18. Prozesstag am Di., 30.11.2010 - Wolf

Rechtlicher Hinweis:

Anonymisierungsangebot


Jede der in diesem Artikel mit vollem Namen genannte Person, die eine Anonymisierung wünscht, möge sich bitte auf dem kurzen Dienstweg mit den Seitenbetreibern in Verbindung setzen.

Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.


Der Zeuge Igor Wolf zu seinem angeblichen Kidnapping


Es erscheint der 43jährige Igor Wolf in Begleitung seinen Anwalts RA Lang .

Als Beruf gibt er „Kfz-Mechaniker“ an.
Seine Wohnadresse möchte er nicht sagen, um vor der Presse geschützt zu sein.
Herr Wolf macht grundsätzlich einen aggressiven Eindruck - es hat den Anschein, dass es ihm nicht passt, hier aussagen zu müssen - zeitweise wirkt er jedoch auch verstört und gedanklich abwesend.


R

Herr Wolf, den Beruf „Kfz-Mechaniker“, üben Sie den auch derzeit aus?


Z

Nein.


R

Offenbar hatten Sie ja am 11.03.2009 Kontakt zu Tim Kretschmer, der für Sie auch noch Spätfolgen hatte.

Bitte schildern Sie zunächst von sich aus, wie das da ablief.

Sie sind da ja wohl von einer männlichen Person entführt worden….


Z

Also war ganz normale Tag…habe vorgehabt fahren nach Winnenden…ich möchte dahin…da habe ich dann Parkplatz gesucht…


R

Was fuhren Sie für ein Auto?


Z

Eine Sharan.


R

Können Sie sich da noch an das Kennzeichen erinnern?


Z (überlegt krampfhaft)

Hmmm……??? Nein…


R

Und wann kamen Sie dann dort an?


Z

War so ca. halb 10…hab dann kein Parkplatz bekommen…. Dann hab ich eben Runde gedreht…aber da war keine Parkplatz.

Dann hab ich Auto so neben geparkt…so daß niemand störe…so auf Seite….

Dann hab ich Handy geholt und meine Frau angerufen.

Hab ihr gesagt, dass ich habe kein Parkplatz und „du muscht halt alleine zusehen…“ und dass ich da und da stehe…


Dann hab ich Handy ausgeschaltet und in Tasche gesteckt.

Auf jede Fall in den Moment steigt rechte hintere Seite diese Junge ein - also NICHT auf Seite Beifahrer sondern hintere Türe.

Da steigt diese Tim ein oder wie der heisst….


R

Den kannten Sie nicht?


Z

Nein.


R

Und Ihr Motor war zu der Zeit aus?


Z

Ja.


R

Ihr Fahrzeug ist ja viertürig.

Hat es sonst irgendwelche Besonderheiten?


Z

Nein…nur getönte Scheibe…


R

Und wo sind die getönt?


Z

Hinten und an Seite.


R

Also die Heckscheibe und die Seitenscheiben?


Z

Ja.


R

Ist das eine starke Tönung? Richtig dunkel?

Also kann man von außen die Personen im Inneren nicht erkennen?


Z

Ja, von außen kann man keine sehen…von innen ja.


R

Und ein Junge hat die Türe aufgemacht?


Z

Ja…dann auf jede Fall…ich sitze so…dann drehe mich um und sehe wie der eine Pistole auf mich hält…sagt „Fahr los!“..Ich sage „Was soll das?“..er sagt: „schnell…los..weg!“…hat mir Pistole an Kopf gehalte…


R

Und wie sah der denn aus?


Z

Also, der war mit Brille, ganz genau weiß ich nicht mehr…ich konnte auch nicht beschreiben…war wegen dem Schock.

Habe dann nur gesagt: „Wer bischt du? Was willscht du?“


R

Und wie hat er Ihnen die Pistole an den Kopf gehalten?


Z

So seitlich von hinten.


R

Und in welchem Abstand?


Z

Vielleicht so 10 cm….


R

Hat der sich erst reingebeugt oder gleich reingesetzt?


Z

Der hat sich erst reingebeugt.


R

Als er dann gesprochen hat, war er da aufgeregt oder hat irgendwie gehetzt gewirkt?


Z

Der hat schon bisschen schneller geschnauft. Aber ich habe das erst gar nicht ernst genommen….

Erst als er gesagt hat „schnell, los, weg, fahr schnell“….dann hab ich ernst genommen.

Da wußte ich, der meint es ernst.

Ich hab dann gesagt: „Beruhig Dich. Ich mach ja alles was du willsch“

Er hat dann gesagt „Fahr schnell los!“.

Dann ich hab Motor angemacht und bin langsam rausgefahren.

Das war dann Einbahnstraße.

Dann ich hab gefragt: „Was hascht du eigentlich angestellt?“

Er hat gesagt: „Ich habe schon 15 Menschen umgebracht in meiner alten Schule und das war für heute noch nicht alles!“

Wir sind dann weiter gefahren, da war ja alles Einbahnstraße, dann ich bin links abgebogen.

Dann kam 1. Ampel.

Noch vor 1. Ampel ich hab mich gefragt: „Warum gerade ich?“


R

In dieser Situation - haben Sie ihm da geglaubt oder dachten Sie vielleicht „der spinnt“?

Schließlich waren Sie ja in der Nähe der Psychiatrie….


Z

Ich hab dem scho geglaubt, weil der hat ja auch Pistole gehabt.


R

Haben Sie erkannt, dass es eine echte Waffe war?


Z

Ja, die war schon echt.

Ich war ja auch 2 Jahre bei Armee. Mit Pistole kenn ich mich nicht so aus, aber ich hab sie schon für echt gehalten.


R

Und er hat von 15 Personen gesprochen?


Z

Ja, 15 und es ist für heute noch nicht alles, hat er gesagt.


R

Wir müssen uns hier schon die Frage stellen, ob er da schon gewußt hatte, dass 15 Personen tatsächlich tot waren.

Hat er wirklich DIESE Zahl genannt?


Z

Das weiß ich ganz genau. Er sagte 15 Menschen.


R

Und Sie haben das nicht im Nachhinein erst gehört mit den 15 Menschen?


Z

Nein, da bin ich mir 100% sicher, der hat 15 gesagt…


R

Aber Sie selbst hatten keine Hinweise darauf, dass so etwas passiert ist?

Er sprach von seiner „alten Schule“. War denn da so ein Gebäude in der Nähe?


Z

Ich war erst 2. Mal in Winnenden und nur auf diese Parkplatz.

Ich weiß nicht.


R

Und das mit den 15 Personen haben Sie ihm geglaubt?


Z

Ja, hab ich schon geglaubt.

Dann war Ampel rot, dann hab ich linke Spur genommen zu links abzubiegen.

War an Kreuzung da war so Haus gestande.

Ich hab mir dann gedacht: spring ich jetzt raus oder nicht?

Irgendwie war mir klar ich würde nicht schaffen.

Der würde bestimmt schießen.


R

Hat er Ihnen denn gesagt, wohin und wie Sie fahren sollen?


Z

Noch nicht gesagt. Nur „wegfahren!“


R

Hatten Sie zu diesem Zeitpunkt schon Anhaltspunkte dafür, dass da etwas anderes im Gange war?

War da Aufregung oder Ähnliches zu sehen?


Z

Ja, der war nicht so ruhig. Der war scho aufgeregt und nervös.


R

Ich meinte damit, ob Sie vielleicht andere Fahrzeuge bemerkt hatten, mit Blaulicht und Sirene?


Z

Nein. Da nicht.


R

Und wie ging es dann weiter?


Z

Ich habe links abgebogen, so wie Straße geht.

Straße geht raus von Winnenden.

Dann ca. 50 m oder so, ich glaube, kommt entgegen viele Polizisten, vielleicht 10 Autos diese Richtung.

Dann ich hab paar mal probiert mit Lichthupe.

Die haben aber nicht reagiert.

Dann war mir klar, dass ich mach was Falsches.

Er hat zum Glück nicht gesehen ich mache Lichthupe.

Dann wir sind raus von Winnenden.


R

Und die Polizeifahrzeuge hatten Blaulicht?


Z

Ja, hatten Blaulicht und Sirene.


R

Hat der Täter die Polizei bemerkt und was hat er da gesagt?


Z

Ja, hat bemerkt. Gesagt: „Verdammt. Die waren aber schnell. Nicht einmal 5 Minuten und die sind schon da. Aber ich war auch schneller.“


R

„Ich war auch schneller“?


Z

Ja.


R

Und weiter?


Z

Ich weiter gefahren. Er hat dann gewollt, dass ich schalte Radio ein. Ich habe dann irgendwie abgelenkt, kann nicht erinnern…aber ich hab nicht eingeschaltet.

Ich wollte nicht er würde Informationen bekommen erstens und zweitens wenn er würde mitbekommen was er getan hat, er würde vielleicht noch nervös und aggressiv und dann würde anders reagieren.

Hat paarmal gefragt wegen Radio.


R

Und was hat er noch gesagt?


Z

Weiß nicht… er hat gefragt „Wo wohnst du?“ - ich gesagt „in Aalen“.

Wir sind ja in die Richtung gefahren…dann ich hatte Angst so…war dann froh, als wir an diese Ausfahrt vorbei…

Dann wir sind weiter Richtung Autobahn.


R

Und welche Autobahn?


Z

Er hat nicht gesagt. Wir sind B 14 gefahre, bei Ausfahrt er hat gesagt rechts Richtung Fellbach.


R

Sind Sie nicht durch einen Tunnel gefahren?


Z

Ja, Fellbach. Da ist 1. Tankstelle rechts obendrüber.

Bin dann einfach weiter gefahren.


R

Und dann durch die Stadt?


Z

Ja, Bad Cannstadt und dann immer gerade durch Stuttgart.

Da kamen wieder viel Streife vorbei mit Blaulicht und Sirene.


R

Also durch Stuttgart durch?


Z

Ja, direkt durch die ganze Stuttgart.

Vor die Tunnel er hat gesehen da hatte ich Netz mit Clementinen in Auto.

Er gesagt: „Oh, Clementinen!“ - er hat eine genommen - weiß nicht ob er hat gegessen, aber Schale in Auto.

Wir weitergefahren, dann er hat gesagt: „Scheiße, jetzt hab ich mein gutes Messer verlorendas war ein verdammt gutes Messer“

Dann wir sind Richtung A 81 Autobahn.


R

Hat ER das entschieden oder Sie?


Z

Er gesagt immer gerade, immer Richtung Autobahn.


R

Aber da gibt es ja verschiedene Möglichkeiten.

Was hat er da noch gesagt?


Z

An der Stelle er hat nicht gesagt…nur immer weiter…

Da war Radarstelle und ich hab vorsichtig gefahren.

Da er hat gesagt: „Da hab ich aber einen guten Fahrer verwischt!“

Ich dann gesagt: „Ja, ich will ja nicht Strafe zahlen…“

Dann wir sind weiter zu Autobahn, ich glaube 81 und dann weiß nicht mehr genau welche Stelle….vielleicht Sindelfingen da kam ein Stau.

Dann er war ganz nervös und ich auch.

Er hat gesagt: „Scheiße…Stau!“

Wie würde das weitergehen…ich weiß nicht…. Dann wir sind immer langsamer gefahren und dann wir sind stehengeblieben.

Er hat dann mit Pistole hin und her gefuchtelt. Der war nervös.

Er hat dann gesagt: „Soll ich jetzt mal rausgehen und ein bisschen schießen - ein bisschen Spaß haben?“

Ich dann gesagt: „Warum willst du das tun?“ - „Warum willst du noch mehr unschuldige Leute töten?“

Ich hab gesehen…der war nervös.

Er hat dann gesagt: „Ja, ok, ok…“


R

Aber Ihre Frage nach dem Warum hat er nicht beantwortet?


Z

Nein.


R

Hat er das ruhig gesagt? War er aufgeregt oder hat er geschrien?


Z

Nein, bei Tim war schon höher der Ton und bei mir ist dann auch so…


R

Und wie ging es dann weiter?


Z

Ganz langsam weiter.

Dann kam Tankstelle und er hat gesagt: „Fahr mal raus zu Tankstelle!“

Da war auch Rastplatz, bin vielleicht 100 gefahre oder so.

Bin dann langsam in Tankstelle gefahre.

Da war aber Streifenwagen von Polizei.

Da bin ich langsam vorbeigefahre.

Er ist nervös geworde und hat gesagt: „schnell, fahr raus von hier!“

Ich hab dann einfach weiter gefahren, bin raus wieder auf Autobahn.

Dann 1. Ausfahrt…ich weiß nicht welche…runtergefahre von Autobahn.


R

Kam da vorher ein Tunnel auf der A 81? Der Schönbuchtunnel?


Z

Weiß ich nicht mehr…


R

Und dann?


Z

Dann wir sind die Bundesstrasse gefahre und durch viele Dörfer.


R

Hat ER die Anweisung gegeben?


Z

Hat gesagt: „runter von Autobahn und dann immer geradeaus fahren!“

Ich bin dann einfach weiter gefahre. In einem Ort kamen wir an Polizei vorbei…

Da er war wieder nervös.


R

Sie waren unterwegs in Bereichen, die Sie noch nicht kannten?


Z

Nein, ich kannte nicht. Ich will auch nicht nochmal da fahren.

In einem Ort waren halt auch Schulen.

Da hat gefragt: „Was meinst du, machen die nachmittags die Schule zu?“

Ich dann gesagt: „Ich glaube, die machen immer zu.“


R

Hat er zu Ihnen Du gesagt oder Sie?


Z

Hat immer du gesagt.


R

Und Sie?


Z

Ich auch immer Du gesagt.


R

Sie wußten ja die Öffnungszeiten der Schulen nicht genau?


Z

Kann mich nicht erinnern….weiß, dass meine Tochter nachmittags auch nicht in Schule geht…

Weiß nicht warum ich das gesagt, kann mich nicht erinnern.

Dann ich auch frage: „Warum machst du das?“

Er sagt: „Als Spaß!“


R

Wann war das genau? Beginn, Mitte oder Ende der Fahrt?

Hat er gesagt „als Spaß“ oder „AUS Spaß“?


Z

Hat gesagt „als“. Das war schon weiter weg.

Hat auch mal gefragt: „Wo kommst du her?“

Ich hab gedacht, dass er Kasachstan wahrscheinlich nicht kennt, deshalb ich habe gesagt „aus Russland“.

Dann hab ich gesagt: „Sag bloß nicht, dass du Ausländer hasst!?“

Er hat dann gesagt: „ Nein…schon ok.“


R

Sie dachten, dass er evtl. kurzen Prozess macht, weil Sie Ausländer sind?


Z

Ich kann nicht erklären…weiß nicht….


R

Wie war das mit Ihrer Tankfüllung? Wie weit hätte die noch gereicht?


Z

Er hat mal nach Tank gefragt - ich hab gesagt ist nicht mehr so viel…


R

Und war das die richtige Antwort?


Z

Nein. Das war noch für 250 - 300 km.


R

Und haben Sie nicht gefragt wohin?


Z

Ja, er gesagt „immer geradeaus!“


R

Gab es auch Phasen in denen nicht geredet wurde?


Z

Ja.

Ich habe auch mal gefragt „Hascht du Eltern und woher kommst du?“

Er sagte „Ja, aus Winnenden.“

Ich gefragt: „Und deine Eltern?“ - „Auch aus Winnenden.“

Mehr ich hab nicht gefragt, weil ich gedacht hab, der hat vielleicht Probleme mit Eltern….


R

Und weiter?


Z

Weitergefahren. Immer gerade. Dann kam Tübingen.


R

Tübingen? Sind Sie da durch einen Tunnel gefahren?


Z

Nein. Immer gerade. Glaube kein Tunnel.

Da waren viele Streifenwagen entgegen.

Ich hab gedacht ich muss was tun. Vielleicht direkt rausspringen, aber das war dort voll blöd…

Da waren viele Leute.

Ich hab nicht gemacht, das war zu gefährlich….

Dann hat er in seiner Tasche so nervös immer mit Kugeln gespielt, hat immer so geklingelt, das war wie Weste, immer so hin und her. Das Geräusch kenne ich.

Dann hat Magazin nachgeladen. Ich wußte, der vorbereitet sich für nächste Schießerei.


R

Wo hat er das nachgeladen? Schon in Stuttgart oder weiter oder erst nach Tübingen?


Z

Kann mich nicht mehr erinnern…


R

Und wie haben Sie das gesehen?


Z

Einmal hab ich kurz umgedreht und gesehen, dass Magazin war. Aber ich musste mich auf Straße konzentrieren.


R

Haben Sie auch Patronen gesehen?


Z

Nein. Kugeln ich hab nicht gesehen.


R

Und wo hatte er das Magazin? In einem Behältnis oder am Körper?


Z

Weiß nicht genau. Kugeln würden nicht solches Geräusch machen sonst…er hat immer mit Kugeln hin und her gespielt….

Das Geräusch weiß ich…bin ja in Armee gewesen…


R

Und hatten Sie anfangs die Pistole erkannt?


Z

Ja. Pistole war schon lang.

Ich hab gesagt: „Da hascht aber ein großes Ding. 9mm?“

Er hat ja gesagt.


R

Sie waren in Tübingen. Wie ging es dann weiter?


Z

Meine Gedanke waren immer irgendwie ich muss raus.

Aber da ist dann Frau mit Kinderwagen und Kind über Straße.

Kind war ca. 4 Jahre alt.

Ich habe dann wieder nicht gemacht..

Ich habe gedacht, du muscht so machen, dass es nicht in eine Ortschaft ist…

Wie er hat dann Magazin aufgeladen ich habe gewußt, der bereitet die nächste Schießerei vor…

Ich habe immer weiter geradeaus gefahren, welche Orte ich weiß nicht…kenne nicht…

Ich hab immer gedacht, irgendwas muss jetzt tun entweder gegen Baum oder von Straße runter…

Dann hab ich aber meine Kinder gedacht…..
(Herr Wolf drückt einige Tränen hervor…)


R

Und wie weiter?


Z

Dann wir sind auf B 313 gefahre.


R

Hat er das gesagt oder Sie selbst entschieden?


Z

Er gesagt immer gerade, dann Richtung Karlsruhe.


R

Sind Sie durch Nürtingen oder Metzingen gefahren?


Z

Kann sein, weiß nicht…hab nicht geschaut welche Ort war…


R

Und dann hat er das Autobahnschild gesehen?


Z

Ja. Dann ich hab rechte Spur genomme.

Da war so Brücke über Autobahn.

Dann war so Platz mit Asphalt neben, wo Polizei gestanden ist.

Hinter war dann so Stromsicherung….war so ein Häusle.

Dann er hat Streife gesehen. Der war nervös.

Er gesagt „fahr schneller“, dann ich „ok“, so 100 gefahren, dann kam Ausfahrt und ich hab langsamer gefahren. So 50 oder 60 oder so….


R

War da auch eine Kurve?


Z

Ja.


R

Welche Richtung hatte die Kurve?


Z

Rechts.


R

Und an der Streife sind Sie vorbeigefahren?


Z

Ja, vorbei.

Dann passiert halt in Ausfahrt, ich weiß nicht mehr wie …ist so schnell passiert…

Hab ich Lenkrad voll rechts und voll Gas gegebe, dann Türe auf und als Auto runter von Straße ich hab rausgesprungen.


R

Dort war keine Leitplanke? Und dann?


Z

Kann nicht erklären wie….Entweder war Zeichen von obe…warum diese Platz…jedenfalls das war außer Ort…keine Stadt…ich bin raus, Auto ist weitergefahre…ich bin zu Streifewagen gerannt.

Hab Auto nicht gesehen…später dann gesehen wo steht…

Dann ich bin ausgerutscht, weil hatte so Absätze an. Das war schwer zu laufen.

Hab ich einmal über Kopf…wie so Salto oder Rolle gemacht…

Der hat hinter Auto gestanden und in meine Richtung.

Ob hat er geschosse oder nicht…ich weiß nicht.

Ich wollte nur zu Streifewagen. Die haben mich ja nicht gesehen, weil da war Kurve.

Ich schreie und winke…hatte keine Luft mehr…war wie Schock…immer weiter….

Polizei hat aber nicht reagiert…vielleicht nicht gesehen…weiß nicht.

Dann bei Polizei ich habe mit Hände auf Wagen. Die haben gefragt was los isch.

Ich nur gesagt „Waiblingen, Waiblingen!“. Weiß nicht wieso.

Die haben gefragt: „Was ist mit Waiblingen?“

Ich Luft geholt und dann gesagt: „Amoklauf als Geiselfahrer genommen…“

Die wollten meinen Personalausweis sehen.

Dann die haben weiter alarmiert.

Dann die sind mit mir in Auto…ich gesagt mein Auto steht halt hinter Kurve.

Ich weiß nicht wann aber aus der Richtung ist dann ein Mann gekommen.

Der hat gesagt: „Da hinten steht ein Auto, der Motor läuft und die Räder drehen sich.“


Ich hab gesagt: „Gehen Sie nicht zurück, sonst werden Sie erschossen!“

Dann kam noch Streifenwagen. Die haben das Auto vor uns gestellt.

Der konnte ja von jede Seite kommen und schießen…


R

Sind Sie nochmal zurück zum Auto?


Z

Nein.


R

Sie sind nie wieder dorthin zu Ihrem Auto zurück?


Z

Später wo ich nachhause mit Polizei, dann Schlüssel holen…


R

Die Schlüssel für Ihr Haus waren am Autoschlüssel?


Z

Ja, ganze Schlüssel an Autoschlüssel.


R

Und die Polizei hat Ihnen den Schlüssel gegeben?


Z

Ja, bei Rückfahrt ist der eine Kollege raus und hat geholt…


R

War Ihr Auto dann schon woanders?


Z

Das war noch dort. Ich habe noch gesehen bei Rückfahrt.


R

Haben Sie da nochmal reingeschaut?


Z

Nein.

Ich hab dann sofort um ein Handy gebeten, weil ich wollte zuhause bei meine Tochter anrufen.

Da ist aber niemand ans Telefon gegangen.

Da bin ich sehr nervös geworden.

Ich hab dann bei der Nachbarin angerufen. Die hat sofort kapiert.

Ich hab dann gesagt, sie soll Michelle holen und nicht mehr raus lassen.


R

Und wo war IHR Handy?


Z

Der hat bei Fahrt gefragt, ob ich Handy hab.

Ich hab dann gesagt, ja ich hab.

Ich hab gesagt, weil vielleicht jemand anruft und wenn ich nein gesagt, ich weiß nicht wie der reagiert…

Ich glaub ich hab gesagt es ist in rechte Tasche. Da hat er es dann rausgeholt.

Ich weiß nicht, was hat er damit gemacht….


R

Und wer hat Sie nach Hause gebracht?


Z

Ein Streifenwagen. Ich war ja fix und fertig.

Ich konnt gar nix mehr sagen und hab nur gezittert.

Auch heute ich zittere noch….


R

Und wann haben Sie dann erfahren, was in Winnenden und danach in Wendlingen noch passiert ist?


Z

Ich hab Polizei dann gefragt, was isch eigentlich passiert?

Die haben gesagt in der Schule sind Leute und Kinder erschossen worden.


Das war schon Schlag für mich - ich hab gezittert bis heute.


R

Und was in Wendlingen passiert ist?


Z

Ja, ich weiß nicht…entweder auf dem Revier oder zuhause.


R

Haben Sie Ihr Handy zurück bekommen?


Z

Ja, aber mit große Mühe…ich brauche mein Handy schneller, aber ganze Sachen hab ich erst nach 3 Monate zurück gekriegt…


R

Hat der Täter während der Fahrt telefoniert?


Z

Nein.


R

Hat er sich während der Fahrt irgendwie geäußert, ob er nun mit seinem Verhalten zufrieden war oder wie es lief oder wie sein bisheriger Tag war?


Z

Nein. Nur wie es war bei Streifenwagen, wo er gesagt hat:

„Aber ich war auch schneller!“


R

Wie lange waren sie zusammen in dem Auto?


Z

Weiß nicht genau. Ca. 2 Std. glaub ich…Uhrzeit war ja in Tacho…


R

Und wieviele km wurden gefahren?


Z

Weiß ich nicht mehr…


R

Und wie war das mit Essen und Trinken. Musste irgendwer mal zur Toilette?


Z

Während der Fahrt hab ich ihn gefragt: „Lässt mich eigentlich laufen oder willscht mich auch erschießen?“

Er hat gesagt, dass wir bei einer Tankstelle rausfahren und „da gehst du dann ins Klo und bleibst dort und ich verschwinde…“


R

Wollte er mit dem Auto alleine weiter?


Z

Er steigt aus und verschwindet. Weiß nicht…


R

Als Sie ihn das letzte Mal gesehen haben, da wo Sie nochmal zurückgeschaut haben, haben Sie da noch gesehen, wo er hinläuft?


Z

Nein.


R

Und was für Folgen hatte das Ganze für Sie? Es war ja später nicht einfach für Sie!


Z

Ja, da waren viele andere Folgen.

Meine Meinung ich will deutlich sagen…hinterher..ich meine die Presse…nach der ganzen Sache…für mich gab es keine Betreuung und kein Arzt…ich bin sofort vernommen und habe das alles durchgehalten…


R

Am 11.03. wurden Sie ja von der Polizei vernommen, offenbar in Nürtingen von 13 - 14.15 Uhr.

Sind Sie danach noch nach Winnenden gekommen oder nach Hause?


Z

Zuerst hab ich zuhause angerufen…dann bei der Arbeit…ich musste ja sagen, dass ich heut nicht mehr kommen kann.

Da hab ich dann dem Kappo gesagt: „Reinhard, ich komm heut nicht mehr…“

Dann hab ich später eine Hose bekommen…so ganz klein…wie für Puppe und so Gummischuhe…

Dann bin ich bei Polizei eingestiegen und dann nach Hause..aber zuerst haben wir meine Frau abgeholt und dann wir sind heim.

Da hab ich Türe aufgemacht und bin einfach rein ins Schlafzimmer und habe diese Kleider ausgezogen.

Die haben die dann wieder mitgenommen und sind einfach weg.

Dann hab ich geheult. Ich war so froh, dass ich meine Kinder in den Arm nehmen kann…

Dann sind paar Nachbarn gekommen.

Ich hab mich abgelenkt und Fernsehen eingeschaltet..da ich hab alles gesehen und geheult…

Ich konnte nicht mehr sehen….

Ca. 17 - 18 Uhr meine große Tochter kam heim…die hat das mit Sharan schon mitbekommen…

Ich hab die dann auch in Arm genommen.


R

Und Sie haben dann nicht mehr gearbeitet?


Z

Nein. Ich konnte nicht.


R

Sind Sie dann zu einem Arzt?


Z (ab hier sehr klagend und anklagend)

Um 9 Uhr abends ist dann ein Kumpel auch gekommen. Wollte mich ablenken.

Wollte einfach nur meine Ruhe haben…

Das Geklingel von der Presse hat mich scho aufgeregt…die haben keinen Verstand….

Hab dann Sicherung von Klingel rausgemacht…dann haben die geklopft….

Ich hab dann Polizei angerufen, hab gesagt ich will meine Ruhe…will schlafen.

Die haben gesagt, sie schicken jemand vorbei.

Die haben aber gesagt, sie können nichts tun, weil die nicht auf Grundstück sind….

Ich hab dann kaum geschlafen. Am nächste Tag war Presse immer noch da.

Ich war ganz allein. Da war niemand auf meine Seite….

Ich konnte nicht rausgehen. Die haben die Kinder befragt und Nachbarn waren auch schon genervt…

Die haben auch Geld geboten.

Da kam dann später schon so Gerücht auf dass ich bin als Kinderschänder erfasst…aber das war Mißverständnis..hat niemand interessiert….

Dann hat Polizei angerufen…ich kann Auto abholen.

Ich dann gesagt „Seid ihr bescheuert - in dem Zustand?“

Meine Frau und Nachbarn haben dann mittags Auto abgeholt und abends haben wir es in Garage und zugemacht.

Dann hab ich Anruf bekommen von weiße Ring.

Der Herr Stanislowski hat dann ganze Sache in Hand genommen.

Ich hab gesagt ich will nur meine Ruhe und die Nachbarn haben kein Verständnis für die Presse.



Der Herr Stanislowski vom weißen Ring befindet sich während der Aussage des Herrn Wolf ebenfalls im Saal unter den Zuschauern.
Es ist ein älterer Mann - ein ehemaliger Polizeibeamter sollte man annehmen - jetzt im Ruhestand und für den weißen Ring tätig.


R

Und der Herr Stanislowski hat sich dann um alles gekümmert?


Z

Ja, hat gesagt ich muss halt mit Presse reden…ein Interview, damit hätte ich meine Ruhe.


R

Und Sie haben dann mit der Presse geredet und Interviews gegeben?


Z

Nicht mit allen. Aber ich hab richtige Wahl getroffen….

Zuerst nicht mit TV…ich war ja fix und fertig…

Der Arzt hat mir Pillen verschrieben…Beruhigungsmittel….


R

Und das haben Sie eingenommen?


Z

Ja, ich konnte ja nicht schlafen und hab gezittert…. Ich war unter Schock.


R

Wurden Sie krank geschrieben?


Z

Ja, hab Krankmeldung bekommen…


R

Was war der Grund?


Z

Mit solche Zustand ich kann nicht auf Arbeit.


R

Hatten Sie eine Belastungsstörung?


Z

Ja, so hat gesagt, ja…

Dann weiter angerufen für Psychologen. Da bin ich gleich hin…


R

Wann war das?


Z

Am 12.03. morgens. Ich bin hinter Haus vorbei an Presse….


R

Und dann wurden Sie psychologisch behandelt?


Z

Ich hab halt alles erzählt und dass ich brauche Ruhe…dann hat er mir Tablette gegeben und ich musste warten.

Ich hab mich dann entspannt und es ging bisschen besser.

Dann bin ich nach Hause.


R

Sie wurden ja am 19., am 20. und am 26.03. auch noch vernommen.
Offenbar war die Polizei nicht zufrieden mit Ihren Äußerungen im „Stern“.

Da hatten Sie einiges anders dargestellt.

Was war denn da nun richtig?


Z

Vielleicht lag es an Sprache oder weiß nicht…evtl. ein Wort durcheinander, aber….


R

Jaja. Dann haben Sie offenbar noch ein TV-Interview gemacht - wann war das?


Z

Weiß nicht mehr genau…glaub 2 Wochen später….


R

Ging es Ihnen da schon besser?


Z

Nicht ganz so. Schon Zustand - aber trotzdem nervös und Probleme mit Rücken und Magen…


R

Das waren etwaige Folgen wovon?

Von den Geschehnissen? Dass Sie 2 Stunden von einer Person als Geisel genommen wurden oder waren das weitere Beeinträchtigungen durch die Medien?


Z

Die Medien so oder so.

Aber von dem Tag hab ich schon erzählt.

2 Stunden lang…ob er schießt oder nicht…kann niemand sagen wie kannst du verkraften in diese Stelle.

Wie hab ich geschafft…kann ich nicht erklären.


R

Hat sich nach dem Presse- und TV-Interview der Druck verstärkt?


Z

Nein, dann haben die in Ruhe gelassen.

Am Jahrestag kamen die wieder, aber da hab ich nicht reagiert.


R

Weshalb noch das TV-Interview? War das für Sie auch befreiend?


Z

Ja, ich dacht dann lassen die dich auch in Ruhe…


R

Hatte auch Ihr Familienleben gelitten?


Z

Ja, da gab es auch Problem.

Ich war aggressiv und reagiere anders und an schwache Stelle von Körper komme eben Schmerzen raus.


R

Stationär waren Sie vom 06.05.- 09.06.09 in Behandlung?


Z

Ja, war vorgeschlagen weiter in Klinik zu bleiben, aber es gab finanzielle Probleme.

Ich hab ja nicht gearbeitet. Da hatte ich auch Angst, Haus zu verlieren….


R

Hatten Sie schon vor der stationären Behandlung wieder gearbeitet?


Z

Ja, zuvor bin ich Arbeit gegangen.

Dann war Chef bei mir und ich hab mit dem geredet, weil die Arbeitskollegen so viele Fragen stellen…


R

Aber Sie haben noch im Jahre 2009 wieder gearbeitet?


Z

Ja, ich habe angefangen mit Nachtschicht im Juni.

Ich hab Beruhigungsmittel genommen und hatte auch Herzschmerzen.

Das liegt mit Nerven zusammen…


R

Aus dem Bericht, den Ihr RA vorgelegt hat, vom 10. Juli 09, geht hervor, dass Sie an einer posttraumatischen Belastungsstörung nach einer Gewalttat leiden.

Außerdem wurde eine chronische Hepatitis C diagnostiziert, das hat aber mit der Tat nichts zu tun…

Sie litten zudem unter Alpträumen und Flashbacks.

Welche Bilder hatten Sie da denn gesehen?


Z

Ja, das mit dem Jungen halt…was ich da so gesehen habe…die Fahrt halt…die ganzen Bilder….


R

Auch etwas aus der eigenen Vergangenheit? Ihrem Militärdienst vielleicht?


Z

Ganz wenig.


R

Zuvor waren Sie gesund und stabil?


Z

Ja.


R

Trinken Sie Alkohol?


Z

Ich trinke nicht…vielleicht mal Gläschen bei Geburtstag oder so…

Ich bin nicht alkoholsüchtig.

Ich rauche auch nicht.


R

Wurde auch eine Traumatherapie gemacht?


Z

Das war bei Kur. Da war ich auch.

Aber hatte große Mühe mit den Ärzten…habe überall geschrieben, aber viele Absagen…


R

Und weswegen wurden Sie vom weißen Ring nicht als Opfer anerkannt?


Z

Ich verstehe nicht. Ich bin so tief gelegt und trotzdem kein Opfer….

Niemand hat mir erklärt.

Als ich Brief bekam hab ich meine Arzt gezeigt.

War auch nicht einverstanden damit….

Auch alle meine Daten, ich verstehe nicht…nach ein paar Stunden hat jede Kleinigkeit Presse gewußt…


R

Dazu können wir nichts sagen.

Vielleicht kam das aus Ihrem Bekanntenkreis!?


Z

Die haben auch am nächsten Tag bei meine Arbeit mit jedem gesprochen und Chef interviewt…


R

Wie waren die Umstände der Vernehmung, die dem TV-Termin in Hamburg unmittelbar vorausgegangen ist?


Z

Das waren nur gezielte Fragen:

Die Polizei hat nur 2 Sachen gefragt wegen dem Messer.

Ob ich sagen kann, was er mit einem Messer wollte….

Ich hab gesagt: „vielleicht wollte jemand erstechen.“


R

Haben Sie erfahren, ob im Auto was gefunden wurde? Haben Sie das nur gehört oder auch gesehen?


Z

Ja, eine Messertasche.


R

F: „Haben Sie ein Messer gefunden?“

A: „Nein.“


Z

Hinten rechts nur eine leere Messerhülle aus Leder.

Das hat mir aber die Polizei erzählt.

Das habe ich nicht gesehen.


R

Und wie ging es weiter mit Ihnen nach dem Sommer 09?


Z

Ich werd weiter behandelt beim Psychologen.

1 Mal pro Woche bis heute.


R

Und ist das jetzt besser, schlechter und wie war das vor Ihrem Erscheinen hier?


Z

Ich hab vorher schon gewußt, was ich hab von dem Tag….

Keiner versteht…kommt alles wieder hoch.

3 Tage nicht schlafen und schon 2 Tage keine Medikamente genommen….


R

Welche Medikamente?


Z

Weiß ich nicht Name.


R

Dürfen Sie Auto fahren?


Z

Eigentlich schon. Es ist nur EINE Tablette.


R

Sind diese Psychopharmaka nicht stark?

Sind Sie nur eingeschränkt erwerbsfähig?


Z

Nein.


R

Sie arbeiten also seit Sommer 09 wieder voll?


Z (stark klagend)

Ja…zwischen schon Krankheit…meine Rücken…die Bandscheibe.

Diese Woche auch Magenprobleme halt…


R

Und vorher? Gab es da schon Vorschädigungen?


Z

Nur bisschen.

Liegt aber alles mit diese Sache zu tun….


R

Und Sie fühlen sich als Opfer?


Z

Ja.


R

Und wann haben Sie nun Ihre Rechte in die Hand genommen? Einen Anwalt konsultiert?


Z

Dieses Jahr ich glaube.


R

Welcher Anwalt war das?


Z

Der Herr Westhauser.

Briefe hat der Herr Stanislowski geschrieben.


R

Und wer hat gesagt, dass Sie sich an dem Verfahren beteiligen sollten?


Z (vorwurfsvoll)

Da gibt es ja Rechtsanwalt für alle Opfer.

Mir war klar ich hab keine Brief bekommen!

Ich bin ja nicht dabei!


R

Und warum in diesem Jahr erst?


Z

Weiß nicht…müsste vor Gericht erzählen usw…


R

Seit wann wußten Sie von einem Verfahren gegen Jörg Kretschmer?

Haben Sie die Diskussion im Sommer mitverfolgt?


Z

Nein. Ich wußte nicht von irgendwelche Prozess.


R

Hatten Sie keinen Kontakt zu anderen Opfern?


Z (anklagend)

Ich hab zu niemandem Kontakt. Niemand will wissen….

Nur mein Personalchef hat mal angerufen und gefragt wie geht es mir.

Da hab ich mich gefreut für sowas.

Sonst niemand will wissen….


R

Nochmals: Wann haben Sie gewußt, dass gegen Jörg Kretschmer ein Verfahren ansteht?

Die Anklage war ja 2009 - hatten Sie im Vorfeld davon gewußt?


RA Lang:

Da gab es mal einen Kontakt von Herrn Stanislowski mit Herrn Rabe.


Z

Ja, der hat schon gesagt…


RA Rabe:

Da gab es mal eine Anfrage von einem Herrn Stanislowski, aber ich konnte das Mandat nicht übernehmen.

So weit ich mich erinnere war das 2009, aber präzise weiß ich es nicht mehr.


R

Und wann genau?


Z

Weiß nicht. Ich hatte kein Kontakt.


R

Aber Sie hatten erfahren, dass da ein Verfahren läuft?


Z

Ja, von Herrn Stanislowski.


RA Lang:

Ein Kriminalbeamter vom weißen Ring hat sich ab 12.03. um Herrn Wolf gekümmert.

Es ging darum eine Lösung für das Presseproblem zu finden.


R

Im Schreiben des RA Lang vom 20.09.2010 auf S. 4 steht:

„deshalb stellten…fest, dass Herr Wolf vom weißen Ring nicht als Opfer anerkannt wurde und deshalb weiter traumatisiert wird….“


RA Hafner:

Der weiße Ring macht doch auch keine Anerkennungen. Das macht das Versorgungsamt.

Das Versorgungsamt hat den Herrn Wolf nicht anerkannt, weil die dort die Folgen durch die Presse höher bewerten als die Folgen durch die Tat.


R

Ich halte Ihnen mal vor, was Sie bei der Polizei damals ausgesagt haben am 11.03. in Nürtingen:

Kurz vor 10 Uhr, ca. 09:50, seien Sie mit Ihrem Fahrzeug auf den Parkplatz in Winnenden gefahren.

Also da haben Sie sich auf 09:50 Uhr festgelegt.


Z

Kann ich nicht sagen, so ungefähr 09:45 bis 09:50 Uhr.


R

Das haben Sie ja auch so beschrieben.

Dann hätten Sie mit Ihrer Frau telefoniert und dann sei der Täter eingestiegen.

Sie seien nicht durch den Kappelbergtunnel gefahren, sondern obenrum vorbei an der Jet-Tankstelle und dem Hauptbahnhof durch den Tunnel Richtung A 81.

Der Täter soll die Waffe für kurze Zeit neben sich auf die Rückbank gelegt haben.


Z

Ich konnte nicht alles beobachten. Hab nur kurz umgedreht.


R

Sie seien nicht angeschnallt gewesen.

Das haben Sie uns aber nicht erzählt? Haben Sie das vergessen?


Z

Ja. Ich war nicht angeschnallt.


R

Haben Sie das ganz bewußt nicht getan?


Z

Ja, ja, ja.


R

Dann die B 27 und die B 313 Richtung Nürtingen.


Z

Immer gerade gefahren…weiß nicht….


R

Haben Sie das vergessen?


Z

Bei Vernehmung war Karte dabei. Ich hab dann gezeigt wo bin ich gefahren.


R

Bei Ihrer Flucht seien Sie auf die Straße gestürzt und dann im Zickzack weggelaufen.


Z

Ja, zickzag irgendwie nicht gerade, weil er hat mit der Waffe umgegangen wie Profi.


R

Der Täter sei überrascht gewesen und hatte nicht reagieren können. Er sei dann hinten rechts ausgestiegen und nach vorne zur Beifahrertüre gegangen.

Dann sei ein Mann gekommen und habe gesagt: „Da oben steht ein Auto. Der Motor ist an und die Räder drehen sich.“

Die Polizei hätte die Personalien des Mannes notiert.

Was mit dem Mann weiter passiert sei, wissen Sie nicht.


Beschrieben haben Sie den Täter wie folgt:

Brille, kurze Haare, dunkle ausgebeulte Jacke.


Wie konnten Sie sehen, dass die Jacke ausgebeult war?


Z

Ab und zu konnte ich nach hinten schauen…das war so wie Weste…und er hat immer mit Kugeln so hin und her gespielt…


R

Können Sie die Pistole näher beschreiben?


Z

Die hatte so braune Griffschale glaub ich…


R

Und wer hat wegen der 9mm gefragt und wie?


Z

100% kann ich nicht mehr sagen…aber ich glaube, ich hab gesagt, aber bin nicht mehr sicher…


R

Und zwischen Winnenden und dem Abstellort ist sonst nichts passiert? Hat der Täter nicht geschossen?


Z

Nein. Da war nur das mit dem Stau.


R

Und wie war das Verhalten des Täters? Hat sich das geändert?


Z

Am Anfang war der sehr aggressiv und hat deutliche Anweisungen gegeben.

Dann hat er die Waffe zeitlang nicht mehr oben.

Er hat mich nicht die ganze Zeit direkt mit Waffe bedroht…


R

Ihnen wurden von der Polizei auch die Differenzen bei dem Zeitungsinterview vorgehalten.


Z

Ja, wahrscheinlich haben die falsch geschrieben….


R

Wann hat der Täter Sie nach dem Handy gefragt?


Z

Später auf Autobahn nach Stau.

Der hat es dann von hinten aus meiner rechten Jackentasche geholt.


R

Hat Ihr Handy auch einmal geklingelt?


Z

Nein.


R verliest aus einer Polizeivernehmung:

„Meine Frau hat mehrfach versucht mich anzurufen…aber erst als ich später in der Obhut der Polizei war.

Beim Verlassen der Klinik wurde Sie von der Polizei wieder hineingeschickt.

Sie hat sich dann auch nicht mehr herausgetraut.

Dort hat sie dann ohne Sorge gewartet.

Sie dachte, ich sei auch nicht durchgekommen.

Erst später hat sie dann versucht, mich zu erreichen.“


F: „In der Windschutzscheibe hat die Spurensicherung einen ca. 10 cm langen Riss gefunden.

Wie können Sie sich das erklären?“

A: „Nein. Das ist nicht auf der Fahrt mit dem Täter passiert. Das war vorher nicht da.“


Nun gibt es noch ein Zäsur, die sehr dürftig ausfällt.

Fast niemand hat Fragen.


RAin ?:

Haben Sie sich bei dem Sprung Verletzungen zugezogen?


Z

Ein paar Kratzen und Prellungen, später hat dann Rücken angefangen auf rechte Seite…

Auto ist ja nicht gestanden….

Rückenschmerzen hab ich paar Tage erst gar nicht gemerkt wegen Schock…


Prof. Haller:

Hatten Sie auch Todesangst und in welchem Zeitraum?


Z

Zitat: Irgendwie nicht…kann nicht sagen…mal so, mal so….habe nur gedacht um meine Kinder….nicht mich selbst gedacht…wollte nur alles verhindern, sonst noch mehr Tote mit der ganzen Munition….


Prof. Haller:

Sie haben also nie gedacht, „das ist meine letzte Minute“?


Z

Nein…hatte gar nicht viel Zeit zum Überlegen.


Oberpsychologierat Wiczorek:

War der Täter nervös, als er mit der Pistole herumgefuchtelt hat?


Z

Ja, wir beide…weiß nicht wie würde der reagieren…solche Gedanken…wie geht das jetzt weiter?


Oberpsychologierat Wiczorek:

Der Täter war also eher angespannt und nervös?


Z

Der war nicht lustig, ja, eher angespannt…


RA Lang fügt noch an:

Der Weiße Ring hat sich sehr wohl um den Herrn Wolf gekümmert.

Er hat nur über den Weißen Ring erfahren, dass ihm Zuwendungen verwehrt werden, dass er da nicht anerkannt wurde als Opfer.

Herr Wolf empfindet eine tiefe Dankbarkeit für den pensionierten KHK Stanislowski, der auch heute hier mit im Saal ist.


Z

Ja, ich bin dankbar, dass er immer dabei ist.

Wenn ich brauche was, der ist immer da.


RA ?

Es wurde ja nicht die ganzen 2 Stunden gesprochen. Davon wurde ja nur sehr wenige Minuten gesprochen.

Was hat der Täter denn gemacht, wenn nicht gesprochen wurde?


Z

Aus Fenster geschaut…war auch unruhig und nervös… kann nicht einfach so sitze und gar nix tun…


RA ?

War er angeschnallt?


Z

Nein.


RA ?:

Ist der hin und her gerutscht?


Z (verstört, schüttelt Kopf)

Ich kann nicht mehr….


R

Hat der eine Tasche, ein Behältnis oder sonst was gehabt?


Z (wirkt psychisch am Ende)

Kann ich mich nicht erinnern…


Die Verteidiger können oder wollen dem Zeugen offenbar keine peinlichen Fragen stellen.

Daher wird der Herr Wolf nun entlassen und verläßt zusammen mit dem Herrn Stanislowski zügig den Saal.



Nach einigen für uns unwichtigen Formalitäten endet dieser Verhandlungstag dann auch ca. 15 Minuten später.


Rechtlicher Hinweis:

Anonymisierungsangebot


Jede der in diesem Artikel mit vollem Namen genannte Person, die eine Anonymisierung wünscht, möge sich bitte auf dem kurzen Dienstweg mit den Seitenbetreibern in Verbindung setzen.

Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.

Zuletzt geändert: 09/02/2017 01:07