4. Prozesstag am Di., 28.09.2010 - Neumann (Tim/Hausdurchsuchung/Tatmittel)

Rechtlicher Hinweis:

Anonymisierungsangebot


Jede der in diesem Artikel mit vollem Namen genannte Person, die eine Anonymisierung wünscht, möge sich bitte auf dem kurzen Dienstweg mit den Seitenbetreibern in Verbindung setzen.

Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.


Der Zeuge KOK Neumann zum Thema Tim's soziales Umfeld, Hausdurchsuchung und Tatmittel (Waffe und Munition)


Zunächst beantwortete der bekannte Zeuge noch offene Fragen vom letzten Prozesstag:

Es wurden bisher keine Maßnahmen für einen Zugriff auf das Vermögen des Jörg K. staatlicherseits eingeleitet.

Bei der Zahlenkombination für den Möbeltresor wurden die Geburtsdaten der Familienmitglieder versucht, dies war negativ, der Tresor konnte nur mit einem Notschlüssel geöffnet werden.
Tim muss also einen eigenen Code vergeben haben.

Zur PC-Untersuchung und dem Selbstportrait des Tim:
Dieser hatte am 08.03. sein Profil im Portal „Quick“ aktualisiert und dazu dieses Bild hochgeladen, deshalb fand man es im Browsercache.
Wann das Bild erstellt wurde, war nicht feststellbar.

Am Berufskolleg in Waiblingen wurde das Ego-Shooter-Spiel offenbar von der ganzen Klasse gespielt im Zeitraum von Okt-Nov. 08, danach wurde es gelöscht.

Nun wurde das Schießbuch, dass der Z. dabei hatte, in Augenschein genommen und auf die Leinwand projiziert, danach herumgereicht an die Anwälte.
Es schlossen sich wieder einige Fragen zur Führung des Buches an, z.B. wer es führt, ob der Schütze sich selbst einträgt usw.
Dies führte zu keinem Ergebnis und der Z. führte eine Anfrage bei einer Expertin an, die bestätigte, dass es keine gesetzl. Vorschriften darüber gebe, wie ein Schießbuch zu führen sei.


Thema Klinikum Weinsberg

Danach der Themenkomplex Psych. Klinikum Weinsberg:

Tims Hausarzt, Dr. med. Markus Schuler, verwies auf seine Schweigepflicht.
In Tims Krankenakte stehe nichts Auffälliges.

In Weinsberg wurde ein vorbereiteter Brief an den Hausarzt vorgefunden, ob dieser abgschickt wurde, blieb unklar.

Bei der Hausdurchsuchung wurde ein Musterungsbescheid vorgefunden, auf einem Fragebogen wurden Depressionen angegeben, mit der Unterschrift der Eltern K. und Tims.

Die Krankenakte in Weinsberg ergab 5 Termine:

Am 23.04.08 die Erstvorstellung bei Jugendtherapeuthin Helm in Anwesenheit der Eltern.

Dann:
am 29.05.08,
am 02.06.08,
am 28.08.08,
am 25.09.08.

Der Z. wollte gerade über die Anamnese beim 1. Termin referieren, als die Verteidigung auf ein evtl. Zeugnisverweigerungsrecht von Fr. Helm hinwies.
Es kam zu einer Kontroverse hierüber.

Die Verteidigung verwies auf mittlerweile eingestellte Ermittlungen der STA gegen Fr. Helm wegen fahrlässiger Tötung.

Dies wurde von der STA bestätigt, die Anzeigen kamen von extern und wurden mittlerweile nach §152 StPO eingestellt.

Der R. sah die Thematik als nicht unproblematisch an und regte an, abzuwarten bis Fr. Helm als Zeugin geladen sei und ob sie ein Zeugnisverweigerungsrecht in Anspruch nehmen würde.

Das Thema wurde vorerst ausgeklammert.

Es ging weiter mit dem Schulpsychologen aus Backnang, der von Fam. K. in der 8. und 9. Schulklasse kontaktiert wurde, wegen Tims schlechten schulischen Leistungen:
Es wurde ein allgemeiner Begabungstest gemacht und dieser im Nachgang besprochen.
Es wurde festgestellt, dass Tim den Test durchschnittlich abgeschlossen hatte und die Tendenz zur Arbeitsvermeidung und Motivationsverlust bestünde. Es gäbe kein Berufsinteresse.
Der Schulpsychologe, Herr Utz, sei noch als Zeuge geladen.


Das soziale Umfeld Tims


Dann ging es weiter mit dem sozialen Umfeld Tims:

Es entwickelte sich schon in der 2. Hälfte des 2. Schuljahres eine engere Freundschaft mit Dennis Röhrich, die auch bestehen blieb. Beide besuchten danach die ARS.
Die beiden hatten im Schnitt 3mal pro Woche privaten Kontakt.
Dennis berichtete, Tim sei bei Counterstrike-Spielen richtig aufgegangen.
Es wurde bei Tim zuhause, in Internetcafes und privaten Intranetparties gespielt.
Tim sei gut erzogen und hilfsbereit, jedoch manchmal in der Schule „wie weggetreten“ gewesen.
Hierzu wurde ein besonders eindrucksvolles und aussagekräftiges Beispiel gebracht:

Der Lehrer habe Tim manchmal etwas gefragt, und Tim wusste die Antwort nicht, weil er dem Unterricht nicht gefolgt sei.

Es seien auch Konsolenspiele wie X-Box gespielt und Filme angeschaut worden, die ab 18 frei waren.
Dies soll schon mit 13 Jahren der Fall gewesen sein.

Es wurde mit Softairwaffen gespielt: Zuhause im Keller und auf dem Spielplatz in Weiler.

Tim habe auch mal eine Waffe aus dem Tresor geholt, wobei unklar blieb, welche und wer den Tresor geöffnet hatte.

Der Zeuge Dennis sei noch geladen.


Beisitzender Richter:

War der Vater zu diesem Zeitpunkt anwesend?


Z:

Hieran konnte der Dennis sich nicht mehr erinnern.


Nun nannte der Zeuge im Einzelnen die Softairwaffen, die Tim zu Hause hatte.
Danach wurde über Tims Grundschulzeit berichtet.

Jörg K. habe in Pokerpausen den im Hause befindlichen Kumpels von Tim die Waffen in den Tresoren gezeigt.

Dabei gab es abweichende Zeugenaussagen:

Ein Teil der Schüler gab an, dass sie den Raum verlassen mussten, als der Tresor geöffnet wurde, ein anderer Teil, dass man sich umdrehen musste und andere Aussagen gaben keine solche Maßnahmen an.

Der R. teilte mit, dass entsprechende Zeugen noch geladen seien.


R:

Konnten Sie die Gründe für solche abweichenden Aussagen ermitteln?


Z:

Das muss wohl an der zurückliegenden Zeit liegen. Es gab einen Zeugen, der war sich bei der 1. Vernehmung sicher, bei der 2. nicht mehr und bei der 3. hatte er keine Kenntnis mehr von den Vorgängen.


R:

Hat Tim den Tresor geöffnet?


Z:

Nein, der Vater.
Er hatte Tims Freunden mehrmals die Waffen gezeigt.


R:

Kann man das zeitlich eingrenzen?


Z:

Muss ich nachsehen.


Z. schaute lange nach.

R:

Also hier im Bericht wird das auf 2007-2008 eingegrenzt.
Waren Mädchen bei Tim und seinen Freunden ein Thema?


Z:

Es gab da verschiedene Mutmaßungen in der Presse, denen wir nachgingen. Das hat sich aber alles zerschlagen.
Nach unseren Erkenntnissen waren Mädchen kein Thema, sondern nur die Spiele und Poker.


R:

Es gab aber da doch eine Fr. Grätz? Was können Sie dazu berichten?

Z:

Julia Grätz war angeblich seit 6 Jahren mit Tim befreundet. Sie lernte ihn über einen ehemaligen Freund kennen. Doch schon dessen Namen wollte sie uns nicht verraten.
Sie gab an, dass sie sich kurz vor dem 11.03 mit Tim treffen wollte, weil dieser ihr das Pokerspielen beibringen wollte.
Diese Aussage hat sie jedoch wieder revidiert. Die Angaben der Fr. Grätz scheinen uns unstimmig.


R:

Meinen Sie Fr. Grätz wollte sich nur wichtig machen?


Z:

Das kann ich nicht beantworten. Uns liegen jedenfalls zu diesem Thema keine objektiven Erkenntnisse vor.


R:
Nun, Fr. Grätz ist schon etwas älter und hat bereits einen 4jährigen Sohn.
Wissen Sie, wie nah dieser Kontakt war?
Hat er sie bei Donner+Partner kennengelernt? Und wie?


Z:

Kann ich nicht beantworten.


R:

Also nichts Objektivierbares?


Z:

Man müsste die direkten Vernehmungsbeamten fragen.


R:

Könnte als Motiv für die Tat eine Enttäuschung durch die Fr. Grätz in Frage kommen?


Z:

Das wäre mir völlig neu.


R:

Die Fr. Grätz hatte ja auch über Mobbing berichtet.
Aber wir haben Sie ja geladen.
Was können Sie uns zu Pokerrunden in der Fa. des Vaters berichten?
Gab es da Auffälligkeiten?


Z:

Es wurde berichtet, dass Tim sich beim Pokern mehr geöffnet hat als sonst und gesprächiger war.


Es wurde anschließend über die Auswertung des Laptop der Jasmin K. berichtet, die das Gerät der Polizei freiwillig überlassen habe.

Dort wurde bis auf den regen Chatverkehr von 400.000 Chatprotokollen(!) nichts Auffälliges gefunden.

Hier wird eine Aussage der Schwester im Chat sehr hochgehalten:


„Tim hat sich seit dem 14. Lebensjahr verändert, er hat keine Freunde und sitzt nur vor dem PC…
Er ist manisch-depressiv wie Oma und ein Cousin, der nur zu Hause sitzt…“


In einem weiteren Chatprotokoll lässt sich erkennen, dass Tim wohl den Code für die Alarmanlage nicht kenne, der identisch mit dem Code des Tresors sein soll:
Die Eltern waren nicht da, ebenso wie Tim. Jasmin wußte nicht, ob sie die Alarmanlage scharf schalten solle, denn sonst käme Tim nicht ins Haus.

Ein NK-Anwalt fragte, ob die Eltern keine Vorkehrungen für solche Fälle getroffen hätten.

Z:

Es kam laut Herrn K. nur einmal vor, dass Tim später nach Hause kam. Mehr kann ich dazu nicht sagen.


Die Hausdurchsuchungen bei Familie K.


Es gab hier 5 Termine und alle Durchsuchungen sollen angeblich freiwillig gewesen sein.

Am 11.03 wurden umfangreiche Sicherstellungen von Waffen und Munition vorgenommen.

Dann ergaben sich „neue Ansätze“ und es gab Folgetermine:

Am 13.03. gab es eine Nachschau, da Jörg K. noch von Munition in einem Hängeschrank berichtet hat.

Am 14.03 wurde der PC von Frau K. und eine Videokamera sichergestellt.

Am 16.03. wurden Videoaufnahmen der Fam. K. sichergestellt und von Herrn K. noch 3 Magazine und 7 Schuss Munition übergeben.

Am 18.03. suchte man gezielt nach dem 2. Magazin für die Beretta, laut Herrn K. sei dies in der Sportpistolentasche gewesen, dort wurde es jedoch nicht mehr aufgefunden.


Exkurs Thema Mobbing


Nun machte man wieder einen Themensprung zum „Mobbingthema“.

R:

Welche Aussagen konnten Sie bei Donner und Kern zum Thema „Mobbing“ erhalten?


Z:

Es gibt da einzelne Aussagen, deren Wertung sich schwierig gestaltet.
Ein Marco Häusser sagte, Tim hätte Spitznamen gehabt wie: Timmy, TTT für Tischtennis-Tim oder Timmy Turner.
Dies seien jedoch keine Hänseleien gewesen.
Ein Rafael Kern sagte aus, man habe sich ab und zu über Tims Koteletten lustig gemacht.
Marco Kretschmar sagte, Dennis und Tim hätten Papierkügelchen geworfen und sich recht kindisch benommen. Daraufhin habe man Tim „Riesenbaby“ genannt.
Für Marcel Finsel war Tim Teil der Klasse und wurde nicht gemobbt.
Marc Wagner: „Tim wurde manchmal belächelt, weil er immer zeigen musste, was er hatte, man hatte aber Respekt vor ihm und hat ihn nicht gemobbt, er wurde in Ruhe gelassen.“
Bei Donner und Kern gab es einzelne Vorfälle, doch Tim habe immer mitgelacht.
Steffen Bader sagt, Tim sei akzeptiert gewesen, es gab kleinere Späße wegen seines Erscheinungsbildes, speziell wegen der Koteletten.


Zuletzt hatte Tim die Koteletten abrasiert.


Der Lehrer Frank Stini sagte, Tim sei ruhig, aber integriert gewesen und hätte mit einer kleinen Gruppe regelmäßig gepokert.
Tim wäre also nicht ausgegrenzt gewesen, da er zumindest mit einigen Mitschülern gepokert hatte.


R:

Konnten die Schüler bei Tim ein manisch-depressives Krankheitsbild oder psychische Auffälligkeiten erkennen?


Z:

Nein.


Thema evtl. Mittäter bzw. Mitwisser


R:

Konnten Sie Anhaltspunkte dafür ermitteln, dass andere Personen in die Tat involviert waren?


Z:

Natürlich haben wir alle Aspekte geprüft und ohne konkrete Anhaltspunkte auch in diese Richtung ermittelt.

Die betreffenden Schulklassen haben übereinstimmend ausgesagt, dass nicht an mehreren Orten gleichzeitig geschossen wurde und dass der Schütze nicht gleichzeitig an verschiedenen Orten wahrgenommen wurde. Es konnte auch kein Vertrauter Tims ermittelt werden, der als Mittäter in Frage käme. Es blieb für uns jedoch noch die Möglichkeit offen, dass jemand bei der Vorbereitung behilflich war, evtl. bei der Beschaffung. Tim jedoch ist für uns eindeutig ein Einzeltäter. Wir haben auch ermittelt, ob jemand vor der Tat etwas davon gewußt haben könnte. Es sind dort an der ARS 2 ehemalige Schüler aufgefallen.


R:

Gab es da eine Verbindung zu Tim?


Z

Wir haben xxx und xxx vernommen.

Sie wurden vor der Tat von 2 Schülerinnen gesehen. Wir haben die beiden mehrmals vernommen und deren Laufwege mit denen Tims abgeglichen, PC und Handys sichergestellt und ausgewertet. Es gab keinen Kontakt zu Tim.

Wir haben auch einen DNA-Abgleich mit Tatwaffe und Munition gemacht, negativ.

Die beiden standen bei dem Feueralarm vor der Schule und haben ein Handyvideo gemacht.

Es handelt sich unserer Ansicht nach um einen puren Zufall, dass diese beiden gerade an diesem Tag dort waren.


RA Gorka:

Seit wann hatten Sie diese Anhaltspunkte?


Z:

Von Beginn bis Ende der Ermittlungen.


RA Gorka:

Können Sie da ein konkretes Datum nennen?


Z:

Ja, ab 11.03. bis zur Abgabe der Ermittlungsakte.


RA Gorka:

Wann haben Sie die Ermittlungen gegen TIM beendet?


Z:

Das kann ich nicht beantworten.


RA Gorka:

Das sollten Sie aber. Sie waren doch der zuständige Ermittlungsführer?


Z:

Also die Ermittlungen wurden im August letzten Jahres fertiggestellt.


RA Gorka:

Sie haben mich offenbar nicht richtig verstanden.
Wann wurden die Ermittlungen gegen TIM KRETSCHMER beendet?


Z. war verwirrt, unsicher, verstand die Frage nicht.



RA Gorka:

Am 11.03.2009 haben Sie um 12:06 erfahren, dass Tim Kretschmer tot ist. Richtig?

(Es handelt sich hier wahrscheinlich um einen Flüchtigkeitsfehler von Gorka mit der Angabe 12:06 Uhr.)

Z:

Die Meldung kam um 12:51 über Funk und war unbestätigt.


RA Gorka:

Als Tim K. tot war, haben Sie weiterhin gegen ihn ermittelt oder gegen wen?


Z:

Ich verstehe nicht, was meinen Sie mit „gegen wen“?


RA Gorka:

Tim K. war also um 12:51 bereits tot. Haben Sie gegen eine Leiche ermittelt?


Der Z. war sichtlich aus dem Konzept gebracht und wusste augenscheinlich nicht so recht, was er antworten soll.

Z:

Wir mussten natürlich den ganzen Tatablauf noch klären durch weitere Ermittlungen.
Wir wussten ja auch nicht, ob noch weitere Personen beteiligt waren.


RA Gorka:

Nochmal: Gegen WEN wurde ermittelt?


Z:

Wir mussten noch das Tatgeschehen klären….


R

Also das Todesermittlungsverfahren wurde von der PD Esslingen geführt.


OSTA zu Gorka: (geschätzter Blutdruck über 200)

Wann war denn klar, dass Tim K. auch der Amokschütze von Winnenden war?
Sie erwecken hier den Eindruck, als sei das um 12:51 schon alles klar gewesen.


Z:

Wir wussten ja nur, dass es da in Wendlingen eine Schiesserei gab und dass diese Person sich selbst getötet hat.


RA Gorka:


Sie haben also gegen unbekannt ermittelt?
Sie wollen hier doch nicht erzählen, sie hätten gegen eine Leiche ermittelt?

OSTA:

Es wurde dort eine Leiche gefunden und weil diese Person tot war, war noch zu klären, ob der Tote auch der Amoktäter war.


RA Gorka:

Es wurde also gegen unbekannt ermittelt?


OSTA:

Natürlich gegen Tim K., aber das musste ja noch verifiziert werden.
Es war ja zunächst ein eigener Vorfall. Die Verknüpfung zwischen Winnenden und Wendlingen erfolgte ja erst später durch die Augenzeugen.


RA Gorka:

Doch sie haben dem Fall ein JS Aktenzeichen vergeben und kein AR-Aktenzeichen.


Es folgte noch eine kurze formale Kontroverse zwischen Gorka und dem OSTA wegen des AZ.


Thema Hausdurchsuchung II


RA Steffan:

Zur Wohnungsdurchsuchung:
Wann und in welcher Reihenfolge waren wie viele Kräfte dort und wer hat das koordiniert?

Z:

Kriminalpolizei Waiblingen, Göppingen, MEK Stuttgart und Sondereinsatzkommando.


RA Steffan:

Wohl doch nicht in dieser Reihenfolge?


Z:

Da muss ich auf den Bericht vom Herrn Feigle verweisen vom 11.03 und auf die Kriminalakte Göppingen.


RA Steffan:

In dem Fax des Herrn Heißt vom 30. März um 14:21 heißt es:
„KoK Ratke meldet „Die Türe des Waffenschranks steht offen.“
Ist Ihnen dazu etwas bekannt?


Z:

Kann ich nicht beantworten.


RA Steffan:

Welche Funktion hat der Herr Ratke?


Z:

Spezialkräfte oder MEK.


RA Steffan:

War Herr Ratke direkt im Haus?


Z:

Das weiß ich nicht.


OSTA:

Der war im Einsatzzentrum.


R:

Zu dem Thema haben wir den KOK Schmied geladen am 28.10.


Der Z., KOK Neumann , zeigte nun verschiedene Bilder aus dem Hause K., zunächst die Waffentresore im Keller mit deren Inhalt. Im Tresor liegt ein Schlüssel für das obige Stahlfach, in dem wiederrum der Schlüssel für den 2. Tresor liegt.



RA ?:

Wurde auch ein Gerät zum Munitionsnachladen gefunden?


Z:

Da müssten wir die Akte der Kriminaltechnik ziehen.


RA Krächel:

Wurde der Schlüssel aus diesem Fach sichergestellt?


Z:

Das muss man in der Akte der Kriminaltechnik prüfen.


Es folgte ein Bild von Tims Zimmer.

R:

Und wo war das Geld verwahrt?


Z:

Ist mir nicht bekannt.


RA Gorka:

Wann wurden diese Bilder aufgenommen?


Z:

Das kann ich nicht genau auf die Minute sagen, aber vor der eigentlichen Durchsuchung.


RA Gorka:

Das Datum und die Uhrzeit bitte!


R:

Da oben steht doch was. Ist das der Zeitpunkt?


Z:

Die Bilder wurden am 11.03. aufgenommen, andere Kenntnis habe ich nicht.


R:

Hier lese ich etwas in der Akte von 13.45-19.00 Uhr.


RA Gorka:

Ist das gesichert oder nur wahrscheinlich?
Wer hat die Bilder gemacht?


Z:

Laut seinem Bericht der Herr Feigle bei der 1. Durchsuchung, ich habe keine Kenntnis darüber, ob er weiter anwesend war.



R:

Herr Heist vom MEK und Herr Fuchs vom SEK werden ja hierzu noch vernommen.


RA Gorka:

Bei Bild 3: das Innenfach ist also abschließbar?


Z:

Ja.


RA Gorka:

Und wann kam der Schlüssel durch wen dorthin?


Z:

Kann ich nicht beantworten.


RA Gorka:

Der Tresor mit der Zahlenkombination – wieviele Stellen hat diese Kombination?


Z

Muss ich nachsehen.


RA Gorka:

Und wieviele Stellen hat die Kombination der Alarmanlage?


Z:

Muss ich nachsehen.


Der R. verlegte dies auf die Zeit nach einer Pause. Leider wurde das Thema dann nicht mehr aufgegriffen.


Nach der Pause ging es um das Thema Aussagen von Verletzten und ob diese nur verlesen werden sollen – wegen des Opferschutzes.

Der R. las die Namen vor:


Elena Altmann
Jan Baumann
Nick Paul Petermann
Patrick Seifert
Selina Dogan
Sven Tiefenbacher
Panagiotis Arampatses
Lisa Gerstenberger
Marie-Luise Braun
Janine Hering
Marion Bauer
Günther Just jun.
K. B. (Polizeibeamter)
Sandra Geiger (Polizeibeamtin)


Die NK-Anwälte sowie die STA stimmten der Verlesung sofort zu.
Die Verteidigung kündigte ihre Entscheidung für Do. an.


Thema Tatwaffe - Munition - Messer

Waffe und Magazine


Die Tatwaffe sei eine Pistole Beretta 92 FS in silber mit schwarzen Griffschalen und der Seriennummer 19746Z.


Es wurden zwei Magazine mitgeführt.


Die Waffe wurde 1992 bei der Fa. Merkle in Backnang erworben und die zugehörige Waffenbesitzkarte hat die Nummer 121/92, ausgestellt vom LRA Rems-Murr-Kreis.


Sie wurde unrechtmäßig im Schlafzimmerschrank aufbewahrt.


R

Dort haben Sie sie nicht vorgefunden. Worauf beruht diese Erkenntnis?

Z

Auf den Angaben des Angeklagten in seiner Beschuldigtenvernehmung.
Er verwahrte sie seit 2-3 Jahren im Schrank hinter Pullovern. Sie war nicht geladen.
Ein Magazin mit 10 Schuss verwahrte Herr K. getrennt davon im Nachtkästchen in einem Lederhandschuh.
Das 2. Magazin für die Waffe verwahrte er in der Sportpistolentasche.


R

Wurde es bei Tim K. sichergestellt?


Z

Nein


R

Und später?


Z

Bei der Nachschau wurde festgestellt, dass dieses Magazin fehlte.


R

Wann fand man denn das eine Magazin bei Tim?


Z

Das ist in der Akte von Esslingen.


R

Das wird noch behandelt.
Welche Erkenntnisse gibt es über die Tatmunition?

Munition


Der Z. gab nun detaillierte Angaben :

Tim K. soll an jenem 11. März 2009 insgesamt 285 Patronen mit sich geführt haben. Von diesen wurden am Ende 172 Stück unverbraucht bei ihm aufgefunden. Außerdem wurden 113 Patronenhülsen an den Tatorten sichergestellt, woraus sich die Schlussfolgerung ergab, das er 113 Schüsse abgegeben habe.

Munitionsarten


Es gibt 3 Munitionsarten:


1. S&B 9mm Luger – 121 gesamt, davon 43 Hülsen und 78 Patronen.

Diese wird in 2 Qualitäten vom Hersteller angeboten: billig und teuer, bei den billigen fehlt der Dichtungslack. Es handelt sich hier um die Billigmunition.

Davon wurde kein Restbestand im Hause K. aufgefunden.


2. S&B 9*19 08 – 90 gesamt, davon 50 Hülsen, 40 Patronen.

Auch hier die billige Variante.

Hier wurde ein Restbestand gefunden. Es handelt sich dabei um einen Teil jener 1.000 Patronen, die Tim seinem Vater zum 50. Geb. geschenkt hatte.

Es wurden damals 4 Pack a 250 Stück gekauft.

Im Tresor fanden sich noch 3 Packungen, davon eine geöffnet; es waren hiervon insgesamt noch 835 Patronen vorhanden.


3. CBC 9mm Luger von MagTech/Brasilien:

74 gesamt, davon 20 Hülsen und 54 Patronen unverbraucht.

Hiervon wurden 60 Patronen Restbestand im Kellerraum mit identischer Losnummer gefunden.

Von dieser Munitionssorte, Magtech, sollen in Wendlingen 2 Patronenschachteln aufgefunden worden sein; die eine, leer, im Fahrzeug des Igor Wolf, die andere bei der Leiche von Tim K.


R

Woraus schließen sie, dass die Munition aus dem Bestand von Jörg K. stammt?

Z

Es wurde eine Teil-DNA von Jörg K. auf der Packung gefunden.


Das Jagdmesser fehlte im Werkzeugschrank im Keller.

Es ist 29 cm lang, mit einer einseitig geschliffenen Klinge und lederumwobenem Griff.


Hier wurde wieder eine Zäsur gemacht.


R.

Waren die Patronen im Hause K. alle in der Originalverpackung?


Z.

Nein. Herr K. hat teilweise Patronen in einem Patronenständer aufbewahrt.
Neben Tims Leiche wurde eine Schachtel der MagTech Munition vorgefunden, die ebenfalls umverpackt worden sein muss, denn es befanden sich darin 2 Arten: 24 Magtech und 26 S&B.


RA Gorka:

Woher wissen Sie, dass der Schlüssel im Tresor zu dem Stahlschrank gehört?


Z

Das wurde bei der Hausdurchsuchung festgestellt.


RA Gorka:

Wann und durch wen?


Z

Am 11.03.


RA Gorka:

Uhrzeit?
War das, nachdem Jörg K. den Tresor geöffnet und wieder verschlossen hatte?


Z:

Das müssen Spezialkräfte gewesen sein, ab 13 Uhr.


RA Gorka:

Sie sprachen bei der MagTech Munition von einer identischen Losnummer.
Wie groß ist denn ein Los?


Z (hatte mit dieser - durchaus berechtigten Frage - nicht gerechnet).

Das kann ich nicht beantworten.


RA Gorka:

Sie sagten, 1 Magazin sei außerhalb des Waffenschranks aufbewahrt worden.
Waren denn da Patronen drin?


Z

Das weiß ich nicht. Da muss ich auf den Bericht vom Herrn Reiber verweisen, der hat herausgefunden, welche Patronen in welchem Magazin waren.(!!!)


Der R liest nun vor, welche Munition wo erhoben wurde:


Winnenden:

S&B 9mm Luger 3 Patronen/21 Hülsen

S&B 9*19 08 9/36

CBC 4/10

Wendlingen

S&B 9mm Luger 75/22

S&B 9*19 08 31/14

CBC 50/10

Gesamt

S&B 9mm Luger 78/43

S&B 9*19 08 40/50

CBC 54/20

Rest im Hause K.

S&B 9mm Luger kein Rest

S&B 90*19 08 835 Rest

CBC 60 Rest


R
Zu den Ermittlungsergebnissen des LKA kommen wir noch, denn der Waffensachverständige ist geladen.
Herr Neumann, wurden alle Patronen mit der Beretta abgefeuert?


Z

Ja.


R

Gibt es nun etwas Objektivierbares, wie Tim an diese Waffe kam?


Z

Herr K. hatte am 10.03. die Waffe noch kontrolliert, daher gehen wir davon aus, dass Tim sie sich danach angeeignet hat.


R

Also nichts Objektives? Nur die Aussage des Herrn K?
Und die Patronen?


Z

Die befanden sich im verschlossenen Stahlschrank.


Und täglich grüßte die Kontroverse um die Verwertbarkeit der Aussagen des Herrn K. An dieser Stelle lebte sie wieder auf, denn der R. fragte die Verteidigung , ob ein Widerspruch zu erwarten sei, wenn die Ermittlungsbeamten geladen werden, die die Vernehmung des Jörg K. durchgeführt haben.
RA Gorka wies darauf hin, dass – nachdem Tim K. tot war - die Frage im Raum stand, woher Waffe und Munition stammen und dass somit, nachdem die Waffe ja bei Jörg K. fehlte, dieser schon einen Beschuldigtenstatus hatte, aber nur als Zeuge belehrt wurde.
Die STA entgegnete natürlich, dass sich ja erst im Laufe des Tages ergab, dass Tim auch der Amokläufer von Winnenden gewesen wäre und diese Waffe dort verwendet wurde. Somit war Jörg K. in seiner ersten Vernehmung nur Zeuge.
Die Absicht beider Seiten war transparent.

R

Haben Sie oder die Staatsanwaltschaft die Statusänderung des Jörg K. entschieden?


Z

Am 13. März wurde das Ermittlungsverfahren eröffnet.


Der R. gab aus den Akten die mit K. geführten dienstlichen Telefonate an.

R

Haben Sie weitere Telefonate geführt, um vom Angeklagten unter Umgehung seines Status Informationen zu erlangen?


Z

Nein.


Die Kontroverse ging weiter und endete (wie immer) damit, dass man das Problem vertagte.

RA Gorka:

Herr Neumann, welches Kaliber verschießt denn die Polizei?


Z

9mm.


RA Gorka:

Wie haben Sie diese Patronen abgegrenzt?


Z

Die Polizeimunition wurde in der Aufstellung nicht einbezogen. Die kann man ja den jeweiligen Waffen zuordnen.
Es wurden 5 Schüsse mit einer MP abgegeben und 8 von PHK Rehm.


RA Gorka:

Welcher Hersteller wird bei der Polizei benutzt?


Z

Da muss ich auf den Herrn Reiber verweisen.


Hiermit endet auch dieser 4. Prozesstag.



Rechtlicher Hinweis:

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Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.

Zuletzt geändert: 14/03/2017 23:24