.

R
Und nur wegen der Arbeit?

Z
Manchmal auch privat, aber eigentlich wegen der Gruppenarbeit.

R
Und Sie waren auch im Keller?

Z
Ja.

R
Waren Sie auch im Zimmer von Tim?

Z
Ja, wir haben auch mal was am PC von Tim gemacht, aber am häufigsten waren wir im Keller.

R
Sie wurden ja schon von der Polizei befragt und auch hier zum Thema Waffen: Hat Tim sich dafür interessiert und haben Sie dort im Haus mal Waffen gesehen?

Z
Ja. In seinem Zimmer hingen Softairs an der Wand und sein Vater hat uns im Keller Waffen gezeigt. Ich glaube schon, dass der Tim sich für das Thema interessiert hat.

R
Ging das Zeigen der Waffen von Tim aus oder von seinem Vater?

Z
Ich weiß nicht mehr, ob das der Vater oder der Tim gesagt hat. Aber der Vater hat sie uns unten gezeigt.

R
Und wo waren die Waffen?

Z
In einem Safe?

R
Wer hat den Safe geöffnet?

Z
Der Vater.

R
WIE hat er ihn geöffnet, und waren Sie und die Anderen da mit im Raum?

Z
Das hab ich mich selbst schon oft gefragt, aber ich weiß nicht mehr, wie das war. Ich glaube, es gab dort Tasten zum Zahlen eingeben, aber ob wir uns wegdrehen mussten oder rausgehen? Da kann ich mich nicht mehr erinnern.

R
Hatten Sie auch eine der Waffen in der Hand?

Z
Einen großen Revolver, glaub ich. Der Vater hatte 2-3 rausgeholt: Revolver, Gewehre und Pistolen.

R
Und als die Waffen zurückgelegt wurden - wer hat den Tresor dann verschlossen?

Z
Ich glaube, auch der Vater.

R
Hat der Tim Ihnen gegenüber mal erwähnt, dass er auch OHNE seinen Vater an die Waffen heran kommt? Einen Code kennt oder einen Schlüssel hat?

Z
Glaube nicht. Nicht dass ich wüßte. Ich hab mich auch nicht für Waffen interessiert. Gut - Softair hab ich auch mal geschossen, aber es hat mich jetzt nicht speziell fasziniert.

R
Sie haben ja nun den Tim in der 9. und 10. Klasse bis zum Abschluss gekannt. Als Sie dann erfahren haben, was da in Winnenden und Wendlingen an diesem Tag passiert ist, haben Sie sich ja auch Gedanken gemacht: passt das zu Tim? War der irgendwie schräg drauf?

Z
Das hätte ich nicht erwartet. Er war immer ganz normal.

R
Wie haben Sie von den Geschehnissen erfahren am 11.03.2009?

Z
Ich war im Kino, wo wir eine Schulaufführung hatten und ein Kumpel hat einen Anruf von einem anderen Schüler gekriegt, dass in Winnenden ein Amoklauf war und dass es angeblich der Tim war.

R
Und schien Ihnen das zu dem Tim zu passen?

Z
Nur wegen seinem Interesse für Waffen.

R
Nicht wegen seiner Persönlichkeit selbst?

Z
Nein. Nur wegen den Waffen. Nicht weil er der Typ ist, wo ich das denke. Das nicht.

R
Der Tim wird immer als „normal“ bezeichnet. Gibt es im Nachhinein für Sie irgendwelche Punkte, wo Sie sagen „kein Wunder, dass dem die Sicherung rausfliegt!“?
War er vielleicht in der Schule in einer Außenseiterrolle oder wurde sogar öfter drangsaliert?


Z
Soetwas habe ich nie gesehen. Es wird doch jeder mal verarscht. Aber er hat nie speziell eine Opferrolle gespielt. Das nicht.

R
Sie sagten ja, der Vater habe Ihnen diese Waffen gezeigt. Hat der TIM Ihnen mal ECHTE Waffen gezeigt?

Z
Nein.

R
Wurde mit den Softairs mal geschossen?

Z
Ja. Wir haben uns im Keller im Gang mal so eine Schablone gezeichnet und darauf geschossen. Ein- oder zweimal. Auch mal, ich glaube, vom Balkon, aber das ist lange her und tut mir leid.

R2
Hat Tim mal davon geredet, dass er psychische Probleme hat - psychisch krank ist?

Z
Nein. Das hab ich auch nie von anderer Seite gehört.

R3
Waren Sie auch mal in der Firma des Vaters?

Z
Ja. Einmal.

R3
Wie kam es dazu? Wurden Sie eingeladen?

Z
Kann ich mich nicht mehr erinnern. Der Marco Kretschmar war auch dabei, aber wie das kam, weiß ich nicht mehr.

R3
Kennen Sie die Familie des Tim? Wie war sein Verhältnis zu seiner Familie?

Z
Seine Schwester habe ich kurz kennengelernt, mal „Hallo“ gesagt. Der Vater hat uns mal heimgefahren. Nix Besonderes.

R3
Wie war das Verhältnis von Tim zu seinem Vater?

Z
Da hatte ich nicht das Gefühl, dass was nicht stimmt.

R3
Es war also dem Tim nicht unangenehm, wenn sein Vater dazu kam, wenn Schulkameraden da waren?

Z
Glaub nicht.

R3
Als der Vater dazu kam, hat er da auch mitgepokert?

Z
Weiß nicht, daheim glaub ich nicht. In der Firma war er dabei.

R3
War da irgendwas auffällig?

Z
Nein. Alles ganz normal.

R3
Waren beim Tim manchmal noch Andere zu Besuch?

Z
Ich glaube mit dem Dennis Schlehauf war er noch befreundet.

R3
Bei der Polizei hatten Sie angegeben, dass Sie Tim NACH dem Schulprojekt nochmal anrufen wollten. Wieso haben Sie das verworfen?

Z
Weiß ich nicht mehr.

R3
Hatten Sie sich bei ihm nicht wohlgefühlt? War das der Grund?

Z
Nein, das nicht.

R3
Bevor Ihnen die Waffen gezeigt wurden: Hat Tim zuvor mal erwähnt, dass er welche hat?

Z
Könnte sein, als ich den Schrank mal gesehen hab, als ich bei ihm war. Aber so, dass ER auf mich zu kam, nicht.

R3
Hatte er zuvor die Softairs erwähnt?

Z
Glaube nicht.

R3
Als Sie sich bei der Tresoröffnung umdrehen bzw. rausgehen mussten: waren da ALLE betroffen?

Z
Ich meine ja.

RAin ?
Waren die Einsätze beim Pokern hoch?

Z
Das waren keine großen Beträge. Vielleicht mal 10 Euro.

RA ?
Wie war Tims Reaktion auf schlechte Noten?

Z
Weiß ich nicht mehr.

RA ?
Haben Sie sich je über Noten unterhalten?

Z
Vielleicht, aber nichts Spezielles. Nichts was auffällig wäre.

RA ?
Hat sich Tim je negativ über Klassenkameraden oder Lehrer geäußert?

Z
Glaube nicht.

RA ?
Gab es da nicht ein Mädchen an dem der Tim Interesse hatte?

Z
Angeblich hat er mal bei einer Sylvesterparty ein Mädchen angerufen und ihr gesagt, dass er verliebt in sie ist. Da hätten alle gelacht. Irgend sowas hab ich mal gehört.


RA ? wiederholt was der Z. gerade gesagt hat.


Z
Genau!

RA ?
Tim hat also da Interesse bekundet und alle haben gelacht. Wie kann man sich das vorstellen?

Z
Die anderen Mädchen dort im Raum?

RA ?
Sie waren ja da nicht dabei. Von wem haben Sie das erfahren?

Z
Weiß ich nicht mehr.

RA ?
War das was Spezielles oder nur Palawer?

Z
Da wurde über Tim dies und jenes erzählt - weiß nur, dass es angeblich so war.

RA ?
Und welches Sylvester soll das gewesen sein?

Z
Den Zeitraum weiß ich nicht mehr.

RA ?
Wissen Sie den Namen des Mädchens?

Z
Ein Gesicht hab ich….

RA ?
Können Sie den Namen rausbekommen?

Z
Wenn ich einen Kumpel fragen würde ….

RA ?
Danke.

V3
Haben Sie Tim nach der Abschlußprüfung noch einmal getroffen?

Z
Ja. Ich glaub im Domino.

V3
Und wann war das?

Z
Nicht so weit nach dem Abschluss. Kurz danach.

V3
Ist Ihnen da etwas an ihm aufgefallen? Hat er sich verändert? Positiv oder negativ?

Z
Der war so wie immer, würde ich sagen.

V3
Haben Sie sich mit ihm unterhalten?

Z
Nur kurz: „Wie geht's?“ und so….

V3
Haben Sie mit Marco Kretschmar über das Tresorthema gesprochen? Haben Sie sich heute unterhalten?

Z
Ja, aber nicht über dieses Thema. Er ist ein guter Freund und wollte wissen, um wieviel Uhr ich hier her komme.

V2
Hat Ihnen denn der Marco mal berichtet, dass in seiner Gegenwart mal der Tresor geöffnet wurde?

Z
Nein.

V2
Sie waren ja ca. 10 mal dort. Haben Sie dort geraucht?

Z
Ja.

V2
Alleine?

Z
Ich weiß nicht mehr, wer alles geraucht hat.

V2
Ist Ihnen in dem Kellerraum etwas aufgefallen?

Z
Nichts Spezielles. Autozeitschriften lagen da rum… Da gab's noch so eine Holzbank… Werkbank.

V2
Wie sah es da aus?

Z
Wenn man vom Flur reinkam war geradeaus die Werkbank und rechts Schränke. Links war der Tresor.


V3
Ist Ihnen dort auch Munition aufgefallen?

Z
Glaub nicht. Aber 100%ig kann ich das nicht sagen.

V3
Irgendwelche Kartons, wo eine Patrone aufgezeichnet war?

Z
Das hat mich damals nicht interessiert, deshalb hab ich daran keine Erinnerung.

RA ?
Nochmal zu dieser Sylvestergeschichte: Reden denn 5 junge Männer nicht über Mädels?

Z
Kam nie auf.

RA ?
Woran lag's?

Z
Das ist vielleicht etwas, was man mit engeren Freunden besprechen kann…


RA ?
Also lag es daran, dass Sie nicht soviel miteinander zu tun hatten! O.K.
Haben Sie außerdem nicht irgendeine Idee, wie Tim mit Mädchen umgegangen ist?

Z
Also er war kein Weiberheld, glaub ich.

RA ?
War er in Ihrer Wahrnehmung schüchtern oder in der Klasse ein Draufgänger?

Z
Irgendwo dazwischen, glaub ich. Also ganz normal.

R
Können Sie aus Ihrer Sicht noch etwas ergänzen, was Ihnen wichtig erscheint und wir Sie nicht gefragt haben?

Z
Nein.


Der Z. wird nun entlassen und nimmt im Saal Platz.
Es ist nun 10:20 Uhr. Da der nächste Zeuge noch nicht da ist, gibt es eine Pause bis 11.00 Uhr.

Inzwischen hatte der R nachgefragt, ob die Videoübertragungsanlage installiert werden könne. Davon scheint es im Stuttgarter Landgericht nur eine einzige zu geben, denn um 11:00 Uhr gibt er bekannt, dass die Anlage für andere Verfahren benötigt werde.


Der Zeuge Marco Kretschmar


Es wird der Zeuge Marco Kretschmar aufgerufen, der die gleiche Belehrung erhält wie der Z vor ihm.
Der Z. wohnt in Winnenden, ist mittlerweile 22 Jahre alt und arbeitet nach seiner Ausbildung als Industrie-Mechaniker.


R
Nach meinen Informationen waren Sie eine zeitlang mit Tim in der gleichen Klasse?

Z
Ja. 9. und 10.

R
Nicht in der 8.?

Z
Nein. Nur 9. und 10.

R
Ganz sicher? Irgendwann wurden ja mal Klassen zusammengelegt!

Z
Ich bin damals von der 9. runter, deswegen.

R
Hatten Sie zum Tim einen engeren Kontakt?

Z
Nur wegen der Prüfungsvorbereitung war ich ab und zu bei ihm. Sonst nicht.

R
Darüberhinaus? Kneipen, Disco?

Z
Einmal im Domino. Das ist eine kleine Kneipe. Gibt es heute nicht mehr.

R
Wie war Tim so in der Klasse? Was hatte er da für eine Rolle?

Z
Wie jeder andere. Er war normal und ruhig.

R
War er irgendwie verschüchtert?

Z
Er hat schon hin und wieder was gesagt, wenn er was gefragt wurde. Aber er hat sich nicht viel gemeldet.

R
Und in den Pausen? Vor oder nach der Schule?

Z
Da hatte ich eher weniger mit Tim zu tun. Eher mit anderen.

R
Wer war da sonst noch bei der Prüfungsvorbereitung dabei?

Z
Ja, der Tim, ich, der Matia, der Phillip Joiter, der Marco Kretschmar und der Marc Neumann.

R
Wo habt ihr euch da getroffen?

Z
Meist bei Tim, manchmal bei Matia, aber größtenteils doch beim Tim.

R
Wurde außer dem Schulischen da sonst noch was gemacht?

Z
In den Pausen haben wir gepokert.

R
Und WO wurde gepokert?

Z
Unten, in so 'ner Art Wohnzimmer.

R
Wir verhandeln ja hier wegen dem, was der Tim dort in der Schule angerichtet hat. Es geht um das Thema Tim und Waffen: Haben Sie ihn mal mit Waffen erlebt?

Z
Wir haben mal mit Softairs geschossen und andere Waffen angeschaut.

R
Wie lief das ab mit dem Waffen anschauen?

Z
Wir haben Poker gespielt und wurden gefragt, ob wir mal Waffen angucken wollen. Das haben wir dann gemacht.

R
Und WIE wurde das gemacht?

Z
Die Waffen sind in dem Raum aus dem Tresor rausgeholt worden und dann wurden sie uns gezeigt.

R
Und WER hat das gemacht?

Z
Der Vater hat sie uns gezeigt.

R
Können Sie uns das praktisch schildern? Waren Sie im Raum drinnen oder kamen Sie erst dazu?

Z
Ich glaube, wir waren auch drinnen.

R
In dem Raum, wo die Waffen gelagert wurden? Der war aber normal nicht zugänglich?

Z
Nein.

R
Und der Vater von Tim hat Ihnen dann die Waffen gezeigt?

Z
Ja.

R
Können Sie sich daran erinnern, wie das gelaufen ist und WELCHER Tresor das war?

Z
Es gab da nur einen großen Tresor. Wie genau das gelaufen ist, weiß ich nicht mehr genau!

R
Und ungenau?

Z
Der Vater hat den Tresor geöffnet und wir haben gewartet.

R
Und dann wurden die Waffen wieder weggeschlossen?

Z
Ja.

R
Wer hat nach Ihrer Erinnerung die Waffen wieder weggeschlossen?

Z
Das hat auch der Vater gemacht.

R
Hatten Sie damals den Eindruck, dass Tim auch OHNE seinen Vater an den Inhalt des Tresors hätte kommen können?

Z
Könnte sein, weiß ich aber nicht mehr.


Der R. macht nun einen Vorhalt von früheren Polizeiaussagen des Z.
Damals soll er vom Beamten Brunkow u.a. auch gefragt worden sein, ob Tim den Code vom Tresor gekannt habe.
Der Z. soll damals geantwortet haben:

Genau kann ich das nicht sagen. Er hat nur immer zu uns gesagt, dass er den Tresor „gut kennt“.

weiter in der aktuellen Vernehmung des Z.:


Z
Ja, das hat er behauptet, aber ich weiß ja nicht, ob er das ernst gemeint hat.

R
Hat Tim Ihnen auch mal Munition gezeigt?

Z
Munition hab ich auch mal gesehen, aber ob er die selbst raus hat, weiß ich nicht.

R
Können Sie ausführlich schildern, wie es dazu kam, dass Tim Ihnen die Munition gezeigt hat?

Z
Das weiß ich nicht mehr.

R
Sie wurden von dem Herrn Brunkow ja auch dazu befragt. Ihre erste Vernehmung war direkt am 19. März 09, die 2. Vernehmung am 2.4.09! Sie wurden dazu zweimal vernommen. Können Sie sich an das Thema erinnern?

Z
Nein. Das ist zu lange her.


Der R. macht nun wieder einen Vorhalt aus der ersten Zeugenvernehmung des Z. bei der Polizei:


Demnach soll Tim den Code gekannt haben, da er die anderen Teilnehmer der Prüfungsvorbereitungsgruppe im Frühjahr 08 bei einer Lernpause, in der im Keller ferngesehen wurde, in einen weiteren Raum - am Ende des Ganges rechts - geführt haben soll, in welchem ein großer Tresor stand. Kurz bevor Tim den Tresor öffnete, sollen die Anderen von ihm aus dem Raum geschickt worden sein.


der Z. dazu aktuell:
Tim war nie allein an dem Tresor. Zumindest nicht in meiner Anwesenheit!

R
Können Sie sich an diese Szene erinnern? Wurden Sie da aus dem Raum geschickt?

Z
Davon weiß ich nichts.


In der Vernehmung hieße es weiter, so der R, dass, nachdem der Tresor von Tim geöffnet wurde, er den Zeugen auf dem Flur Munition gezeigt habe, jedoch keine Waffen. Diese habe der Z nur einmal - im Beisein des Vaters - gezeigt bekommen. Tim habe nur 3-4 einzelne Patronen in der Hand gehabt. Woher könne der Z. nicht sagen, weil er vorher aus dem Raum geschickt worden sei.


R
Als Tim hinterher mit Patronen ankam - haben Sie etwa nur daraus GESCHLOSSEN, dass er den Tresorcode kennt?

Z
Ja, irgendwo musste er sie ja hergeholt haben.

R
Könnte er sie also auch an einer anderen Stelle als dort geholt haben? Sie konnten das ja nicht sehen!

Z
Ja.

R
Sie haben also nie direkt mit eigenen Augen gesehen, dass Tim den Tresor geöffnet hat?

Z
Ja.

R
Wie haben Sie vom Amoklauf erfahren?

Z
Das hab ich über einen Kumpel mitgekriegt.

R
Können Sie sagen, was Sie da gedacht haben? Passte das zu Tim? Oder ist da eine Welt für Sie zusammengebrochen?

Z
Ich konnte das anfangs gar nicht glauben, weil er ein lieber, normaler Mensch war.
Erst als es in den Medien kam, habe ich es dann realisiert.


R
Es stellt sich ja die Frage, WARUM er sowas getan hat.
Sind Sie im Nachhinein in der Vergangenheit auf etwas gestoßen, wo Sie sagen würden: „Ich würde nicht so reagieren!“, aber denken, dass es vielleicht bei Tim was ausgelöst hat?


Z
Vielleicht Liebeskummer. Das ist das Einzige was ich mir vorstellen könnte.

R
Wurde der Tim öfter mal gehänselt oder vor anderen bloßgestellt?

Z
Nein. Nicht dass ich wüsste.

R2
Tim wird immer als „normal“ bezeichnet, hatte wohl keine richtigen Freunde und war ein Einzelgänger. Wie sehen Sie das?

Z
Mit vielen Leuten hatte er nicht viel zu tun. Aber wenn er was gefragt wurde, hat er auch Antwort gegeben.

R2
Wie oft waren Sie im Haus K.?

Z
Vielleicht 5, 6 mal. Genau weiss ich das nicht mehr.

R2
Es soll ja auch mit den Softairs geschossen worden sein. Wo war das?

Z

Unten im Kellerraum.

R2

Und außerhalb des Hauses?

Z

Weiß ich nicht mehr.

R2

Hat er mal mit Ihnen über psychische Probleme gesprochen? Gab es da eine „andere Seite“ des Tim?

Z

Nein.

R2

Wurde er nicht teilweise als „Riesenbaby“ bezeichnet?

Z

Ich glaube, ein paar haben das gesagt.

R2

Und wie hat er darauf reagiert?

Z

Er hat dann zurückgepöbelt, wie das so in einer Klasse üblich ist.


R2 macht wieder einen Vorhalt aus der 3. und letzten Polizeivernehmung des Z. vom 18.03.2010, worin dieser angegeben haben soll, dass Tim damit geprahlt habe, den Code zu kennen: „Ich glaube, dass er ihn gewußt hat.“


Z aktuell:

Aus eigener Initiative hat er das zu mir nie gesagt. Ich bin nur davon ausgegangen.

R3

Hat Tim irgendwann mal erwähnt, dass sein Vater Waffen besitzt?

Z

Er hat nur mal gesagt, dass sein Vater im Schützenverein ist.

R3

Welchen Eindruck hatten Sie von dem Verhältnis Tims zu seiner Familie?

Z

Alles ganz normal.

R3

An dem Tag, als Ihnen der Vater die Waffen gezeigt hat, kam ja der Vater zu Ihnen dazu. Können Sie uns schildern, wie das dann ablief ?

Z

Ich glaube, wir haben da auch Poker gespielt.

R3

Wie kam es zu dem Thema Waffen? Von wem ging da die Initiative aus?

Z

Weiß ich nicht mehr.

R3

Und jeder bekam eine Waffe in die Hand?

Z

Die wurden rumgereicht. Ohne Munition. Erst die Waffen, dann die Munition. Er hat uns gezeigt was für was ist.

R3

Und wer hat das dann wieder verschlossen?

Z

Ich glaub der Vater.

R3

Haben Sie das Eingeben oder das Öffnen beobachtet? Wurde das mit einem Schlüssel oder Code gemacht?

Z

Ist möglich, weiß ich nicht mehr.

R3

Wie weit waren Sie entfernt?

Z

Der Raum war nicht arg groß. Ich glaub ich war der Erste im Raum.

Sch1

Gab es später eine Diskussion über die Waffen?

Z

An dem Tag nicht mehr.

Sch1

Hat Tim in der Klasse was davon erzählt?

Z

Hab ich nichts davon mitgekriegt.

OSTA

Was hat Tim Ihnen über den Schützenverein erzählt? War er da mit seinem Vater?

Z

Er würde ab und zu mitgehen zum Training.

OSTA

Passiv oder aktiv?

Z

Das weiß ich nicht.

OSTA

Bei welcher Gelegenheit wurde das erwähnt? In der Schule oder im Haus?

Z

Ich glaube, das war im Haus.

OSTA

An dem Tag als Ihnen die Waffen gezeigt wurden - haben Sie da selbst gesehen, dass der Vater diese wieder weggeschlossen hat oder ist das nur eine Vermutung, weil Sie sie ihm wieder zurückgegeben haben? Wissen Sie denn, ob die Türe überhaupt wieder zugemacht wurde? Ich habe mir aufgeschrieben, was Sie in der letzten Hauptverhandlung gesagt haben.


Es kommt ein Vorhalt: Die Waffen seien ungeladen herumgereicht worden. Dann die Munition in kleinen viereckigen Schachteln. Es habe ca. 10 Minuten gedauert. Die Türe sei dann nicht in des Zeugen Gegenwart geschlossen worden. Er sei danach nochmal rein und da wäre die Türe zu gewesen.


OSTA

Haben Sie GESEHEN, wie der Vater die Türe schließt?

Z

Nein.

RA?

Tim hat Ihnen also nie gesagt, dass ihm der Code bekannt ist?

Z

Ich habe es halt gedacht, wegen den Softairs, vielleicht weiß er es.

RA?

Haben Sie bei der Tresoröffnung gesehen, wie der Code eingegeben wurde?

Z

Nein.

RA?

Können Sie sich daran erinnern wie das abgelaufen ist, als Tim Ihnen die Munition gezeigt hat?

Z

Weiß ich nicht mehr.

RA?

War das bevor oder nachdem Ihnen die Waffen gezeigt wurden?

Z

Weiß ich nicht mehr.

RA?

Wie sah es in dem Raum aus?

Z

Da waren Sachen für die tägliche Benutzung. Der Tresor stand links. Ein Tisch in der Mitte… Werkzeug

RA?

Zeitschriften?

Z

Glaub nicht.

RA?

Haben Sie da Schachteln gesehen?

Z

Zigarettenschachteln.

RA?

Hat der Vater mitgepokert, bevor er die Waffen gezeigt hat? Hat er öfter mitgepokert?

Z

Weiß ich nicht mehr. Zweimal, glaub ich, hat der mitgemacht.

RAin ?

Ihnen wurde ZWEIMAL Munition gezeigt?

Z

Ja. Einmal vom Vater und einmal vom Tim.

RAin ?

Öfter nicht?

Z

Nein.

RAin ?

Als der Vater den Tresor geöffnet hat - wie hat denn der TIM da reagiert?

Z

Ganz normal. Der hat sich nicht gefreut, war aber auch nicht traurig.

RAin Stuff:

Ich denke, wenn man mal so echte Waffen sieht, spricht man nachher mal über das Thema!?

Z

Wir haben da eigentlich nicht mehr drüber gschwetzt.

RAin Stuff:

Wie kamen Sie in Bezug auf Softairs zu der Vermutung, dass Tim der Code bekannt wäre?

Z

Ich dachte halt, Tim hat viele Waffen, vielleicht wollte er mal mehr sehen.

RAin Stuff:

Das ist alles? Es wurde nicht darüber geredet?

Z

Nein.

RA Steffan:

Gut. Wenn Sie klar sagen, dass Sie keine klare Erinnerung mehr an die Vorgänge haben, kann man das nicht kritisieren. Sie wurden dazu schon fünfmal vernommen: Das erste Mal 8 Tage nach dem Amoklauf. Die 2. Vernehmung war 10 Tage später. Wann war denn Ihre Erinnerung am Besten?

Z

Gleich danach.

RA Steffan

Was uns allen in diesem Komplex sehr wichtig ist: ob Tim den Tresorcode gekannt hat.


RA Steffan beschreibt die unterschiedlichen Aussagen, die der Z. im Laufe der Zeit gemacht hatte.


Wie ging es Ihnen nach dem Amoklauf?

Z

Schon komisch. Man macht sich halt so seine Gedanken, warum er sowas 1 Jahr nach der Schule gemacht hat.

RA Steffan

1 Jahr nach dem Vorfall waren Ihre Angaben nicht mehr so genau?!

Z

Umso längere Zeit vergeht, desto mehr vergißt man halt.

Verteidigerin Unger- Schnell

Haben Sie nach dem Abschluß nochmal mit Tim gesprochen?

Z

Nein.

Verteidigerin Unger- Schnell

In Ihrer Vernehmung hatten Sie angegeben, dass Sie ihn zweimal im Domino getroffen haben.

Z

Bei der Abschlußfeier dürfte das letzte Mal gewesen sein. Danach weiß ich nicht.


RA Gorka macht einen Vorhalt: Bei der 2. Vernehmung sei der Z gefragt worden, wo die gezeigte Munition aufbewahrt und wie sie verpackt war. Seine Antwort sei gewesen, dass Tim 3-4 einzelne Patronen in der Hand gehabt habe und er nicht sagen könne, woher Tim diese geholt habe, weil er vorher aus dem Raum geschickt worden sei.


An dem Tag, an dem Ihnen der Vater Gewehre und andere Waffen gezeigt hat, hat er Ihnen auch eine Verpackung mit ca. 50 Schuss gezeigt?

Z

Ja. Die war im Tresor.

RA Gorka:

Waren da weitere Packungen noch im RAUM?

Z

Kann ich mich nicht dran erinnern.

RA Gorka

Haben Sie die später nochmal gesehen? Oder hat der Vater sie wieder reingelegt?

Z

Ich weiß es nicht mehr.

RA?

Wann haben Sie von diesem Mädchen in Zusammenhang mit Tim erfahren?

Z

In der Prüfungsvorbereitungsgruppe. Vorher hatte ich eher weniger mit ihm zu tun.

RA?

Sonstige Wahrnehmungen bezüglich Tim und Mädchen?

Z

Da hab ich nie was gesehen. Ob das mit Sylvester wahr ist, kann ich nicht sagen. Ich glaube, er hatte nichts mit Frauen zu tun und auch keine Freundin.

RA?

Und in dem Raum lag keine Munition rum? Gab es da keine Tüten oder Taschen? Ist Ihnen beim Blick durch den Raum nichts aufgefallen?

Z

Nein.

RA?

Danke.

R

Gibt es noch etwas wovon Sie denken: „Warum fragen die mich das jetzt nicht?“ Etwas Wichtiges aus Ihrer Sicht?

Z

Nein.


Gegen 11:50 wird der Zeuge entlassen.


Der Zeuge Marc Neumann


Gleich im Anschluß tritt der 22jährige auszubildende Bankkaufmann Marc Neumann als Z auf.

Er wird belehrt wie die anderen zuvor. Auch er sei bereits mehrfach befragt worden. Da die Ereignisse jetzt bereits mehrere Jahre zurückliegen, solle er nur das angeben, was er sicher noch weiß und ansonsten offen und ehrlich sagen, wenn er etwas nicht mehr wisse. Er solle nichts „produzieren“, was die Anwesenden seiner Meinung nach „hören wollen“.


R

Herr Neumann, auch Sie waren früher mit Tim in einer Klasse?

Z

Ich war in der 9. und bin sitzengeblieben, da kam ich in die Klasse von Tim. Da war ich also die 9. und die 10. Klasse.

R

Waren Sie nur zusammen in der Schule oder haben Sie auch privat was unternommen?

Z

Nur in der Schule. In einigen Fächern saßen wir auch nebeneinander.

R

Können Sie uns schildern, wie der Tim so war?

Z

Auf mich hat er einen guten Eindruck gemacht. Ich hab mich gut mit ihm verstanden. Wir haben mal mehr, mal weniger geredet. Ich hab' nicht richtig viel mit ihm zu tun gehabt, aber er war sehr freundlich und nett und es gab mit ihm kein Problem.

R

Wie war er denn so im Klassenverband? Sie sind ja von außen rein und hatten den Blick von außen.

Z

Ja. Ruhig und unauffällig.

R

Also gab es keinen Streß mit ihm?

Z

Nie.

R

Wurde Tim gemobbt?

Z

Davon hab ich nichts mitbekommen.

R

Wäre er der Typ gewesen, bei dem Leute Mobbing machen würden?

Z

Für mich überhaupt nicht. Er war immer sehr freundlich usw.

R

Mit der Arbeitsgruppe sollte die Mittlere Reife vorbereitet werden. Gab es dann im Zeugnis gute Noten? Also hat das funktioniert?

Z

Leider nicht. Wir waren nicht so zufrieden. Es ist die Note 5 rausgekommen.

R

Liegt das daran, dass Sie sich neben dem Lernen noch anderen Dingen gewidmet haben?

Z

Von 2-3 Std. haben wir vielleicht eine halbe Stunde gearbeitet und dann unten Poker gespielt.

R

Sie wissen ja, dass wir uns hier für das Thema Tim und Waffen interessieren?!

Z

Da kann ich recht wenig dazu sagen: In seinem Zimmer an der Wand hatte er so Paintball-Waffen, die so Kügelchen verschießen. Später war ich ja dann in dem Raum, wo der Tresor steht und durfte Waffen in die Hand nehmen. Ich wußte nicht einmal etwas vom Schützenverein.

R

Sie waren nur einmal bei Tim zu Hause?

Z

Die anderen beiden waren viel häufiger dort. Ich war nur einmal da.

R

Können Sie uns den Tag schildern, wo Sie die echten Waffen gesehen haben?

Z

Wir saßen in dem Raum und haben Poker gespielt, als der Herr Kretschmer auf uns zu kam. Wir wußten gar nicht, um was es geht. Wir sind dann in den anderen Raum. Ich war, glaub' ich, nicht der Erste, der reingegangen ist. Vielleicht an 3. oder 4. Position. Dann hat er uns die Waffen gezeigt. Die sind rumgegeben worden. Ich hatte, glaub' ich, ein Scharfschützengewehr mit so einer Laservorrichtung.

R

Da war also die Tür schon offen. Haben Sie nicht gesehen, WER sie aufgemacht hat?

Z

Nein. Kann ich nicht sagen.


Es folgen mehrere Vorhalte, aus Polizeivernehmungen des Z, in denen der R widersprüchliche Angaben verliest. In einer vorherigen Vernehmung soll der Z. angegeben haben, der Vater habe den Tresor geöffnet, der Z. habe aber nicht erkennen können wie - ob mit Zahlen oder Schlüssel -, weil der Vater die Sicht verdeckt habe. In einer anderen weiß der Z. nicht mehr, ob man sich umdrehen oder gar den Raum verlassen musste vor dem Öffnen des Tresors. Insgesamt kann sich der Z. nun nicht mehr erinnern, wie die Situation damals abgelaufen war. In einer Version hatte man den Raum nach dem Zurückgeben der Waffen schon wieder verlassen, in einer anderen soll der Vater den Tresor wieder verschlossen haben. Aktuell hat der Zeuge gar keine Erinnerung mehr.


R

Sie waren ja nun einmal in diesem Raum. Haben Sie da außerhalb des Tresors etwas Auffälliges bemerkt? Patronen und/oder Munition?

Z

Da war nichts zu sehen. Eine ganz normale Einrichtung.

R2

Haben Sie einmal Paintball geschossen?

Z

Nein.

R2

Abgesehen vom Vater - hat der TIM Ihnen mal echte Waffen gezeigt?

Z

Nein.

R2

Hat er jemals gesagt, dass er den Zugang, also die Kombination kennt?

Z

Darüber wurde nicht geredet.

R2

War Ihnen etwas bekannt über psychische Probleme vom Tim?

Z

Nein. Er war immer ganz freundlich. Wir haben uns gut verstanden. Über Probleme war nichts bekannt.

R3

Wo haben Sie zuerst Waffen gesehen? Im Keller oder oben im Zimmer von Tim?

Z

Ich glaub' im Keller und danach erst oben.

R3

Hat Tim Ihnen das mit Paintball und den Kügelchen erklärt?

Z

Ich hatte daran kein Interesse.

R3

Aber Sie hatten schon die Vermutung, dass es sich um Paintball-Waffen handelt?

Z

Ja.

R3

Wurde Tim in der Schule gehänselt?

Z

In unserer Klasse auf keinen Fall.

R3

Hat Tim Kraftsport gemacht?

Z

An 2 Tagen hat Tim mal Armdrücken gemacht gegen irgendjemanden in der Klasse.

R3

Wer hat da gewonnen?

Z

Weiß ich nicht mehr. Man hat auf jeden Fall gesehen, dass Tim Kraft in den Armen hatte, aber ob er Kraftsport macht, hab ich nicht gewußt.

R3

Hatten Sie mal die Familie gesehen?

Z

Frau Kretschmer und die Tochter. Man hat mal so „Hallo“ gesagt.

R3

Hat die Familie sich über Tims Besucher gefreut?

Z

Frau Kretschmer war sehr nett. Wir haben vielleicht 3 oder 4 Sätze gewechselt. Sehr freundlich und nett.

V3

Hatten Sie danach nochmal Kontakt zu Tim? Im Domino vielleicht?

Z

Da war ich, aber ob der Tim da war???

V3

Und sonst danach noch?

Z

Kein Kontakt mehr.


RA Gorka macht einen Vorhalt aus der 1. Polizeivernehmung des Z. :

„Ich möchte noch erwähnen: als der Vater uns die Waffen gezeigt hat, war auf jeden Fall keine Munition im Spiel!“


Z

Kann mir nicht vorstellen, dass ich das einfach so gesagt habe…!

RA Gorka

Wie kamen Sie darauf zu sagen: „… auf jeden Fall…“?

Z

Das weiß ich nicht mehr.

R (teilweise scherzend?)

Gibt es noch etwas, was wir Sie nicht gefragt oder Sie nicht gesagt haben. Möchten Sie vielleicht noch Ihre Mama grüßen oder so?


Gegen 12:20 wird der Zeuge entlassen. Es folgt eine Mittagspause bis 14 Uhr.


Der Zeuge Phillip Joiter


Kurz nach 14 Uhr geht es weiter mit dem vorletzten Zeugen für diesen Tag: Es handelt sich um den 21jährigen Phillip Joiter, der angibt, nach seinem Abitur aktuell als Aushilfskraft tätig zu sein.

Inzwischen ist offensichtlich die Video-Übertragungsanlage aufgebaut worden, denn das Abbild des Z wird auf die Leinwand projiziert. Nach den üblichen rechtlichen und übrigen Hinweisen an den Z. startet die Befragung.


R

Ab der wievielten Jahrgangsstufe waren Sie mit dem Tim zusammen in einer Klasse?

Z

Ab der 8. Klasse.

R (feststellend)

Also 8., 9. und 10. Waren Sie mit Tim befreundet?

Z

Nicht wirklich. Nein. Wir hatten nur Kontakt für die Prüfungsvorbereitung zur Abschlußprüfung, zusammen mit dem Marc Neumann, Phillip Joiter und Marco Kretschmar.

R

War das außerhalb der Schule der einzige Kontakt oder gab es da auch Treffen in einer Kneipe?

Z

Wir haben uns zufällig 1 oder 2 mal im Domino getroffen. Das existiert heute nicht mehr.

R

Sie waren ja damals mit dem Tim in der 8b, einer neugeschaffenen Klasse. Wie haben Sie ihn denn damals erlebt?

Z

Er war ein sehr ruhiger Schüler. Mehr kann ich da gar nicht sagen.

R

War er eher ein Außenseiter oder jemand, um den die Klasse sich scharte?

Z

Letzteres glaube ich nicht so.

R

War er jemand, der „es immer abkriegt“?

Z

Das würde ich nicht sagen.

R

Wie oft waren Sie bei dieser Gruppenarbeit bei Tim zu Hause?

Z

3 oder 4 Mal. Wir haben das da eigentlich nur so aufgeteilt, wer was machen soll. Viel mehr war es eigentlich gar nicht. Dann haben wir Poker gespielt.

R

Wo waren Sie da im Haus?

Z

In Tims Zimmer oder im Keller.

R

Sie wissen ja, dass das Thema Waffen hier für uns interessant ist. Was haben Sie da beobachtet?

Z

Ich weiß, dass er in seinem Zimmer Softair-Waffen hatte und eben, dass uns der Vater im Keller die Waffen vorgeführt hat.

R

Wenn Sie das bitte näher schildern würden. Aber unabhängig von DIESER Szene die Frage, ob der TIM neben den Softairs mal über scharfe Waffen gesprochen oder Ihnen gar welche gezeigt hat.

Z

Also gezeigt hat ausschließlich der Vater. Wir haben im Hobbyraum gepokert, als der Vater hinzu kam. Dann sind uns die Waffen vorgeführt worden. Wir sind in den Raum gegangen, wo der Tresor stand. Dann wurden wir vom Vater rausgeschickt. Nach und nach wurden uns die Waffen im Flur gezeigt.

R

War das DEFINITIV im Flur oder könnte es auch IN DEM RAUM gewesen sein?

Z

Kann auch in dem Raum gewesen sein. Aber rausgeschickt wurden wir relativ sicher.

R

RELATIV sicher?

Z

Das ist ja jetzt 5 Jahre her! Ich bin zwar jetzt noch sicher, aber eben nicht mehr zu 100%.

R

Haben Sie mitbekommen, was danach mit den Waffen passiert ist?

Z

Nicht dass ich mich erinnern könnte. Aber heute würde ich sagen: Sie sind wieder reingewandert?

R

Hatten Sie denn den Waffentresor im Blick?

Z

Ich glaube ja. Relativ sicher sogar.

R

Haben Sie auch Munition gesehen oder in der Hand gehabt?

Z

Gesehen ja. In der Hand gehabt? Da müsst ich lügen. Das weiß ich nicht mehr.


Der R bringt einen Vorhalt aus einer Polizeivernehmung ein: Damals habe der Z. gesagt, er wisse nicht, ob der Vater den Tresor wieder verschlossen hat, weil er vorher den Raum schon verlassen habe. In einer Nachvernehmung 2010 ging es um die Frage, ob Tim den Tresorcode gekannt haben könnte. Der Z. habe dies damals vermutetet, was er aus Reaktionen des Tim geschlossen habe. Dahingehend geäußert hätte sich Tim ihm gegenüber jedoch nie.


R

Sie haben den Tim ja 3 Jahre lang erlebt. Als nun die Nachricht vom Amoklauf in den Medien kam und Sie erfahren haben, dass es Tim gewesen sein soll, was ging da in Ihnen vor?

Z

An dem Tag war ich in der Schule. Mein Nebensitzer hat dann eine SMS von einem Schüler aus dem Lessing-Gymnasium bekommen, dass ein Amoklauf stattfinden würde. Wir hatten einen Referendar in der Klasse, der Unfallpsychologe war. Der hat dann rumtelefoniert und wir haben gefragt, ob er uns mitnimmt. An der Schule war aber schon alles abgeriegelt. Mein Nebensitzer bekam dann die Information, dass es anscheinend der Tim gewesen sein soll.

R

Als Sie das gehört haben, wie haben Sie da reagiert? Fanden Sie das passend oder war das für Sie völlig absurd?

Z

Ich war schockiert. Wir hatten uns ja 3 Jahre lang fast täglich gesehen. Aber wem traut man so etwas schon zu? Für mich hat es nicht zu ihm gepasst.

R

Können Sie sich an Eindrücke erinnern, die Ihnen früher nicht so wichtig erschienen, aber jetzt ein besonderes Gewicht bekommen? Also vielleicht im Nachhinein nachvollziehen, was dem Tim angetan worden sein könnte?

Z

Ich kann mich nur an eine Szene dunkel erinnern: Da wurde der Tim von einem Lehrer wegen schlechter Noten zu heftig kritisiert. Sonst kann ich mich an keine Szene erinnern.

R2

Haben Sie auch mal mit Tim Softair geschossen?

Z

Ja, ziemlich sicher sogar. Wir haben mal aus dem Fenster in die Wiese geschossen, aber auf keine beweglichen Ziele.

R2

Habe ich das richtig verstanden, dass Tim in einer Situation, die mit Waffen zu tun hatte, niemals gesagt hat, dass er Zugang zum Tresor habe?

Z

Nicht, dass ich mich daran erinnern könnte.

R2

Waren Sie sonst nochmal in dem Raum wo der Tresor stand?

Z

1 oder 2 Mal zum Rauchen. Das war der einzige Raucherraum.

R2

Ist Ihnen dort etwas aufgefallen? Gab es z.B. irgendwelche Gegenstände, die Sie dort nicht erwartet hätten?

Z

Eine leere Patronenpackung. Bin mir aber nicht sicher, ob ich die DORT gesehen habe.


Der R2 macht einen Vorhalt aus einer früheren Vernehmung, in dem der Z. angibt, er fände es „komisch wie in diesem Haus mit Waffen umgegangen“ werde.


Wie haben Sie das gemeint?

Z

Mir kam halt der Umgang sehr locker vor. Aber nur aus MEINER Sicht, weil ich GAR KEINEN Umgang mit Waffen habe.

R3

Hat der Tim mal erwähnt, dass er mit einer scharfen Waffe geschossen hat? Dass er im Schützenverein war?

Z

Ich glaube, er hat mal erwähnt, dass er mit zum Schießen geht.

R3

War er nur dabei oder hat er auch geschossen?

Z

Kann ich nicht sagen.

R3

Hatte der Tim erwähnt, dass sein Vater scharfe Waffen besitzt, VOR dem Tag, als diese Ihnen gezeigt wurden?

Z

Kann ich mich nicht erinnern.

R3

Was hat der Tim in der Familie für einen Eindruck gemacht?

Z

Es kam zu keinen richtigen Begegnungen, weil wir direkt nach der Schule hin sind. Der Vater kam mal beim Pokern dazu, und weil Tim ein guter Spieler war, hat der dann mal gesagt: „Wenn er nur in der Schule auch so gut wäre…“

R3

Wie hat Tim darauf reagiert?

Z

Ich weiß nicht mehr, ob er genervt reagiert hat.

R3

Sie hatten angegeben, dass Sie der Vater rausgeschickt hat, als der Tresor geöffnet wurde. Sind da wirklich erst alle reingegangen und dann wieder raus?

Z

Wie das genau abgelaufen ist, kann ich wirklich nicht mehr sagen. Bin mir aber ziemlich sicher, dass wir im Raum waren und dann wieder raus sind.

R3

Alle inklusive Tim?

Z

Ja. Sicher. Mir ist aber im Gedächtnis, dass er eigentlich drin bleiben wollte, weil er sich irgendwie gesträubt hat. Aber er musste auch raus.

STA

Damals hatten Sie gesagt, Tim sei OHNE Regung gewesen. Sie hätten eher manchmal den Eindruck, Tim hätte relativ wenig Gefühle.

Z

Den Eindruck hatte ich schon. Aber mit keiner bestimmten Situation verknüpft.

V2

Wie oft haben Sie Tim im Domino gesehen?

Z

Ich glaube nur einmal.

V2

Welchen Eindruck hatten Sie von dieser Begegnung?

Z

Ich glaube, das war ganz normal.

V2

Wenn Sie sagen Sie seien „ziemlich sicher“ - bedeutet das dann, dass Sie eher sicher oder eher unsicher sind? Und wieso sind Sie nicht sicher?

Z

Weil es eben nicht zu 100% ist. Das liegt ja alles schon eine gewisse Zeit zurück.

V2

Und wenn Sie sich DAMALS so oder so geäußert haben?

Z

Da war ich mir sicher.

V2

Sie müssen verstehen: ich kenne Sie ja nicht und weiß darum nicht, wie ich das interpretieren soll.

Z

Ist halt ziemlich schwierig, weil das schon so weit zurückliegt.

V1

Sie wurden ja wiederholt befragt, das letzte Mal 2010. Während der Vernehmung wurden Sie u.a. gefragt, ob Tim die Kombination für den Tresor kannte. Wissen Sie noch, was Sie geantwortet haben? Sie hätten den Eindruck gehabt, weil Tim sich gesträubt hat den Raum zu verlassen, dass er öfter schon bei der Öffnung dabei war oder die Kombination schon gekannt hat. Wie hat denn Tims Vater reagiert auf sein „Sträuben“?

Z

Kann ich mich nicht mehr erinnern. Mir gegenüber hat Tim nie gesagt, dass er den Code weiß, aber er hat sich gesträubt. Der Vater hat aber bestimmt, dass Tim auch den Raum verlässt. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

V1

Wenn Sie das damals zur Polizei gesagt haben, muss ja irgendetwas vorgefallen sein. Wenn Tim sich gesträubt hat…was war da vorgefallen? Können wir nun annehmen, dass der Vater NICHT gewusst hat, dass Tim den Code kennt?


RAin Stuff beanstandet diese Frage.


V1

Sie wurden ja zum Thema weiter befragt: Sie gaben an, dass Tim nicht verstehen konnte, dass er rausgeschickt wurde. Sie hätten das aus seinen Reaktionen geschlossen. Können Sie diese Reaktionen beschreiben?

Z

Nein. Kann ich nicht mehr.

V1

War es etwas in seiner Mimik oder gab er eine Erklärung?

Z

Ich habe nur noch in Erinnerung, dass er sich gesträubt hat. Wie genau das war, daran habe ich keine Erinnerung mehr.

RA ?

Wie muss man sich dieses Sträuben vorstellen?

Z

Davon hab ich kein Bild mehr. Da müsste ich lügen.


Der R fragt, wie am Ende jeder Vernehmung, ob dem Z. noch etwas einfällt, was wichtig wäre und nicht gefragt worden sei. Dies ist offenbar nicht der Fall und der Z wird gegen 14:40 entlassen.


Der Zeuge Dennis Röhrich


Als nächster Z wird Tims alter Kumpel und als „bester Freund“ bezeichneter Dennis Röhrich aufgerufen.

Nach den allgemeinen rechtlichen Hinweisen an den Z erfahren wir, dass dieser inzwischen 20 Jahre alt werden durfte. Er hatte außerdem die Gelegenheit, nach der Absolvierung der Fachhochschule nun eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann zu durchlaufen.


R (feststellend)

Herr Röhrich, Sie kennen den Tim ja schon seit der Grundschule und waren auch mit ihm bis zum Abschluß auf der Realschule. Darüber hinaus waren Sie auch lange Zeit privat mit ihm befreundet.

Z

Ja. Aber das hab ich doch alles schon gesagt!

R

Aber UNS noch nicht. Wir müssen das auch noch hören! Was war denn der Tim so für ein Typ?

Z

Ganz normal halt. Ein bisschen zurückhaltend.

R

Er war also niemand, der in der Klasse der Clown war? War er jemand, der ausgegrenzt wurde?

Z

Nicht unbedingt. Weder das eine noch das andere.

R

Also nein?

Z

Ja.

R

Wie war das ausserhalb der Schule?

Z

Eigentlich so wie in der Schule.

R

Was haben sie zusammen gemacht?

Z

Wir haben uns hin und wieder getroffen und Fußball gespielt oder sind ins Internet-Cafe gegangen.

R

Aber das war doch wohl erst später!? Welchen Sport haben sie denn gemeinsam gemacht?

Z

Ab und zu halt Fußball.

R

Wie oft haben sie denn gemeinsam was unternommen?

Z

Ab und zu halt. Wenn ich bei ihm war.

R

Haben sie Vereinssport gemacht?

Z

Nein.

R

Aber auf dem Bolzplatz waren sie gemeinsam?

Z

Ja.


Der Z berichtet nun von den Besuchen in jenem inoffiziellen Internetcafe in Weiler zum Stein.


R

Was wurde da hauptsächlich gespielt?

Z

Counterstrike (CS)

R

Hat das auch jeder für sich gespielt?

Z

Wie meinen Sie das?

R

Kann man das auch über das Internet spielen?

Z

Ja, halt gegen die Bots.

R

Gegen WEN?

Z

Eine künstliche Intelligenz: die „Bots“.


Der R attestiert den meisten Verfahrensbeteiligten aus „einer anderen Generation“ zu stammen, einer Generation, von denen allenfalls heimlich jemand im Büro in seinem Stuhl vor dem PC sitze und „in echt versucht unechten Schüssen auszuweichen.“


Worum geht es bei CS?

Z

Das andere Team töten, Bomben entschärfen oder Geiselnahmen beenden, zum Beispiel.

R

Was sieht man da auf dem Bildschirm?

Z

Die anderen Spielfiguren und die Hände der eigenen Figur, die die Waffen bedienen.

R

Gibt es da Unterschiede beim Schiessen? Wo man z.B. am Besten trifft? Versucht man da nicht in den Kopf zu schiessen, weil ein Treffer dort möglichst viele Punkte bringt?

Z

Dafür gab es in der damaligen Version nicht so viele Punkte.

R

Wie viele Jahre haben Sie das mit dem Tim gespielt?

Z

So von der 8. bis zur 10. Klasse.

R

Gab es da noch andere, nicht ganz so gruselige Spiele? Vielleicht Strategiespiele?

Z

„Mariocar“ vielleicht, aber das hat nichts mit Strategie zu tun.

R

Etwas harmloseres in meinen Augen? Handel oder sowas? Geld verdienen?

Z

DTR noch, aber das ist Action - ein Autorennen.

R

Gab es noch andere Hobbies, die Sie hatten?

Z

Ja, Fußball - ist aber weniger geworden.

R

Auch ab und zu mit Tim?

Z

Ja, aber nicht so oft.

R

Von welchen Freizeitaktivitäten Tims wissen Sie, die nichts mit Computer zu tun haben?

Z

Er hatte mal eine Tischtennis-Phase, später dann Armwrestling.

R

Hat er das die ganze Zeit weiter gemacht?

Z

Ich glaube später auch noch. Auch noch im Berufskolleg.

R

Und das Training hat viel Zeit beansprucht?

Z

Ich weiß nicht. Aber ich glaube schon eine gewisse Zeit.

R

Wie häufig waren sie zusammen?

Z

In der 8. bis 10. Klasse bestimmt zweimal pro Woche, nachher dann vielleicht mal kurz am Bahnhof, da haben wir dann was ausgemacht. Das ist aber schon seltener geworden.

R

Welche virtuellen Waffen haben Sie bei CS bevorzugt?

Z

Die Bezeichnungen weiß ich nicht mehr.

R

Und der Tim?

Z

Die AK 47.

R

Früher haben Sie neben der AK 47 noch die Beretta genannt.

Z

Das weiß ich nicht mehr. Aber die gibt es im Spiel.


Der R verliest die entsprechende Passage der Vernehmung als Vorhalt.


Haben Sie mal mit den Softairs geschossen?

Z

Ab und zu draussen.

R

Und im Keller?

Z

Nein. In der Garage.

R

Hat Ihnen der Tim je berichtet, dass er Zugang zu echten Waffen besitzt?

Z

Der Vater war im Schützenverein.

R

Wenn man diese Spiele macht und Softair schießt und Sie sagen, dass der Vater im Schützenverein ist, dann redet man doch über sowas. Also, hat er Ihnen da mal etwas berichtet?

Z

Nein.

R

Nie etwas erzählt?

Z

Da weiß ich nichts von!

R

Und hat er Ihnen mal echte Waffen GEZEIGT?

Z

So genau weiß ich es nicht mehr. Ob es echt war oder eine Softair kann ich nicht sagen.

R

Welche Situation meinen Sie? Die Softairs an der Wand in seinem Zimmer sind uns bekannt! Hat er Ihnen jemals ANDERE gezeigt?

Z

Im Keller oder der Garage war so ein kleiner Schrank oder so ein Fach. Was genau, weiß ich nicht.

R

Und was wissen Sie ungenau?

Z

Pistolen…

R

Und woher kamen die? Haben Sie die Waffen in dem Schrank gesehen oder vermuten Sie das nur. ICH weiß ja nicht, was SIE gesehen haben.

Z

Ich glaube, dass die in dem Fach oder Schrank drin waren.


Der R verliest als Vorhalt aus einer Polizei-Befragung: Demnach soll Tim den Dennis etwa in der 8. Klasse gefragt haben, ob er mal „echte Waffen sehen“ wolle.


Können Sie sich daran erinnern?

Z

Nein. Tut mir leid!

R

Aber warum haben Sie das dann vor 3 1/2 Jahren der Polizei so erzählt?

Z

Vielleicht hatte ich das damals so in Erinnerung. Glauben Sie, ich weiß noch alles?

R
Weiter im Vorhalt:

Frage: War das im Wohnzimmer oder im Keller?

Antwort: Weiß ich nicht mehr genau.

Frage: Und wie sah dieser Schrank aus?

Antwort: So ein Fach einfach…genau kann ich das nicht sagen.

Frage: Und wie war das verschlossen?

Antwort: Ich glaub mit Zahlencode.

Frage: Sie meinen aber nicht den Tresor im Zimmer von Tim? DEN haben Sie schonmal gesehen?

Antwort: Ja. Aber das war, glaub' ich, nicht so mit einem Fach.

Frage: Wurde der Tresor mit einem Schlüssel aufgemacht?

Antwort: Ob mit Schlüssel oder anders weiß ich nicht mehr. Ich weiß auch nicht mehr, welche Waffen drin waren. Ich weiß nur, dass es ziemlich viele Waffen waren.


R

Kommt jetzt Ihre Erinnerung zurück? Sie haben da eine Menge erzählt. Es ist schwer, so etwas zu schildern, wenn man es nicht selbst gesehen hat!

Z (schweigt)

R

Niemand tut Ihnen was! Sie müssen nicht befürchten, dass sich hier alle auf Sie stürzen oder Sie was falsch gemacht haben! Also bitte berichten Sie uns das, was Sie noch wissen.

Z

Das ist jetzt 3 1/2 Jahre her. Ich weiß es eben nicht mehr so genau!

R

Das ist jetzt 6 Jahre her. Ihre ANGABEN haben Sie vor 3 1/2 Jahren gemacht. Klingelt da nicht was bei Ihnen? Kommen Ihnen keine Bilder in den Sinn?

Z

Der Schrank ein bisschen, aber wieviel da drin war. Hmmm???

R

Und wer ihn aufgemacht hat? Auch nicht mehr!?

R (feststellend)

Sie wurden auch gefragt wie oft Sie an diesem Tresor waren. Damals sagten Sie, es wäre nur dieses eine Mal gewesen. Wenn Sie so auf Ihre gemeinsame Schulzeit zurückblicken, als Sie mit dem Tim befreundet waren und daran denken, wie Sie von dem Amoklauf erfahren haben und dem, was der Tim da getan hat, als Sie hörten, dass es Ihr alter Kumpel, der Tim, war - was haben Sie da gedacht?

Z

Das konnt ich nicht so glauben. Ich war eher schockiert und habe gar nicht darüber nachgedacht.

R

Wenn Sie nun an die Schulzeit zurückdenken, gibt es da Dinge, wo Sie sagen würden: Ja, weil der Tim schlecht behandelt wurde von Lehrern, Schülern oder sonstwem ist bei ihm eine „Sicherung durchgebrannt“?

Z

Nein.

R

Gab es da mal Hänseleien?

Z

Er hat schonmal Spitznamen bekommen wegen seinem starken Bartwuchs und seinen Koteletten, z.B. „Koteletten-King“.

R

Und hat der Tim sowas dann krumm genommen?

Z

Ein bisschen war er schon genervt, aber nach einer Zeit war es eigentlich wieder gut.

R

Wie war das mit Mädchen bzw. einer Freundin? Hat er nie erzählt, dass er eigentlich ganz gerne eine hätte?

Z

Nein. Auch nicht.

R

Haben Sie denn nie über diese Themen geredet?

Z

Nein.

R

Wie kam es, dass ihr Kontakt nach der Realschule nicht mehr so intensiv war?

Z

Naja, es hatte halt jeder eine andere Schule, andere Zeiten. Man hatte nicht mehr so die Zeit wie früher.

R

Aber so richtig dicke Kumpels kann doch auch so ein Schulwechsel nicht auseinander bringen! Oder war ihre Freundschaft vielleicht so eng gar nicht?

Z

Wir haben in der Zeit halt nicht mehr so viel gemacht wie zuvor.

R

Waren Sie darüber sauer?

Z

Nein.

R

Aber sie haben sich schon noch gelegentlich getroffen?

Z

Ja, zum Fussball, aber selten. Ansonsten haben wir uns mal am Bahnhof gesehen, auf dem Weg zur Schule, und gequatscht.

R

Worüber?

Z

So Verschiedenes. Was es Neues gibt und so weiter.

R

Haben Sie da im Vergleich zur Realschulzeit Veränderungen bei Tim festgestellt?

Z

Nein. Da war alles das Gleiche.

R2

Sie haben früher mal gesagt, Tim sei in der 9. und 10. Klasse „süchtig“ nach CS gewesen. Wie war das gemeint?

Z

Entweder lange oder täglich. Fast jeder in der Klasse hat das damals gespielt.

R2

Tim habe immer den Terroristen gespielt und nie die Sicherheitskräfte, stimmt das?

Z

Ja, meistens. Außer der andere wollte diese Rolle.

R2

Ging es darum, die andere Seite „auszuschalten“?

Z

Ja.

R2

Hat Ihnen Tim je gesagt, ihm sei der Code des Waffentresors bekannt?

Z

Kann ich mich nicht erinnern. Weiß ich nicht mehr.

R2

Am Tag danach, am 12. März 09, wurden Sie vernommen und haben Gegenteiliges geschildert. Kann es sein, dass Sie damals vieles der Polizei gegenüber geschildert haben, was sich so nicht ereignet hat? Oder weil Sie dachten, dass die Polizei bestimmte Antworten hören will?

Z

Wie meinen Sie das? Ich hab damals gesagt, was ich damals wusste!

R3

War der Tim öfter mal launisch? Gut oder schlecht drauf?

Z

So mittel. Kommt drauf an. Eher gleich.

R3

Wie war das Verhältnis Tims zu seinen Eltern? Normal? Herb? Kühl? Genervt? Oder positiver?

Z

Ich hätte fast wieder „normal“ sagen wollen, aber als ich dort war, waren die Eltern gar nicht immer da.

R3

Hatte Tim zuhause irgendwelchen Streß oder Druck?

Z

Da habe ich nichts mitbekommen.

R3

Haben SIE auch Poker gespielt?

Z

Nein. Das mag ich nicht so.

R3

Wie war denn der Tim so in der Schule?

Z

Durchschnittlich. Er war kein Streber oder so. Ein paar mal war es aber knapp in einzelnen Fächern.

R3

Waren Sie besser?

Z

Auch so.

R3

Haben sie das miteinander besprochen?

Z

Ja. Wir haben uns halt vorgenommen, dass man mehr lernt, aber gemacht haben wir das dann doch wieder nicht.

R3

Warum sind Sie nicht auf die gleiche Schule wie der Tim gegangen?

Z

Ich hatte von dort keine Zusage bekommen.

R3

Wissen Sie, ob Tim zur Bundeswehr wollte?

Z

Nein. Da weiß ich nichts.


R3 zählt diverse Horrorfilme auf, die Tim besessen haben soll.


Wissen Sie, woher Tim diese Filme hatte?

Z

Nein.

R3

Wie alt waren sie, als sie diese Filme angeschaut haben?

Z

Vielleicht in der 9. oder 10. Klasse.

R3

Also eher die letzten Jahre. Und zuvor nicht?

Z

Das weiß ich nicht mehr.


Der OSTA gibt an, bei der letzten Vernehmung des Z, vor 2 Jahren, mitgeschrieben zu haben. Das Gericht habe dem Z einen Ordner gezeigt.


Was genau war da zu sehen?

Z

Weiß ich nicht mehr.


Der OSTA weist darauf hin, dass der Z bei der letzten Vernehmung angegeben hatte, den Tresor irgendwo im Wohn-/Esszimmerbereich im Erdgeschoss gesehen haben zu wollen. Es soll sich um einen in der Wand eingelassenen Schrank gehandelt haben, der auf Kniehöhe angefangen habe und ca. 1/2 qm groß gewesen sein soll. Davor soll ein Bild gehangen haben. Das sei ein Ort gewesen, an dem es jedoch definitiv keinen Tresor gegeben habe, so der OSTA. Der Z. kann sich nun auch an nichts mehr erinnern.


STA

Tim hatte offenbar eher mehr Geld zur Verfügung. Sie hatten bei der Polizei angegeben, dass er sich „Freundschaften kaufen“ wollte. Wie war das gemeint?

Z

Das kam eben so rüber.

STA

Und was war der Grund dafür, dass er bei CS immer den Terroristen spielen wollte?

Z

Vielleicht wegen der besseren Ausgangslage?


Nun würde noch ein ellenlanges Frage- und Antwortspiel mit einem der Nebenklägeranwälte folgen, der sich offenbar durch das gebetsmühlenartige erneute Stellen der bereits erörterten Fragen an den Zeugen, die dieser schon vorher nicht beantworten konnte, nun erwartet, dass der Z doch noch einige für ihn genehme Antworten findet. Es geht wieder und wieder darum, welcher Typ Mensch Tim war, ob und welche Probleme er mit oder ohne Mädchen hatte oder ob und wie er ggf. gehänselt wurde usw. Auf die Wiedergabe dieser nach Meinung des Verfassers redundanten Fragestunde wird aus Rücksicht auf die körperliche sowie geistige Gesunderhaltung der geneigten Leserschaft sowie des Verfassers selbst verzichtet.

Als nächstes wird der Z von V2, dem Rechtsanwalt Steffan, befragt. Der Z. erklärt, dass er am liebsten alles vergessen würde, was da passiert sei. Er habe auch Schuldgefühle und erklärt, wie er den Tag des Amoklaufs erlebt hatte. Er habe sich gerade im Unterricht befunden, als er von dem Amoklauf erfahren habe. Es sei ihm an diesem Tag nicht sehr gut gegangen. Er habe es nicht glauben können. Er habe mit seinen Eltern geredet und Interviews mit den vielen Fernsehsendern abgelehnt. Am 12. März sei er von der Polizei in seiner Schule vernommen worden. Es sei ihm dabei nicht gut gegangen, aber er habe sich bemüht, die Fragen, welche ihm gestellt wurden, korrekt zu beantworten. Er habe erzählt, was er an jenem Tag noch gewusst habe und habe ausreichend Zeit zum Überlegen gehabt, bevor er geantwortet habe.

Nun stellt der OSTA noch diverse Fragen zum Thema Waffenschrank und dessen mutmaßliche Öffnung durch Tim. Der Z. jedoch hat zu diesem Zeitpunkt genauso wenig Erinnerung daran, wie bei denselben Fragen, die ihm zuvor schon von den anderen Verfahrensbeteiligten gestellt wurden.

Die V3, Frau Unger-Schnell, möchte u.a. noch einige Informationen zu dem Counterstrike-Spiel. Wie? Wann? Wie oft? Diese Infos zumindest kann der Z. liefern.

Gegenüber RA Gorka gibt der Z an, den Tim am Tag vor dem Amoklauf nochmals im Bus gesehen zu haben. Es habe keine Anzeichen einer Veränderung gegeben.


RA Gorka (V1)

Hatte Tim vielleicht noch einen „besten Freund“?

Z

Weiß nicht.

V1

Wäre käme denn da evtl. in Frage?

Z

Vielleicht der Dennis Alexi. Der war mal mit dabei. Wir haben manchmal zu dritt was unternommen.

V1

Wann zuletzt?

Z

Das liegt schon lange zurück. Die haben sich aber auch schon viele Jahre gekannt.

V1

Dass Tim der Täter gewesen sein soll, war ja zunächst ein Gerücht. Wann haben Sie definitiv erfahren, dass er es war?

Z

Im Internet und den Nachrichten.

V1

Einen Tag danach?

Z

Nein. Am gleichen Tag noch.

V1

Sie kannten Tim ja nun besser als seine Eltern. Waren Sie bedrückt und haben getrauert?

Z

Ja. Auch.

V1

War es nicht unfassbar für Sie?

Z

Ich konnte es nicht so ganz glauben!

V1

Hat sich Ihr Befinden in den Tagen darauf gebessert?

Z

Nach einer Weile dann.

V1

Wochen? Monate oder Jahre?

Z

Eher Wochen.


RA Gorka bringt nun wieder den Vorhalt aus der Polizeivernehmung, in der der Z. davon berichtet hatte, dass TIM ihm die echten Waffen in dem Tresor gezeigt hatte. Wie schon zuvor kann sich der Zeuge angeblich nicht mehr an diesen Vorfall erinnern.


V1(anklagend!)

Wenn man das, was Sie damals ausgesagt haben, für bare Münze nimmt, wussten Sie, dass Tim Zugang zum Waffentresor hatte. Nun sind 15 Menschen und der Tim tot!

RAin Stuff schreitet an dieser Stelle ein:

Ich muss das reklamieren! Dass der Zeuge den Tim besser gekannt haben soll, als dessen Eltern, tut hier nichts zur Sache! Es ist völlig absurd, dass ein Freund, der Tim 8-10 Jahre gekannt hat, eine bessere Verbindung zu Tim gehabt haben soll, als dessen Familie! Sie werden doch wohl nicht andeuten wollen, dass der Zeuge die Tat hätte verhindern können?!

R

Herr Dr. Gorka! Ich tue mir auch schwer damit zu erkennen, zu welcher Frage Sie eigentlich kommen wollen! Bisher habe ich nur den Eindruck, dass Sie dem Zeugen nach 3 1/2 Jahren hier irgendwie ein schlechtes Gewissen machen wollen!

V1

Das war sicher nicht meine Absicht!

R

Das kommt aber genau so rüber!

V1

Ich will auf Folgendes hinaus: der Zeuge sagt bei fast jeder Frage, die für uns von Interesse ist: „Weiß ich nicht!“ Immer nur „weiß ich nicht!“.


RA Gorka führt nun aus, dass seiner Meinung nach bei diesem Zeugen psychische Besonderheiten vorlägen, die die Voraussetzungen für ein sog. Glaubwürdigkeitsgutachten darstellen würden. Man sei hier an einem „kritischen Punkt“ angelangt. Es könne sein, oder auch nicht sein, dass der Z dieses schreckliche Verbrechen einfach nur verdrängen möchte. Der Zeuge habe aber die Pflicht und müsse erinnert werden, dass er sein Erinnerungsvermögen hier „besonders anzuspannen“habe. Er, Gorka, säße ja „allein vor 20 gegnerischen Anwälten.“


R

Wir haben den Zeugen noch hier vor uns sitzen! Ob anschließend etwas beantragt wird, bleibt ja unbenommen. Jetzt jedoch sollte man etwas behutsamer mit dem Zeugen umgehen!

V1

Ich möchte die Voraussetzungen für ein Glaubwürdigkeitsgutachten nur einmal in den Raum stellen. Es gibt dafür Anhaltspunkte, denn es liegt genau bei den wichtigsten Punkten seiner Aussagen bei dem Zeugen eine partielle Amnesie vor! Ob durch einen Verdrängungsprozess oder sonstwie bedingt. Es kann so keine Aufklärung geben!


Der R bringt ein, den im Saal anwesenden Sachverständigen Prof. Günther zu hören, ob ein solches Glaubwürdigkeitsgutachten sinnvoll sei. Der R. regt an, dass nun zunächst weiter befragt werden solle. Der Weg des Dr. Gorka sei klar geworden, nur die Art WIE gefragt wurde, sei zu reklamieren gewesen.

…wenn Sie aber erreichen wollen, dass der Zeuge sich bis in alle Ewigkeit schlecht fühlt, ist das NICHT angemessen!


Es folgen nun einige Fragewiederholungen, welche die Fragenden auch nicht weiterbringen. Nichts Neues. Der R. erklärt, dass es kein Problem sei, den Z. nochmals vorzuladen, falls nötig. Um 16:25 Uhr wird dieser endlich aus seiner mißlichen Lage befreit und entlassen.

Nun kommt der Sachverständige Prof. Dr. Günther zu Wort, der nicht ausschließen kann, dass es sich beim Nicht-Erinnern des Z. um einen normalen Verlustprozess handeln könnte. Pathologische Anzeichen könne er auf Anhieb nicht erkennen. Die Ereignisse welche für die Verfahrensbeteiligten sehr wichtig erscheinen, seien eben für den Zeugen ohne Belang. Wenn man einmal damit anfinge, den Zeugen „durch die Mühlen zu drehen“, käme man möglicherweise nicht zu einem vernünftigem Schluß, da einfach „nichts zu fassen“ sei. Dies solle man sich nicht als „Honigsaugen“ vorstellen. Es würde trotz aller Bemühungen kein wesentlich anderes Ergebnis zu erwarten sein.

Der R regt die Verfahrensbeteiligten an, diese Worte auf sich wirken zu lassen und beendet kurz darauf die Sitzung an diesem 2. Prozesstag, womit auch der Verfasser (zunächst) aus seiner mißlichen Lage befreit wird.


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Jede der in diesem Artikel mit vollem Namen genannte Person, die eine Anonymisierung wünscht, möge sich bitte auf dem kurzen Dienstweg mit den Seitenbetreibern in Verbindung setzen.

Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.

Zuletzt geändert: 29/03/2017 23:24