3. Prozesstag am Do., 23.09.2010 - Neumann (Tim)

Rechtlicher Hinweis:

Anonymisierungsangebot:


Jede der in diesem Artikel mit vollem Namen genannte Person, die eine Anonymisierung wünscht, möge sich bitte auf dem kurzen Dienstweg mit den Seitenbetreibern in Verbindung setzen.

Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.


Formalitäten


Der 3. Prozesstag am Do, 23.09.2010 dauerte von 09:15 – 13:00 Uhr.

Zunächst wieder formale Dinge, wie die Feststellung der Verfahrensbeteiligten.

Es fiel auf, dass viele NK nicht persönlich erschienen sind.

Dann gab der R. bekannt, dass zur Eigenschaft des Igor Wolf als Nebenkläger noch immer zu entscheiden sei.

Hierzu gab es jetzt eine Stellungnahme der STA, die den Verfahrensbeteiligten zugeleitet wird.

Näheres erfuhr man hierüber noch nicht.


Der Zeuge KOK Neumann zur Person des Tim

Schulisches


Der Zeuge KOK Neumann von der PD Waiblingen fuhr mit den Erhebungen zur Person des Tim K. fort:

Zitat: Es wurden die Lehrer der ARS vernommen:

Tim wurde als ruhig, unauffällig, zurückhaltend beschrieben, eher ein Mitläufer, passiv, ordentlich, jedoch kein Außenseiter, nicht lebhaft, unterdurchschnittliche Leistungen, keine aktive Beteiligung im Unterricht, nicht störend. Als beste Freunde wurden der Dennis Röhrich und der Dustin Schlehauf genannt.

Der Lehrer Tilo Schmied (Mathe, Naturwissenschaften und Sport) sagte, Tim sei versetzungsgefährdet gewesen und nicht unbedingt integriert. Hierzu habe ein Gespräch mit Fr. K. stattgefunden, mit Mitschülern hätte er nur oberflächlichen Kontakt gehabt, er soll keine Freunde gehabt haben und bei Mädchen keinen Eindruck gemacht haben, die ihm zugeteilte Pausenaufsicht machte ihm Spaß und diese führte er immer zuverlässig aus.

Auch im Berufskolleg in Waiblingen wurden Befragungen durchgeführt:
Es wurden hier 22 Schüler und 10 Lehrkräfte vernommen.


Der Zeuge zählte die gleichen Attribute auf, die schon die Lehrkräfte in der ARS ausgesagt hatten: ruhig, zurückhaltend usw.


Zitat: Lediglich die Lehrerin Theresia Surhorst beschreibt Tim als bockig, verklemmt und als „Person mit 2 Gesichtern“.

In der Mittagspause spielte Tim Poker. Als Kumpel wurde ein Steffen Bader angegeben.


Es wurde auf den Schulrechnern Counter-Strike gespielt.


Das Verhältnis zu Mädchen sei genauso wie in der ARS gewesen.


Zitat: Es wurde ausgesagt, dass Tim sich ca. 2 Wochen vor der Tat anders verhalten hätte als sonst und auch mehrere Male zu spät zum Unterricht erschien.

In den Schulbüchern wurde dies eingetragen am
Di, 3.3.09 um 9:30
Mi, 4.3.09 um 8:05
Do, 5.3.09 um 8:05


Die Unterrichtszeiten von Donner + Kern wurden an dieser Stelle allerdings nicht genannt.


(Allerdings können wir durch Schattauers Angaben zurückrechnen, denn dieser gibt an, Tim hätte den Unterricht am 03.03. um 1,5 Stunden verpasst = regulärer Unterrichtsbeginn bei Donner + Kern um 08:00 Uhr).


Zitat: Am 10.03.09 wurde eine Klassenarbeit in Gesamtwirtschaft geschrieben, diese wurde nach der Tat von der Lehrerin ausgewertet. Sie ergab die Note 4,1.

Am Tattag hatte Tim einen regulären Schulbeginn. Seine Auskunft, die Schule würde an diesem Tag erst zwei Stunden später beginnen, stimmte also nicht.


R

Welchen Weg nahm Tim zu seiner Schule?


Z

Zuerst mit dem Bus nach Winnenden und dann weiter mit der S-Bahn nach Waiblingen.


RA Steffan:

Sie sprachen von Counterstrike. Ist erwiesen, dass Tim dies dort gespielt hat?


Z

Tim zusammen mit Mitschülern.


Ra Steffan:

Wie lange wurde das dort gespielt?


Z

Nur kurz, da das Spiel sofort gelöscht wurde, als es entdeckt wurde.


RA Steffan:

3 Monate etwa?


Z

Da muss ich nachsehen…


Der Z. schaute lange in die Akten und findet nichts zu dieser Fragestellung.
Der R. verwies auf andere geladene Zeugen und stellte das Thema zurück.


Z.

Zum Thema Nachhilfeunterricht:

Tim erhielt von Nov. 03 bis 04/08 Nachhilfe von einer Fr. Gabriele Zeller in Deutsch und Englisch.

Dies fand einmal pro Woche im Hause K. statt.

Über das Thema Tischtennis konnte sie Kontakt zu Tim aufbauen. Er habe mittelmäßige Leistungen erbracht, hatte Versagensängste und fühlte sich nicht ernst genommen. Die Lehrer würden ihn ignorieren, er fühle sich ungerecht behandelt und nicht ausreichend gewürdigt.

Als Beispiel wurde ein Referat angeführt, was Tim in der Schule über TT halten sollte. Er habe sich gut vorbereitet und bekam dennoch nur Note 3-4. Er sei sehr enttäuscht gewesen und sagte „Ich habe keinen Bock mehr.“

Er sei sehr unsicher gewesen und konnte mit Niederlagen nicht umgehen.
Mitte der Kl. 9 kam zum TT noch das Pokern und die Computerspiele dazu.


R

Was wurde denn über die familiären Verhältnisse berichtet?


Z

Zum Verhältnis Vater – Sohn konnte die Zeugin nichts sagen.
Das Verhältnis mit der Mutter soll positiv gewesen sein.
Auch das Verhältnis mit der Schwester wird als positiv beschrieben.
Tim hätte Vertrauen zu seiner Mutter gehabt und die Geschwister hätten zusammengehalten.
Dem Thema „Freunde“ sei Tim immer ausgewichen.
Er konnte nicht auf Menschen zugehen.


R

Wurde etwas über schulische Belastungen des Tim berichtet?


Z

Tim habe erzählt, er sei oft gemobbt worden; wegen seiner Kleidung und seiner Brille, hauptsächlich Mädchen hätten ihn auf dem Schulhof verspottet. Dies soll schon Anfang der 9. Kl. gewesen sein.


R

Konnten Sie zum Thema Mobbing noch andere Ermittlungsergebnisse erlangen?


Z

Wir haben bei den Befragungen keine Hinweise auf Mobbing erhalten.
Er wurde nicht anders behandelt, als andere Schüler, es hielt sich alles in einem normalen Rahmen.
In einem Kondolenzschreiben an die Fam. K. belastet die Nachhilfelehrerin die Schule.
Es kommt darin zum Ausdruck, dass „die Schule ihre Hände nicht in Unschuld waschen dürfe“.
Tim habe sich von der Techniklehrerin und der Deutschlehrerin ungerecht behandelt gefühlt, es gab Hänseleien, Verletzungen und Frustrationen. Tim habe seinen Glauben an die Menschen verloren.


R

Korrespondiert dies mit der Tat? Also hat Tim etwa die Klassenzimmer zielgerichtet wegen der Lehrer aufgesucht?


Z

Im Eingangsbereich der Schule gibt es Monitore, auf denen die jeweiligen Klassenpläne angezeigt werden.
Es ist jedoch nichts bekannt, es gibt keine Erkenntnisse, dass Lehrer das Ziel gewesen sein könnten.
Die Deutschlehrerin, Fr. Mayer, hat die Vorwürfe strikt zurückgewiesen und auch bestritten, dass gesagt wurde „…wenn du so weitermachst, kannst du bei der Müllabfuhr arbeiten.“
Von 09/06 – 01/07 erhielt Tim auch Nachhilfe in Mathe und Physik von Fr. Juliana Damaschke vom Nachhilfeinstitut Abacus in Schorndorf.
Diese sagt aus, Tim sei desinteressiert gewesen, er habe sich hauptsächlich in seinem Zimmer beim Computerspielen aufgehalten oder beim Tischtennis.
Im Gegensatz zu seiner Schwester, diese sei eine gute Schülerin auf dem Gymnasium gewesen.
Trotz der Nachhilfe hätten sich Tims Leistungen nicht verbessert, z.B. interessierte Tim sich nie für den Rechenweg, sondern nur für das Ergebnis.
Tim habe an der Schule keinen Spaß gehabt und seine Nebensitzer als doof und blöd bezeichnet, Mädchen würden ihn nerven.
01/07 wurde die Nachhilfe durch Fr. K. beendet, da Tim keine Eigeninitiative gezeigt hatte.
Herrn K. sei sie nur einmal begegnet und habe hierbei einen negativen Eindruck von ihm bekommen, er habe seinen Sohn beschimpft und unter Leistungsdruck gesetzt.


Fragen an den Zeugen


Der R. machte hier eine Zäsur.


RA Steffan:

Was hatte Fr. Domaschke mit Leistungsdruck gemeint?


RA Steffan las aus den Akten vor:

Zitat: „…dass er sich nun endlich mal anstrengen solle“
Nun, das kann man interpretieren wie man will.
In welchem Zusammenhang hatte Jörg K. das denn gemeint?


Z

Das wurde mit der Zeugin nicht erörtert.


RA Hafner:

Ich beziehe mich auf das psychologische Gutachten über Tim von DuBois, wo von einem negativen Frauenbild des Tim ausgegangen wird. Was konnten Sie hierüber erfahren?


Z

Dazu konnten wir nichts weiter ermitteln. Tim sei jedoch nicht von Mädchen isoliert gewesen.


RA Hafner:

Was wollte Tim denn nach der Schule machen? Hatte er denn eine berufliche Perspektive?


Z

Dazu ist nichts bekannt.


Vereinsleben - Tischtennis


Der Z kam nun zu den Erhebungen bei den TT-Vereinen.

Der R. wies darauf hin, hierbei die Angaben des Angeklagten nicht zu verwerten, es sei denn, der Angeklagte wurde persönlich vom Zeugen befragt.

Z

Tim spielte schon seit der Grundschule TT, zuerst beim TSV Leutenbach vom 26.05.2000 – Ende 2001, dann in Erdmannshausen, weil er dort auch internationale Turniere spielen konnte. Dort war er in der Bezirksliga und wurde 2003 Bezirksmeister im Einzel und Doppel, 2004 stand er in der Württembergischen Rangliste. Er trainierte 2 mal pro Woche, später kam dann ein Einzeltraining hinzu beim Trainer Marco Habilianic. Jörg K. war im Vorstand des Vereins und Ute K. war Kassiererin.
Als der Verein in finanzielle Schwierigkeiten kam, wurde der Trainer entlassen.
Tim verlies dann diesen Verein und spielte beim TT Hegnach, weil man ihm dort zugesichert hatte, an einer guten Position spielen zu dürfen.
Dies wurde jedoch nicht eingehalten, Tim durfte nicht bei den Herren, sondern nur bei der Jugend spielen.
Tim wechselte wieder zurück nach Erdmannshausen und danach nach Öffingen.
Seit 01.07.2006 war Tim beim TV Öffingen.
Wir haben hier den Leiter, Herrn Walter Bachl, vernommen.


R

Wie war das Verhalten im Verein? Gab es da Auffälligkeiten?


Z

Nein, nach Niederlagen zeigte Tim keine Aggressionen, er verhielt sich normal.


R

Und nach Erfolgen? Auch keine Gefühlsregungen? Wurde nicht gefeiert?


Z

Das kann ich nicht beantworten.


R

Und wie war die Reaktion auf die Zurücksetzung in Hegnach?
War da keine Enttäuschung?


Z

Es wurde als Bruch in Tims Tischtenniskarriere bezeichnet, er habe sich sehr enttäuscht in sein Zimmer zurückgezogen.


R

Und im Januar/Februar 09? Etwas Auffälliges?


Z

Nein. Tim hatte sich etwas geöffnet und war im Verein akzeptiert.


Fragen an den Zeugen


Der R. leitete eine Zäsur ein.


RA Rabe:

Welche Sozialkontakte hat Tim beim Tischtennis aufgebaut?


Z

Es war ab und an ein Brüderpaar bei Tim zuhause. Weitere nähere Freunde sind nicht bekannt.


RA Bagin kam nun mit etwas ganz NEUEM; Tim soll ja mit Mädels angeblich nichts am Hut gehabt haben:

RA Bagin:

Es geht hier um Tims Verhältnis zu Frauen.
Was ist mit dieser Julia Grätz?
Es soll hier eine 6jährige Freundschaft bestanden haben?

Was war das für eine Beziehung?


R

Das handeln wir später ab, die Fr. Grätz ist ja auch geladen.


RA Steffan:

Sie sagten, es sei von einem Bruch in der Karriere gesprochen worden.
Wann wurde das gesagt?


Z

In der Beschuldigtenvernehmung von Jörg K.
Zitat: „…er spielt nicht mehr so leidenschaftlich. Das war wohl tiefer gesessen, als ich damals vermutet habe“


(Anmerkung:

Von nun an werde ich das Material stärker komprimieren. D.h. mich in meinen Berichten nur auf Wesentliches konzentrieren, da im Prozess viel Nebensächliches passiert, was für unsere Ermittlungen nicht von Bedeutung ist).


Vereinsleben - Schützenverein


Der Z. referierte nun über die Zugehörigkeit Jörg K. und Tims im Schützenverein:

Jörg K. sei seit 1991 im Verein, Jasmin K. sowie Tim seit 2000 als passive Mitglieder geführt.
Jörg K. solle laut Detlef Lindacher, dem Vorstand, vorwiegend mit einer Pistole Sig Sauer, sowie mit einem Revolver 357 Magnum geschossen haben.

Jörg K. habe auch öfter die Schießaufsicht geführt.

Im Schießbuch wurde Tim nur einmal als Schütze eingetragen am 27.10.08 auf Bahn 2, wobei die verwendete Waffe und auch die Anzahl der abgegebenen Schüsse nicht aus dem Buch hervorgeht.


Fragen an den Zeugen


R

Wie wurde dieses Schießbuch geführt?


Z

Offenbar wurde es nicht zuverlässig geführt, denn unsere Ermittlungen ergaben, dass Tim öfters dort war.


R

Stammen diese Erkenntnisse aus der Vernehmung von Herrn Lindacher oder des Angeklagten?


Z

Der Angeklagte und auch andere Personen haben das bestätigt.

R

Es wurde also beobachtet, dass Tim öfter dort war.
Es wurden dazu 18 Personen vernommen.
Welche maximale Anzahl an Aufenthalten konnten Sie ermitteln?


Z

Tim soll sich 4 mal auf dem Schießstand aufgehalten haben, also das eine Mal, das im Schießbuch steht und noch 3 weitere Male.
Also noch am 06.05.2008, am 20.01.2009 und am 24.02.2009.


Der R referierte zur Vernehmung des Herrn Lindacher:


Dieser habe angegeben, sein Schießbuch stets ordentlich geführt zu haben. Tim sei äußerst selten da gewesen.
Er soll mit den Waffen des Vaters geschossen haben, hätte jedoch kein rechtes Interesse am Schießsport gezeigt.
Er sei ruhig und unauffällig gewesen und zeigte keine psychischen Auffälligkeiten.
Das Verhältnis Tims zu seinem Vater muß gut gewesen sein, denn die beiden waren viel miteinander unterwegs.


R

Was konnten Sie zum Transport der Waffen und der Munition ermitteln?


Z

Herr K. gab an, alles in einer Sportpistolentasche transportiert zu haben.
Tim trug diese manchmal, jedoch nie unbeaufsichtigt.


R

Was wurde zum Schießverhalten ermittelt? Z.B. der Menge an Munition, Anzahl der Schussabgaben usw., gab es da Auffälligkeiten?


Z

Hierzu wurde uns nichts berichtet, das fand keine Beachtung, es wurde auch nichts Negatives berichtet.


R

Fand der Munitionserwerb im Verein statt?


Z

Nein. Herr K. kaufte seine Munition bei der Fa. Merkle in Backnang oder bei Frankonia in Stuttgart.


R

Wurde die Beretta verwendet?


Z

Es wurde nur von einer Pistole gesprochen.


R

Hat Herr K. dazu Angaben gemacht?


Z

Ja, er sagte diese Pistole sei genutzt worden.
Er habe beim 1. Schießen mit Tim eine Auswahl der Waffen angeboten.


Beisitzender R:

War der Angeklagte nach dem 24.02.09 nochmals auf dem Schießstand?


Z

Ja. Jörg K. war Anfang März nochmals da.


Beisitzende Richterin:

Herr Lindacher gab ja an, Herr K. hätte mit einer 9mm Sig Sauer Pistole geschossen.
Konnten Sie diese Waffe später sicherstellen?


Z

Nein, es gab hier Abweichungen. Herr K. war nur im Besitz von Revolvern.


Es folgten nun diverse Fragen von NK-Anwälten, die sich an diesem Schießbuch aufhingen, z.B. wie und ob es richtig geführt wurde, wer die Eintragungen vornahm, wie das Buch gestaltet sei, warum es Lücken enthalte, ob Manipulationen möglich wären, usw…usf.

Der Z. konnte diese Fragen nicht zufriedenstellend beantworten und man kam überein, das Buch am folgenden Prozesstag in Augenschein zu nehmen.

Es kam von Seiten der NK-Anwälte zu Spekulationen, ob Tim nicht doch öfter als 4 mal im Verein zum Schießen gewesen sein könnte. Es werden entsprechende Fragen gestellt, die der Z. jedoch nicht beantworten konnte.
Der Z. verweist nur auf die Ermittlungen und Befragungen, aus denen sich nur ein 4maliger Aufenthalt dort ergibt.

RA Steffan:

Sie sprachen von einer Pistole Marke Sig Sauer? Welche Erkenntnisse liegen hierzu vor?
Ich mache hierzu einen Vorhalt:
Die Frau Specht sagte aus, sie sei 2 mal auf dem Schießstand gewesen mit Jörg K., dieser habe ihres Wissens nach ausschließlich mit Revolvern geschossen und sie wisse nicht, ob Tim mit 9mm Pistole geschossen habe.


Z

Möglicherweise hat sich der Herr Lindacher in diesem Punkt getäuscht.

Nun referierte der Z. den Bereich Armwrestling, wo sich jedoch keine Auffälligkeiten ergeben.
Tim wurde wie gehabt beschrieben, Kontakt zu den Vereinspersonen hätte nur im Verein bestanden.


Persönliche Habe des Tim sowie dessen PC


Der nächste Komplex betraf die Auswertung der persönlichen Habe des Tim sowie seines PC.

Es wurde detailliert angegeben, was im Browsercache und auf der Festplatte gefunden wurde und speziell, was (im Entferntesten) einen Tatbezug erahnen lässt:

Tim habe verschiedene Ermittlungen zu Amokläufern, Serienkillern und Massenmördern geführt, u.a. über Erfurt und den Anschlägen auf das WTC vom 11/09/01 und den zugehörigen Attentätern.

Der R. gab hierbei zu Bedenken, dass nach den Ermittlungen das Thema Amoklauf ein schulisches gewesen sei und Tim evtl. aus diesem Grund hierüber recherchiert hat.

Natürlich wurden auch die einzelnen Gewaltspiele detailliert angegeben.

Des Weiteren ging es um Fotos, auf denen Tim mit Kapuzenshirt und dunkler Sonnenbrille posiert (Selbstportraits).

Auch wurden pornografische Inhalte erwähnt: Im Browsercache – also online angesehen – diverse Pornos aus dem SM-Bereich und Fotos von Frauen, die Männer dominieren, aber auch umgekehrt.


Die angebliche Tatankündigung im Internet


Unerwähnt blieb die nicht aufgefundene Tatankündigung, bis RA Lang folgendes fragte:

Gab es nun eigentlich eine Tatankündigung auf dem Rechner? Der Innenminister hatte das ja am 12.03. behauptet.

Z

Wir haben nichts gefunden.
Es hat da wohl eine Fälschung im Internet gegeben, die nachträglich eingestellt wurde.
Hierzu wurden Ermittlungen geführt, es konnte dazu jedoch nichts ermittelt werden.

Damit gab sich der Fragende zufrieden.


Einschub des Protokollanten und Verfassers zur angeblichen Tatankündigung


Zur Erinnerung, wie das wirklich war:

Es gab am 11.03.2009 bei „krautchan.net“ nachts einen ganz normalen Forumsbeitrag ohne Tatbezug.

Diesen hatte jemand vom Bildschirm abfotografiert und mit einem Bildbearbeitungsprogramm daraus die Amok-Ankündigung gemacht.

Dies wurde dann - gegegebenfalls - der Polizei zugespielt.

Der Beitrag bei „krautchan.net“ blieb unverändert.

Ohne mit dem Original-Beitrag abzugleichen (ggf.), hatte die Polizei die Amok-Ankündigung in die Welt posaunt.

Wegen des Ansturms auf die Seite fiel der Server aus, so dass man selbst den unverfälschten Originalbeitrag nicht mehr anschauen konnte.

Die Polizei behauptete anschließend (bzw. Innenminister Rech), der ensprechende Text sei auf Tims Computer gefunden worden und es hätten sich 2 Zeugen gemeldet, die gesehen haben, wie nachts der Amok-Beitrag bei „krautchan.net“ eingestellt wurde. Einer der Zeugen hätte noch auf diesen Beitrag geantwortet.

Dies wurde später von der STA wiederholt.

Da der Beitrag jedoch nie online existiert hat, kann ihn auch niemand gesehen, geschweige denn darauf geantwortet haben.

Es meldete sich kurz darauf der Serverbetreiber und klärte die Sache auf.

Danach ruderte man bei der STA zurück und sagte, man sei „wie vor den Kopf gestoßen“, da man ja den Text auf Tims PC gefunden habe.

Der Innenminister sprach davon, dass irgendjemand eine schlimme Falschmeldung in die Welt gesetzt habe und er nur den momentanen Ermittlungsstand wiedergegeben habe.

Die Behauptung, man habe die entsprechenden Daten auf dem PC von Tim K. gefunden, waren falsch gewesen. Ebenso falsch war die Behauptung, dass es für den Foreneintrag zwei Zeugen gegeben habe. Beide sich gegenseitig stützende Behauptungen waren eine Erfindung der Polizeibehörde gewesen.

Von den unbekannten Zeugen ist seither keine Rede mehr.

Diese Vorgänge sind eigentlich selbsterklärend.

(Daher auch die kurze und knappe Antwort des Zeugen und zu seinem Glück keinerlei kritische Nachfragen zu diesem kritischen Punkt.)


Persönliche Habe des Tim II


Es wurde (stattdessen) groß und breit über die aufgefundenen Horror- und Gewaltvideos referiert, die in Tims Zimmer aufgefunden worden sein sollen.

Hier wurde nichts ausgelassen, es wurde alle Filme aufgezählt und teilweise aus den Inhaltsangaben vorgelesen: „…mit einem Fleischermesser zerstückelte er seine Opfer…“

Man habe einen halben Sack voll Videos nach der Hausdurchsuchung sichergestellt, hieß es.

Daran hingen sich die Opferanwälte wieder auf, da fast alle Filme mit FSK 18 deklariert waren. Es wurde nachgefragt, wo Tim als Minderjähriger diese Filme her habe usw. Es wurde aus der Aussage des Dennis referiert, der gesagt habe, dass man schon mit 13 im Hause K. solche Filme angeschaut hatte.

Danach drehte sich alles um Tims Finanzen, der über ein Giro-, mehrere Sparkonten und Wertpapierdepots verfügte, insgesamt ein Guthaben von ca. 15.000 Euro.
Auf sein Girokonto gab es eine regelmäßige Gehaltszahlung von der Fa. Schwaben-Team zwischen 150 und 398 Euro, wobei ein gleich hoher Betrag wieder von seinem Konto auf das der Mutter weitergeleitet wurde.

Tim hatte ein Konto bei der Bundesfinanzagentur GmbH.

Es wurden 5000,- Euro Bargeld gefunden.

R

Konnten Sie die Herkunft dieses Geldes ermitteln?


Z

Jörg K. gab an, er hätte Tim 2000,- Euro zur Aufbewahrung gegeben.
Der Rest sei seiner Meinung nach gespart oder beim Poker gewonnen worden.


R

Es wurde doch auch ein Schreiben gefunden. Wo lag dieses?


Z

Dies befand sich in einem Möbeltresor, der am 11.03. sichergestellt wurde.
Da die Kombination unbekannt war, konnte dieser nur mit einem Notschlüssel geöffnet werden.


Der R. verliest das bekannte Schriftstück .

R

War dieses Papier besonders aufbewahrt?


Z

Es lag zusammen mit einem Filztuch als Einziges im Tresor.


R

Und das Bargeld befand sich nicht dort?


Z

Nein, das war an anderer Stelle. Dort fanden wir nur das Schriftstück und das Tuch.


R

Ist dieser Text aus einer bekannten Quelle?


Z

Nein.


R

Konnten Sie ermitteln, ob Tim dies selbst verfaßt hat?


Z

Konnte nichts ermittelt werden. Wir haben den Text Experten gezeigt, diesen war die Quelle für diesen Text ebenfalls nicht bekannt.


Fragen an den Zeugen


Es findet eine Zäsur statt:

RA Krächel:

Haben Sie die momentane Finanzlage des Jörg K. ermittelt in Hinblick auf Regressforderungen des Staates an Jörg K.?


Z:

Ist mir nichts bekannt.


R

Es gab tatsächlich einen hohen Sachschaden durch die Tat, dieser wird später im Prozess eingeführt.
Können Sie zu der Frage von Herrn Krächel bis zum nächsten Prozesstag eruieren, welche Maßnahmen dahingehend stattfanden?


Z

Ja.


RAin Stuff:

Gibt es im Hause K. noch andere Gerätschaften mit einer Zahlenkombination gesichert?


Z

Ja, die Alarmanlage, darauf komme ich später.


RAin Stuff:

Noch Weitere?


Z

Die Möbeltresore von Tim und Jasmin.


RAin Stuff:

Haben sie ausprobiert, ob sich diese mit der Zahlenkombi des Waffentresors öffnen liessen?


Z

Dies war nicht möglich.


RAin Stuff:

Haben sie dort auch die anderen Geburtsdaten der Familie versucht?


Z

Kann ich nicht beantworten.


Zum Ende hin ging der R. nochmals der Frage der Spontanäußerungen Jörg K.s bei der 1. Hausdurchsuchung nach:


R

Wir haben uns zwischenzeitlich mit der Akte des MEK/SEK-Einsatzes im Wohnhaus befasst.
Es gibt dort in der Handakte ein Fax des Herrn Stefan Heißt an den Kollegen Gruber.
Demnach habe es vor dem Betreten des Hauses eine kurze Befragung des Herrn K. gegeben.
Herr Heißt wurde als Zeuge geladen.
Es gibt außerdem dienstliche Aussagen des Kommandoführers Alexander Fuchs.
Dieser habe zusammen mit dem Beamten 502 und Herrn K. das Schlafzimmer betreten.
Herr Fuchs wurde geladen. Ggf. muss die Identität des Beamten 502 aufgedeckt werden.
Gibt es dagegen Einwände?


Keine Einwände.

Somit endet hier der 3. Prozesstag.



Rechtlicher Hinweis:

Anonymisierungsangebot:


Jede der in diesem Artikel mit vollem Namen genannte Person, die eine Anonymisierung wünscht, möge sich bitte auf dem kurzen Dienstweg mit den Seitenbetreibern in Verbindung setzen.

Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.

Zuletzt geändert: 31/01/2018 04:07