19. Prozesstag am Do., 02.12.2010 - Wagner - Scoric - Uitz - Stini - Zeller

Rechtlicher Hinweis:

Anonymisierungsangebot


Jede der in diesem Artikel mit vollem Namen genannte Person, die eine Anonymisierung wünscht, möge sich bitte auf dem kurzen Dienstweg mit den Seitenbetreibern in Verbindung setzen.

Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.


Formalitäten


Zunächst kündigt der Nebenklägervertreter RA Rabe die Ladung eines eigenen Gutachters an:

Dr. Peter Winkler aus Tübingen wird als Sachverständiger geladen am
09.12.10 und am 16.12.10, jeweils um 09:00 Uhr.

Danach fragt der R. allgemein bei den Verfahrensbeteiligten den Ausgang des am letzten Prozesstag angekündigten außergerichtlichen Vermittlungsgesprächs zwischen STA, NK und Verteidigern ab.

Der OSTA gibt nur an:

„Das hat stattgefunden.“

Dann ergeht ein Kammerbeschluß:

Die Vernehmung der Nachhilfelehrerin des Tim, Frau Gabriele Zeller, wird ersetzt durch die Verlesung ihrer Polizeivernehmung.


Der Zeuge Marc Wagner zum Thema Tim K.(Klassenkamerad)


Nun erscheint als Z. der 18jährige Marc Wagner aus Leutenbach, der nach eigenen Angaben als Anlagenmechaniker arbeitet.


R
Herr Wagner, Sie sollen ja mit dem Tim Kontakt gehabt haben. Was können Sie uns über Tim berichten? Über die Eltern und die Familie? Wann lernten Sie den Tim kennen?


Z
Also bewußt erst in der ARS.


R
Und wann da? In welcher Klasse? Welches Jahr?


Z
Ab der 5.


R
Und vorher? In der Grundschule?


Z
Da kann ich mich nicht erinnern. Evtl. war er da in einer anderen Klasse.


R
Und wie lange waren sie dann zusammen an der ARS?


Z
Bis zur 10.


R
Da gab es ja dann auch Veränderungen. Die Klassen wurden getrennt. Aber sie waren weiter zusammen?


Z
Ja.


R
Zuvor soll es die a - Klasse gewesen sein, dann die d?


Z
Ja.


R
Was können Sie uns über Tim von der 5. - 7. Klasse sagen?


Z
Also ich war erst in der 10. Klasse bei ihm zuhause. Da hat er uns dann die Softairs gezeigt und halt das Haus a bissle.


R
Wann war das genau in der 10.?


Z
Also relativ am Anfang.


R
Und in welchem Jahr soll das gewesen sein?


Z
2009???


R
DAS glaub ich NICHT. Wann haben Sie denn Ihren Abschluß gemacht?


Z
2008???


R
2008. Also.


Z
Ja, dann war es 2007.


R
Und in welchem Monat?


Z
Weiß ich nicht mehr.


R
Am Anfang?


Z
September oder so…


R
Und was können Sie uns nun von der 5. - 7. Klasse über Tim berichten?


Z
Da hatte ich so gut wie keinen Kontakt zu dem.


R
Aber trotzdem müssen Sie ja etwas berichten können!?


Z
Der war halt sehr zurückhaltend…und sonst….??? Der konnte halt nicht gut mit irgendjemand reden….


R
Und woran lag's? War der verklemmt oder gehemmt?


Z
Eher so gehemmt.


R
Und weiter?


Z
Sonst kann ich nicht viel über ihn sagen…


R
War er ein Einzelgänger?


Z
Ja, scho.


R
Hatte er Freunde in der Klasse?


Z
Keine richtigen.


R
Woran lag das?


Z
Kann ich nicht sagen…


R
Was war denn nun so anders an dem Tim?


Z
Ja, grad weil er halt so zurückhaltend war.


R
Wollte oder konnte der nicht?


Z
Glaub', der konnte nicht…


R
Dann in der 8. wurde die Klasse ja gemischt. Hat sich das dann neu ausgerichtet? Wie war es danach?


Z
Ich meine besser.


R
Was hat sich da verändert?


Z
Da hat er scho mehr geschwetzt.


R
Hat er sich sonst irgendwie verändert?


Z
Nein.


R
Was hob denn den Tim von den Anderen ab? Waren da Kleidung oder sein Aussehen ein Thema?


Z
Eher sein Verhalten…, kann ich nicht genau sagen.


R
Und als in den Pausen gespielt wurde, war er denn da dabei?


Z
Der war immer mehr so kindisch…


R
Kindisch? Können Sie das beschreiben?


Z
Halt unreif…


R
Also lag es an den Themen, über die sie geredet haben?


Z
Weiß nicht.


R
Poker. Hat das viele interessiert? War er DA dabei?


Z
Ja, da war er immer ganz vorne, aber nicht in der Schule, eher außerhalb.


R
Wußten Sie, ob er privat Freunde hatte?


Z
Privat weiß ich so gut wie nix.


R
War Tim gesund oder auch mal krank?


Z
Ich mein, der war immer gesund….


R
Und hat er Sport gemacht? War er in irgendwas gut?


Z
Kraftsport.


R
Und was da?


Z
Armdrücken.


R
Und war er auch in einer Mannschaft?


Z
Im Tischtennis.


R
Sie haben bei der Polizei ausgesagt, Tim sei „in unseren Augen ein bisschen komisch“ gewesen. Warum? Was meinten Sie damit?


Z
Sein Verhalten halt.


R
Ich kann mir da jetzt nichts drunter vorstellen. Was genau an seinem Verhalten?


Z
Sein Bezug zu Geld z.B. Es war für ihn nicht viel wert, weil er, glaub' ich, viel hatte…


R
Und woher hatte er dieses Geld?


Z
Von den Eltern.


R
Hat er da mit Scheinen geprahlt?


Z
Er hat so getan, als ob das nix wäre…


R
Hat er da Leute freigestellt oder eingeladen?


Z
Ja.


R
Ist ihm das gelungen oder wurde er ausgenutzt?


Z
Ausgenutzt eher nicht.


R
Ist der Tim auch mal wütend geworden?


Z
Der hat scho mal seine Kraft gezeigt und jemand am Schlawittle gepackt.


R
War das oft oder seltener? Aus welchem Grund?


Z
Selten. Das waren eher nichtige Gründe.


R
Wurde über Tim gelästert?


Z
Nein.


R
Aber er wurde belächelt!?


Z
Ja, wie der so mit Geld umgegangen ist….


R
Hat er bemerkt, dass die Anderen ihn komisch fanden?


Z
Glaub nicht.


R
Und wie hat er da reagiert? Ist der wütend geworden oder hat sogar mal Hass gezeigt?


Z
Nein.


R
Sie können also nicht sagen, dass Tim sich von der 5. - 10. Klasse verändert hat?


Z
Nein, der war eigentlich immer gleich.


R
Und seine Mode? War das zeitgemäß oder hatte er da Dinge an, die nicht so ins Bild passten? Hat man deswegen über ihn gelacht?


Z
Nee, das war eigentlich immer zeitgemäß.


R
Hat man dem Tim mal Spitznamen gegeben?


Z
Nein.


R
Der soll da mal „Minni-Timmy“ genannt worden sein?


Z
Wenn, dann nur so zum Spaß mal.


R
Und mit Mädchen? Wie war da so das Verhältnis?


Z
Da hatte er keinen Kontakt.


R
Und umgekehrt?


Z
Auch nicht.


R
Hatte er sonst zu jemandem in der Klasse einen näheren Bezug?


Z
Zum Dennis Röhrich, glaub' ich…


R
Und die haben auch privat was gemacht?


Z
Ja, glaub scho.


R
Bei der Polizei hatten Sie ausgesagt: „Wenn Tim sich was gekauft hat, haben wir ihn belächelt und gefrötzelt, weil es unnütze Dinge waren aus unserer Sicht.“ Was meinten Sie damit?


Z
Die Waffen halt, die Softairs - er hat halt erzählt, dass er sich da verschiedene gekauft hat.


R
Und was für welche?


Z
Softairs und Luftpistolen.


R
„Wenn TIM sich was gekauft hat….“. Also nicht von den Eltern? Nicht geschenkt?


Z
Das Geld hat er ja von den Eltern gehabt….


R
Und in welchem Zeitraum war das?


Z
Ich glaube recht frühzeitig, aber ich kenne ihn ja erst so richtig seit der 10. Klasse….


R
Hat er die Waffen mal mitgebracht in die Schule?


Z
Nein.


R
Und wie war sein Verhalten sonst in der Schule gegenüber anderen? Hatte man vor dem Tim Respekt?


Z
Ja, scho wegen seiner Kraft…


R
Waren das eher jüngere? Hatte der Tim da auch bestimmte Aufgaben?


Z
Der hat sich scho Respekt geschafft, sag ich mal. In den Pausen hat er da an der Türe gestanden… Da hat er dann scho mal jemand gepackt und rausgetragen….


R
Er war also Schulhausordner. War da was Auffälliges oder ist ihm sonst nichts eingefallen?


Z
Das war aus Spaß, glaub' ich…


R
Aber Sie können nicht sagen warum? Oder aus Jux, um zu zeigen wie stark er ist?


Z
Schon so.


R
Also Sie haben das einfach SO gesehen. Nicht, dass er den starken Mann markiert hat, um da was anderes auszugleichen?


Z
Kann ich so nicht sagen….


R
Wann haben Sie den Tim zum letzten Mal gesehen?


Z
Am letzten Schultag…, bei der Abschlußfeier.


R
Und dann haben sich ihre Wege also getrennt. Wußten Sie, auf welche Schule der Tim weiter geht?


Z
Nein.


R
Und Sie?


Z
Ich hab dann eine Ausbildung angefangen.


R
Bei der Polizei sagten Sie: „nur an der Bushaltestelle aus der Ferne…“


Z
Ja, da fand kein Gespräch statt.


R
Wie oft waren Sie nun bei Tim zuhause?


Z
So 2-3 mal glaub ich.


R
Das war alles in 07?


Z
Ja.


R
Und in welchem Zusammenhang standen diese Besuche?


Z
Einmal war das zum Pokern. Und einmal kam ich einfach so vorbei, weil er uns die Softairs zeigen wollte.


R
Hat der Tim in der Schule schon darüber geredet? Oder wollten SIE die sehen?


Z
Ja, aber ich WOLLTE Sie auch sehen.


R
Wieviele waren sie da beim Pokern?


Z
Da waren scho einige da….


R
Gab es da noch ein drittes Mal? Das war alles in der 10. Klasse?


Z
Ja, an ein drittes Mal kann ich mich jetzt nicht erinnern.


R
Was war da chronologisch zuerst: Pokern oder die Softairs?


Z
Also zuerst kamen die Softairs.


R
Dort sind Sie ja mit Freunden hin. Wieviele wart ihr da?


Z
Weiß ich nicht mehr…


R
Und wie lief das da ab?


Z
Der hat das uns halt gezeigt in seinem Zimmer. Die hingen an der Wand, glaub' ich…


R
Wurden die da auch runtergenommen?


Z
Nein, wurden hängen gelassen. Im Keller hat er uns dann so einen kleinen Schießstand für Luftpistolen vorgeführt.


R
Ein Schießstand?


Z
Am Ende vom Flur war halt so'n Kasten aufgebaut.


R
Mit einer Scheibe?


Z
Das waren eher so umklappende Enden….


R
Umklappende Enden? Welche Entfernung war das?


Z
So vom Ende vom Flur - ca. 5 m, glaub ich….


R
Und mit was wurde da geschossen?


Z
Mit einer Pistole.


R
Und hat man da auch gezielt?


Z
Ja, die Pistole hatte so nen Aufsatz zum Zielen.


R
War das eine Softair oder was anderes?


Z
Eine Luftpistole.


R
Und woher hat der Tim die genommen?


Z
Aus dem Tresor, glaub ich.


R
Wo war dieser Tresor?


Z
Im Keller.


R
Und wo da?


Z
Im Hobbyraum.


R
Und wie lief das ab?


Z
Weiß ich nimmer…


R
Haben Sie gesehen, wie Tim die Waffe aus dem Tresor geholt hat? Hat er ihn aufgemacht? Oder lag die Waffe vielleicht obendrauf?


Z
Ich war da nicht dabei. Der hat die alleine geholt.


R
Er hat also den Flur verlassen und ist dann wohin?


Z
Ich meine in den Hobbyraum.


R
Was meinen Sie mit Hobbyraum?


Z
Da haben die so Flugzeuge gebastelt….ein Bastelraum.


R
War da auch eine Werkbank und andere Schränke?


Z
Ne Werkbank, glaub' ich.


R
Gab es da auch noch andere Zimmer?


Z
Ja, aber da war ich nicht drin.


R
War da etwas, was einem Wohnzimmer ähnlich war?


Z
Weiß ich nicht.


R
Woher wissen Sie, was in diesem Hobbyraum war?


Z
Da hab ich schnell mal reingeschaut.


R
Und woher wissen Sie, dass er die Waffe aus dem Tresor geholt hat?


Z
Ich weiß nicht, ob die aus dem Tresor war…


R
Das ist also eine Mutmaßung mit dem Tresor. Oder hat er Ihnen das gesagt? Oder ist es etwa nur IHRE VORSTELLUNG davon?


Z
Der hat gesagt, dass Waffen im Tresor gelagert werden….


R
Und was hat er da geholt?


Z
Eine Luftpistole.


R
Und Luftpistolen müssen in den Tresor? Woher wollen Sie also wissen, ob er die aus dem Tresor hat?


Z
Er hat halt gesagt, dass die Waffen im Tresor gelagert werden, da bin ich halt davon ausgegangen.


R
Aber Sie haben es NICHT gesehen?


Z
Nein.


R
Haben Sie diesen Tresor mal gesehen?


Z
Nein.


R
Hat Ihnen der Tim mal gesagt, wie dieser Tresor zu öffnen ist?


Z
Nein.


R
Und dann haben Sie also dort geschossen. Wie lange?


Z
So 10 Minuten….


R
Und war Tim da anders als sonst?


Z
Nein. Er hat halt erzählt, dass er im Verein schießt und erklärt, wie das so funktioniert.


R
Und wie funktioniert das?


Z
Das weiß ich jetzt nicht mehr. Irgenwie mit Zielscheiben, Punkten und Zeit….


R
Hat er Ihnen mitgeteilt, wo dieser Verein ist? Ob er da alleine hingeht oder wer ihn da anleitet?


Z
Weiß ich nicht mehr….


R
Und womit er da schießt? Luftpistole oder scharf?


Z
Ich bin davon ausgegangen, Luftpistole….


R
Bei der Polizei wurden Sie gefragt:

F: „Wann hat Tim mit dem Schießen angefangen?“

A:„Da weiß ich nichts Genaues…so ab der 6. Klasse…“

Da wußten Sie also noch etwas zu berichten, was die jüngeren Jahre betrifft!!!! Woher könnten Sie das am 13.03.09 gewußt haben? Sie müssen auseinanderhalten, was Sie aus der Presse, von anderen Schülern oder sonstwoher gehört haben….


Z
Das hab ich erst nach dem Amoklauf erfahren….


R
Sie sollen aber nur DAS berichten, was SIE SELBST wußten! „…ab der 6. Klasse…“? Ist das so?


Z
Weiß ich nicht mehr….


R
Und woher wußten Sie das damals? „Der Vater schießt leidenschaftlich und unterstützt den Tim….“ Ich hab Sie das doch gerade gefragt - woher wissen Sie jetzt das mit dem Vater???


Z
Weiß ich nicht….


R
Ich habe Sie doch vorher gefragt!


Z
Ich bin halt nimmer über alles informiert….


R
Und woher wissen Sie, dass er leidenschaftlich schießt?


Z
Ist halt so ne Vermutung eben….


R
Also! Eine Vermutung!


Z
Er hat ja auch das Geld für die Waffen gegeben….


R
Es ist doch was anderes, ob man Waffen nur an die Wand hängt oder ob man damit auch schießen geht! Sind also alles nur Vermutungen. Was können Sie uns über das Elternhaus berichten? Haben Sie Vater und Mutter kennengelernt?


Z
Waren beide nicht da.


R
Und die Schwester?


Z
Kenn ich nur vom Sehen…


R
Und was wissen Sie über die Eltern?


Z
Auch nix….kenne ich ja nicht.


R
„Er musste zeigen was er hatte. Er selbst war gar nicht so schlimm. Es waren seine Eltern - sein Vater.“ Was hat das zu bedeuten???


Z
Ich kenne den ja nicht…..


R
Worauf beziehen Sie „schlimm“? Was haben Sie über den Vater zu sagen?


Z
Der Tim hat halt das Geld von ihm….


R
Also Geld - da musste er zeigen was er hatte. Aber wieso „sein Vater“. Warum???


Z
Was man halt so hört….


R (erzürnt)
Eben darum geht es!!! Wollten Sie den Eltern - dem Vater - da „was reindrücken“??? Haben Sie den Vater mal kennengelernt?


Z
Nein.


R
Und die Mutter?


Z
Nein.


R
Das Pokern war dann an einem anderen Tag? Und wo?


Z
Im Wohnzimmer.


R
Und wo ist dieses Wohnzimmer?


Z
Im Erdgeschoß.


R
Waren die Eltern da?


Z
Nein.


R
Wie lange ging das?


Z
Weiß ich nicht mehr.


R
Wer war da alles dabei?


Z
Weiß ich nicht mehr.


R
War das an dem Tag, wo Tim die Softairs gezeigt hat?


Z
Nein. Das war ein anderer Tag.


R
Bei der Polizei haben Sie angegeben, im September 08 sei gepokert worden und dabei habe der Tim Ihnen die Softairwaffen gezeigt. Sie sagten weiterhin, vor 2 Jahren , also 2007, hätten Sie mit einer Luftpistole im Keller auf einem Schießstand geschossen. Dort sei ein Kasten aufgebaut gewesen, dann wurden Waffen vorgeführt. Tim sei „stolz“ gewesen und Sie hätten nicht gewußt dass „die so viele Waffen haben…“. Woher wußten Sie das damals?


Z
Aus den Medien.


R
Bei Ihrer Vernehmung am 20.03.09 wußten Sie also schon mehr.

F:
„Wissen Sie, ob Tim in der Klasse irgend einem Druck ausgesetzt war?“

A:
„Nein.“

F:
„War Tim in der Klasse anerkannt?“

A:
„…er wurde nicht gemobbt oder so…er wurde von allen in Ruhe gelassen…“


Z
Ja.


R
Über seinen Charakter sagten Sie: „zurückhaltend und kindisch“. Bei McDonald's soll er Süßigkeiten gekauft und verteilt haben. „Geld hat für ihn keine Rolle gespielt“.


Z
Genau.


R
Hat Tim Computerspiele gespielt und falls ja, was?


Z
Weiß nicht mehr was, auf jeden Fall Spiele, das hat er erzählt.


R
Sie haben das also nicht zusammen gespielt?


Z
Nein.


R
Wie war Tim in der Schule?


Z
Eher schlecht.


R
Gab es auch Streß mit Lehrern?


Z
Nein.


R
Sonst irgendwelche Auffälligkeiten?


Z
Er konnte die Lehrer nicht angucken, also nicht ins Gesicht sehen…


R
War das bei Gleichaltrigen auch so?


Z
Nein.


R
Am Ende steht noch der Satz: „Da fällt mir noch ein: Wir haben untereinander mal so einen Spaß gemacht: Der macht irgendwann noch mal einen Amoklauf. Wegen der vielen Waffen und seinem Verhalten, weil er so zurückhaltend war.“


Z
Ja, das war so'n Spaß.


R
Wurde das tatsächlich gesagt? Wann?


Z
Ja, weiß nicht mehr wann. Das war nicht ernst gemeint.


R
Aber wie kommt man denn zu so einer Äußerung? Gab es da noch andere Auffälligkeiten? Und was für einen Amoklauf?


Z
Was man halt aus den Medien kennt, z.B. Erfurt.


R
War das davor? Oder nach dem Amoklauf?


Z
Davor. Aber das hätte man über JEDEN sagen können.


R
Haben Sie aber nicht. Oder war das mal ein Schulthema: Amok und ein auffälliges Charakterbild?


Z
Nein, aber das hat man ja auch aus den Medien gehört….


R
Eben, das war ja nun im Nachhinein. Wurde das wirklich VORHER gesagt?


Z
Das war nur aus Spaß…, so dahin gesagt eben.


R
Aber Amok macht doch nicht jeder, der eine Waffe hat. Das setzt doch voraus, dass jemand evtl. Hass hat auf eine Person. Hatten Sie da Anhaltspunkte, dass es in ihm gebrodelt hat und dass da was zum Ausbruch kommen könnte?


Z
Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf gekommen sind….


R
Haben Sie sich vielleicht im Schulunterricht damit beschäftigt?


Z
Nein.


R
Und im Nachhinein hat man ja nun gesehen, dass sich dieser „Spaß“ tatsächlich verwirklicht hat. Sie lagen ja richtig!


Z
Das war aber nicht ernst gemeint… Der war halt so ein Typ, wie er nach Erfurt von den Medien beschrieben wurde. Weil der halt so zurückhaltend war….


R
Wenn Sie sich im Nachhinein anschauen, was der Tim da angerichtet haben soll, passt das jetzt?


Z
Das hat man ja vorher nicht erkennen können….


R
Haben Sie eine Erklärung dafür, wieso er zurück zur ARS ist?


Z
Nein.


R
Warum gerade DIESE Räume?


Z
Das war ja unser Klassenzimmer….


R
Welches?


Z
Dort, wo er als Erstes hin ist, glaub' ich….


R
Aber gibt es einen Grund wieso genau dieses Klassenzimmer? Wurde er dort vielleicht schlecht behandelt oder hat das zumindest so empfunden?


Z
Nein.


R
Können Sie uns noch was sagen, was für uns wichtig sein könnte?


Z
Nein.


Es folgt nun eine Zäsur:


RA Kiefer:
Als Sie bei Tim im Haus waren und mit der Luftpistole an diesem Schießstand geschossen haben, wie kam es überhaupt dazu, dass man sich dort trifft und Tim die Luftpistole vorführt? Wurde davor darüber geredet?


Z
Er hat halt erzählt, dass er sowas hat und wir wollten es anschauen…


RA Kiefer:
Und wo hat er davon erzählt?


Z
In der Schule.


R
Und was hat er da erzählt? Können Sie sich an das Gespräch erinnern?


Z
Nur dass er eine Luftpistole hat.


RA Kiefer:
Hat er auch gesagt, dass er öfter schießt und von dem Flur und dem Schießstand erzählt?


Z
Nein.


RA Kiefer:
Als Sie dann im Flur waren: Ist Tim dann alleine weg und hat die Pistole geholt oder sind Sie da mit?


Z
Der ist alleine weg.


RA Kiefer:
Haben Sie dann irgendwelche Geräusche aus diesem Nebenzimmer gehört? Z.B. wie eine Schublade geöffnet wurde, wie ein Schrank aufgemacht wurde oder eine Kombination eingetippt wurde?


Z
Weiß ich nicht mehr.


RA Kiefer:
Können Sie diese Pistole beschreiben?


Z
Wie ne Pistole halt. Da war so'n Aufsatz drauf mit einem roten Punkt.


RA Kiefer:
Ein Laser?


Z
Ja.


RA Kiefer:
Und ihr habt dann damit geschossen?


Z
Ja.


RA Kiefer:
Und der Tim auch?


Z
Ja, der hat relativ gut getroffen…


RA Kiefer:
Können Sie sich an den Ladevorgang erinnern? Waren da so kleine Kügelchen?


Z
Weiß ich nicht mehr, aber ich glaub', das war mit Gaspatrone.


RA Kiefer:
Musstet ihr da immer nachladen?


Z
Weiß ich nicht mehr…


RA Kiefer:
Wie lange habt ihr da geschossen?


Z
Geschossen so ca. 10 Minuten. Dort waren wir so ca. ne halbe Stunde.


RA Kiefer:
Hat man da auch mal über starke Waffen geredet? Etwas „mit richtig Rumms“?


Z
Nee, da hat er nix erzählt.


RA Kiefer:
Hat man dann vereinbart, dass man sich nochmal dazu trifft?


Z
Nein.


RA Kiefer:
Was wurde denn im Flur gesprochen?


Z
Das weiß ich nicht mehr….


RA Rabe:
Kann es sein, dass da der Dennis Alexi und der Morgenstern dabei waren?


Z
Ja.


RA Rabe:
Waren die in der gleichen Klasse?


Z
Ja, da waren sie beide, sind aber dann irgendwann raus….


RA Rabe:
Wissen Sie da etwas von einer Augenverletzung?


Z
Ja, aber das war nur mit dem Dennis Alexi und dem Morgenstern.


RA Rabe:
Als Sie dort im Keller waren - wußten Sie schon, dass der Vater im Schützenverein ist und dass der Tim da mit geht?


Z
Nein. Nur dass er ab und zu schießt, aber wo, wußte ich nicht…


RA Rabe:
Seit wann wußten Sie das? Sie hatten ja da was von der 6. Klasse erzählt…


Z
Ich weiß nicht mehr wie ich auf die 6. Klasse kam.


RA Rabe:
Und wie lange zuvor wußten Sie es dann?


Z
Erst ab da, wo er uns die Waffen gezeigt hat.


RA Rabe:
Wurde zuvor in der Schule auch vom Safe gesprochen und war vom Schließmechanismus die Rede?


Z
Nein.


RA Bagin:
Würden Sie sagen, dass Sie sich mit Waffen auskennen? Können Sie sagen, das ist diese oder jene?


Z
Nein.


RA Bagin:
In Ihrer Vernehmung sprechen Sie von Softairpistolen, automatischen Pistolen und einem AK 47 Gewehr… Wie geht das?


Z
Das kenne ich aus Computerspielen - Counterstrike.


RA Bagin:
Haben Sie das auch gespielt?


Z
Ja, ich auch.


RA Bagin:
Hat der Tim mal ANDEREN Mitschülern echte Waffen gezeigt?


Z
Hab ich nichts davon gehört.


RA Bagin:
Sie sagten, Tim habe sich Respekt verschafft - war das bei beiden Geschlechtern gleich?


Z
Nein, eher bei Jungen.


RA Bagin:
Und bei den Mädchen? Hat er dann damit angegeben?


Z
Nein.


RA Bagin:
Er hat ja auch Armdrücken gemacht. Hat er da immer gewonnen?


Z
Ja.


RA Bagin :
Und niemand konnte ihn schlagen?


Z
Nein.


RA Bagin:
War er da sehr stolz darauf?


Z
Ja.


RA Steffan:
Bei Ihrer Vernehmung vom 20.03.09 haben Sie die Ereignisse Pokern und Waffen zeigen NICHT getrennt. Bringen Sie da jetzt nicht etwas durcheinander?


Z
Kann ich mich nicht mehr erinnern…, kann sein….


RA Gorka:
Sind Softair und Luftpistolen gefährlich?


Z
Nein.


RA Gorka:
Also eher Spielzeug?


Z
Ja.


RA Gorka:
Dann haben Sie am 20.03.09 gesagt: „Da fällt mir noch ein: Wir haben untereinander mal so einen Spaß gemacht: Der macht irgendwann noch mal einen Amoklauf. Wegen der vielen Waffen und seinem Verhalten, weil er so zurückhaltend war.“ Dann wurden Sie vorhin gefragt, von welchen Waffen Sie wußten.


Z
Softair.


RA Gorka:
Halten Sie es für möglich, dass jemand einen Amoklauf mit SPIELZEUGWAFFEN macht????


Z
Das war eben nur ein Spaß….


RA Gorka:
Also: Das war eben NICHT begründet! Würden Sie den Dennis Röhrich auch als zurückhaltend beschreiben?


Z
Ja.


RA Gorka:
Trifft das mit dem Amoklauf dann auch auf IHN zu?


Z
Nein, der ist ein ganz anderer Typ.


RA Gorka :
Aber Sie sagten doch, man könne das über JEDEN sagen?!


Z
Eben weil es halt ein Spaß war….


Prof. Haller:
Hat der Tim beim Pokerspielen versucht a bisserl zu Bluffn?


Z
Der hat eher riskant gespielt und viel Geld eingesetzt.


Prof. Haller:
Hat man mal g'munklt, der Tim sei schwul?


Z
Nein.


Prof. Haller:
Der Tim soll ja mal, wenn er so wütend war, Mitschüler an die Wand druckt ham. War das der Situation angepasst?


Z
Das war eher übertrieben.


Prof. Haller:
Der Tim soll ja die Kinder dann aus der Schule raustrogn ham. War des ehr so liebevoll - wie a storker Bär oder eher eine Qual?


Z
Der hat scho gezeigt, dass er kräftig ist.


Oberpsychologierat Wiczorek:
Ich versuche mir ein möglichst genaues Bild zu machen: Tim hatte also keine richtigen Freunde, war eher allein gelassen und am Rande?


Z
Genau.


Oberpsychologierat Wiczorek:
Und das mit dem Respekt ist so zu verstehen, dass man ihn eher nicht provoziert hat, weil er eben stark war?


Z
Ja.


Oberpsychologierat Wiczorek:
Und mit dem Geld wollte er sich den Kontakt zu anderen „erkaufen“?


Z
Ja.


RA Steffan:
Sie sagen, Tim hätte viel Geld gehabt - um was geht es denn da?


Z
Naja, die Softairwaffen haben 2000,- Euro (!!!) gekostet….


RA Steffan:
Softair für 2000,- Euro???? Gibt es sowas überhaupt???? Und bei welchen Gelegenheiten hat er das noch gezeigt?


Z
Naja, viel net. Er hat halt auch mal für jeden so Süßigkeiten gekauft z.B.


RA Steffan:
Und wieviel? Eine Tüte oder 10 oder ???? Es könnte ja sein, dass er einfach nur großzügig war….


Z
Der hat das scho öfter gemacht.


RA Steffan:
Und wie oft? Jeden Tag?


Z
So einmal die Woche bis 1 mal im Monat….


RA Steffan:
Und wieviel hat er so beim Poker gesetzt?


Z
Weiß ich nicht mehr….


RA Steffan:
Hat er überhaupt viel Geld gesetzt?


Z
Weiß nicht mehr, welche Beträge es waren….


RA Bagin:
Sie haben das also nur so daher gesagt mit Tim und dem Amoklauf. Dann sagten Sie, man könne das über alle Schüler sagen. Ist Dennis Röhrich denn KEIN Schüler???? Sie sagten, der sei „ein anderer Typ“. DEN haben Sie also ausgenommen. Was hat Sie also dazu bewogen, dem TIM sowas zuzutrauen????


Z
Weiß ich nicht.


Dieser Zeuge wird nun entlassen. Er gibt dem nächsten Zeugen die Klinke in die Hand.


Der Zeuge Matia Scoric über Tim (Klassenkamerad)


Es ist der 19jährige Matia Scoric aus Winnenden, der gerade eine Ausbildung zum Industriemechaniker absolviert, laut eigenen Angaben.


R

Sie sollen auch mit dem Tim Kontakt gehabt haben. Wann war das zum ersten Mal?


Z
Als ich einmal sitzengeblieben bin in meiner Klasse.


R
Und in welcher?


Z
In der 9., da bin ich dann in die 8d gekommen.(???)


R
Sie waren also 2 Jahre mit dem Tim zusammen?


Z
Ja.


R
Und was können Sie uns über den Tim berichten?


Z
Der war halt ein ruhiger Mitschüler.


R
War der in der Klasse anerkannt oder eher ein Sonderling?


Z
Ja, eigentlich war der ganz normal….


R
War der beliebt und hatte Freunde?


Z
Der hat sich mit der ganzen Klasse verstanden, ganz normal wie jeder andere auch….


R
Gab es da viele Ruhige in der Klasse?


Z
Die Mehrheit war ruhig.


R
Waren Sie mit dem Tim befreundet?


Z
Was heißt befreundet…? Wir hatten halt so ne Prüfungsvorbereitung…wie heißt das noch?


R
Die Abschlußprüfung?


Z
Ja, vor der schriftlichen Prüfung oder so sollten wir halt ein Projekt ausarbeiten und dann einen Vortrag halten. Da waren wir dann bei ihm. Ich, der Joiter, der Kretschmar und der Neumann.


R
Das war also eine Arbeitsgemeinschaft. Und wie oft haben sie sich getroffen?


Z
Schon öfters, weiß nicht mehr genau, vielleicht so alle 2 Wochen….


R
Und in welchem Zeitraum war das?


Z
Weiß nicht mehr genau…


R
Und wo haben sie sich da getroffen?


Z
Bei Tim.


R
Ausschließlich?


Z
Einmal war Tim nicht dabei, glaub' ich….


R
Aber kennengelernt haben Sie ihn in der Klasse?


Z
Ja.


R
Hatte er Freunde in der Klasse?


Z
Ich hatte ja einen anderen Freundeskreis, da ich sitzengeblieben war.


R
Was hatte der Tim so für Interessen? Was war der für ein Typ?


Z
Der war ein ganz ruhiger Typ und hat Tischtennis und Armdrücken gemacht.


R
Und wie war das mit Mädchen bei ihm?


Z
Keine Ahnung.


R
Und sonst?


Z
Poker hat er noch gespielt.


R
Ist Ihnen etwas über Videos bekannt?


Z
Nein.


R
Und andere Gegenstände - Waffen oder so?


Z
Ja, der hatte ganz viele Softairs in seinem Zimmer.


R
War Ihnen das vorher bekannt? Hat er das in der Schule erzählt?


Z
Nein.


R
Und wann war das?


Z
Ich glaub nicht 2008…, glaube auch schon 2007, weil es ja ca. 10 Treffen waren…. Im Herbst, glaub' ich….


R
Und wie lief das dann ab?


Z
Eigentlich haben wir jedesmal gepokert.


R
Und wo?


Z
Im Keller war so ein Hobbyraum.


R
Also haben sie für die Schule gar nicht so viel gemacht?


Z
Nein.


R
Und wie lange ging das so?


Z
So 2 Std.


R
Auch um Geld?


Z
Eigentlich nicht so…, eher Kleingeld.


R
Wie können Sie Tim da als Mitspieler beschreiben?


Z
Ich glaub', das war ein Spieler, der schwer zu durchschauen war und immer aufs Ganze ging.


R
War es da anders als in der Schule? Hatte er da ein „anderes Gesicht“?


Z
Nein.


R
Sonst irgendwelche Auffälligkeiten?


Z
Ja, der trug dabei immer eine Sonnenbrille.


R
Würden Sie sagen, er war ein Pokerstratege?


Z
Ja, scho.


R
Hatten da alle eine Sonnenbrille auf?


Z
Nur er.


R
Es war also einfach sein Outfit. Man hat also nicht über ihn gelacht.


Z
Ja.


R
Haben Sie mal die Familie kennengelernt?


Z
Der Vater war ab und zu mal unten und die Mutter hat mal was zu essen und zu trinken gebracht.


R
Und hatte der Tim Geschwister?


Z
Eine Schwester, alles ganz normal.


R
Und war irgenwann mal was anders als gewohnt? Mal was Außergewöhnliches?


Z
Nicht dass ich wüßte. Der Vater hat uns mal Waffen gezeigt. Der hat den Schrank aufgemacht und uns Gewehre gezeigt. Ich hatte eine schwarze Waffe in der Hand, ich glaub', einen Revolver.


R
Und wann war das?


Z
Irgendwann im Zeitraum der Treffen mittendrin….


R
Hatten Sie den Vater das 1. Mal gesehen?


Z
Nee, scho vorher.


R
Und wie hat sich das mit den Waffen denn nun abgespielt?


Z
Ich weiß nicht genau, wie es gekommen ist und ob Tim gefragt hat. Der Vater hat halt den Schrank aufgemacht und uns die Waffen gezeigt.


R
Gab es denn vorher eine Information, dass es da was zu sehen gibt?


Z
Wir haben den Tim mal gefragt, „was ist da drin“, wegen dem Sicherheitsschrank.


R
Ein Sicherheitsschrank??? War der aus Metall? Gab es da mehrere?


Z
Das war ein größerer.


R
Können Sie den beschreiben?


Z
Rechteckig, breit, vom Boden bis zur Augenhöhe.


R
Also ein Tresor!?


Z
Ja, ja !!! Das musste man extra aufmachen mit einem Code.


R
War das vorher ein Thema?


Z
Nein, das war kein Thema…, eher Nebensache.


R
Und wie hat der Vater den Tresor aufgemacht?


Z
Ich weiß nicht mehr…, glaube, ich hab nicht gesehen, was fürn Code oder wie…


R
Hat er einen Code oder einen Schlüssel benutzt?


Z
Weiß ich nicht mehr…


R
Gab es da eine Tastatur?


Z
Weiß ich nicht mehr…, als der Schrank auf war, hat er uns Gewehre, Waffen gezeigt. Ich durfte einen schwarzen Revolver in die Hand nehmen.


R
Und war das was Besonderes für Sie?


Z
Ich hatte das erste Mal eine Waffe in der Hand…, vielleicht mal ein Luftgewehr vorher.


R
Welche Waffen hatten Sie denn im Zimmer von Tim gesehen?


Z
Softairs.


R
Im Keller waren aber echte?


Z
Weiß ich nicht mehr…


R
Durfte da jeder reinlangen oder hat der Vater das rausgeholt?


Z
Er hat die rausgeholt. Er hat dann so eine kleine Geschichte erzählt, dass das da oder da gekauft wurde. Der Vater hat, glaub' ich, gesagt, dass ein Luftgewehr dem Tim gehört.


R
Haben Sie auch gefragt, wofür das benutzt wird und wer damit schießt?


Z
Nö.


R
Ist der Revolver auch herumgereicht worden?


Z
Ich glaube, den hatten alle in der Hand.


R
Und die Gewehre auch?


Z
Ich glaube, die hat er nur raus und gezeigt, aber die hatten wir, glaub' ich, nicht in der Hand.


R
Und was war da sonst noch drin?


Z
Weiß nicht, Munition oder so…


R
Hat er die Munition rausgeholt, die Waffen vielleicht geladen?


Z
Nein.


R
Und dann sind die Waffen wieder rein gekommen?


Z
Ja, glaub', der Vater hat die wieder rein…


R
Und die Tür wurde wieder zu gemacht?


Z
Ja.


R
Und ist nun danach drüber geschwetzt worden? Habt ihr da keine Fragen gestellt? Hat Tim nicht gefragt, ob er euch mal mitnehmen soll zum Schießen? Ob ihr da Interesse habt?


Z
Nicht dass ich wüßte…


R
Es ist also über diese Waffen nicht weiter gesprochen worden?


Z
Da kann ich mich nicht dran erinnern. Eigentlich nicht.


R
Hat man darüber gesprochen, dass man später die Waffen nochmal sehen wollte?


Z
Einmal hat er uns Softairs gezeigt und wir haben im Keller auf eine Zielscheibe geschossen…


R
Und das war aber ein anderes Mal?


Z
Ja, glaub' ich…


R
Sind die Waffen von der Wand genommen worden?


Z
Ich glaube ja. Die Softairs waren mit Elektro-Akku oder so…


R
War Tim da irgendwie anders?


Z
Ich glaube nicht. Glaub', der war stolz drauf, deshalb hat er die Waffen an der Wand aufgehängt.


R
Und wer war da noch dabei?


Z
Weiß nicht mehr…, glaub', der Dustin Schlehauf 1-2 Mal beim Pokern.


R
Hatten Sie mit dem Vater sonst mal Kontakt?


Z
Der hat uns mal heimgefahren.


R
Und sonst?


Z
Beim Pokern in der Firma.


R
Und wie kam es dazu?


Z
Tim hatte uns gefragt, weil er wußte, dass wir Pokern mögen.


R
War der Tim darin gut?


Z
Ja.


R
Hat Tim jemals Wut oder Haß auf irgendwelche Personen geäußert?


Z
Nein.


R
Was können Sie uns über Hänseleien, Mobbing oder Anfeindungen berichten? Hat sich jemand über Tim lustig gemacht?


Z
Der hatte immer die Koteletten so lange…, da hat schon mal jemand „Elvis“ zu ihm gesagt…, aber nichts Schlimmes.


R
Hat er sonst unter etwas gelitten?


Z
Nein. Aber der war nicht so ein guter Schüler, glaub' ich.


R
Hat sich deswegen irgendwie Unmut in ihm aufgestaut?


Z

Nein.


R
Als Sie von der Polizei befragt wurden, gaben Sie an, dass „im Keller gepokert wurde“ und dann „der Vater hinzu“ kam. Das Thema sei dann auf Waffen gekommen und Tim habe seinen Vater gefragt, ob er mal die Waffen vorführen könne.


Z
Das könnte sein, ja.


R
Sie wurden ja 2 mal vernommen. Das erste Mal im März 09 und dann nochmal 1 Jahr später. Wo war Ihre Erinnerung am besten?


Z
Gleich danach, glaub' ich, bei der 1. Aussage.


R
Wurde im Keller noch was anderes gemacht? Internet? Fernsehen vielleicht?


Z
Vielleicht haben wir da mal die Ausarbeitung für die Schule gemacht und einer war, glaub' ich, mal kurz im Quick-Chat.


R
Ihnen wurden Revolver und Gewehre gezeigt, sagten Sie aus, und den Revolver hatten Sie in der Hand?


Z
Genau.


R
„Die Waffen im Keller waren in einem Safe mit Zahlenkombi.“


Z
Ok, dann war es SO.


R
„Ich weiß nicht…ich glaube nicht, dass er den Code gewußt hat“ , „…mussten wir uns umdrehen“


Z
Ist dann wahrscheinlich auch so, wenn ich das damals gesagt hab.


R
Aber ist es auch die Wahrheit? Ist das verläßlich oder haben Sie da einfach irgendwas erzählt, weil Sie eine Antwort geben wollten? Da steht:„Ich weiß nicht…ich glaube nicht…“ und dass Sie sich umdrehen mussten. Wo waren Sie da? In dem Raum oder im Gang?


Z
In dem Raum.


R
Inklusive Tim?


Z
Ja.


R
Und damals waren Sie sich sicher? Damals sagten Sie Safe, heute Schrank.


Z
Wenn ich das so gesagt hab, dann wird es wohl richtig gewesen sein. Das ist lange her. Ich kann mich halt nicht so perfekt erinnern.


R
Deshalb stellt sich die Frage, wie verläßlich Ihre Polizeivernehmung ist. Haben Sie sich damals Mühe gegeben?


Z
Natürlich.


R
Ist auch mal außerhalb des Hauses mit Softair geschossen worden? Vielleicht auf dem Balkon?


Z
Balkon kann sein.


R
Und wer hat das gemacht?


Z
Glaub', der Tim.


R
Damals sagten Sie aber aus: „wir“. Das ist schon ein Unterschied!


Z
Wir…, ja.


R
Also Sie auch?

Z

Ja.


R
Wie beschreiben Sie den Tim als Menschen?


Z
Ruhig, ganz normal.


R
Sie sagten aus, dass er „akzeptiert“ gewesen sei und dass man dazu aber „Dustin Schlehauf befragen“ solle. Wie war sein Verhältnis zu Mädchen?


Z
Ganz normal.


R
2 Monate nach der Abschlußprüfung wollen Sie den Tim nochmal in Birkmannsweiler gesehen haben. Wo war das?


Z
Im Domino.


R
Das ist eine Musikbar! „Wir haben uns nur kurz in der Halle gesehen. Es gab kein intensives Gespräch.“ „Der Vater hat uns heimgefahren.“


Z
Ja, mit einem CLS, das weiß ich noch…, der hat uns heimgefahren.


R
„Ich habe nicht beobachtet wie der Vater den Tresor aufgemacht hat. Wir mussten uns mindestens umdrehen. Es kann auch sein, dass wir den Raum verlassen mussten.“ Heute sind Sie sich da nicht mehr sicher!? Das ist eine Abweichung!


Z
Das ist ja jetzt noch länger her. Ich würd sagen, keiner konnte den Code sehen.


R (zitiert aus Polizeivernehmung)

„Ich glaub', dass Tim nicht wußte, wie der Tresor aufgeht….“ „Er hat einen Revolver, paar Gewehre und ein Luftgewehr rausgeholt.“ „Ich weiß nicht mehr, ob da auch Munition war…, ich glaube, ich hab Munition gesehen.“ „Ich denke nicht, dass TIM die Waffen zurück getan hat.“

F: „Wie oft waren Sie in diesem Raum?“

A: „Ein paar Mal - wir haben da öfter geraucht. In Tims Zimmer durften wir nicht rauchen.“

F: „Haben Sie auch Waffen außerhalb des Tresors gesehen?“

A: „Nein.“

„Die Softairwaffen haben schon einen sehr professionellen Eindruck gemacht, weil die auch mit Gegendruck waren.“


Z
Weil da noch so'n Akku oder so drin war. Die waren richtig stark.


R
Also realitätsecht?


Z
Ja, richtig ähnlich, auch vom Gewicht her.


R
Können Sie uns Sonstiges berichten?


Z
Ich hab da mal sowas gehört… Der Tim hat da mal ein Mädchen angerufen… Ich kenne das Mädchen nicht, aber ich glaube, die geht auch auf die Schule und war eine Klasse unter uns.


R
Aber es ist ja nun vielen ANDEREN Mädchen was passiert. Warum ist der Tim denn in seine alte Klasse zurück? Da sitzen doch jetzt andere Schüler als früher.


Z
Weiß ich nicht.


Es wird eine Zäsur eingeleitet.



RA Bagin:
Dieses Domino ist also eine Musikbar. Waren Sie öfter da?


Z
Jedes Wochenende.


RA Bagin:
Der Tim auch?


Z
Habe ihn ein paar Mal gesehen. Nur einmal hab ich mit ihm geredet. Da gab es einige Pokertische und er hat da mitgespielt.


RA Bagin:
Und was gab's da sonst außer Pokern?


Z
Na Musik halt…


RA Bagin:
Gab es außer diesem Vorfall mit dem Mädchen nachher noch ein Interesse Tims an ihr?


Z
Ich wüßte davon nichts. Mädchen waren kein Gesprächsthema mit ihm.


RA Bagin:
Sind in Ihrem Alter Mädchen denn ein Thema?


Z
Das ist vielleicht interessant bei Anderen. Tim war bei Mädchen besonders. Es hat mich nicht interessiert, was Tim mit Mädchen hat.


RA Bagin:
Was hat Tim über den Sylvester-Vorfall erzählt?


Z
Weiß ich nicht mehr.


Prof. Haller:
Hat Tim geraucht?


Z
Ich glaube nicht.


Prof. Haller:
Beim Poker war er ja offenbar ein guter Spieler und hat viel Geld eingesetzt. War er da leichtsinnig oder mutig?


Z
Der hat nur hoch gespielt, wenn er sich sicher war.


Prof. Haller:
Und wie ist er mit Niederlagen umgegangen?


Z
Es war nicht so, dass er rumgeschrien hat. Ganz normal halt.


Der Zeuge wird nun entlassen.


Der Zeuge Marcel Uitz über Tim (Ex-Freund von Jasmin)


Nun erscheint als Zeuge der 18jährige Marcel Uitz aus Schwaikheim, Schüler am Georg-Büchner-Gymnasium, Winnenden.


R
Herr Uitz, wir haben Sie geladen, weil Sie Kontakt zu Angehörigen der Familie Kretschmer gehabt haben sollen. Welche Beobachtungen haben Sie im Hause des Tim gemacht? Welche Beziehung hatten Sie zum Tim?


Z
Gar keine Beziehung. Ich bin der Ex-Freund von der Jasmin. Ich hab ihn nur öfter am Esstisch gesehen. Er war ganz normal.


R
Und um welchen Zeitraum handelt es sich dabei?


Z
Vom 12. Oktober 2008 bis 14. Dezember 2009.


R
Das sind ja fast haargenau 1 Jahr und 2 Monate. Warum wissen Sie das noch so genau?


Z
Sowas merkt man sich halt…


R
Wie lernten Sie Tim kennen? Wie oft waren Sie dort im Haus?


Z
So ca. einmal die Woche. Tim war ein ganz normaler Junge. Ich hab ihn manchmal auf dem Gang getroffen oder am Esstisch. Er war ganz normal. Ich wußte, dass er auf der ARS war und dann in Waiblingen. Weiß nicht genau, wie die Schule da heißt…, irgendwo am Bahnhof.


R
Wie alt war die Jasmin da?


Z
15.


R
Was wissen Sie Privates über Tim?


Z
Keine Ahnung.


R
Evtl. hat Jasmin Ihnen etwas erzählt?


Z
Nein.


R
Waren die Eltern mit den Leistungen vom Tim zufrieden oder enttäuscht?


Z
Keine Ahnung.


R
Hat Ihnen die Jasmin je über Probleme berichtet? Das etwas nicht stimmen würde?


Z
Nein. Da war alles ganz normal.


R
War der Tim evtl. zurückgezogener als andere?


Z
Nein.


R
Wie kam Jasmin mit ihrem Bruder zurecht? Hat Sie gesagt, dass er nervt oder irgendwie komisch ist?


Z
Die hatten nur normalen Streit halt…, nix Schlimmes…, alles ganz normal.


R
Hat die Jasmin nicht mal gesagt, Sie sollen ihren Bruder mal mitnehmen oder sich um ihn kümmern, weil er dauernd vor dem PC sitzt?


Z
Nein.


R
War der Tim krank? Oder in der Familie andere mal krank?


Z
Nein.


R
Tims Schwester soll in einem Chat mal geschrieben haben, Tim sei „manisch-depressiv“ und dass die Großmutter auch an so etwas gelitten haben soll…


Z
Da weiß ich nichts von.


R
Und dass die Eltern verzweifelt waren und von einem Arzt an Psychologen verwiesen wurden?


Z
Habe ich nichts mitbekommen. Ich habe die nur einmal pro Woche am Esstisch gesehen, da hat er ganz normal mit den Eltern und der Schwester geredet.


R
Wie sah es in dem Haus aus?


Z
Wie in jedem Haus…, ganz normal.


R
Ist Ihnen in dem Haus etwas aufgefallen?


Z
Nein. Wir waren nur im Erdgeschoss und in Jasmins Zimmer.


R
Und im Treppenhaus?


Z
Da waren nur Bilder an der Wand.


R
Waren da Waffen von Bedeutung?


Z
Nein.


R
Hat der Vater Waffen gesammelt oder geschossen?


Z
Ich weiß nur, dass der im Schützenverein ist.


R
Und wo?


Z
In Leutenbach.


R
Und Sie haben nicht nachgefragt, ob die Schwester auch im Schützenverein ist?


Z
Ich weiß nur, dass der Vater im Schützenverein ist und geschossen hat.


R
Dann ist das ja passiert im März… War das absehbar für Sie, dass es da zu einer Explosion kommt…? Hat den Tim irgendwas geplagt? Hatte er denn Haß auf jemanden? Können Sie sich erklären, warum er das gemacht hat?


Z
Als ich da war, hat er einen ganz normalen Eindruck gemacht. Dass er sowas macht, hätte ich nicht erwartet.


R
War die Schwester nicht besorgt um ihn? Hat man da nicht mal drüber geschwetzt?


Z
Ganz normal, wie man halt besorgt ist.


R
Führten Sie eine oberflächliche Beziehung oder eher mit Tiefgang?


Z
Ja, schon mit Tiefgang.


R
Sie waren dann ja noch weiter zusammen…. Haben Sie dann aus der Familie irgendetwas erfahren, was die Tat erklärbar macht? Hat sich da mal jemand geäußert?


Z
Nö, ich meine..???…, nö….


R
Es gab ja dann auch andere Aufenthaltsorte. Das war sicher nicht einfach. Die Familie musste das Haus verlassen. Zu den Aufenthaltsorten werden Sie nicht befragt und Fragen danach werde ich auch nicht zulassen. Haben Sie Erkenntnisse, dass man sich in der Familie Vorwürfe gemacht hat?


Z
Ich mein', es ist doch klar, dass man sich danach Gedanken macht, ob was falsch war…


R
Und was haben Sie da erfahren?


Z
Dass man mehr auf Tim hätte eingehen sollen…, mehr reden sollen…


R
Und worüber?


Z
Waffen…? Keine Ahnung…, was halt so die Probleme sind…


R
War Tim in Behandlung?


Z
Danach habe ich mitbekommen, dass er in Behandlung war.


R
Und warum?


Z
Weil er Probleme hatte….


R
Mit dem Magen oder womit?


Z
Psychische.


R
Aber das müssen Sie doch selbst sagen!!! Von jemandem, der aufs Gymnasium geht, kann man doch erwarten, dass er das genauer benennt!!!! Welche psychischen Probleme?


Z
Hat mir niemand gesagt…, weiß ich nicht.


R
War er mit den Eltern dort?


Z
Die werden ihn wohl hingefahren haben, ja, aber ich denke nicht, dass die dabei waren.


R
Nicht, was Sie denken, sondern nur was Sie wissen ist wichtig! Gab es in der Familie vielleicht eine Enttäuschung, dass die Ärzte da etwas nicht erkannt oder nicht richtig behandelt haben? Haben die irgendwas gesagt oder sogar geschimpft?


Z
Nein.


R
Gar nichts????


Z
Nein.


R
Hat man sich denn wegen der Waffe Vorwürfe gemacht?


Z
Ja, also, ja…, ist ja klar….


R
Und woher wissen Sie das?


Z
Aus der Zeitung.


R
Aber die Zeitung interessiert uns hier gar nicht!!!! Was SIE wissen, interessiert uns!!! Also keine Erkenntnisse, dass darüber gesprochen wurde…. Ob die Waffe TATSÄCHLICH in diesem Schrank war, steht ja gar nicht fest…. Wußten Sie überhaupt von Waffen im Haus?


Z
Nein.


R
Haben Sie nie in Tims Zimmer geschaut?


Z
Nein.


R
Und wußten Sie von den Softairs?


Z
Ich glaube, dass hatte die Jasmin erzählt.


R
Und wieso?


Z
Weil ich gefragt hab.


R
Haben Sie gefragt, wozu er die Waffen braucht?


Z
Sie hat gesagt, dass er die sammelt, aber ich hab nicht weiter gefragt.


R
Wußten Sie, dass Tim mit seinem Vater zum Schießen ging?


Z
Das hat die Jasmin erzählt.


R
Auch von Leutenbach?


Z
Ja.


R
Häufig?


Z
Ich weiß nur: einmal.


R
Und womit? Gewehr oder Pistole?


Z
Denke, es war Pistole…


R
Haben Sie dort je Munition gesehen?


Z
Nein.


R
Waren Sie je im Keller?


Z
Nur da, wo der Fernseher steht.


R
Rauchen Sie?


Z
Nein.


R
War in diesem Raum auch ein Tresor?


Z
Hab ich nichts gesehen…, hat mir die Jasmin erzählt, dass es auch einen Tresor gibt…


R
Und wer hatte da Zugang?


Z
Der Vater.


R
Hat die Jasmin auch erzählt, was drin ist?


Z
Ja, Waffen.


R
Jetzt bin ich etwas verwirrt…. Vorhin sagten Sie, Sie hätten gar nicht mitbekommen, dass es Waffen im Haus gibt! Jetzt gibt es aber Waffen im Keller!!!
Ging es der Familie schlecht nach der Tat?


Z
Ja.


R
Und woran ist Ihre Beziehung gescheitert?


Z
Das war alles ein zu großer Druck für mich.


R
Gibt es jetzt irgendwelche Antipathien?


Z
Nein. Wir sind freundschaftlich auseinander gegangen.


R
Es ist schon wichtig, aus welcher Position jemand hier über andere spricht…. Haben Sie mit dem Tim auch mal Armwrestling gemacht?


Z
Nein.


R
Den Umgang in der Familie beschrieben Sie bei der Polizei als „förmlich und herzlich“…


Z
Ja, alles ganz normal, da wurde normal geredet…nichts Besonderes.


R
Wann haben Sie von den Waffen erfahren?


Z
Schon vor der Beziehung…, weil da schon eine richtig gute Freundschaft da war.


R
Bei der Polizei sagten Sie aber: „Ich wußte nicht einmal, dass die überhaupt Waffen zuhause haben“


Z
Das hab ich vielleicht gesagt, weil ich in dieser Situation unter Druck stand.


R
Haben Sie sich selbst Vorwürfe gemacht? Dass Sie nichts gemacht haben?


Z
Nee….


Beisitzende Richterin:
Was hatte die Jasmin denn in einem Internet-Chat über ihren Bruder zu sagen?


Z
Dass er ein ruhiger, zurückhaltender Typ ist…, sonst nix Besonderes.


Beisitzende Richterin:
War sie irgendwie beunruhigt?


Z
Dass er so zurückgezogen war…, das hat sie schon beunruhigt.


Beisitzende Richterin:
Und dass er sich mit diesen Ballerspielen beschäftigt? Hat sie das nicht beunruhigt?


Z
Spiele spielt doch fast jeder…, ist ganz normal…, ich hatte nicht den Eindruck, dass irgendwas mit ihm los gewesen wäre…, er war ein ganz normaler Junge.


OSTA
Dass Ihnen die Jasmin schon VOR der Beziehung vom Tresor und den Waffen erzählt hat…, finden Sie das nicht ungewöhnlich?


Z
Warum ungewöhnlich? Eine hat irgendwo einen Traktor rumstehen, der andere halt Waffen….


OSTA (erzünt wie immer)
Aber Sie müssen doch die Bedeutung nachvollziehen!!! Ein Traktor wäre hier doch völlig ohne Bedeutung!!! Hat es denn nicht die Jasmin beunruhigt?


Z
Nein…, und mich hat es auch nicht abgeschreckt.


RA Kiefer:
Vom Tresor und den Waffen hatten Sie einfach so erfahren oder hat man öfter darüber geredet?


Z
Das hat sie mir erzählt, dann war es abgeschlossen. Wir haben da nicht öfter drüber geredet.


RA Kiefer:
Kam das Gespräch einmal darauf, ob Tim eigene Waffen hatte?


Z
Nein. Der hatte keine.


RA Kiefer:
Haben Sie da im Keller eine Art Schießstand gesehen?


Z
Also, als ich da war, war sowas nicht da.


RA Kiefer:
Was wußten Sie über die Softairwaffen in Tims Zimmer?


Z
Die schiessen so Kügele…


RA Kiefer:
Haben Sie mal mit dem Tim gesprochen, was es damit auf sich hat?


Z
Nee, hab ich nicht gefragt.


RA Kiefer:
Haben Sie vor der heutigen Vernehmung mit Jasmin oder den Eltern geredet?


Z
Ja. Als ich den Brief bekommen hab, hab ich gefragt, warum ich dorthin kommen soll…


RA Kiefer:
Und mit wem haben Sie gesprochen?


Z
Mit der Jasmin.


RA Kiefer:
Und mit den Eltern?


Z
Nein.


RA Kiefer:
Und was wurde besprochen?


Z
Ich habe sie gefragt, ob sie weiß, warum ich aussagen muss…. Ob es vielleicht wegen der Chatverläufe ist.


RA Kiefer:
Und wie lange hat dieses Gespräch gedauert?


Z
Wir haben telefoniert…, vielleicht so 2-3 Stunden.


RA Kiefer:
War das der einzige Anlass für diesen Kontakt?


Z
Nein. Wir hatten die ganze Zeit hindurch freunschaftlichen Kontakt.


RA Kiefer:
Und hat sich die Jasmin auch über ihren Bruder geäußert?


Z
Sie hat schon gesagt, wie fertig sie das alles macht.


RA Kiefer:
Wurde über Tims psychische Probleme geredet?


Z
Nein.


RA Kiefer:
Das wundert mich aber. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man nicht über sowas spricht.


Z
Speziell in diesem Gespräch nicht. Ich wollte nur wissen, warum ich vor Gericht aussagen soll, was für Fragen kommen könnten.


RA Rabe:
Als Sie mit Jasmin gesprochen haben, haben Sie sich da auch über Chatverläufe unterhalten?


Z
Wir haben uns über alles Mögliche unterhalten…. Ich habe gedacht…, weil ja alles gefragt werden könnte….


RA Rabe:
In diesen Chats wurde auch über Tim gesprochen?


Z
Nur dass er eher ruhiger und zurückgezogener war…, aber keine Auffälligkeiten oder besonderen Merkmale.


RA Rabe:
Und wie hat man gechattet?


Z
Über ICQ.


RA Rabe:
Braucht man dafür ein Passwort?


Z
Ja.


RA Rabe:
Kennt das außer Ihnen noch jemand?


Z
Meine Mutter.


RA Rabe:
Hat an Ihrem Computer noch jemand außer Ihnen gechattet?


Z
Nein.


RA Rabe:
Herr Uitz. Es könnte ja sein, dass wir diese Chatprotokolle haben!!!!


Z (frech)
Schön für Sie!


R (erzürnt)
Herr Uitz. Ich muss Sie wirklich ermahnen! Sie sind hier doch nicht im Fernsehen! Seien Sie mal nicht so flapsig hier!


Es folgt eine eindringliche Standpauke durch den R. , der etwas aus der Fassung geraten zu sein scheint.


Z
Ich kann mich doch nicht an alles erinnern!


R
Die Jasmin hat sich Ihnen im Chat geöffnet. Dass es Probleme mit dem Vater gab und sie Sorge um Ihren Bruder hatte. Da kann man doch nicht sagen „Schön für Sie!“ Die Dinge, die Sie wissen, MÜSSEN Sie sagen! Das hier ist kein Prozess wegen Ladendiebstahl! Wir müssen hier ein fürchterliches Geschehen aufklären und sind auf jede Information angewiesen!!!


Z
Ich kann mich nicht an alles erinnern. War vielleicht gewesen, aber ich kann mich nicht erinnern.


R
Das ist schon eine andere Antwort als vorher. Das ist besser als „Schön für Sie!“


Z
Tut mir leid.


RA Rabe
Wurde in dem Chat über den Vater gesprochen und was?


Z
Dass er im Schützenverein war und geschossen hat, dass sie eine ganz normale und gute Beziehung zu ihrem Vater hat.


RA Rabe:
Gab es da mal Probleme?


Z
Mal Streit, ja, nichts Schlimmes.


RA Rabe:
Was haben Sie über die Krankheiten vom Tim erfahren?


Z
Dass er in die psychiatrische Klinik sollte.


RA Rabe:
Und warum?


Z
Wegen psychischer Probleme.


Der Z. bricht in Tränen aus:

Das nimmt mich alles so mit!!!


RA Rabe zitiert nun die einschlägigen und bekannten Passagen (siehe u.a. Schattauer) aus den Chatprotokollen und hält diese dem Z. vor.


Der Z. quittiert alles mit „Ja“ oder „Ja, kann sein.“



RA Bagin:
Ihre Beziehung zu Jasmin hatte Tiefgang?


Z
Ja. Wir haben uns über alles ausgetauscht…


RA Bagin:
Bestand nach Ende der Beziehung das Vertrauensverhältnis weiter?


Z
Nicht mehr so. War ja Schluß…, das ist klar…, da hat sich das Verhältnis dann geändert.


RA Rabe:
Wissen Sie, wie oft Tim in Weinsberg war?


Z
Weiß nicht, aber ich glaube, die Eltern waren nicht bei den Gesprächen dabei.


RA Rabe:
Woher haben Sie diese Information?


Z
Weil ich denke, dass man sich nicht öffnet, wenn die Eltern dabei sind. Ich glaube, die Jasmin hat gesagt, dass er alleine drin war.


RA Rabe:
Standen die Eltern in Kontakt mit den Therapeuten?


Z
Ich weiß nur, dass darüber geredet wurde, dass schon psychische Probleme da sind, aber ich glaube, da wurde nicht näher drüber berichtet.


RA Rabe:
Wurde etwas von einem Haß Tims berichtet?


Z
Weiß ich nicht.


RA Rabe:
Hat man den Eltern irgendwelche Empfehlungen gegeben?


Z
Keine Ahnung.


RA Rabe:
Wie oft haben Sie Kontakt zu Jasmin?


Z
Nicht ständig…, vielleicht 1-2 mal die Woche…. Früher war das jeden Tag.


RA Rabe:
Haben Sie erfahren, wie es Jörg Kretschmer jetzt geht?


Z
Nur dass das Verfahren ihn sehr mitnimmt.


RA Rabe:
Sagt Ihnen der Name Frau Loy etwas?


Z
Weiß nicht sicher…, glaube, das ist jemand aus Weinsberg….


RA Rabe klärt den Z. über die Eigenschaft der Frau Loy auf.


Z
Ich weiß nur, dass sie die Familie unterstützt…, nichts Näheres.


RAin Sikic:
Sie hatten ja eine enge Beziehung zu Jasmin. Kam es vor, dass Sie das Haus später abends verlassen haben, als die Alarmanlage schon an war?


Z
Nein. Ich bin einfach so raus.


RAin Sikic:
Hat Jasmin die Alarmanlage mal bedient?


Z
Nein.


Prof. Haller:
Haben Sie von der Krebserkrankung der Mutter gewußt?


Z
Nein.


Prof. Haller:
Würden Sie das Verhältnis vom Vater zum Tim als autoritär bezeichnen?


Z
Nein, eher kollegial. Der ist ja auch immer zu den Wettkämpfen mitgegangen.


Prof. Haller:
Wissen Sie, was „manisch-depressiv“ bedeutet?


Z
Ich denke mal „auf und ab“.


Prof. Haller:
Bisher haben alle Zeugen den Tim nur DEPRESSIV geschildert. Haben Sie mal von gegenteiligen Zuständen gehört?


Z
Wenn seine Freunde da waren, war er gut drauf, sonst eher nicht.


Prof. Haller:
Haben Sie in Tims Zimmer nach 23 Uhr noch Licht brennen sehen?


Z
Abwechselnd.


Der Z. wird mit der Mittagspause entlassen und verlässt sehr aufgebracht den Saal.

Es wird beobachtet, wie er mit der Faust gegen die Saaltüre schlägt und draußen vor dem Gebäude isoliert und unter lautstarken Unmutsbekundungen gegen diverse Gegenstände tritt, um sich abzureagieren.


Der Zeuge Frank Stini über Tim (Klassenlehrer Donner&Kern)


Nach der Mittagspause erscheint als Zeuge der 42jährige Frank Stini, Historiker und freiberuflicher Dozent aus Backnang.

Der Z. sei seit September 08 bis März 09 Tims Klassenlehrer gewesen bei Donner&Kern in Waiblingen und habe in 2 Std./Woche Geschichte und Gemeinschaftskunde gelehrt.


R

Wieviele Schüler hatte diese Klasse?


Z

24, glaube ich.


R

Waren das mehr Mädchen oder Jungen?


Z

Das waren weitaus mehr männliche als weibliche Schüler.


Der Z. beschreibt Tim als einen relativ unauffälligen Schüler, der nicht aus sich heraus gegangen und nicht sonderlich rege gewesen sei. Sei man aber auf ihn zugegangen, sei er stets sehr freundlich gewesen. Ein Außenseiter sei Tim nicht gewesen. Es hätte eine kleine Clique gegeben, die in den Pausen Poker gespielt hätte, wobei Tim der „Motor“ gewesen sei, der auch die Karten zur Verfügung gestellt habe. Es sei um Chips und nicht um Geld gespielt worden, sonst wäre man eingeschritten.


R

Hat Tim Freude, Wut oder Aggressionen gezeigt?


Der Z. gibt an, Tim sei kein Mensch gewesen, der Gefühle stark zum Ausdruck bringen konnte, weder in die eine noch in die andere Richtung. Es wird das Wort „Pokerface“ benutzt.


R

Also ein Mensch mit 2 Gesichtern?


Z

Das 2. sah man wohl erst am 11.03. - vorher nicht.


R

Ist das 2. Gesicht für Sie ansatzweise erklärbar?


Der Z. gibt an, sich intensiv darüber Gedanken gemacht zu haben. Auch innerhalb der Klasse sei jedes Detail aufgearbeitet worden, aber der Z. habe nichts gefunden. Tim sei ein Durchschnittsmensch gewesen, auch von den Noten her. Er habe auf einer guten 3 gestanden. Tim sei ein typisch Spätpubertärer gewesen mit einem etwas kindlichen und naiven Schreibstil. Das Dokument, was man für sowas wie einen Abschiedsbrief oder Tatankündigung gehalten habe, soll Tim für den Deutschunterricht vorbereitet haben. Der Stil sei typisch für Tims Schreibstil gewesen. Es habe sich wohl um eine Recherche zum Thema „Amokläufe“ gehandelt. Die Lehrerin Frau Zurhorst aber könne darüber Näheres berichten.


R

Und der Text war seine Formulierung?


Z

Ja, ich denke recherchiert und mit seinen eigenen Worten wiedergegeben.


R

Diese Informationen haben Sie von der Frau Zurhorst?


Z

Ja, aber den Text kenne ich nur aus den Medien.


R

Hat man sich Vorwürfe gemacht, dass die Beschäftigung mit diesem Thema der Auslöser gewesen sein konnte?


Der Z. könne sich so etwas nicht vorstellen. So etwas müsse sich wesentlich langfristiger anbahnen. Er glaube nicht, dass nur durch die Beschäftigung mit dem Thema der Entschluss zu so einer Tat ausgelöst werde.


R

War Tim ein spontaner Mensch?


Z

Eher weniger spontan.


Gefragt nach Problemen mit Mädchen, Hänseleien oder Mobbing in der Klasse gibt der Z. an, er hätte nichts dergleichen beobachtet. Die Klasse habe sich im Nachhinein sehr selbstkritisch damit auseinandergesetzt, es sei jedoch nichts zu Tage getreten. Es sei insgesamt eine sehr angenehme Klasse gewesen, in der es nur wenig Probleme gegeben habe.


R

Am 11.03. ist Tim ja offenbar an die ARS zurück. War die irgendwie negativ belastet? War er dort durch andere irgendeinem Druck ausgesetzt?


Z

Ist mir nie etwas zu Ohren gekommen.


R

Auch nicht von anderen Schülern?


Z

Nein.


Gefragt nach Julia G. gibt der Z. an, außerordentlich überrascht gewesen zu sein, dass diese nach dem 11.03. einen intensiven persönlichen Kontakt zu Tim angegeben hatte. Der Z. selbst habe bei keiner Gelegenheit einen solchen Kontakt beobachtet, weder beim Poker in den Pausen noch in den Ruhestunden.


R

Könnte es sein, dass diese Frau G. eventuell zuwendungsbedürftig sein könnte? Gibt es da irgendwelche Auffälligkeiten?


Der Z. gibt an, Frau G. habe keine einfache Position in ihrer Klasse gehabt und es hätte einige Vorfälle gegeben. Sie sei „absolut“ auffälliger gewesen als Tim.


R

Sie haben also keine Erkenntnisse, dass da eine weitergehende Beziehung bestanden hätte?


Der Z. gibt an, dass Frau G, darüber nie berichtet habe. Er habe sich in den Pausen öfters mal mit ihr unterhalten, aber ein Kontakt mit Tim sei nie zur Sprache gekommen.


R

Tags zuvor sollen die beiden zusammen gewesen sein. Haben Sie darüber Erkenntnisse?


Der Z. gibt an, dies sei ihm erst danach bekannt geworden. Er sei sehr überraschend gewesen, denn er habe nie dergleichen beobachtet. Er wisse zwar nicht, was außerhalb der Schule vor sich gehe, geht aber davon aus, dass man die beiden doch 1-2 mal zusammen hätte sehen müssen. Dies sei jedoch nie der Fall gewesen. Laut seiner pol. Vernehmung habe der Z. den Tim am Montag zuvor zuletzt gesehen. Dieser habe beim Poker noch ein Späßchen gemacht.


R

Sie gingen davon aus, dass Tim es im Berufskolleg weiter schafft?


Z

Ja. Die Kollegen auch.


R

Das Elterngespräch war wann?


Z

Am Di, 10.02.09.


R

Und wie kam es dazu?


Der Z. gibt an, dies habe im Rahmen eines Elternabends stattgefunden. Familie K. sei zunächst gar nicht auf die Noten zu sprechen gekommen, sondern habe sich sehr dafür interessiert, wie Tim in der Klassengemeinschaft zurecht kommt, ob dieser integriert sei. Der Z. beschreibt den Kontakt als sehr symphatisch und dies würde sich damit decken, was den Eltern von den Psychologen mit auf den Weg gegeben wurde, nämlich dass Tim mehr soziale Kontakte brauche. Erst gegen Ende wurde über die Noten gesprochen, so der Z.


R

Wenn die Berichterstattung aus Weinsberg stimmen würde, wäre das also schlüssig?


Z

Richtig.


R

Was das für Probleme waren, die der Tim da hatte, wußten Sie aber nicht?


Z

Nein. Darüber hatte ich überhaupt keine Kenntnis.


R

Offenbar hatte es aber doch Auffälligkeiten gegeben. Herr Schneider, der Mathelehrer hatte berichtet, dass da was war. Tim hätte seine Tasche gepackt und sei gegangen. Er habe gesagt, dass jetzt „Schluß“ sei.


Z

Jetzt erinnere ich mich.


R

Das war aber nichts Dramatisches?


Z

Nein, ich denke auch für Herrn Schneider nicht.


R

Hat Tim sich für aktuelle politische Ereignisse interessiert?


Z

Das hat erst angefangen bei ihm. In der Klausur wurde ein aktueller Teil eingebaut. Die 1. Klausur war bei Tim sehr gut. In beiden hatte er einen Schnitt von 2,8, wobei der aktuelle Teil bei ihm nicht zu einer Verbesserung geführt hat.
Er hat erst allmählich angefangen, sich für Nachrichten zu interessieren. Laut den Eltern hätte er angefangen, die „Bild-Zeitung“ zu lesen.


R

Und was ihn da genau interessiert hat, wissen Sie nicht? Waren es vielleicht die Bilder?


Z

Ich glaub nicht, dass man die wegen der Bilder kauft, da gibt es heutzutage doch andere Medien…


R

Was wissen Sie von den PC-Spielen?


Z

Da kann ich persönlich nichts zu sagen… nur das, was Mitschüler berichtet haben, da hab ich keine eigenen Beobachtungen gemacht.


R

Im Computerraum soll Counterstrike gespielt worden sein!?


Z

Ich war nie im Computerraum.


R

Können Sie etwas zum Thema Waffen sagen?


Z

Nichts. Das war nie ein Thema. Ich mag keine Waffen und schon gar nicht im Unterricht.


R

In Ihrer Polizeivernehmung haben Sie zum Thema „Mobbing an der ARS“ gesagt, es habe „kleinere Fälle von Mobbing“ gegeben. Das wüssten Sie aber nur vom „Hörensagen“. Woher? Aus der Zeitung?


Z

Von irgendwo…, vielleicht von Schülern…, nichts Genaues.


Beisitzender R:

Hat sich Tims Pünktlichkeit verändert?


Der Z. gibt an, da sei ihm nichts aufgefallen, da Schüler öfters mal evtl. 5 Minuten zu spät kamen wegen der öffentlichen Verkehrsmittel. Er könne sich nur an einen Tag erinnern, an dem Tim mal zu spät war. Insgesamt sei er pünktlich gewesen und oft schon früher da wegen des Pokerspielens, das oft schon VOR dem Unterricht stattfand.


RA Gorka:

Wie viele Unterrichtsstunden pro Woche hatten Ihre Schüler dort?


Z

Ich habe den Stundenplan nicht mehr im Kopf, aber es waren relativ viele Stunden. So ca. 35.


RA Gorka:

Sie sagten, sowohl Lehrerschaft als auch die Klasse habe im Nachhinein über die Ereignisse diskutiert. Trotz allen Rekapitulierens sei nichts bemerkbar gewesen. Ist das das Resümee aller Lehrer?


Z

Ich kenne keinen gegenteiligen Bericht von irgendeinem Lehrer.


RA Gorka:

Und die dort angestellten Fachkräfte sind pädagogisch-psychologisch besonders geschult?


Z

Das ist unterschiedlich, je nachdem, ob es sich um Ausgebildete oder um Quereinsteiger handelt. Quereinsteiger müssen sich jedoch immer einer Begutachtung unterziehen.


Prof. Haller:

Haben Sie je erlebt, dass Tim geistig abwesend oder weggetreten war?


Z

Nein. Nie. Er war wach, aufmerksam, hat zugehört und alles mitgekriegt. Er hat nicht abgeschaltet oder geträumt.


Prof. Haller:

Hatten Sie den Eindruck, dass ein gewisser Druck von Seiten der Eltern da war? Dass er z.B. nur wegen der Eltern diese Schule besuchte?


Z

Ich denke, er ging freiwillig und gerne zur Schule, einen Leistungsdruck konnte ich nicht feststellen. Die Frage nach der Leistung kam ja auch erst am Ende des Elterngespräches. Das wäre ungewöhnlich, wenn die Leistung im Vordergrund stünde.


Prof. Haller:

Wer war in diesem Gespräch der aktive Elternteil?


Z

Eindeutig der Herr Kretschmer, aber auch die Frau Kretschmer hat sich eingeschaltet.


Prof. Haller:

Wurden Fragen gestellt nach der Berufsperspektive wie „was wird aus dem einmal?“ ?


Z

Dazu war die Zeit zu kurz und das Gespräch nicht intensiv genug…


Oberpsychologierat Wiczorek:

Wegen der Pünktlichkeit: Wenn jemand zu spät kam, musste er dann in der letzten Reihe sitzen?


Z

Es gab schonmal Phasen, in denen sich umgesetzt wurde, spontan vielleicht mal für eine Stunde. Ansonsten saß jeder wie gewohnt auf seinem Platz. Aber in der letzten Reihe bestimmt nicht.


Oberpsychologierat Wiczorek:

Als Tim die Tasche gepackt hat und gesagt hat, es sei jetzt „Schluß“, war das ja eine Selbstbehauptungsaktion, die man von ihm so nicht gewohnt war. Konnten Sie beobachten, dass er sich nochmals versucht hat zu behaupten oder sich entgegen den Erwartungen verhalten hatte?


Z

In meinen Stunden ist mir da nichts aufgefallen. Aber der Vorfall ist so bemerkenswert, weil er so gar nicht ins Bild von Tim gepaßt hatte.


Der Z. wir nun entlassen.


Verlesung der Vernehmung der Zeugin Gabriele Zeller über Tim (Nachhilfelehrerin)


Zur Verlesung kommt die Vernehmung der Nachhilfelehrerin Gabriele Zeller, geb. 24.11.1954, Dipl. Sozialpädagogin

Vernehmung vom 26.03.09 um 12:00 Uhr

Die Z. sei Tims Nachhilfelehrerin gewesen seit der 6. Klasse (2003) bis zum April 2008.

Vermittelt worden sei sie durch die Familie Rommel, deren Sohn Felix sie betreut habe. Frau Rommel habe den Kontakt zu Kretschmers hergestellt.

Es sei dann zu Probestunden gekommen und in der Folge zu 1 Stunde/Woche Nachhilfe in Deutsch und Englisch. Die Nachhilfe habe im Esszimmer stattgefunden (manchmal Frau K. anwesend) und ab Oktober 07 im TV-Raum im UG. Dort sei man dann alleine gewesen während Frau K. sich im EG aufhielt.

Tim habe mittelmäßige Leistungen erbracht (Deutsch 4, Englisch 3), in Mathe habe er später auch Nachhilfe erhalten, da habe er auf einer 4 gestanden.

Nach der Realschule sollte er eine Ausbildung in der Fa. des Vaters machen, dies wurde aber verworfen und er sei bei Donner und Kern weiter zur Schule gegangen. Die Nachhilfe der Z. habe sich somit erledigt, da dies nun von der schulinternen Firma Abacus durchgeführt worden sei.

Mitte der 7. Klasse habe die Z. den Tim gefragt, warum er das Gelernte nicht umsetzte. Er wisse es nicht. Die Z. sei sich recht sicher gewesen, dass Tim Versagensängste quälen würden. Es schien so, dass Tim sich wenig zutraute. Tim soll angegeben haben, er werde „nicht ernstgenommen“, dass „die Klasse“ über ihn „lacht“ und dass die Lehrer ihn „ignorieren“ würden. Er fühle sich „ungerecht behandelt“ und seine Leistung werde „nicht gewürdigt“. Als Beispiel führt die Z. ein Referat über Tischtennis an, auf das sich Tim gut vorbereitet hatte, jedoch dafür nur die Note 3,5 erhalten habe. Er sei sehr enttäuscht gewesen, dass er auch das noch „versiebt“ hat.

Die Z. glaubt zu wissen, dass Tischtennis das Einzige gewesen sei, was Tims Selbstwertgefühl gesteigert hätte. Mitte der 9. Klasse wollen der Z. Veränderungen aufgefallen sein: Für Tischtennis schien er sich nicht mehr so zu interessieren. Stattdessen hätte er sich immer weiter zurückgezogen und habe gesagt, die Schule sei „überflüssig“, da er „beim Pokern sowieso jeden Tag 100 Euro gewinnen“ könne. Er habe, so die Z. , Schwierigkeiten gehabt mit Niederlagen umzugehen im Gegensatz zu seiner Schwester, einer 1er-Schülerin.

Die Z. denkt, es habe sich um ein grundsätzliches Unsicherheitsgefühl gehandelt. Lob habe angeblich keine Wirkung erzielt und sei an Tim abgeprallt.

Aus der Schule habe er immer das Gleiche berichtet. Es habe sich um Perspektivlosigkeit gehandelt. Tim habe nur noch „funktioniert“. Ausgenommen PC-Spiele habe man nichts mit ihm besprechen können, schon gar nichts Persönliches. Das Thema „Freunde“ habe er immer umgangen. Als evtl. Freund nennt die Z. den Namen Dennis Alexi.

Es habe ein recht gutes familiäres Verhältnis geherrscht. Zu seiner Mutter soll Tim Vertrauen gehabt haben. Tim und Jasmin sollen zusammengehalten haben. Im Zimmer des Tim war die Z. niemals.

Zum Thema Hänseleien gibt die Z. an, dass Tim am Anfang der 9. Klasse schlecht drauf gewesen sein soll: „Die blöden Weiber“ hätten ihn wieder „genervt“. Beim Einsteigen in den Bus sei er von Mädchen aus seiner Klasse gehänselt worden und auf dem Schulhof sei es dann weiter gegangen. An positive Aussagen über Tims Lehrer könne sich die Z. nicht erinnern. Tim sei ungerecht behandelt worden. Die Z. wählt den Begriff „Mobbing“.

Dennis Alexi hätte ähnliche Probleme gehabt wie Tim. Die Schule wolle davon nichts wissen, obwohl es dort bekannt sei. Nach der Tat habe die Z. eine Kerze und einen Text bei Tims Elternhaus hinterlassen, weil Sie wütend gewesen sei, dass man ihn als alleinverantwortlichen hingestellt. Sie habe ein Vertrauensverhältnis zu Tim gehabt und denkt, dass diese Tat nur möglich werden konnte, weil Tim eine „abgrundtiefe Verzweiflung“ empfand.

Aus einem Kondolenzschreiben der Nachhilfelehrerin sollen weitere Erkenntnisse bekannt geworden sein. Am 06.04.09 wurde ein KHK Koppelmann offenbar mit einer weiteren Vernehmung dazu beauftragt:

Die Verfasserin spricht am 06.04.09 von einem Schreiben, das nicht hätte weitergegeben werden sollen, da die Ereignisse genug thematisiert worden seien. Tim sei von Lehrern und Mädchen gemobbt worden. Besonders von der Deutschlehrerin und der Techniklehrerin sei er in der 5. und 6. Klasse gemobbt worden. In der 7. und 8. Klasse habe er dann andere Lehrer gehabt, jedoch in der 9. und 10. Klasse wieder Frau Mayer.


Formalitäten II


Als nächstes gibt der R den Sachverständigen Hinweise zur Erstellung ihrer Gutachten.



Die Krankenakten Tims aus Weinsberg seien dabei völlig „wegzudenken“.

Prof. Haller fragt nach, ob er die psychische Klinik generell „wegzudenken“ habe.

Der R. teilt mit, dass die Beschuldigtenvernehmung des Angeklagten verwertbar sei. Somit wäre der Inhalt des Abschlußberichts sowie alles weitere aus Weinsberg (Vernehmungen der Mitarbeiter sowie Aussagen von Ute und Jasmin K. bei der Polizei) gesperrt und seien wegzudenken.

Anders verhalte es sich wiederum bei den Angaben die Haller im Rahmen SEINER eigenen Exploration der Familie erhalten habe. Da Haller damals keinen Gutachterstatus innehatte, seien die Angaben nur durch die ärztliche Schweigepflicht geschützt. Solange Haller also nicht davon entbunden wurde, habe er das Wahlrecht auf ein Zeugnisverweigerungsrecht nach § 53 STPO.

Nun sollen sich die Gutachter noch verschiedene Alternativszenarien zurechtlegen, so der R. :

1. Man solle sich überlegen, ob sich etwas ändern würde, wenn man anstatt aller Vernehmungen des Angeklagten (einige wurden ja von der Verteidigung gerügt) nur die Beschuldigtenvernehmung zugrundelegt, oder ob es darauf NICHT ankäme.

2. Ob es Einfluß auf das Ergebnis hat, wenn man die Aussage der Frau Loy, die Eltern hätten Kenntnis von den Hassgedanken Tims gehabt, zugrundelegt, oder ob dies nicht erfolgt sei.

3. Ob es das Ergebnis beeinflußt, wenn Tim Zugang zum Tresor gehabt hätte oder nicht.

4. Ob es das Ergebnis beeinflußt, wenn Tim Mobbing und Hänseleien ausgesetzt gewesen sei, oder dies subjektiv so empfunden habe, oder nicht.

5. Ob es das Ergebnis beeinflußt, wenn Tim bei Igor Wof ins Auto gestiegen sei und gesagt hätte, er habe bereits 15 Leute umgebracht, oder dies nicht erwiesen wäre.



Nun kommt die große Stunde des RA Rabe , der in der Folge - zum Ende kurz vor Feierabend zu fortgeschrittenener Zeit - 5 (!) mehrseitige Anträge glaubt vorlesen zu müssen, obwohl er diese auch (, wie RA Gorka einwirft, ) bei der Geschäftsstelle des Landgerichts einfach hätte einreichen können.

Es handelt sich hierbei um mehrere sogenannte Attessionsanträge und einige Anträge auf Prozesskostenbeihilfe für seine Mandantschaft.

Mit den Attessionsanträgen werden zivilrechtliche Forderungen (Schadenersatz/Schmerzensgeld) im Strafprozess anhängig gemacht.

Für Nick Paul Petermann wird Schmerzensgeld, die Übernahme sämtlicher zunkünftiger Schäden aus der Tat, die außergerichtlichen Anwaltskosten usw. gefordert.

Gegenstandswert: ca. 22 Tsd. Euro.

Hierzu schildert der RA den allseits bekannten Tathergang, der zur Verletzung seines Mandanten führte, um danach seinen jetzigen bedauernswerten Zustand zu schildern.

Danach die gleiche Prozedur für Jan Marvin Baumann und für Lisa Gerstenberger, jeweils mit unterschiedlich hohen Geldbeträgen, jedoch zum Verdruß aller Anwesenden mit den gleichen, bekannten ausführlichen Darstellungen.

Als RA Rabe einen Knoten in der Zunge zu bekommen droht, übernimmt RA Kiefer für Carolin Schneider, kann aber zur Erleichterung aller Beteiligten eine Seite nicht auffinden, was der R. sofort zum Anlass nimmt, die Sitzung zu beenden.


Was bei den Schilderungen auffiel:

1. Lisa Gerstenberger (Chemiesaal) leidet unter einer akuten Belastungsstörung, u.a. weil ihre beste Freundin im anderen Klassenzimmer gestorben sei.

2. Carolin Schneider soll durch einen Absturz von der Feuerleiter verletzt worden sein. Hierbei sei ihr ein Wirbelfortsatz abgebrochen, was teilweise zu Lähmungserscheinungen geführt haben soll.


Somit endet dieser Prozesstag.


Rechtlicher Hinweis:

Anonymisierungsangebot


Jede der in diesem Artikel mit vollem Namen genannte Person, die eine Anonymisierung wünscht, möge sich bitte auf dem kurzen Dienstweg mit den Seitenbetreibern in Verbindung setzen.

Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.

Zuletzt geändert: 13/02/2017 03:32