9. Prozesstag am Do., 14.10.2010 - Fuchs (Video) - Kölbl - Stimpfle - Heisenberger

Rechtlicher Hinweis:

Anonymisierungsangebot

Jede der in diesem Artikel mit vollem Namen genannte Person, die eine Anonymisierung wünscht, möge sich bitte auf dem kurzen Dienstweg mit den Seitenbetreibern in Verbindung setzen.

Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.


Der Zeuge PD Fuchs vom SEK zeigt das Video der Hausdurchsuchung


An diesem Morgen wird als Erstes das kurze Video vom SEK-Einsatz im Hause K. öffentlich gezeigt.


Der Z. Fuchs hat es auf seinem Laptop, der an die Großleinwand angeschlossen ist.

Die Sequenz dauert ungefähr 2 Minuten 40 sec. und beginnt abrupt auf der Außentreppe zum Hauseingang, wo man J.K. ins Haus gehen sieht.

Als er im Flur die Treppe zum Obergeschoss erreicht, hört man einen Beamten deutlich sagen (schwäbisch):

Zitat: „Ma gucke, wo die lose Waffe isch.“

Dann geht es die Treppe hoch, direkt ins Schlafzimmer, wo J.K. direkt zum Kleiderschrank geht.

Der Schrank war bei Betreten des Zimmers leider zu dunkel oder verdeckt, so dass sich nicht sagen lässt, ob er bereits offen war. Man sah J.K. ihn aber auch nicht öffnen.

Nun greift J.K. zielgerichtet an EINE STELLE hinter einen Kleiderstapel und sagt: „Sie isch weg“, um sich sofort wieder abzuwenden und zum Nachtkästchen zu gehen.

(Anmerkung des Verfassers:

Nicht etwa, dass er das Nicht-Vorhandensein der Waffe anzweifelt und – wie es normal erschiene – den Kleiderschrank durchwühlt, um da sicherzugehen, dass er sie nicht evtl. in eine andere Ecke gelegt hatte – nein- dieser eine Griff genügt ihm.

Am Nachtkästchen angekommen, wird es noch bizarrer):

J.K. öffnet eine Schublade, greift hinein und nicht er – sondern ein Beamter – ruft „isch weg“.

Auch hier das Gleiche, sofort weiter.

(Anmerkung des Verfassers:

Nicht etwa noch in den Hängeschrank geschaut, wo ja laut J.K. noch ein Päckchen mit 25 Schuss 9mm Munition gelagert hatte – nein – es geht sofort in den Keller, wo J.K. Tresor und Waffenschrank öffnet.)

Leider habe ich keine Erinnerung mehr daran, was dort genau gesprochen wurde.

Jedenfalls sah man nicht, ob und dass der Tresor und der Schrank wieder geschlossen wurden, denn die Kamera wurde weggeschwenkt.

Als letzte Einstellung ohne Zusammenhang mit dem Keller (evtl. Schnitt?) sieht man einen SEK-Beamten im Flur ein Bild von der Wand nehmen.

Dann endet der Film abrupt.

(Verfasser:
Auf mich wirkt der kleine Film mit einem erstaunlich unaufgeregten J.K. in der Hauptrolle (zumindest nach-) gestellt.)


Beisitzender R:

Was sagte denn der Herr K. dazu, dass die Waffe nicht im Waffenschrank gelagert war?

Z

Das wurde nicht hinterfragt.

RA Kiefer:

Als im Film die letzte Türe geöffnet war, sah man verschiedenfarbige Pappschachteln.
Handelte es sich dabei um Munition?

Z

Das kann ich im Detail nicht sagen, da müsste man ein Standbild ansehen. Ich vermute schon Munition, aber das wurde nicht überprüft.

RA Kiefer:

Hat man das nicht nach der Filmaufnahme überprüft? Die Aktion war doch nicht mit Filmschluss beendet?

Z

Doch. Wir haben das Gebäude dann sofort wieder verlassen und an die Schutzpolizei übergeben. Wir hatten ja schon weitere Aufträge.

RA Kiefer:

Wurde denn die Maßnahme noch anders dokumentiert, z.B. mit einem Dokuband, Diktiergerät oder Ähnlichem? Ich meine die einzelnen Abläufe und Äußerungen…

Z

Gut, der Einsatzleiter protokolliert natürlich die Eckpunkte, aber darüberhinaus gibt es in solchen dynamischen Situationen keine weiteren Dokumentationen.

RA Kiefer:

Die einzelnen Beamte sind doch über Funk verkabelt, das könnte doch aufgenommen werden?

Z

Wir haben nur jemanden der filmt, ansonsten gibt es bei uns keine separaten Doku-Beamte.
Die Doku ist bei uns nachrangig, da unser vorwiegendes Anliegen ja ist, die Lage zu bewältigen und ein weiteres Tatgeschehen zu verhindern. Wir sind jedoch bemüht, hier zukünftig bei der Dokumentation mehr zuzulegen.

RA Kiefer:

Das sollte natürlich keine Kritik an der hervorragenden Arbeit der SEK-Kräfte sein.
Diese Übergabe des Objekts, dann der Abzug nach der Feststellung, dass keine Gefahr droht, ist das ein formaler Akt und wer führt den aus?

Z

Nun, inzwischen waren ja weitere Kräfte eingetroffen. Das geht irgendwie zügig und parallel.
Ich glaube nicht, dass es dafür einen formalen Akt gibt. Wir sind dann einfach gegangen.

RA Bölter:

Anfangs, als die Kamera die Treppe hoch ist, meine ich zu hören, wie eine Person zum Filmer etwas sagt von „…Aussage belehrt….“ War das ein Beamter und wer?

Z

Das habe ich nicht gehört, ich meine es war was anderes. Wenn, dann war das ein Kollege vom SEK, den man über die Nummer feststellen kann, das müsste man aber in den Unterlagen recherchieren.

RAin Stuff:

Gibt es eine Verschriftung der Worte der Beamten und der des Angeklagten?

Z

Nein.

RAin Stuff:

Wäre so etwas herstellbar?

Z

Das wäre sicherlich verschriftbar, klar.

NK Just:

Habe ich das richtig gesehen, dass im letzten geöffneten Schrank Zielscheiben waren?

R

Der Z. kann nicht dazu befragt werden, was er gesehen hat. Wir müssen den Augenschein des Videos hinnehmen. Die Spurensicherung ist ja auch geladen.

Z

Ja, eine Angabe, die über das Video hinaus geht, ist mir nicht möglich.

RA Gorka , der ja aus formalen Gründen seinen Verwertungs-Widerspruch bei jedem Widerspruchsereignis erneut stellen muss, tut dies nun auch für das Video:

Er widerspricht der Verwertung der Angaben des Angeklagten in diesem Video sowie auch der Verwertung der Mitwirkung des Angeklagten in diesem Video.

Es habe keine Belehrung des J.K. gegeben in seiner Eigenschaft als Vater des in Verdacht geratenen Tim. J.K. habe ein Zeugnisverweigerungsrecht zugestanden. Die Waffe war auf J.K. zugelassen, daher sei der Vater bereits in Verdacht geraten, dennoch nicht belehrt worden. Stattdessen sei er aufgefordert worden, bestimmte Maßnahmen vorzunehmen und sich in einer bestimmten Art und Weise zu verhalten.

Der OSTA regt sich wieder mächtig auf und RA Rabe sieht eine Verwertung nicht gefährdet, da es sich seiner Meinung nach um rein polizeirechtliche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr gehandelt habe.

RA Kiefer kann im Video keine Aufforderung zur Mitwirkung erkennen, es haben dort 2 andere Personen miteinander gesprochen. J.K. sei freiwillig nach oben gegangen.

RA Steffan :

Wie lange vor dem Video waren schon Beamte im Haus?

Z

Nach meinen Unterlagen bekamen wir um 11:05 den Auftrag nach Weiler zu fahren. Man braucht dorthin etwa 5-10 Minuten. Also fand die Durchsuchung ca. 11:15 statt. Im Anschluss sind wir dann mit Herrn K. reingegangen.

RA Steffan :

War das etwa 1-2 Minuten oder eher 10-15 Minuten vor dem Video?

Z

Solche Durchsuchungen gehen sehr schnell, genau kann ich das natürlich nicht sagen, aber das dauert keine 10 Minuten. Es sind ja mehrere Beamte, die sich nicht mit Details aufhalten, sondern nur den Täter suchen.

RA Steffan :

Also vor dem Video war klar, dass Tim nicht da ist.
Ergaben sich bei dieser ersten Durchsuchung durch die Beamten noch weitere Erkenntnisse, z.B. dass sich im Keller Safes befinden?

Z

Die Räumlichkeiten wurden natürlich durch diese schnelle Nachschau bekannt.

RA Steffan :

Also eine Gefahr wurde ausgeschlossen – erst dann ist man mit Herrn K. rein?

Z

Ja.


Die Kammer wiederholt nun ihren bekannten Beschluss, die Verwertung des Videos betreffend.


Die Zeugin KHK Kölbl zu Tims Biografie


Es erscheint die Zeugin KHK Anette Kölbl (geborene Schneider), 36 J., von der PD Waiblingen, die Tims Biografie ermittelt und zusammengefasst hat.

Diese Zeugin dient wohl irgendwie als Lückenfüller und gibt größtenteils die Details über Tim wieder, die spätestens durch KOK Neumann schon vorgetragen wurden.

Deswegen auch nur einige wenige bemerkenswerte Details:

Das Ende des Berufskollegs 1 war auf 29.07.2009 terminiert.

Gegenüber seinem Pokerfreund Steffen Bader hatte Tim geäußert, dass er sich bemühen werde, das Kolleg im Sommer zu beenden, weil er unbedingt das Kolleg 2 machen wollte.

Zur Thematik Julia Grätz soll diese angegeben haben, dass sie sich am 10.09. abends mit Tim getroffen hätte, weil dieser ihr das Pokerspielen beibringen wollte. Dazu kam es jedoch nicht, sondern beide hätten einen ausgedehnten Spaziergang gemacht und über „Gott und die Welt“ geredet. Es soll ein rein freundschaftlicher Kontakt gewesen sein.

R

Gibt es objektive Erkenntnisse, dass diese Julia Grätz mit Tim zu tun hatte? Angeblich soll dieser ja abends nicht mehr weg gegangen sein!?

Z

Dazu ist nichts bekannt.

Am 03.03.09 soll J.K. das letzte Mal Schiessen gewesen sein, ohne Tim.

Mit einem Marco Kretschmar soll Tim seit 07/08 Kontakt gehabt haben.

Tim soll vor seinen Kumpels behauptet haben, dass ihm der Tresorcode bekannt sei.

Es soll im Hause K. auch mal eine Familienpflegerin mit Namen Fr. Main gegeben haben.

Am 16.12.08 bereits soll Tim den Musterungsbescheid erhalten haben.

Am 10.03.09 wurde die Ladung zur Musterung beim Kreiswehrersatzamt abgeschickt: Tim sollte auf jeden Fall erst einmal zur Musterung kommen.


Der Zeuge EKHK Stimpfle zur Zeugenvernehmung des J.K. am 11.03.09


Nun erscheint der EKHK Stimpfle von der PD Waiblingen als Zeuge.


Dieser war der allererste Vernehmungsbeamte von J.K. am 11.03.2009 ab 12:27 Uhr.

Ab hier wird es sehr zäh und ermüdend, denn es dreht sich für die Verteidigung nur darum, dem Zeugen irgendwie den Beschuldigtenstatus des J.K. unterzuschieben, während der OSTA das Gegenteil erreichen will. Ein zähes klein-klein-Scharmützel…

Daher an dieser Stelle nur von den bisherigen Erkenntnissen Abweichendes, Neues oder Bemerkenswertes.

RA Gorka stellt natürlich wieder seinen bekannten Widerspruchsantrag.

Der Z. befand sich am 11.03.09 in Waiblingen, war also nicht irgendwo vor Ort und hatte angeblich keinen kompletten Informationsfluss.

Er wusste von einer Hausdurchsuchung, jedoch keine Details.

Das Wissen, dass dort eine Waffe fehlte war für seine Vernehmung angeblich ohne Bedeutung.

Der Z. habe den Angeklagten als Zeugen belehrt über sein Auskunftsverweigerungsrecht und das Zeugnisverweigerungsrecht den Tim betreffend.

J.K. habe das Protokoll 2 mal unterschrieben.

J.K. habe sich in einem bedrückten, aber gefassten Zustand befunden.

Ein Rechtsanwalt sei nicht anwesend gewesen.

Es habe keinen Verdacht gegen J.K. gegeben, sondern es sollten die Motive und Hintergründe des Tim ermittelt werden.

Die Vernehmung wurde sofort danach von der Schreibkraft Irene Dürr verschriftet.

Als J.K. mit der Tat Tims konfrontiert wurde, sagte dieser nur:
„Warum hat er das gemacht?“

Ute K. sei gelernte Betriebswirtin und seit ihrer Krebserkrankung in Rente. Sie habe sich seither um die Buchhaltung der Firma gekümmert.

Tim habe Mo-Do auch nachmittags Schule gehabt bis 15.30h.

Am Vortattag habe J.K. den Tim 2 mal gesehen, gegen 18 und gegen 23 Uhr, als sich Tim etwas zu Essen machte.

Er selbst sei gegen 0:00 Uhr zu Bett gegangen.

Tim habe ihm abends gesagt, er könne länger schlafen, weil die Schule 2 Std. später anfangen würde, normalerweise war Tim um 07:30 aufgestanden.

Tim sei noch in seinem Zimmer gewesen.

(Hierbei müsste es sich um eine Vermutung des J.K. handeln, da er nicht erwähnt, dort reingeschaut zu haben - Anm. des Verfassers).

Als Ute K. in der Fa. angerufen und ihm mitgeteilt hat, dass Tim nicht in der Schule sei, habe es „bei ihm Klick gemacht“.

Vor etwa einem Jahr habe sich Tim für eine Mitschülerin interessiert, doch das hätte nicht geklappt.
Der Familienname sei Klein und der Vater als Polizist in Winnenden tätig.


Mit den Softairs habe Tim nur einmal in der Firmenhalle geschossen, dann seien sie an der Wand gelandet.

Tim habe ihn vor ca. 1 Jahr mal gefragt, ob er zum Schießen mit darf.

Er habe dann ca. 50 Schuss mit der Beretta gemacht.

Dann sei ein halbes Jahr Ruhe gewesen und dann habe Tim wieder gefragt.

Tim habe immer so ca. 50 Schuss gemacht.

Insgesamt sei er 3mal mit dabei gewesen.

Eine kleine Packung 9mm Patronen mit ca. 20-25 Stück habe er im Hängeschrank im Schlafzimmer aufbewahrt. Die Packung sei voll gewesen. Der Schlüssel steckte.

Im Urlaub sei die Pistole im Tresor aufbewahrt worden.

Als J.K. während der Vernehmung gefragt wird, ob er mit der weiteren Durchsuchung seiner Wohnung einverstanden sei, bejaht er dies nicht nur, sondern dehnt dies sogar von sich aus weiter aus auf die Sicherstellungen in Tims Zimmer (einschließlich PC), sowie seiner Waffen und Munition.

Es wurde auch eine CO2-Waffe (4mm) sichergestellt, die Tim gehörte, er habe damit nur einmal geschossen.

Um 14 Uhr (!!!) wird J.K. eröffnet, dass Tim tot sei.

OT J.K.: „Das war vielleicht am besten so!“

Um 14:25 wird die Vernehmung fortgesetzt.

Um 14:39 identifiziert J.K. Tim anhand eines Lichtbildes.


R

Haben Sie hinterfragt, was die Aussage des Herrn K. zu bedeuten hatte, dass es „vielleicht besser so“ war?


Z

Nein. Ich kann hier aber meine persönliche Meinung dazu sagen.


R

Wenn diese an Tatsachen geknüpft ist?!


Z

Nein, das wäre nur meine persönliche Meinung.


Nach der Vernehmung wollte KHK Stimpfle mit J.K. nach Wendlingen fahren, um Tim dort zu identifizieren. Dies wurde jedoch von der Einsatzleitung abgelehnt.

Es wurde J.K. das Bild am Monitor gezeigt, worauf er Tim eindeutig identifiziert hat.

J.K. sei erschüttert gewesen, aber nach außen beherrscht.

Ab 14 Uhr hatte er Kontakt mit Frau und Tochter. Diese waren panisch und hysterisch.


R

Hatte Herr K. gefragt, wo Tim ums Leben kam?


Z

Ja, ich sagte ihm in Wendlingen.


R

Hatte er gefragt, wie Tim dorthin kam?


Z

Dazu gab es keine Rückfrage von ihm.


RA Gorka will natürlich wissen, wie oft der Z. mit dem Führungs- und Lagezentrum Kontakt hatte, das von Michelfelder geleitet wurde und ob er von dort den Auftrag zur Vernehmung des J.K. bekommen hatte.

Es stellt sich heraus, dass der Z. sogar dort auf OSTA Riehleder traf, mit dem er kurz gesprochen hatte.

Zur Vernehmung soll ihn aber niemand angewiesen haben, die habe er eigenverantwortlich durchgeführt, sozusagen in Eigeninitiative.

Hierzu eine eindrucksvolle Frage von Gorka:

Da kommt also jemand so vorbei in Waiblingen und sie haben sich gedacht, naja, den können wir ja mal vernehmen… Kann ich mir das so vorstellen?


Der Z. beharrt darauf, dass er dies selbst so entschieden habe, weil er die Hintergründe des Tim erhellen wollte.


RA Gorka:

Wissen Sie wie viele Einsatzkräfte an diesem Tag im Einsatz waren?


Z

Evtl. 1000; das weiß ich nicht genau.


RA Gorka:

Was war also die Aufgabe des Führungs- und Lagezentrums?


Z

Das sollte alles koordinieren. Ich war aber nie ein Mitglied des Zentrums.


RA Gorka:

Wieso war Ihnen dann gestattet, in den Aufgabenbereich dieses Führungs- und Lagezentrums eigenmächtig einzugreifen?


Jetzt explodiert der OSTA und es gibt eine Pause.


Wie ich schon eingangs schrieb gibt es jetzt ein ermüdendes Scharmützel darüber, was der Vernehmungsbeamte wann von wem gewusst haben könnte und von wem er Anweisungen erhalten habe.


Der Zeuge KHK Heisenberger zu den Telefonvernehmungen des J.K.


Als nächstes kommt als Zeuge KHK Hartmut Heisenberger , 54 J., von der PD Waiblingen

Der Z. war 4 Tage Mitglied der Ermittlungsgruppe Schule und zuständig für Ermittlungen zu den Umständen des Amoklaufs, Beteiligte und Umfeld des Täters.

Er führte am 12.03.09 2 Telefonvernehmungen mit J.K. durch.

Die erste davon morgens zwischen 9 und 10 Uhr.

Dies wurde im Wesentlichen aufgezeichnet, bis auf ein kurzes Vorgespräch, wo J.K. gesagt haben soll:

„Ich denke, dass er es vorbereitet hat.“

J.K. sei in einer gefassten und konzentrierten Verfassung gewesen und habe bei der Beantwortung von Fragen teilweise viel weiter ausgeholt als nötig war.

Das Gespräch dauerte gute 10 Minuten und wurde verschriftet.

Es wurde dem Befragten jedoch kein Protokoll zugeleitet zum Unterschreiben, laut Z. , weil alles den Sohn betraf, es sei um die Aufklärung des Motivs gegangen und evtl. Mitwisser.

Am gleichen Tag um 18:30 – 18:50 gab es ein weiteres Telefonat, welches ebenfalls nicht gegengelesen wurde.

Am 13.03. schließlich noch ein kurzer Anruf um 10:14 Uhr, um J.K. seinen Beschuldigtenstatus mitzuteilen.

Viel später gab es nochmals Kontakt zum Angeklagten, jedoch wegen Drohungen, die gegen diesen gerichtet waren und einem möglichen Identitätswechsel.

In jenen Telefonbefragungen gab J.K. an:

Sein Sohn hätte wohl beim letzten Schießen nochmals trainieren wollen.
Er habe das Versteck der Beretta wohl ausgekundschaftet und als er (J.K.) um 07:45 das Haus verlassen hatte „muss er sich das Ding geholt haben und in seinen Schulranzen getan.“

Tim sei ein Spätzünder gewesen, der bei Mädchen nicht landen konnte. Vor 2 Jahren soll er an Sylvester bei einem Mädchen angerufen haben, die wollte aber nichts von ihm wissen. Der Vater sei Polizist in Winnenden.

Gefragt nach den Schießkünsten Tims gab J.K. an, er habe eben geschossen, wie ein Laie, der auf 25 Meter Scheiben schießt: beim letzten mal habe Tim 8er und 6er geschossen, eben verstreut über die Scheibe, sonst so 4er, 1er, 8er, verstreut.

Es wird nach dem Namen eines 26jährigen Schulkollegen Tims gefragt, den dieser vom Pokern her kenne. J.K. weiß ihn nicht.

Es wird gefragt, ob Tim Kontakte zum Jugendhaus in Marbach hatte oder je in Marbach gewesen sei. Beides wird verneint.

Es wird auf einen Presseartikel Bezug genommen, in dem ein Brief an die Eltern erwähnt wird.
J.K. habe das auch im Fernsehen gesehen, aber davon würde nichts stimmen. Es gäbe keinen Brief, und wer die 12jährige sein könne, von der da die Rede ist, wisse er nicht.

Seine Tochter Jasmin sei anders gewesen als Tim, es hätte zwischen den beiden kein Vertrauensverhältnis geherrscht, so dass er sich ihr nicht anvertraut hätte.

Tim sei jeden Abend zuhause gewesen und auch sonst nicht fortgegangen.

Zum Telefongespräch um 18:35:

Es wird nach den Patronen im Hängeschrank (Schlafzimmer) gefragt.

Wer der Hersteller sei. J.K. ist sich nicht sicher, ob es S&B-Patronen sind und ob auch nur gleiche Patronen drin waren: Theoretisch hätten auch 9mm Winchester drin sein können.

Es wird gefragt, wieviel Schuss das Beretta-Magazin fasst.

J.K. sagt, es fasse 15 Schuss, aber es wäre schwer, es ganz voll zu machen, weil der Widerstand der Feder viel Kraft erfordere.

J.K. fragt, wieviele Magazine Tim dabei gehabt habe.

Z

Im Moment gehen wir von einem Magazin (!!!) aus, aber die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.


J.K. sagt, er wisse, dass man diese Magazine frei erwerben könne und dass er sich nicht vorstellen kann, dass Tim das mit nur einem Magazin gemacht hat.

J.K. fragt, wann er wieder in sein Haus könne.

Man sagt ihm, dass die KT-Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien, das Haus sei noch nicht freigegeben.

Als man ihm am nächsten Tag seinen Beschuldigtenstatus mitteilt, sagt man ihm, dass er das Haus wieder nutzen könne, man es allerdings nicht befürworte, da eine Gefährdung nicht ausgeschlossen sei.

J.K. sagt, dass er das sowieso nicht vorhabe und bei Bekannten untergekommen sei.

J.K. teilt mit, seine Tochter würde gegen 13 Uhr diverse Gegenstände aus dem Haus holen.


R

Welchen Eindruck machte Herr K. auf Sie am Telefon?


Z

Er wirkte gelassen und normal. Er war sehr kooperativ und hat sehr offen gesprochen.


R

Welchen Eindruck hatten Sie von seinen Antworten – wie bewerten Sie diese?


Z

Die Antworten waren immer ganz spontan. Ich hatte nicht den Eindruck, dass er mit irgend etwas hinter dem Berg hält.


R

Also wollte er mithelfen bei der Aufklärung?


Z

Ja, er war sehr bemüht, da Licht ins Dunkel zu bringen, wobei es ihm nach wie vor unklar ist, wie das kommen konnte.


RA Gorka:

Wer hat sie mit ihren Aufgaben betraut?


Z

Am 11.03. wurde die Tatortarbeit vom Herrn Schöllhammer geleitet, das ist der Leiter der Kriminalpolizei.
Ich war dann kurz im Einsatzstab als Verbindungsbeamter zur Schutzpolizei.


Es geht wieder weiter mit einem ermüdenden Scharmützel wie beim vorherigen Zeugen, darüber, wann wer hätte wissen müssen und können, ob und dass J.K. schon tatverdächtig war, wer wann was gewußt hat usw.
Die Zeugen und STA berufen sich hier immer wie gewohnt darauf, dass noch zu wenig Informationen vorlagen, der Informationsfluss nicht konstant war, dass es drunter und drüber ging usw.

Während Dr. Gorka den Zeugen penetrant befragte (und damit nur das Recht des Angeklagten auf eine angemessene Verteidigung wahrnahm) verliessen die Opferangehörigen - angeführt von Hardy Schober - medienwirksam den Saal - fast geschlossen - bis auf Günther Just sen. und Fr. Schüle , die blieben sitzen.


Eine Frage des RA Steffan ist zum Ende noch bemerkenswert:

Wo befinden sich die Funkprotokolle?

Z

Ist mir nicht bekannt.


Somit schließe ich auch diesen 9. Prozesstag ab.



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Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.

Zuletzt geändert: 15/03/2017 00:30