15. Prozesstag am Do., 18.11.2010 - Feigle - Schmied - Schmied - DuBois

Rechtlicher Hinweis:

Anonymisierungsangebot

Jede der in diesem Artikel mit vollem Namen genannte Person, die eine Anonymisierung wünscht, möge sich bitte auf dem kurzen Dienstweg mit den Seitenbetreibern in Verbindung setzen.

Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.


Der Zeuge KHK Feigle über die Hausdurchsuchung


Es erscheint als Zeuge ein KHK Wolfgang Feigle, 52 J., von der PD Waiblingen.


Dieser sei schwerpunktmäßig mit der Hausdurchsuchung am 11.03.09 befasst gewesen.

Der Z. sei kurz vor dem Eintreffen von J.K. und somit kurz vor der Durchsuchung durch das SEK in Weiler eingetroffen.

Ein konkreter Zeitpunkt wird nicht genannt.

Der Z. gibt an, die SEK-Durchsuchung habe ca. 10 Minuten gedauert.

Insgesamt habe sein Team aus 4 Beamten bestanden, später seien Kriminaltechniker hinzu gekommen.

Die Kollegin Simona und der Z. hätten das Zimmer des Tim und den Keller durchsucht, die beiden anderen Kollegen die weiteren Räume.

Der Z. beschreibt nun den medial schon bekannten Aufbau des Einfamilienhauses.

Man habe Tims PC, Bilder und einen Bargeldbetrag von 4.800,- Euro, gestückelt in 500er, 200er, 100er und 50er, der sich im Inneren eines Buches in einer Schreibtischschublade befand, sichergestellt.

Es fanden sich auch mehrere Schriftstücke, die teilweise offen auf dem Schreibtisch lagen, wobei nicht genau verifizierbar war, ob diese einen schulischen Bezug hatten:

„Tod aus Spaß“

„Body of lies“

„Abwehrmechanismen des Ich“

Die Bildzeitung vom 10.03.09 mit einem Bericht über einen Amoklauf in Paris, aus welcher etwas ausgeschnitten gewesen sei.


R

Was hatte es mit dem Amoklauf in Paris auf sich?

Z

Da muss zuvor etwas in Paris passiert sein, worüber die Bildzeitung berichtet hat.

Der Täter wurde von der Polizei erschossen.

R

Und was war da ausgeschnitten? Ein Bild?

Z

Das haben wir nicht mehr gefunden. Später stellte sich heraus, dass es das Bild einer barbusigen Blondine war.


Es habe über Tims Zimmer noch eine Dachspitzgalerie gegeben, wo man die Verpackungen von Softairwaffen sowie die diversen DVD/Videos gefunden habe.

Im Keller habe man die verschlossenen Tresore, einen Werkzeugschrank und eine Patronenfüllanlage gefunden.


R

Und die Tresore fanden Sie in diesem Zustand nach dem SEK-Einsatz vor?

Z
Ja, beide Tresore waren zu. Und es gab keine Hinweise auf Schlüssel oder Code. Wir haben dann auf der Dienststelle angerufen, wo man von Herrn K. den Code erfragt hat. Wir erfuhren dann auch, dass der Schlüssel für den zweiten Schrank sich im ersten befand.

R
Herr K. war also demnach schon weg?

Z
Ja.

R
Wußten Sie zu welchem Zweck Herr K. weggebracht wurde?

Z
Mir wurde gesagt, zur Vernehmung.

R
Wußten Sie zu diesem Zeitpunkt etwas über den Status des Herrn K.?

Z
Für mich war er ein Zeuge.

R
War Ihnen bekannt, dass eine Waffe fehlte?

Z
Nein, davon wußte ich nichts.

R
War Ihnen die Rolle des Kleiderschranks im Schlafzimmer bekannt?

Z
Nein.

R
Sie haben den Kleiderschrank also nicht näher angeschaut?

Z
Da haben wir nur mal kurz reingeschaut. Näher untersucht haben wir den nicht.

R
Als man Ihnen den Code mitgeteilt hatte, wer hatte dann die Tresore geöffnet?

Z
Die Kollegen von der Kriminaltechnik.

R
Und Sie haben die Schlüssel wie beschrieben gefunden?

Z
Ja, wie von Herrn K. angegeben.

R
Wurden die anderen Schränke dann auch geöffnet?

Z
Ja, sowohl das Innenfach des Tresors als auch der Waffenschrank.

R
Wie sah es mit der Munition aus?

Z
Ein großer Teil war im Munitionsschrank, ein kleiner Teil auch im Waffentresor, ein kleinerer Teil noch in den Werkzeugschränken.

Das war Munition für Revolver, Pistolen und zum großen Teil Gewehrmunition.

Der Z. listet die gefundenen Munitionsanzahlen und -typen im Detail auf. (Dies hatten wir schon an anderer Stelle abgehandelt).

Im Werkzeugschrank hätten sich in einer Dose und einer Holzschatulle diverse Sammlermunition und historische Patronen befunden, sowie Platzpatronen der Bundeswehr, Böllerpatronen, Schrot- und Kleinkaliber sowie pyrotechnische Munition und Treibladungsmittel.

Es befände sich im Keller eine Patronenwiederbefüllungsanlage sowie eine Vielzahl leerer Hülsen(!!!!).

Zudem habe man ein Futteral für eine Armbrust mit zugehörigen Pfeilen gefunden.

Im Büroraum im Keller habe man das Schreiben vom Kreiswehrersatzamt vom 14.01.09 mit einem ausgefüllten Fragebogen gefunden.

Es sei angegeben worden, dass Tim seit 2008 an Depressionen leide und im Klinikum Weinsberg bei einem Dr. Burb in Behandlung sei.

In der Garage wurde ein PKW Seat LB-KT 1991 vorgefunden.


R
Was war mit den Schlüsseln hierzu?

Z
Ich war nicht selbst am Auto, das hat der Kollege Hofer gemacht.

Aber das Fahrzeug wurde mit einem Schlüssel geöffnet vom Schränkchen im Flur. Es befanden sich darin jedoch keine tatrelevanten Gegenstände.

Da war der Fahrzeugschein sowie eine Prüfbescheinigung für das begleitete Fahren mit 17 vom 27.01.09. Als berechtigte Begleitpersonen waren Jörg K., Ute K. und Wilhelm K. eingetragen.

Man habe das Haus dann zwischen 19 und 20 Uhr verlassen und sei zur Dienststelle zurückgekehrt.


R
War Herr K. noch auf der Dienststelle?

Z
Ist mir nicht bekannt.

R
Hatten Sie zwischendurch über Funk etwas von der Dienststelle erfahren?

Z
Nur bruchstückhaft.

R
Und was?

Z
Dass Tim K. in Wendlingen Suizid verübt habe.

R
Und der Status des Herrn K.? Dass da eine Waffe gefehlt hat?

Z
Nein. Das erfuhr ich erst 2 Tage später.

RA Gorka:

Hatten Sie das SEK angesprochen und was sagten die?

Z
Dass man das Haus nach dem Täter durchsucht habe. Dies sei negativ verlaufen. Es gäbe aber in Tims Zimmer Waffen an der Wand, dies solle man dringend durchsuchen.

RA Gorka:
Und mehr nicht?

Z
Nein.

RA Gorka:

Den Auftrag für die Hausdurchsuchung erhielten Sie von wem und wann?

Z
Von der Einsatzzentrale, dem Herrn Schöllhammer, so gegen 13:40 Uhr.

RA Gorka:

Der Herr Schöllhammer ist Leiter der Kriminalpolizei Waiblingen?

Z
Ja.

RA Gorka:

Konnten Sie feststellen, ob die Softair-Replik je benutzt wurde?

Z
War vor Ort nicht feststellbar.

Aber in der Nachttischschublade des Tim gab es eine geöffnete Packung der Kunststoffkügelchen. Ein paar fehlten.

RA Gorka:

Haben Sie Fotos gemacht oder die Kollegen, und wann wurden diese Fotos gemacht?

Z
Mit den Fotos wurde vor der Durchsuchung begonnen.

RA Gorka:

Also vor 13:50?

Z
Ja.

RA Gorka:

Waren die Tresore da offen oder zu?

Z
Die waren zu.

RA Gorka:

Und wann wurden diese geöffnet?

Z
Bei der Durchsuchung.

RA Gorka:

Waren Sie beim Öffnen dabei?

Z
Nein, das haben die Kollegen von der KT gemacht, auch die Bilder, der Herr Schmied.

RA Gorka:

Hat jemand die Tresore berührt?

Z
Ich meine nicht, nein, allenfalls als die Waffen herausgenommen wurden.

RA Gorka:

Trugen Sie Handschuhe?

Z
Überwiegend, ja.

RA Gorka:

Der Schlüssel für den Munitionsschrank befand sich ja im Tresor. Als Sie zu dem geöffneten Tresor kamen, war da schon etwas verändert worden?

Z
Laut dem KOK Schmied nicht.

RA Gorka:

War der 2. Schrank, der Munitionsschrank, denn auf?

Z
Da bin ich mir nicht ganz sicher…

RA Gorka:

Nun, auf den Bildern war er offen, also muss etwas verändert worden sein. Aber Sie wissen es nicht mehr genau?

Z
Nein.

RA Gorka:

Woher haben Sie vom Tod des Tim gehört und von wem?

Z
Erst gegen Abend im Fernsehen, der im Haus lief, auf der Dienststelle hat sich das dann bestätigt.

RA Gorka:

Wann war das genau?

Z
In etwa 16-17 Uhr, genau kann ich das nicht mehr sagen.

RA Gorka:

Als Sie zur Dienststelle zurückgekehrt waren, haben Sie da Bericht erstattet und an wen?

Z
Dem Einsatzleiter Herrn Gruber, dem Herrn Neumann.

RA Gorka:

Weiteren Personen? Wievielen?

Z
3-4.

RA Gorka:

Und wem da genau?

Z
Dem Herrn Häfele und welchen von der LPD Stuttgart, waren mir namentlich nicht bekannt.

RA Gorka:

Wie kann ich mir das vorstellen? War das eine Besprechung?

Z
Besprechung würde ich nicht unbedingt sagen. Der Zweck war mir unbekannt. Ich habe mich zurückgemeldet und meine Erkenntnisse wurden abgefragt.

RA Gorka:

Wurde denn das Fehlen von Waffen diskutiert?

Z
Nicht mit mir, nein.

RA Steffan:

Als Sie den Code für den Waffentresor brauchten, mit wem haben Sie da Kontakt aufgenommen?

Z
Das war der Leiter der Inspektion 1 in Waiblingen, aber wer das heute ist….???

RA Steffan:

Wer das heute macht will ich nicht wissen, wer war das damals?

Z
Das weiß ich nicht mehr…

RA Steffan:

Sie wissen also nicht mehr, mit wem Sie da gesprochen hatten?

Z
Nein. Ich habe mitgeteilt, dass im Keller 2 Tresore stehen und dass man Herrn K. nach der Kombination fragen soll.

Ich wurde dann zurückgerufen.

RA Steffan:

Wie lange danach?

Z
Etwa eine halbe Stunde.

RA Steffan:

War das die gleiche Person mit der Sie vorher sprachen?

Z
Das weiß ich nicht mehr.

NK Günther Just sen:

Die Sportpistolentasche im Keller - welche Farbe hatte die denn?

Z
Von einer Sportpistolentasche ist mir nichts bekannt. Sowas haben wir nicht gefunden, sonst hätten wir es mitgenommen.
(Diese Antwort lässt den Nebenkläger Just sichtlich unverständig zurück).


Vor der Mittagspause ergeht noch ein Hinweis vom R:

Die Zeugen Meisner und Burb vom Klinikum Weinsberg machen ebenfalls von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch - (wir wissen ja - der tote Tim ist der einzige, der sie davon entbinden könnte) - und werden somit vom Erscheinen abgeladen.


Der Zeuge KOK Schmied über die Hausdurchsuchung


Nach der Mittagspause geht es weiter mit dem Zeugen KOK Schmied, 52 J., von der KT Göppingen.


Dieser war auch an der Hausdurchsuchung am 11.03. beteiligt und habe die Fotos gemacht.

Am 11.03. sei der Z. von seinem Inspektionsleiter über die Amoklage informiert worden, allerdings ohne Einzelheiten.

Dann sei er mit seinem Kollegen Walther nach Winnenden gefahren, wo sie der KT-Leiter Mathias Braun in Empfang genommen habe.

Sie hätten den Auftrag bekommen, die Spurensicherung im Haus K. durchzuführen, wo man zunächst erstmal alles fotografiert und dann die Spurensicherung gemacht habe.

Weiter Kollegen von der PD Waiblingen seien anwesend gewesen, von denen der Z. nur den Herrn Feigle gekannt habe.

Beim Eintreffen habe man das SEK nicht mehr gesehen, aber es wurde dem Z. mitgeteilt, dass das SEK wohl im Wohnzimmer nach Bildern des Tim gesucht hatte, da dort auf dem Boden einige Dokumente herumlagen.

Die Frage des R. , wer ihm das Haus übergeben hatte, kann der Z. nicht beantworten, weil sich schon der Herr Feigle + Kollegen dort befunden haben sollen.

Der Z. sei kurz nach 10 informiert worden, gegen 11:30 in Winnenden eingetroffen und am Hause K. wohl kurz nach 13 Uhr.


R

Was sollte von Ihnen gesichert werden?


Z

Es sollte ganz allgemein alles dokumentiert werden.



R

Was war Ihnen zu diesem Zeitpunkt bekannt?


Z

Dass es einen Amoklauf mit vielen Toten gegeben haben soll.


R

Erfuhren Sie, wer dafür verantwortlich gewesen sein soll?


Z

Mir wurde gesagt, Tim K.


R

Hatten auch Sie nach Tim gesucht?


Z

Das hat ja schon das SEK gemacht.


R

War Ihnen klar, dass Sie insbesondere nach Waffen suchen sollten?


Z

Davon bin ich ausgegangen, da ja geschossen worden sein soll.



Der Z. befand sich angeblich von ca. 13 - 17 Uhr im Hause K. und wurde dann entlassen.

Weitere Kollegen blieben vor Ort.

Der Z. habe das Haus und auch den Keller ordentlich und aufgeräumt vorgefunden, bis auf die Papiere, die im Wohnzimmer auf dem Boden lagen, dort habe - wie gesagt - das SEK nach Bildern des Tim gesucht.


R

Wann waren Sie im Keller?


Z

Kann ich nicht mehr genau sagen. Nach den Fotos, vielleicht so gegen 14.15 Uhr…


R

Wie haben Sie was in diesem Keller angetroffen?


Z

Die Türe war offen, Tresore zu, Schränke zwar zu, aber nicht abgeschlossen, sonst ganz normal.


R

Wie haben Sie die Tresore geöffnet?


Z

Die Kombination wurde per Telefon erfragt von Herrn Kretschmer, auch dass der Schlüssel für den zweiten Tresor im ersten sei.


R

Wußten Sie schon, wo sich Herr K. befand?


Z

Zur Vernehmung, wurde mir mitgeteilt.


R

Vernehmung wo?


Z

Ich denke, in Waiblingen.


R

Und warum?


Z

Das weiß ich nicht, hatte nur wenig Kontakt und mit Handy ging sowieso nix…


R

Hatten Sie auch nach Waffen gesucht, die fehlten?


Z

Davon wußte ich nichts.


R

Wann bekamen sie denn Kenntnis, dass da eine Waffe fehlen soll?


Z

Erst zuhause im Fernsehen.


R

Wann war das?


Z

Erst abends zuhause. Dienstliche Kenntnis hatte ich keine.


R

Dass Herr K. seine Pistole entgegen den Vorschriften des Waffengesetzes im Schlafzimmerschrank aufbewahrt haben soll, wußten Sie nicht?


Z

Nein, nicht abends. Das erfuhr ich tags darauf in der Dienststelle.

Am Freitag, dem 13. habe ich dann nochmals den Ablageort fotografiert.

Da erfolgte ja nochmal eine Durchsuchung zur Spurensicherung.



Nun werden auf der Leinwand die Bilder vom Laptop des Z. gezeigt, die dieser im und vom Haus gemacht haben soll.

Diese Bilder befänden sich auch in der Akte beim Spurensicherungsbericht vom 03.06.09.

Zunächst zeigt der Z. einen Ortsplan von Weiler zum Stein, auf dem die Lage des Hauses markiert ist.

Danach einen Grundriss des Hauses, der einzelnen Etagen und schließlich Bilder aus allen Räumen, einschließlich jeweiliges Gegenbild aus der Gegenrichtung.

Im Kellerflur wird eine Dämmplatte gezeigt, die mit Plastikkugeln gespickt sein soll. Offenbar mit Softairwaffen abgefeuert.

Bei den Bildern aus dem Wohnzimmer fallen die Papiere auf dem Boden vor dem Wohnzimmerschrank auf. Nochmals betont der Z. ihm sei mitgeteilt worden, das SEK habe hier nach Bildern des Tim gesucht.

Der Zugang zum Haus könne auf 3 Wegen erfolgen:


1. Haupteingang

2. durch die Garage

3. Kellerabgang auf der Nordwestseite


Bei den Bildern vom Schlafzimmer erklärt der Z. - offenbar missverständlich - dass „im Nachtkästchen“ eine Schachtel mit Munition gefunden wurde und „im Schrank eine geladene Waffe“ gelegen habe.

R

Konnten Sie die Angaben von Herrn K., dass dort eine Waffe gelegen haben soll, durch eigene Feststellungen untermauern?


Z

Nein, wir haben dies nicht überprüft. Wir hatten ja auch keine Zweifel an den Aussagen des Herrn K.

Freitags haben wir dann im Bücherboardfach über dem Nachtkästchen noch eine Patronenpackung gefunden.

Im Zimmer von Tim war eine der Wandhalterungen bei den Softairs leer, die Waffe lag auf dem Schreibtisch.


Bei den Bildern aus dem Keller fragt RA Steffan :

Sehe ich das richtig, dass die Türöffnung den linken Schrank ganz und Teile des rechten Schranks verdeckt?


Z

Ja.


Im Werkzeugraum im Keller, wo auch die Tresore stehen, seien viele leere Patronenhülsen gefunden worden.

Im Innenfach des Tresors hätten sich persönliche Papiere der Familie befunden „Ausweise und so“.


Auf dem Tresor habe ein Behälter mit den 6 mm Plastikkügelchen gestanden.

Im Papierkorb der Werkstatt habe man diverse Skizzen gefunden, die ebenfalls gezeigt wurden.

Wer diese wann und warum gemacht hatte, wurde nicht erzählt. Auch nicht, was sie darstellen könnten.

(Verfasser:
Einerseits handelt es sich um irgendwelches Gekritzel wie von einem Kind, andererseits aber erinnerte mich eine Skizze an eine Art Grundriss oder Fluchtplan mit Laufwegen und Pfeilen.
Leider wurde das nur kurz gezeigt.)


RA Gorka:

Haben Sie alle Bilder selbst gemacht?


Z

Ja.


RA Gorka:

Trugen Sie Handschuhe?


Z

Ja.


RA Gorka:

Wer hat den Tresor geöffnet und haben Sie das Ziffernfeld berührt?


Z

Ich weiß nicht mehr, ob Herr Walther oder ich, jedenfalls mit Handschuhen.


RA Gorka:

War da auch der Herr Feigle dabei?


Z

Nicht mit uns, der kam später dazu.


RA Gorka:

Und beim 1. Tresor war das Innenfach zu?


Z

Ja.


RA Gorka:

Sie haben es geöffnet?


Z

Ja.


RA Gorka:

Wer hat Ihnen gesagt, wo sich der Schlüssel befindet?


Z

Der Herr Feigle hat in Waiblingen angerufen, wo man es von Herrn K. erfragt hatte.


RA Gorka:

Den Spurensicherungsauftrag bekamen Sie von wem?


Z

Vom KHK Braun, dem Dezernatsleiter der Kriminaltechnik Waiblingen.


RA Gorka

Und informiert wurden Sie von Ihrem Inspektionsleiter? Wer ist das?


Z

Ja, der KOK Holzer a.D., der ist seit einem Jahr in Rente jetzt.


RA Gorka:

Als Sie in den Keller kamen, gab es da Hinweise, dass die Tresore schon zuvor geöffnet waren?


Z

Das SEK war schon weg, uns wurde das nicht berichtet. Ich weiß es nicht.


RA Gorka:

Und haben Sie nachher etwas darüber erfahren?


Z

Die Tresore fanden wir zu vor. Das Handynetz ging nicht. Es war Chaos pur. Uns wurde nicht gesagt, ob die Tresore schonmal geöffnet wurden.


RA Gorka:

Freitag wurde nochmal eine Spurensicherung an dem Schlafzimmerschrank durchgeführt.

Von wem haben Sie wann diesen Auftrag bekommen?


Z

Den habe ich mir selbst gegeben(!!!). Ich wollte den Waffenlagerort selbst fotografieren. Also habe ich in Waiblingen nochmal darum gebeten.


RA Gorka:

Und wen haben sie da gefragt?


Z

Weiß ich nicht mehr. Könnte evtl. der Herr Braun gewesen sein.


RA Gorka:

Am Donnerstag hatten Sie ja offiziell erfahren, dass die Waffe fehlte.

Wußte das der Herr Braun auch schon?


Z

Weiß ich nicht, habe ich nicht gefragt.


RA Gorka:

Was haben Sie mit dem Herrn Braun besprochen?


Z

Am 11.03. gab er mir den Auftrag für die Spurensicherung. Am Do. habe ich mich dann nochmals in Verbindung gesetzt. Er sagte, er kümmere sich und dass am Freitag der Herr Hofer mit raus kommt.


RA Steffan:

Sie haben ja DNA gesichert am Tresor Ostertag und Systec?


Z

Ja, das Ergebnis kenne ich nicht.


RA Steffan:

Haben Sie auch Abriebe vom Kantenbereich gemacht?


Z

Da muss ich in der Akte schauen.


RA Steffan:

Ich habe das hier: S. 6 des Berichts:

„Kantenbereiche: Spurenfragmente vorhanden, zur weiteren Auswertung ungeeignet“

Und Sie haben Sie dennoch gesichert?


Z

Ja.


RA Steffan:

Sie haben Abriebe gemacht von den Griffen, den beiden Schlüsseln, dem Schlüssel des Blechschranks, dem Griff der Patronenpresse, dem Füller der Presse und den Schnallen des Waffenkoffers. Kein Hinweis auf DNA im Kantenbereich.

Wenn die DNA-Fragmente ungeeignet waren, wieso haben Sie da keine daktyloskopischen Spuren gesichert?


Z

Wenn ich da mit dem Pulver rangehe, ist die DNA futsch.


RA Gorka:

Gab es bei der Patronenpresse eine Vorrichtung für 9 mm Patronen?


Z

Damit kenne ich mich nicht aus.


RA Gorka:

Am Abend des 11.03. haben Sie sicher Mitteilung gemacht. Bei wem?


Z

Ja, ich habe mich bei Herrn Braun zurückgemeldet, dann wurde ich nach Göppingen entlassen.


RA Gorka:

Und den Herrn Gruber oder Neumann hatten Sie nicht gesprochen?


Z

Nein.


RA Gorka:

Am Do., sagten Sie, haben Sie sich mit Waiblingen in Verbindung gesetzt. Wann war das?


Z

Morgens schon, so 8-8:30 Uhr. Bis das abgeklärt war, hat es sich bis Fr. hingezogen.


RA Gorka:

Hatten Sie Kontakt zum Führungs- und Lagezentrum?


Z

Erst am Freitag, da habe ich mit einem Kollegen Persönliches besprochen, nichts zum Fall.


Keine weiteren Fragen, der Z. wird nun entlassen.


Nebenkläger Just

Beschwerde des NK Just sen.


Nun folgt ein interessanter Abschnitt rund um Familie Just:

Der R. gibt bekannt, dass nach dem letzten Sitzungstag jemand, der sich mit dem Namen Just vorgestellt hat, bei Gericht angerufen habe und verlangte den Präsidenten zu sprechen:

R

Offenbar wollte sich diese Person dort über meine Prozessführung beschwerden.

Es kann ja sein, dass hier jemand mit meiner Verhandlungsführung nicht einverstanden ist. Allerdings lasse ich mich von jemandem aus der Justizverwaltung nicht in meiner Verhandlungsführung beeinflussen.

Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann muss das hier in dieser Verhandlung kritisiert werden.

Schreiben des NK Just jun.


Dann gab es offenbar ein Schreiben des NK Günther Just jun. , das zur Verlesung kommen soll.

Hier geht es zunächst um die Problematik der Nebenklage des Günther Just jun.:

Nach dessen eigener Aussage, wurde er als Schüler in einer der betroffenen Klassen traumatisiert.

Im Anklagesatz wurde er nicht als Tatopfer geführt, aber schließlich zur Nebenklage zugelassen.

Es gebe jedoch keine Kenntnis über das Ausmaß der Körperverletzung bei Günther Just jun.

Es gebe hierzu nichts in der Akte und kein Attest und daher sei ein Spannungsverhältnis entstanden.

Man habe keine Anknüpfungspunkte außer der Aussage des Günther Just jun. Dies reiche aber nicht aus.

Man erhoffe sich nun durch die Vernehmung des behandelnden Prof. Du Bois zu diesem Punkt einige Erhellung.

Das Problem ist nun, dass Du Bois nicht von der Schweigepflicht entbunden wurde und daher eigentlich nichts aussagen dürfe.

Nach einem Schreiben seines RA Hafner vom 14.11.10, in welchem dieser seinen Mandanten auf die Entbindung von der Schweigepflicht aufmerksam gemacht hatte, kam ein Schreiben des Günther Just jun. an das LG, datiert vom 17.11.10.

Der R. zeigt sich überrascht wegen des Inhalts:

Zitat:

Ich habe nicht um Bedenkzeit gebeten, sondern um Aufklärung. Bisher habe ich keine schriftliche Aufforderung bekommen.

Ich bitte um eine schriftliche Aufklärung.


R

Da wird von unserer Seite nichts erfolgen, da wir hierfür nicht zuständig sind.


Weiter im Brief:

Zitat:

Warum soll ich Prof. Du Bois entbinden? Ist das denn notwendig und wenn ja, in welchem Zusammenhang?

Ich weiß gar nicht mehr, was ich mit dem Prozess anfangen soll.

Meine Stiefmutter, die mich beim Prozess vertreten sollte, wurde übergangen.

Mein Onkel muss am Unterarm verletzt worden sein, als er eine Abwehrhaltung eingenommen hat. Dies hat der Gutachter nicht erwähnt.

Eine Nachfrage meines Vaters deswegen wurde einfach abgebügelt.

Ich bin mir nicht mehr sicher, was ich unterschreiben soll.


R

Herr Just hat persönlich nicht an der Verhandlung teilgenommen. Mittlerweile ist er 18 Jahre alt.

Verfahrensfremde Personen sind im Innenraum eben nicht zugelassen.

Ich kann das nicht verstehen und betone nochmals, dass ich nicht den Eindruck habe, dass hier Fragen abgebügelt worden sind.

Evtl. handelt es sich hier um ein Mißverständnis.

Es wurde kein Attest vorgelegt, Herr RA Hafner, was sagen Sie dazu?


RA Hafner:

Wir haben uns um ein Attest bemüht und versucht, den Herrn Du Bois zu erreichen. Dies ist nicht gelungen.

Es gab auch keinen Rückruf.

Ich habe meinen Mandanten über die Entbindung aufgeklärt und dieser wird sich seinerseits darum bemühen.


Nk Günther Just sen.:

Der den Präsidenten sprechen wollte, das war ich.

Ich wollte mich beschweren, weil ich das Gefühl hatte, Sie hätten sich abfällig darüber geäußert, dass mein Sohn sich Vorwürfe darüber macht, dass Ibrahim in der Klasse auf seinem Platz saß.


R

Aber was wollten Sie denn?


NK Just:

Mir hat einfach ihre Aussage nicht gefallen. Aber das Thema ist jetzt für mich erledigt.

Ihre Verhandlungsführung kann ich gar nicht beeinflussen, dafür bin ich viel zu klein.

Außerdem weiß die Staatsanwaltschaft seit Ende Juli, daß mein Sohn in Behandlung ist.

Das weiß ich von der Pressesprecherin.


OSTA (erzürnt):

Das weiß ich nicht!!!! Dort wird kein Wortprotokoll geführt! Frau ? hat das niemals gesagt!


R

Es ist sehr schwierig, wenn jemand sich zwar aktiv am Prozess beteiligt, aber nicht da ist.

Ich habe auch Verständnis dafür, dass ein Vater sich für seinen Sohn einsetzt.

Es ist eben nicht leicht verständlich, in welchem engen Korsett wir uns strafprozessual befinden.


Der Zeuge Thilo Schmied - Lehrer an der ARS - über Tim


Nun erscheint als Z. der Realschullehrer Thilo Schmied, 36 J., Lehrer an der ARS


Dieser berichtet, er sei von Sept. 05 - Juli 08 Tims Lehrer gewesen.

Tim sei eher ein schwächerer Schüler gewesen und versetzungsgefährdet in Kl. 8 und 9, also mit Halbjahreszeugnis 2006 und 2007.

Es habe dann ein Elterngespräch gegeben, der Z. habe mit Fr. K. in der Schule sowie telefonisch gesprochen.

Der Z. habe den Tim unterrichtet in den Fächern Mathe, Biologie, Sport und Informatik.

In Kl. 9 in Mathe und Biologie und in Klasse 10 in Mathe und Naturwissenschaftlichem Arbeiten.

Von Tims Schwächen seien die Fächer Mathe und Naturwissenschaft bzw. Biologie betroffen gewesen.

Zum Halbjahr waren Tims Noten so schlecht, dass er damit im Endzeugnis nicht versetzt werden hätte können.

Er habe es aber immer geschafft, sich bis zum Jahresende zu verbessern.

Der Z. beschreibt Tim als sehr freundlichen, höflichen Schüler, mit dem es keine großen Konflikte gegeben habe.

Tim habe im Unterricht nie gestört.

Er war auch sehr zurückhaltend, so der Z. , man musste schon auf ihn zugehen.

Später haben seine Beiträge im Unterricht nachgelassen.

Im Klassenverband gab es keine Konflikte. Tim sei weder am Rand, noch im Mittelpunkt gestanden, aber er war dabei.

Es gab niemals Schwierigkeiten, auch auf der Klassenfahrt war Tim nicht alleine.

Gefragt nach Schulfreunden gab der Lehrer an, es seien 2 Schüler gewesen in der 8. und 9. Klasse.

In der 10. habe sich das etwas verändert, da saß Tim dann neben anderen Schülern.

Zu Beginn der 8. Klasse sei die Klasse neu gebildet worden: Da in der 8. viele wiederholen mussten, wurde eine vierte 8. Klasse gebildet.

Der Z. sei mit der Klasse sehr zufrieden gewesen, es habe sehr wenig Vorfälle gegeben: eine offene, angenehme und motivierte Klasse in Mitarbeit und Arbeitshaltung.

Verhaltensweisen, die irgendwie auf Mobbing hindeuten hätten können, habe der Z. nie bemerkt, es habe nur ganz alltägliche Schulprobleme gegeben.

Insgesamt kann der Z. nichts Auffälliges über Tim sagen. Alles ganz normal und alltäglich.

Als Zukunftswunsch gab Tim an, auf eine weiterführende Schule gehen zu wollen.

Das letzte Mal gesehen habe er Tim, so glaubt er, auf der Abschlußfeier.

Am Ende der 10. Klasse, etwa April 08, habe Tims Mutter ihn gebeten, wegen Weinsberg einen Schulbericht mit den Stärken und Schwächen Tims zu erstellen.

Als Hintergrund habe die Mutter angegeben, dass sie Tims Konzentrations- und Leistungsschwächen überprüfen lassen wolle.

Im Juni habe der Z. einen Brief direkt aus Weinsberg bekommen mit einem Beurteilungsbogen zur Einschätzung von Tims Sozialverhalten in der Klasse.

Gefragt nach einem vorherigen schulinternen Test beim Schulpsychologen, kann sich der Z. nicht erinnern.

Die Zusammenarbeit mit der Mutter sei normal gewesen, es sei mal Kritik von ihr gekommen nach dem Hinweis auf Tims schlechte Schulleistungen: Das würde man schon „selbst wissen“.


R
In Ihrer polizeilichen Vernehmung vom 11.03.09 beschrieben Sie das Verhältnis als „nicht gut“.

Z
Daran kann ich mich nicht mehr erinnern.

R
Das kann ja auch damals eine Wertungsfrage gewesen sein. Heute sehen Sie das anders?

Z
Ja, heute sehe ich das so.

R
Sie waren ja am 11.03. auch in der Schule. Haben Sie den Tim gesehen?

Z
Nein.

R
Sie haben vom Tatgeschehen nur die Folgen mitbekommen und Schüsse gehört und es gab Schülerhinweise Ihnen gegenüber auf Tim K.?

Z
Nachdem ich meine Klasse in Sicherheit gebracht hatte, traf ich Schüler aus den betroffenen Klassenräumen.

Diese hätten den Tim erkannt. Da habe ich das zum ersten Mal gehört und dann der Polizei gesagt.

Ich war fassungslos. Es war unvorstellbar, dass ein Schüler, den ich gut gekannt habe, so etwas gemacht hat.

Einfach unerklärlich.

R
Zu welchen Schülern hatte Tim engeren Kontakt?

Z
Dennis Röhrich, Marc Neumann, Marco Kretschmar und noch ein paar andere aus Weiler zum Stein.

Zäsur


Eine Zäsur wird eingeleitet:


Beisitzender R.

Am 11.03. wurden Sie ja vernommen: Es steht da, dass Sie Tim beschrieben hatten, aus ihrer Erinnerung an ihn und mit der Polizei dann die toten Schüler identifiziert hatten. Wann war diese Vernehmung?

Z

Nachmittags.

Beisitzender R:

Aber um 10:40 Uhr hat sich die Polizei schon mit der Beschreibung auf Sie berufen!?

Z

Ja, ich habe zunächst die Beschreibung abgegeben, noch vor der Schule, und dann um ca. 14:15 war die Vernehmung.


Nun fragen weitere NK-Anwälte die üblichen Fragen, z.B. Mädchen, Aggressionen, Psyche, Klasse usw.

Zu all diesen Dingen kann der Z. nicht Auffälliges oder vom Alltag eines gleichaltrigen Schülers abweichendes angeben.

Auch auf Fragen von Du Bois zum Sozialverhalten kann der Z. nur angeben, dass er es als normal und altersgerecht empfand.


RA Gorka:

Herr Schmied, welche Ausbildung haben Sie absolviert?

Z

Ich habe an der Pädagogischen Hochschule auf Lehramt für Realschule studiert und dann ein Vorbereitungsjahr an der ARS gemacht.

Dort wurde ich dann auch übernommen.

RA Gorka:

Hatten Sie spezielle Ausbildungen erhalten, um psychische Verhaltensstörungen zu diagnostizieren?

Z

Nun, Teil meines Studiums waren auch Vorlesungen zur Jugend- und Entwicklungspsychologie.

RA Gorka:

Würden Sie sagen, dass Sie daher einem Laien in diesem Punkt überlegen sind?

Z

Jeder Lehrer ist das. Weil es Teil der Ausbildung ist und auch Teil der Erfahrungen im Lehrberuf.

Aber sicher können sich auch Laien die theoretischen Kenntnisse im Selbststudium beibringen.

RA Gorka:

Sie waren sich auch darüber bewußt, dass Sie einen Bericht für eine psychiatrische Klinik verfasst haben?

Z

Ja, der Adressat war mir ja bekannt.

RA Gorka:

Und gleichzeitig sagten Sie, Sie waren fassungslos und es sei Ihnen unerklärlich, dass Tim eine solche Tat begangen haben soll?

Z

Ja.

RA Gorka (zufrieden)

Dann habe ich keine weiteren Fragen.


Der Zeuge Prof. Du Bois

über die Behandlung des Günther Just jun.


allerdings ohne Sachverständigen - Schlussfolgerungen, da er jetzt nur als Zeuge vernommen wird.

Der Z. berichtet, dass er nun - nach der vorherigen Diskussion - endlich die Schweigepflichtsentbindung von Günther Just jun. erhalten habe.

Dieser sei damals ohne das Wissen des Z. zur Anmeldung an der ambulanten Sprechstunde gekommen und habe einen Termin erst 4-5 Wochen später erhalten von der Sprechstundenhilfe. Dies sei dem Z. nicht bekannt gewesen.

Bis zum Termin mit G.J. jun. habe der Z. keinen Kontakt mit Opfern des Amoklaufes gehabt.

G.J. jun. habe unter traurigen Verstimmungen gelitten, die Problematiken seien allerdings nicht sehr stark gewesen.

Er habe z.B. ein generelles Mißtrauen gegenüber Menschen, schaue diese nun genauer an, ob sie gefährlich seien.

Er erlebe kurze Schreckmomente bei Knallgeräuschen und habe lebhafte Träume, in denen ihm der Tim vor Augen erscheint.

Dies habe sich aber zum Zeitpunkt der Behandlung schon abgeschwächt.

Im Laufe der weitmaschigen Behandlungstermine hätte sich der Zustand des Patienten stets verbessert.

Laut Prof. Du Bois lag bei G. Just. jun. eine kaum mehr zu diagnostizierende und anschließend voll abgeklungene posttraumatische Belastungsstörung vor, die leichtgradig verlaufen sein soll.

Dies wurde auch nicht mit Medikamenten behandelt, so der Z.

Insgesamt habe der Schüler G.J. jun. 8 Termine wahrgenommen, die teilweise 1- 2 Monate auseinander lagen.

Das Geschehen des zugrundeliegenden Ereignisses sei nicht besprochen worden.

Auf Nachfrage, ob er den Täter gesehen habe, gab G.J. jun. an, er habe ihn vom Sehen gekannt und er sei ihm in einigen Träumen erschienen.

Der Z. gab an, dass eine Aufarbeitung des Tatgeschehens nicht nötig gewesen sei, da die Störung zum größten Teil schon abgeklungen war.

Konfrontiert mit der Zusage an die STA , als gerichtlicher Gutachter keine Opfer zu betreuen, gab der Z. an, dass er betroffen sei und sich im Nachhinein nicht mehr erklären kann, wie dies dann doch zustande kam. Evtl. habe er das Telefongespräch mit der STA einfach vergessen.

Es sei der ausdrückliche Wunsch der Verteidigung gewesen damals, jemanden als GA zu bestellen, der sich mit allen Aspekten auskenne und der Z. habe sich zur Verfügung gestellt, da er sich für besonders fundiert und geeignet für diese Aufgabe hielt.

Seine Neutralität habe er stets wahren können, da er immer den nötigen Abstand gehalten habe, der sich aus seiner professionellen Tätigkeit ergebe.

Der Z. gibt an, keine Erinnerung zu haben, dass damals von einem denkbaren Verfahren die Rede gewesen sei, er sei sich nicht bewußt gewesen, dass eine solche Situation in der Zukunft entstehen könnte. Er habe keinen juristischen Überblick gewonnen und sei auch nicht warnend auf ein späteres Verfahren hingewiesen worden. Er stelle das Telefongespräch mit der STA nicht in Abrede, könne sich aber nicht mehr erinnern.

Er habe wohl seine juristische Angreifbarkeit unterschätzt.


RA ?:

Hatte Ihnen der Herr Just erzählt, dass er unter dem Platzwechsel mit Ibrahim H. gelitten hat?


Z

Da habe ich nichts protokolliert. Es ist möglich, dass es eine spätere Entwicklung gewesen ist.

über die Exploration des Angeklagten


Am 09.04.09 habe er von der STA den Auftrag erhalten, ein Gutachten über die Persönlichkeit des Tim und die Vorhersehbarkeit der Tat für den Vater des Tim zu erstellen.

Er habe dann über den RA Steffan Kontakt zum Angeklagten aufgenommen.

Der Begutachtungstermin fand am 20.06.09 in der Klinik des Z. statt und dauerte 190 Minuten.

Mit anwesend seien Jörg K., Ute K. und RA Steffan gewesen.

Der Z. habe den Beteiligten kurz skizziert, worum es bei dem Gespräch überhaupt geht:

Und zwar nicht ausschließlich um die Frage, ob man etwas bemerkt hatte oder nicht, sondern um ein grundsätzliches Bild der Rolle des Tim innerhalb der Familie sowie der Familienhistorie von Anfang an.

Dies sei ein typische Gutachten-Befragung gewesen, die nicht abliefe wie bei Gericht, sondern die Eltern sollten in die Lage versetzt werden, ein Narrativ zu liefern und aus der Erinnerung eine lebhafte Schilderung aufzubauen.

Dies sei jedoch sehr schwierig gewesen, weil die Eltern während des gesamten Gespräches nicht aus der Sorge heraus kamen, dass man die Details rechtlich gegen sie verwerten könne.

Im Gespräch habe eindeutig und fast ausschließlich der Vater dominiert.

Die Mutter brachte nur Einwürfe und sei sehr ängstlich gewesen.

Über Tims frühe Entwicklung sei nur sehr wenig mitgeteilt worden, da der Vater zu der Zeit sehr beschäftigt mit der Fa. gewesen sei.

Tim sei gerne in den KIGA gegangen, sei kein schwieriges Kind gewesen. Unbekümmert, nicht trotzig und habe sich nie widersetzt.

Mit 6 Jahren habe Tim sich einer Phimose-OP unterziehen müssen. Dies habe die Mutter erzählt.

Als Tim in die Schule kam, gab es seine Schwester Jasmin.

Nun war er nicht mehr so unbekümmert, sondern wurde stiller und zurückgezogener, so die Eltern.

Ab dem 13. Lebensjahr hätten Tims schulische Probleme begonnen und er habe kontinuierlich Nachhilfe bekommen, die bis zum Abschluß angedauert habe.

Die Eltern wurden gefragt, ob dies nicht eine Belastung für Tim gewesen sei in diesem Alter:

Es habe kein Aufbegehren, keinen Protest von Tim gegeben.

Fragen nach Tims Sozialverhalten seien ins Leere gegangen, so der Z.

Was Tim in der Freizeit so gemacht hatte, konnte der Vater nicht beantworten.

Ab dem 9. Lebensjahr habe Tim angefangen, sich für Tischtennis zu interessieren.

Der Vater habe ihm dann ermöglicht, dies auszuüben.

Hier käme ein immer wieder kehrendes Muster in dieser Beziehung zum Vorschein:

Tim zeigt an irgendetwas Interesse - Vater nimmt es wahr - Vater fördert es.

Der Vater habe sehr ausführlich geschildert, wie erfolgreich und begabt Tim gewesen sei.

Tims sämtliche sozialen Kontakte haben von 9-12 über das TT stattgefunden.

Tim habe seine Freizeit entweder mit Nachhilfe oder TT zugebracht.

Es habe keinen Kontakt zu Kindern aus der Nachbarschaft gegeben.

In jener Zeit seien für Tim auch belastende Ereignisse aufgetreten: Die Herzerkrankung und -operation des Vaters und 2-3 Jahre später dann die Brustkrebserkrankung der Mutter.

Diese war durch eine Entfernung der Brust, Chemotherapie und Reha sehr belastet und 1 Jahr nicht präsent gewesen.

In dieser Zeit habe sich J.K., zusammen mit einer Familienhelferin, um die Kinder gekümmert.

Dann ging die Ära der TT-Karriere zu Ende: Ein Vereinswechsel, Missverständnisse, nicht eingehaltene Zusagen des Vereins hätten eine große Enttäuschung bedeutet.

Der Vater habe sich auch mit der Förderung des Vereins zurückgezogen und der Verein sei danach in die Bedeutungslosigkeit verschwunden.

In der Folge habe Tim mit 13-14 Jahren das TT ganz eingestellt.

Der Vater habe betont, dies sei ein „Einschnitt in Tims Leben“ gewesen und es sei sein dringendes Anliegen gewesen, für Tim eine neue Beschäftigung und neue Erfolge zu finden.

Hier sei wieder das gleiche Muster wie beschrieben aufgetreten, diesmal beim Armwrestling: Tim entdeckt es - Vater ermöglicht es.

Tim habe in der Folge Armdrück-Wettkämpfe mit jedem, den er kannte, gemacht und immer wieder gewonnen.

Eines Tages sei er unbesiegbar (!!!) gewesen.

Mit 16 sei Tim dann zum Schießsport gekommen: Der Vater habe eine „alte Leidenschaft“ wiederentdeckt und habe wieder mit dem Schießen begonnen.

Er (Jörg K.) sei bald wieder so gut gewesen, dass er bei der Deutschen Meisterschaft einen guten Platz belegt habe.

Aus seiner eigenen Jugend, war ihm bekannt, dass der Schützenverein einen sozialen Ankerpunkt darstellen könne.

Tim habe entdeckt, dass er sich für Waffen interessiere, und der Vater habe ihm daraufhin die Softair-Waffen gekauft.

Er habe sich sehr darüber gefreut, dass auch Tim sich für sein Hobby interessiere.

Es sei Ute K. gewesen, die den Vater auf Tims mögliche psychische Probleme hingewiesen haben will.

Tim sei auf sie zugekommen mit dem Verdacht, er sei „manisch-depressiv“.

Man wollte das dann rasch klären und habe den schnellsten Termin in Weinsberg wahrgenommen.


R

Es fiel der Begriff „manisch-depressiv“: Welche Tatsachen konnten Sie dazu erfahren?

Was hatte es damit auf sich? Woran hatte man das festgemacht und was wurde dazu geschildert?


Z

Darüber war nichts zu erfahren. Der Begriff stand einfach so im Raum.

Natürlich hatte ich auf Begründungen gehofft. Die Eltern sagten, es sei „für uns absurd“ gewesen.


R

Woher kam dieser Begriff?


Z

Tim hatte ihn aus dem Internet.


R

Wann war das ungefähr?


Z

2008.


R

Wie viel Zeit war vergangen zwischen der Überweisung durch den Hausarzt bis zum Besuch in Weinsberg?


Z

Das ist mir nicht bekannt.


R

Hatte der Vater von Schwierigkeiten berichtet, einen Termin zu bekommen?


Z

Nach der Auswahl der Kliniken hatte ich nicht gefragt, mir ist nicht bekannt, ob auf der Liste vom Hausarzt noch andere Kliniken standen. Es wurde nur vom frühestmöglichen Termin geredet.


R

Hat denn der Hausarzt einen dringenden Handlungsbedarf gesehen?


Z

Ist mir nichts bekannt.

Es hatte mich gewundert, dass man sagte, man wollte diese Idee des „manisch-depressiv“ bei Tim „austreiben“, weil es den Eltern abwegig erschien. Es hätten andere Besorgnisse im Vordergrund gestanden, so als ob Weinsberg eine „günstige Gelegenheit“ sei, „andere Dinge zu prüfen“.


R

Also waren die größte Besorgnis die Schulprobleme?


Z

Anlaß war dann schon das „manisch-depressiv“, verblüffend, dass Tim die Eltern damit unter Druck gesetzt hat.


R

Was hat der Vater geschildert? Wurde die Entscheidung einvernehmlich mit Ute K. getroffen?


Z

Der Vater sah Weinsberg eigentlich gar nicht veranlasst, das kam dann eher von der Mutter. Es hat mich aber sehr überrascht, dass beide dann die Entscheidung gemeinsam getroffen hätten.


R

Hatte man auch von Jasmin gesprochen, z.B. im Vergleich zu Tim?


Z

Das Thema Jasmin kam überraschenderweise so gut wie gar nicht vor, dies kann aber an der Art der Exploration liegen.


R

Und was wurde jetzt über die Behandlung in Weinsberg geschildert?


Z

Da dies ein kritischer Punkt war, habe ich da, anders als in einer polizeilichen Vernehmung, die Schärfe herausgenommen.

Ich habe den Eltern vorab geschildert, was ich aus der Akte wußte. Mir war bekannt, dass sie aggressive Probleme in Abrede stellten, wollte dies aber dennoch darlegen. Dann hatte ich gefragt, ob nicht doch anfangs etwas Derartiges gesagt wurde.

Der Vater hat daraufhin auf eine sehr entschiedene Art klargestellt, dass man nichts davon gewußt hätte.

Ich habe dann auch keine weiteren Versuche bei diesem Thema unternommen.

Die Schlußvereinbarung mit dem Dr. Burb war wieder ein Thema: Das Resümee aus dessen Sicht war eine Rückzugsneigung Tims, eine Menschenscheu. Es sollte das Ziel sein, Tim unter Leute zu bringen. Es wurden Perspektiven erläutert, was der Vater tun kann, um den Sohn unter Menschen zu bringen.

Daraus hat der Vater für sich den Plan entwickelt, Tim den Schießsport anzubieten und ihn evtl. in seiner Firma mitarbeiten zu lassen.


R

Das heißt, dem Tim wurde der Schießsport erst nach Ende der Behandlung in Weinsberg angeboten?


Z

Das habe ich nicht mehr genau vor mir. Ich meine aber, der 1. Kontakt mit dem Schießsport war vorher.

Die Botschaft des Herrn Dr. Burb fasste er wohl so auf, dass er Tim in den Schützenverein einführen sollte.


R

Gerade im Schützenverein unter Menschen bringen? Sollte das eine Verbesserung fördern?


Z

Das Thema hatte ich problematisiert, wieso „ausgerechnet im Schützenverein?“

Die Bedeutung hatte sich der Vater nicht nur für den Sohn ausgedacht. Alle Mitglieder der Familie seien im Verein gewesen.

Dies sei nicht speziell auf Tim gemünzt gewesen.

Der Vater sei z.B. nicht begeistert gewesen, dass die Tochter nur kurz im Schützenverein war.


R

Was hatte der Vater erzählt über die Diagnose von Weinsberg? Was hatte vorgelegen? Was hatte sich dann evtl. verbessert?


Z

Da gab es keine konkrete Auskunft, keine Begriffe.


R

Wurde von Weinsberg ein weiterer Therapiebedarf gesehen?


Z

Der Vater sagte, es wurden weitere Gespräche in Weinsberg empfohlen.

Inzwischen hatte aber Tim einen erfolgreichen Schulabschluss gemacht und es sei ihm allgemein besser gegangen.

Er hatte eine neue Perspektive in einer neuen Schule. Man wollte erstmal abwarten und Tim nicht drängen.

Man sei froh und erleichtert gewesen mit dem Bewußtsein, dass es Tim nun besser ginge, als zuvor.


R

Hatte der Vater die Mitarbeiter in Weinsberg auf Tims Affinität zu Waffen hingewiesen?


Z

Waffen waren offenbar kein Thema in Weinsberg.


R

Wie haben die Eltern den Tim dann weiter erlebt?


Z

Laut Vater war er weiter zurückgezogen, es hat sich nichts verändert. Außer dem Pokerspielen - auch hier wieder das alte Muster. Tim hätte das Täuschen und Tarnen gut gekonnt.


R

Und wie war das dann auf dem Berufskolleg?


Z

Darüber wurde nichts berichtet, überhaupt bei Fragen über 2008/09.

Da hat man „nicht viel mitbekommen“, nichts über Tim gewußt, er habe „sein eigenes Leben gehabt.“


R

Irgendwelche Auffälligkeiten? Ein Krankheitsbild?


Z

Nein.


R

Gab es im Gespräch irgendwelche Vorwürfe oder Selbstkritik?


Z

Nein. Der Vater hat dieses Gespräch auf seine ganz bestimmte Art und Weise geführt…


R

Irgendwelche Besorgnis vor dem 11.03.?


Z

Nein.


R

Hat der Vater vom Schießen im Verein berichtet?


Z

Ja. So wie in der Polizeivernehmung habe er ihm das Angebot gemacht einmal pro Woche mit zum Schießen zu kommen, er könne sich jederzeit entscheiden mitzukommen.

Er hätte selten davon Gebrauch gemacht. Er sei 3 mal dabei gewesen.


R

Und die Bedeutung der Beretta?


Z

Die Bedeutung lag darin, dass Tim die Waffe wohl gut lag, er gut damit umgehen konnte und geschickt damit gewesen sei.

Daher habe er sie bei den weiteren Besuchen genutzt.

Es hätte sich „einfach“ so ergeben, dass Tim die Waffe so gut fand.


R

Und das mit der Munition im Januar 09?


Z

Diese Geschichte hatte mir der Vater so erzählt, ich hatte sie aber nicht hinterfragt.


R

Hatte der Vater von einer Enttäuschung berichtet, dass Tim ihn für seine Zwecke „mißbraucht“ hätte?


Z

Nein. Der ganze Komplex „was hat das Kind da bloß gemacht?“ war vollkommen abwesend und ist auch nicht hervorholbar.


R

Und das unmittelbare Geschehen? Wie man von der Tat erfahren hat?


Z

Darüber wurde nicht gesprochen.


R

Wieso nicht?


Z

Ich weiß es nicht. Ich habe keine Erinnerung daran.


R

Und die aktuelle Situation?


Z

Infos darüber wurden vom Vater nicht bekannt.


R

Wie war denn da die Art der Darstellung durch den Vater, die Gesprächsführung?


Z

Also das beschäftigt mich sehr. Ich vergleiche ja auch jedes Explorationsgespräch.

Für mich stellt sich eine enorme Diskrepanz im Verhalten des Vaters gegenüber den anderen beiden dar.

Weniger authentisch.

Ich meine, meine mangelnde Fähigkeit, die Psyche des Vaters zu erfassen, ging weit über das hinaus, was ich….(leider unverständlich)

Es handelt sich um eine Persönlichkeit, die ganz stark joviale treuherzige Wohllaunigkeit ausstrahlt.

Jegliche Vorbehalte werden so im Keime erstickt. Es ist wie bei einem Geschäftsmann, bei dem sich ein Kunde beschwerden will und der dies dann mit einer Kumpelhaftigkeit abfängt. Das Ganze in sich ist zwar stimmig, nicht unangenehm, jedoch merkwürdig und irritierend.

Es ist mir an keinem Punkt gelungen, hinter die Oberfläche dieses Mannes zu schauen.


R

Was wurde über die Beschaffung der Videospiele gesagt?


Z

Diese Themen habe ich gleich links liegen gelassen, da es justiziable Themen sind. Da habe ich gar nicht erst nachgefragt.


R

Was wurde über einen Schulpsychologen erzählt?


Z

Es wurde einer aufgesucht, das Ergebnis sei dabei gewesen, dass Tim nicht zu schwach für die Realschule gewesen sei, sondern sogar fürs Gymnasium geeignet.

Davon war der Vater sehr überzeugt.


R

Und der Führerschein ab 17?


Z

Man war froh, dass Tim es nach vielen Anläufen endlich geschafft hatte. Das war 4 Wochen vor dem Amoklauf.

Die Schilderungen des Vaters sind signifikant: Tim braucht Erfolge, er musste „der Beste sein“.

Dies nahm sogar groteske Züge an, so verbrachte Tim ab dem 9. Lebensjahr seine gesamte Freizeit mit Trainig und Sport beim Tischtennis.


R

Wurde etwas zur Sexualität berichtet?


Z

Diese Frage hatte ich gestellt. Der Vater sagte, Tim sei noch zurück gewesen, kindlich und nicht so sehr entwickelt.

Tim habe sich jedoch eine Freundin gewünscht, der Vater habe ihn ermutigt, an Sylvester ein Mädchen einzuladen.

Tim habe dann bei diesem Mädchen zuhause angerufen, wo gerade eine Party stattfand. Dort seien aber andere Mädchen gewesen, die das Mädchen verleugnet hätten und sich über Tim lustig gemacht hätten.

Tim hatte noch keine Freundin. Dies sei ein schwieriges Thema gewesen.


R

Irgendwelche Rauschmittel?


Z

Nichts berichtet.


Beisitzende Richerin:

Es wurde berichtet, Tim habe sich nicht gerade zeitgemäß gekleidet - was war mit seinen Koteletten?


Z

Das weiß ich nur von anderen Zeugen. Dazu weiß ich nichts von den Eltern. Dort herrscht für diese Themen keine Sensibilität.


R

Was wurde vom Vater berichtet über Tims Verhältnis mit der ARS nach seinem Abschluß?


Z

Kann ich mich nicht konkret erinnern.


RA Rabe:

Sie sagten Waffen seien in Weinsberg kein Thema gewesen. Aber nach der Therapie sollte Tim in den Schützenverein.

Wurde das denn in Weinberg erörtert?


Z

Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies nur seine Idee war.

Das wurde sicher nicht mit einem Therapeuten besprochen.


RAin Stuff:

Würden Sie sagen, die Interpretation der Aussage des Schulpsychologen, Tim könne sogar aufs Gymnasium gehen, war ein Selbstbetrug des Herrn K. ?


Z

Ja.


RAin Stuff:

Es hieß ja, der Tim hätte die Beretta schneller laden können, als der Vater selbst.

Dieser hat ja sogar an der Deutschen Meisterschaft teilgenommen.

Ist das nicht ein Widerspruch, wenn Tim nur selten mit zum Schießen ging?


Z

Ja, den konnte ich nicht auflösen.

Der Vater hat immer betont, wie wichtig ihm der Schützenverein ist und wie gut er ist.

Die Kinder sollten in seine Fußstapfen treten.

Dass konkret mit Tim dann so behutsam umgegangen worden sein soll, also eine andere Tendenz zu erkennen ist, ist für mich ein Widerspruch.


RAin Stuff:

Herr K. soll die Talente seines Sohnes gefördert haben - wie ist dann das sporadische und freiwillige Schießen schlüssig zu erklären?


Z

Ich muß mich wiederholen: Es ist mir nicht plausibel geworden.

Ich hatte nachgefragt, ob diese besondere Bedeutung des Schützenvereins genau zu diesem Zeitpunkt aufgekommen sei, wo Tim andere Möglichkeiten gefehlt hätten.

Dies hat Herr K. dann stark relativiert. Es sei kein besonderes und neues Interesse gewesen.


RA Bagin:

Gab es irgendwelche Äußerungen, wie mit Tim umgegangen wurde, wenn er mal verloren hat, ob er dann gescholten wurde?


Z

Dazu gab es keine Veranlassung, da Tim „eh der Beste war“


RAin Spandau:

In den letzten Monaten habe man nicht viel von Tim mitbekommen. Hat Sie das nicht gewundert?


Z

Natürlich. Das ist eine kritische Phase. Es gibt im Nachhhinein sicher Vermutungen, dass Tim die Tat geplant hat.

Es ist jedoch für die Eltern keine Qual, dass Ihnen nichts aufgefallen ist.


RA Gorka:

Nach allem, was Sie erfahren haben, sind Sie der Auffassung, dass Tims Vater und Mutter ihren Sohn geliebt haben?


Z

Ich habe das nicht explizit gefragt. Aber es war eine große Verbundenheit und ein Bemühen durchweg wahrzunehmen.

Man hat viel Einsatz, Zeit, Geld und Kraft in den Sohn investiert.


RA Gorka:

Die Eltern haben also alles für das Wohl ihres Sohnes getan, was sie konnten?


Z

Ja.


RA Gorka:

Nach Weinsberg sahen die Eltern also auch keine Gefahr für Tim und andere. Ist das für Sie authentisch rübergekommen?


Z

Die Eltern sind nicht raus in dem Gefühl, sie müssten dringend was tun, aber das sind sehr komplizierte Dinge….Inwieweit man auch bestimmte Verhaltensweisen aufweist, evtl. beratungsresistent ist und bestimmte Dinge vielleicht gar nicht hören will.

Dies muss keine Absicht sein.


RA Gorka:

Da Sie ja nun als Sachverständiger über große Erfahrung verfügen:

Gibt es allgemeine Tatsachen, die die Zuneigung zum Sohn glaubhaft erscheinen lassen?


Z

Dazu muss man schon Fachmann sein. Wenn man dem Vater so zuhört, erschließt sich einem dies nicht so ohne Weiteres.


RA Gorka:

Herr Prof. Du Bois. Ihre Antworten sind recht kompliziert. Vielleicht sind aber auch meine Fragen zu kompliziert…

Gibt es Hinweise darauf, dass der Vater gelogen hat?


Z

Das kann ich nicht beurteilen. War auch nicht Aufgabe der Exploration.

Manche Fragen habe ich ja auch bewußt vermieden, also gibt es darauf auch keine Antworten.


RA Gorka:

Nun waren ja Vater und Mutter bei dem Gespräch anwesend. Ist es nicht schwierig zu beurteilen, wer welche konkreten Worte eigentlich gesagt hat?


Z

Ute K. hat fast nichts gesagt. Der Vater hatte die Führung des Gesprächs.


NK Nalepa :

Wurde denn in den 190 Minuten auch über die getöteten Kinder geredet - über die Opfer????


Z

Nein. Das war aber durch meine Gesprächsleitung bedingt. Dadurch gab es keine Gelegenheit und kein Thema.


RA ?:

Auf dem Sohn lag ein enormer Druck durch die Erwartungshaltung des Vaters, dass er „der Beste sein“ müsse?


Z

Das habe ich so verstanden. „Tim konnte nicht besiegt werden“ wurde mal genannt. Daraus habe ich meine Schlußfolgerungen gezogen.


Oberpsychologierat Wiczorek:

Im TT- Verein wurde Tim ja zurückgesetzt. Das wurde als Kränkung empfunden?


Z

Dem Vater war das sehr, sehr nahe gegangen. Er hat darüber sehr ausführlich gesprochen.

Dies scheint ein wunder Punkt zu sein.


Hier endet die Einvernehmung des Z.

Herr Oberpsychologierat Wiczorek vom LKA tauchte unvermittelt im Prozessverlauf auf und dem Zuschauer erschloss sich zunächst seine Funktion nicht.
Nun wurde bekannt, dass er als weiterer Sachverständiger ein Gutachten abgeben wird.

Nun überreicht Prof. Haller noch sein schriftliches Gutachten ans Gericht und der R. kündigt an, bis zum kommenden Di., den 23.11.10 einen Beschluß bezüglich des Befangenheitsantrages Prof. Du Bois bekannt zu geben.


Der R. nennt noch die verbleibenden Zeugen , die im Prozessverlauf zu erwarten sind:


Am 07.12. um 9:00 Uhr: Herr Marco Kretschmar.


Ansonsten noch:

Dennis Röhrig

Astrid Loy (zum zweiten mal)

Frau Domaschke

Herr Uzt

Frau Grätz

Igor Wolf

Frau Zurhorst

Marc Wagner

Mateo Scovic


Hier endet der 15. Prozesstag und mein Bericht.


Rechtlicher Hinweis:

Anonymisierungsangebot

Jede der in diesem Artikel mit vollem Namen genannte Person, die eine Anonymisierung wünscht, möge sich bitte auf dem kurzen Dienstweg mit den Seitenbetreibern in Verbindung setzen.

Es handelt sich hierbei um Mitschriften eines öffentlichen Prozesses und einem entsprechenden öffentlichen Interesse an der Sache an sich.
Mit dem Anonymisierungsangebot erkennen wir jedoch an, dass wir evtl. Persönlichkeitsrechte als vorrangig behandeln und uns auch keinesfalls die im Prozess benannten Abläufe und Zitate zu eigen machen, sondern gerade eben die mögliche Unzulänglichkeit der dort getroffenen Aussagen ausstellen wollen.

Zuletzt geändert: 15/03/2017 00:37